Spontanes Tauziehen mit Einheimischen

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Reiseberichte Asien Tibet Martin | 28. Februar 2005

Spontanes Tauziehen mit EinheimischenDie Räder berühren die Landebahn. Sonne, Wolken, Berge – eigentlich scheint alles bekannt. 400 Schritte später, mit der Krackse auf den Rücken beginnt, das Hyperventilieren. Wir sind also in Tibet angekommen. Unsere sechsköpfige Truppe wurde in weiße Empfangsschals gehüllt und nach Lhasa gefahren. Dort begann unsere Tibettour. Mit zwei Landcruisern fuhren wir über Gonggar zum ersten Palast Yunghulakang und zum ersten Tempel Tibets. Dann überquerten wir den Kamala Pass Richtung Shigatze, vorbei am Holy Lake und einem 7000er Gletscher. Weiter gings über den Tsolha Pass durch Lhatse direkt Richtung Mt. Everest Basecamp. Auf dem Rückweg nach Lhasa besuchten wir den Nationalpark Namco-Lake.

Warum Tibet

Die Menschen in Tibet leben fast alle völlig autark. Sie sind Überlebenskünstler. So trafen wir eine Sippe, die an einem Gletscher ca. 5000 Meter über dem Meer existierte. In Zelten lebend. Es gibt kaum Pflanzen, dennoch Yaks und Fisch aus dem Heiligen See. Sie aßen Yakkäse und Fisch. Für mich hat es jene Unglaublichkeit eines Märchens, es war aber keins. Ich wusste Anfangs nicht genau, ob mir die Weite der Landschaft, die Lebensweise der Menschen oder die Dichte der Luft den Atem raubte. Das Zusammenwirken dieser Faktoren ist beeindruckend und nicht durch Lesen oder eine gute Beschreibung zu vermitteln, sondern lediglich durch die direkt Erfahrung.

Einheimische in LhasaPotala PalaceFest in Tibet

Was Sie schon immer über Tibet wissen wollten…

Wie habt ihr euch verständigt?

Direkt mit der Bevölkerung fast nicht verbal. Wir beherrschten einige chinesische Floskeln, gestikulierten und zeichneten. Die Verkäufer auf dem Markt in Lhasa hatten Tourierfahrung und kannten gängige Verkaufsfloskeln. Ansonsten sprachen wir mit unserem Guide gebrochenes Englisch, mit der Amerikanerin deutsch, mit den freundlichen Chinesen Englisch und diese für uns mit den Tibetern tibetisch, untereinander deutsch und manchmal auch Englisch.

Was habt ihr gegessen?

Ich glaube alles, was die Natur dort hergab außer Ratten, hoffe ich. Vorsicht ist natürlich bei offenem Wasser geboten. Es sollte abgekocht sein.
„Crashed Yak meat“ klingt so als würde es gut satt machen, ist aber roh. Auch hier gilt: Vorsicht. Wir haben es daher anbraten lassen.
Das Essen ist nicht so abwechslungsreich wie in China, was natürlich an der Höhe Tibets und der daraus resultierenden geringeren Anbaumöglichkeit liegt. Reis war auch hier Standard. Und nicht zu vergessen Buttertee. Das Fett im Tee soll benötigte Energie zuführen. Der salzige Tee ist äußerst gewöhnungsbedürftig, der Süße ziemlich lecker. (Rezept für europäischen Buttertee: grünen oder schwarzen Tee, 20g Butter pro Tasse und mit Honig, Salz oder gar nicht würzen.)

Qomolangma PeakSchulklasse unter freiem HimmelEinheimische in Lhasa

Wart ihr auf dem Mount Everest und wie ist die Aussicht?

Als Touri darf man das Mt. Everest Basecamp, auch Base Camp Rongbuk genannt, nicht verlassen. Ansonsten droht entweder der Tod oder eine Geldstrafe von $500. Die Qomolangma Peak ist ca. 8842 Meter hoch. Das Base Camp befindet sich auf einer Höhe von 5200 m. Dort oben ist die Luft schon ganz schön dünn, sodass jedes Herumklettern zur echten Herausforderung wird. Anfangs sahen wir den Berg überhaupt nicht, da wolkenverhangen. In den Abendstunden klärte der Himmel auf. Wahnsinn. Wir hatten eine Weltspitzensicht auf das in Abendröte getränkte Dach der Welt.

Hattet ihr Probleme mit der Höhe?

Was heißt Probleme? An den ersten Tagen hat der Schädel bei einigen von uns ein bisschen gewummert. Längeres Treppensteigen war ziemlich atemraubend und daher anstrengend und langsam, da die Muskeln nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden konnten. Das wusste auch unser Guide und nahm daher Rücksicht. Lars und ich waren beide etwas krank, was aber eher an der Nahrungsaufnahme als an der Höhe lag.

Was hat euch am meisten fasziniert?

Schwer zu sagen. Die schier unendliche Berglandschaft, die Tempel, vor allem der Potala Palace und die Sitten der Menschen. Die Klöster und in ihnen die betenden oder arbeitenden oder das Argumentieren lernenden Mönche. Auch faszinierend war die Unterkunft in Lhatse und das spontane Tauziehen mit einem Einheimischendorf.

Weiterschmökern:


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Short Cuts Tibet

Beste Reisezeit: ist im Sommer, da die Temperaturen im Durchschnitt 20C betragen. Dies variiert natürlich mit dem Aufenthaltsort. Da wir Anfang August reisten, genügte tagsüber oft ein T-shirt oder dünner Pullover. Nachts war es kalt und häufig regnerisch. Mit extrem schnell schwankenden Witterungsverhältnissen muss gerechnet werden.
Anreise: Unsere Informationen ergaben, dass die Einreise per Flugzeug nur möglich ist, falls ein Guide für Tibet gemietet wird. In Pekinger Uni machten wir einen Aushang und fanden noch vier Personen, die ebenfalls an einer Tibettour interessiert waren.
Einreise: Das Visum haben wir in Beijng angefordert.
Sprache: Die Tibeter sprechen tibetisch und lernen in der Schule chinesisch. Englisch sprachen in Tibet eigentlich nur die Guides, mehr oder weniger.
Geld: Die Währung war Yuan. Ich konnte ungünstiger Weise mit meiner EC Karte (der Hypovereinsbank) nicht in Tibet abheben. Also musste Lars mit Kreditkarte zahlen, das funktionierte problemlos.

wwwo beginnen

Tibet Information Network
Die Seite enthält alles Wissenswerte über Tibet. Reiseinfos, politische Hintergründe, Übernachtungen und Informationen zu Individual-, oder Gruppenreisen.

Save Tibet
Die Seite vermittelt Hintergrundwissen über Tibet. Die Internationale Kampane zum Schutze Tibets verweist auf Geschichte und politisches Geschehen.

Wörterbuch
Links zur tibetischen Sprache und Texten, einschließlich Wörterbuch, für die wichtigsten Floskeln im Urlaub.

Tibet

Nicht vergessen

wichtig in Tibet wären gute Schuhe gewesen
außerdem einstecken muss man eine gut funktionierende Jacke, die schön warm hält, da es teilweise ganz schön kalt wird
sicherheitshalber sollte man Immodium akut einstecken (Cola trinken hilft übrigens auch)

Literatur

Lonely Planet China
Wir haben ganz klassisch den Lonely Planet für China verwendet und waren damit auch gut beraten. Er enthält nützliche Karten und Tipps, die nur vereinzelt überfällig waren. Zudem beschreibt er ziemlich ausführlich Kultur, Land und Leute.

Tibet Tour Map
Für Tibet haben wir die Karte China Tibet Tour Map von Mapping Bureau of Tibet Autonomous Region 1995 genutzt. Sie besaß den Maßstab 1:3.000.000 und ist ein wahrer Alleskönner. Sie beschreibt kurz einige Sehenswürdigkeiten, verweist auf für Touristen geöffnete Bergspitzen, traditionelle Feste und deren Sinn, Niederschlag und Temperatur, besitzt einen Stadtplan Lhasas, gibt Auskunft über die Zeitverschiebung und über Touri-infos in ganz Tibet.