Einmal zu Fuß über den Baikal – im Winter

Einmal zu Fuß über den Baikal - im Winter

Ende Februar bestiegen wir das Flugzeug, um gen Osten zu fliegen. 13 Tage Winter in Sibirien warteten auf uns. Ohne große Vorbereitung und weitreichendere Planung wollten wir versuchen, schnell aus Irkutsk weg und auf die Insel Olchon zu kommen. Dort hieß es dann, sich mit den Eisbedingungen am Baikal auseinanderzusetzen und wiederum eine Fahrgelegenheit zum Nordkap oder zur meteorologischen Station im Norden der Insel zu finden. Der Plan war, von dort aus ans Ostufer des Sees zu laufen. Je nach den vorherrschenden Bedingungen sollte es nach Swjatoi Nos und weiter nach Ust-Bargusin oder nach Turka gehen: Das wären dann 3-4 Tage auf dem Eis gewesen (zwischen 70 und 90 km). Und je nachdem, wie viel Tage wir für unsere Tour über den Baikal benötigen würden, hätten wir noch Zeit für einen Ausflug nach Ulan-Ude und für Touren um Irkutsk.

Warum an den Baikal im Winter?

Sibirien und der Baikal waren schon immer ein Traum von mir. Im Hinterkopf hatte ich dabei auch immer wieder die Bilder von Oliver Schmidt, einem etwas verrückten Radfahrer aus Sachsen-Anhalt, der u.a. auch im Winter den Baikal querte. Zudem schreckte mich beim Nachdenken über eine Sommertour durch Sibirien der Gedanke an die vielen kleinen Stech- und Beißbiester ab. Aber, die Suche nach einem Mitreisenden, der im Winter mit nach Sibirien kommen würde, ohne die “klassische Transsib-Zugreise” zu machen, ging immer mit der Standardantwort einher: Das ist doch kalt – oder?

Gesucht-Gefunden. :) Via Moskau ging es für uns mit Air Berlin (Partner von Siberian Airlines) nach Irkutsk. Ohne zu wissen, wo es uns wann hinführen würde. Viele Reiseführer zum Vorausplanen gibt es sowieso nicht. Zudem ist das Kartenmaterial dünn gesät, wenn man den touristischen Süden des Baikalsees verlässt. Wir haben im Vorfeld ein paar Reiseberichte gelesen und die Karten zur Groborientierung ‘studiert’, soweit es möglich war. Leider stimmten alle drei unserer Karten nicht überein, wenn man sie nebeneinander legte und sich beispielsweise die Küstenlinien sowie die Straßenführung anschaute.

Angekommen in Irkutsk folgten wir der Hostelinformation aus dem Touristenbüro und landeten im Baikaler. Dort half man uns nicht nur bei der Organisation der Reise nach Olchon. Sie vermittelten uns auch gleich in Nikitas Homstay in Chushmir. Von diesem Hostel ging (zufälligerweise) am nächsten Morgen eine Ausflugsfahrt mit Fotostops an den Norden der Insel. Schneller als gedacht kamen wir auf diesem Weg unkompliziert zum Nordkap der Insel. Und es gab die Information, dass die meteorologische Station im Norden mit dem Auto übers Eis nur schwer zu erreichen wäre, da das Eis auf dem See vor allem in Ufernähe großflächig aufgebrochen war.

2 1/2 Tagen später, nachdem es für uns immer geradeaus-laufen und Pulka ziehen hieß,  standen wir am Ostufer des Baikals – circa 12 km nördlich von Gorjatschinks – und schliefen nach 2 Zeltnächten in einer kleinen Fischerhütte mit  genügend Holz sowie einem kleinen Ofen. Am kommenden Morgen ging es durch hüfttiefen Schnee in Richtung Straße. Alexej, ein netter Fischer, nahm uns gleich bis Ulan-Ude mit. Das Travellers House in Ulan-Ude unweit des Bahnhofs erwies sich als beliebter Treffpunkt für Transib-Reisende, bevor es für diese nach Ulan-Bator weitergeht. Wir waren da so etwas wie die Exoten.

Wir hängten noch 3 Tage in Ulan-Ude dran, besichtigten dabei u.a. die einzige russische buddhistische Universität, fuhren mit der Transsib (circa 6 Stunden) zurück an den Baikal und blieben noch eine Nacht in Listwjanka, bevor es mit dem Flieger via Moskau zurück nach Berlin ging.

Übers Eis, vorbei an einem altem Eisloch von Fischernunterwegs fast wie auf einem Geröllfeld, nur aus Eis- statt Steinblöcken bestehendFaszinierende Eisstrukturen

Was Sie schon immer über den Baikal und Reisen in Sibirien wissen wollten…

  • Wart Ihr allein auf dem Eis

Den meiste Zeit schon – abgesehen von ein paar Fahrzeugen in der Ferne, die mit Anglern oder Fototouristen unterwegs waren. Wir sind niemandem begegnet. Erst in Ulan-Ude im Hostel trafen wir ein französisches Paar, das mit einer russischen Agentur im Süden den Baikal überquerte – mit einer Übernachtung auf dem Eis. Dabei waren sie in dem Bereich unterwegs, in dem Anfang März immer der Baikal-Marathon ausgetragen wird. Die Einheimischen selbst fanden es noch viel zu kalt: Mitte März wären die Temperaturen doch deutlich angenehmer, um längere Zeit auf dem Eis zu bleiben.

  • Wie waren die Nächte auf dem Eis

Von ruhig und kalt bis hin zu stürmig war alles dabei. Doch am Beeindruckendsten für mich waren die Momente, in denen es einfach nur still war – eine grandiose, manchmal nicht fassbare Stille, die nur vom eigenen Atemgeräusch gestört wurde. Und dann plötzlich war da das Knacken, von dem immer mal die Rede ist, wenn es um den Baikal geht. Das Eis arbeitet und v.a. nachts wird es einem durch diese Geräusche immer bewusst. Man gewöhnt sich daran und nur einmal bin ich am Morgen hochgeschreckt und saß aufrecht im Zelt: Ich war mir sicher, dass sich hinter uns eine Spalte gebildet hätte…

  • Wir habt Ihr Euch auf dem Eis orientiert

Wir haben uns mit Karte und Kompass orientiert und hatten das Glück, gutes Wetter sowie viel Sicht zu haben. Am Ostufer gab es eine auffällige Bergflanke, die wir als Orientierung immer wieder gesucht und gefunden haben.

  • Wie kommt man am Baikal mit den öffentlichen Verkehrmitteln voran

Eigentlich war das ganz einfach: Das Bus- und auch das Bahnsystem waren für das, was wir wollten, vollkommen ausreichend. Straßenbahn, Trolleybus, Bus und Minibus gab es in Irkutsk und Ulan-Ude.  Das Finden der richtigen Haltestelle kann zum Abenteuer werden, da die entsprechenden Stellen nicht immer ausgeschildert sind. Fragen hilft weiter! Benötigt man einen Minibus (Marschrutka) nach außerhalb der Städte, gibt es vorgegebene Routen. Die Fahrer warten oft so lange, bis ihr Bus voll ist und sich die Fahrt lohnt. Taxi sind wir nicht gefahren. Beim Taxifahren sollte man etwas handeln können oder sich vorher über die Tarife erkundigen.

  • Bahnfahren in Russland

Im Gegensatz zu der Info, die im Hostel auslag, war es sehr einfach, an ein Bahnticket zu kommen. Wir mussten dabei unsere Pässe vorlegen, da die Tickets auf Namen und Passnummer ausgestellt werden.

Am Informationsschalter dauerte es dann lediglich einen kleinen Moment, bis wir den alles entscheidenden Hinweis verstanden hatten: Der Zugfahrplan funktioniert und arbeitet nach Moskauer Zeit, d.h. alle Fahrpläne sind darauf ausgerichtet und man bekommt beim Ticketkauf die Moskauer Zeit genannt – sowie den Hinweis, wie viele Stunden man dazurechnen muss. Beachtet man dies nicht, wartet man schon mal 5 Stunden auf dem Irkutsker Bahnhof, bevor es losgeht.

  • Was kann man am Baikal im Winter noch machen?

Neben Wandern am und über den See kann man auch mit Schnellbooten, Scootern und Autos über’s Eis fahren. In Listwjanka kann man sich im Hostel Mountainbikes fürs Radeln auf dem Eis ausleihen, Fischen und Eistauchen gehen oder sich im Pferdeschlitten und Huskyschlitten vorwärtsbewegen. Ja, Skifahren (nordisch oder alpin) geht natürlich auch, es gibt in Listwjanka eine kleine Liftanlage. Zwischen Listwjanka und Irkutsk liegt zudem das Ethnografische Freilichtmuseum für Holzbaukunst Talzy. An unserem einzigen wirklichen Schlechtwettertag waren wir dort und freuten uns über die geöffneten kleinen Ausstellungen in einzelnen Holzhäusern, die alle beheizt waren. Im Sommer kann man sicherlich ausführlicher das Leben im früheren Russland im Dorf nachvollziehen und miterleben.

Ulan-Ude und Irkutsk wachsen zur Zeit sehr schnell, was sich auch in kulturellen Angeboten widerspiegelt. Und wer die Exstars seiner Kindhheit bisher live verpasst hat, kann dies teilweise in Konzerten in Sibirien nachholen :)

Neben Schamanismusstätten gibt es am südlichen Baikal mehrere buddhistische Klosteranlagen bis hin zur einzigen buddhistischen Universität Russlands (Iwolginskij Dazan, südlich von Ulan-Ude), die man alle besuchen kann. Das gemeinsame Gebet, das wir im Dazan von Ulan-Ude erleben durften, zeugte von einem in meinem Augen nicht zu zeremoniellen, eher auf den Alltag ausgerichteten religiösen Leben. Sehr sympathisch.

Abendstimmung - im Hintergrund die Insel OlchonKilometerlange Eisspalte - in deren Nähe sollte man wohl besser nicht zeltenAngekommen: Suche nach einem Weiterweg am OstuferKleine Fischerhütte, nur vom See aus zu erreichenDas Wahrzeichen von Ulan-Ude: der größte Leninkopf Russlands, im Winter umrahmt von EisskulpturenNachts sind die Eisskulpturen an- bzw. ausgeleuchtetam Hafen von ListwjankaDer Schamanenfels bei Chuschir (Hauptort auf Olchon) am Kleinen MeerIm Museumsdorf
  • Wie sicher ist es, in Russland unterwegs zu sein

Man hört ja immer mal von Problemen in Russland, die nicht nur auf die Sprachbarrieren der nicht russisch Sprechenden zurückzuführen sind. Wir sind komplett unbehelligt unterwegs gewesen, sieht man von zwei oder drei Angetrunkenen ab, die uns in Ulan-Ude von ihrem Leben erzählen und Geld schnorren wollten. Auch hatten wir nicht das Gefühl, von den Fahrern der Marschrutkas/ größeren Taxis preismäßig über den Tisch gezogen zu werden, wie es einem deutschen Paar auf dem Weg vom Bahnhof zum 15 Minuten entfernten Hostel ging. Das liegt aber sicherlich auch daran, dass wir uns immer auf Russisch zu verständigen versuchten. Auch von Diebstahl oder Ähnlichem blieben wir verschont, obwohl wir einfach ein paar Sachen in einem Rucksack in verschiedenen Hostels stehen gelassen hatten, ohne die Ausrüstung mit einem Extra-Schloß zu sichern. So bleiben für mich auch nur die Grundregel bestehen, die für alle Reisen gilt: Es gibt in Russland – wie auch sonst auf der ganzen Welt – Orte, an denen man sich abends nicht (allein) aufhalten sollte. Mehr nicht.

  • Bären und andere Vierbeiner

Die Halbinsel Swjatoi Nos gilt als Heimat der Mischka-Bären, wie die sibirischen Braunbären in meiner Kindheit immer genannt worden sind. Es heißt, dass an die 80 Braunbären frei auf dieser Insel leben, die im Sommer von vielen Touristen besucht wird. Im Winter ruhen sie wohl in ihren Höhlen :) Wir sind nicht zur Halbinsel gelaufen… Und auch sonst haben wir außer ein paar Fußspuren, wahrscheinlich von Rehen, keine Vierbeiner gesehen – eine Bärentatze war nicht dabei.

  • Vorankommen ohne Russisch-Kenntnisse

Meine Russisch-Lehrerin hätte zwar bestimmt den Kopf geschüttelt ob dem Reanimationsversuch meiner Sprachkenntnisse, aber es funktionierte, um die notwendigen Informationen zu bekommen. Je kleiner die Ortschaften, umso schwieriger, sich ohne Russisch-Kenntnisse zu verständigen. Selbst in Irkutsk gestaltete es sich teilweise kompliziert, mit Englisch weiterzukommen. Deshalb ist es sehr gut, zumindest das kyrillische Alphabet lesen zu können. Dann kann einem auch der Google-Translator weiterhelfen.

Im Hostel war Englisch die vorherrschende Sprache (was die französisch Sprechenden nicht so cool fanden) und die Mitarbeiter in den Hostels halfen unkompliziert weiter, wenn es etwas zu übersetzen gab.

  • Kann man die Reise auch von Deutschland aus organisieren

In der schönen neuen Online-Welt kann man einiges auch schon relativ konkret von zu Hause aus organisieren. Mit den Hostel-Mitarbeitern läßt es sich gut auf Englisch kommunizieren und Eckdaten im Vorfeld abklären. Natürlich kann man sich auch die (Tages-)Ausflüge schon im Vorhinein organisieren lassen, wobei dieser Service nicht kostenfrei ist. Das wird v.a. von den Transsib-Reisenden genutzt, da sie meist nur 3 oder 4 Tage Zeit für ihren Aufenthalt an den einzelnen Orten haben. Wenn man also zeitlich etwas unabhängiger ist und sich auf Russisch verständigen kann, sollte man auch alles wie wir vor Ort selbst organisieren können.

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4 Kommentare

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    Heike Nicklisch | 16. Januar 2015, 10:30

    Hallo Simone,
    mein Name ist Heike Nicklisch, ich befinde mich im Sabbatjahr und bin mit dem Fahrrad unterwegs. Im Moment allerdings genieße ich die Sonne am Indischen Ozean in Sri Lanka. Meine Weiterreise ab dem 15. Februar ist jedoch noch unklar. Ich tendiere zwischen Rad fahren in Asien oder Neuseeland und sibirischen Winter am Baikalsee. Mein großer Traum ist aber schon immer „Kamtschatka“ wenn möglich mit Oliver Schmidt als Reiseleiter. Mal sehn ob ich ihn dieses Jahr verwirklichen kann ;-)

    Bei meinen Recherchen über Touren im Winter über den Baikalsee im Internet bin ich auf deinen Reisebericht gestoßen „Einmal zu Fuß über den Baikal im Winter“ und habe dazu noch ein paar Fragen:

    Ich habe schon einige Wintertouren gemacht, allerdings IMMER mit Skiern. So meine Frage: Hattet ihr Grödel oder gar Steigeisen an den Schuhen?

    Aus welchem Material habt ihr euch die „Pulka“ gebaut? Reicht da eine dicke Plastikplane?

    Wie habt ihr euer Zelt befestigt? Habt ihr Eisschrauben mitgehabt?

    Welches Brennmaterial habt ihr für den Kocher verwendet und vor allem wo (in Irkutsk bzw. Chuchir) gekauft?

    Habt ihr von der gefundenen Fischerhütte am Ostufer vielleicht noch GPS Daten?

    Und zu letzt die Frage: Würdest du dir die Tour auch alleine zutrauen?

    Leider lebe ich schon seit vielen Jahren alleine und mache auch alle Touren alleine.
    Ich hatte noch nie das Glück, einen passenden Reisepartner zu finden.
    Wie hast du das angestellt jemanden passenden zu finden?

    Gestern habe ich mal über die Webcam von Listwjanka nachgesehen, wie es gerade mit dem Winter dort aussieht und festgestellt, dass auch am Baikal die Klimaerwärmung nicht halt gemacht hat. Es gibt kaum Schnee und ich konnte nicht erkennen, ob der Baikal zugefroren ist. Bin jetzt total unsicher, ob ich im März die Überquerung überhaupt durchführen kann :-(

    Vielen herzlichen Dank im Voraus für die Unterstützung.

    Mit besten Grüßen aus dem tropischen Paradies sendet

    Heike Nicklisch

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    simone | 30. Januar 2015, 18:52

    Hallo Heike,
    viele Fragen :) Vielleicht hast Du Dich ja schon gegen die Kälte am Baikal entschieden und bleibts im feuchtwarmen Südostasien.
    Wir hatten weder Grödel noch Steigeisen an den Schuhen. Wir hatten ein paar Schuhkrallen einstecken, haben diese aber nie verwendet. Komplettes Blankeis hatten wir nie, es ergaben sich immer hauchdünne Scheestreifen, auf denen wir entlang gelaufen sind. Auf der Ostseite hätten wir eher Schneeschuhe als Grödel gebraucht. Unsere Pulka haben wir mitgebracht. Sie ist klein und zusammenrollbar. Wenn Du Dir einfach selber etwas zusammenbauen willst, brauchst Du zur Plane zumindest noch Holzstangen oder Zeltstangen (Alu) oder Ähnliches, um dem ganzen eine schlittenähnliche Form zu geben, die man gut hinter sich herziehen kann.
    Eisschrauben hatten wir als Heringe mehr – alles andee funktioniert nicht, wenn Wind aufkommt und über den See fegt. Wir hatten Benzin mit und hatten ein paar Probleme, weil das russische Benzin nicht ganz sauber ist. Also in Irkutsk gereinigtes Benzin kaufen oder versuchen, mit Gas zu kochen und versuchen, die Kartusche warm zu halten. Problem war auch eher am Westufer, genügend Schnee zu finden, um Wasser zu bekommen. Ausrüstung nachkaufen konnte man Irkutsk im Sport- und Campinggeschäft (Ecke Dekabristen-/ Engelsstr.). Wir waren ohne GPS unterwegs und die Hütte liegt wie schon geschrieben ca. 12 km nördlich von Gorjatschinks (eine Bucht weiter). Es gab noch mehr Hütten, die wir vom See aus gesehen haben, aber ob sie alle so komfortabel sind ???
    In Listwjanka hatten wir auch nur sehr wenig Schnee (wei fast überall am Südwestufer des Sees). Und da wo die Angra sich auf den Weg macht ist der Baikalsee (fast) nie zugefroren (ein Phänomen) – zwei Kilometer weiter fahren sie schon mit den Jeep übers Eis. Und auch die Angara ist später wieder ein zugefrorener Flusslauf. Ralf, mit dem ich am Baikal war, war schon einmal Anfang Mai (glaube ich, oder doch Ende April) da – da wäre es nicht mehr so einfach beziehungsweise gar nicht mehr möglich gewesen, den See zu queren. Die Einheimischen, denen wir erzähkt haben, dass wir Anfang März über den See wollen, haben nur den Kopf geschüttelt: Viel zu kalt. Mitte / Ende März wäre doch das Wetter viel erträglicher. :)
    Ob ich mir die Tour auch alleine zutrauen würde? Ich bin noch nie allein auf großer Tour gewesen, immer zu zweit. Hat aber vordergründig nichts mit Ängstlichkeit zu tun. Und wenn ich niemanden für eine bestimmte Sache gefunden habe, dann habe ich im Urlaub etwas anderes gemacht.
    Aber, wenn man gewohnt ist allein zu reisen und ein wenig russisch kann – warum nicht auch der Baikal? Und ich glaub, Handyempfang für den Notfall gab es eigentlich fast immer. (Gibt einen neuen Sendemast auf Olchon).
    In diesem Sinne, viele Grüße ans andere Ende der Welt
    simone

  3. avatar
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    Mareike | 13. Februar 2015, 16:36

    Klasse-Bericht und faszinierende Fotos. Aber wie ist es eigentlich mit der Registrierung in Russland bei Individualreisenden? (die also nicht direkt im Hotel absteigen, von das Hotel das Ganze übernimmt) Ich habe gehört, dass man sich innerhalb von 72 Stunden nach Ankunft im Land registieren muss – wenn man denn länger als 3 Tage an einem Ort bleibt. Was ist aber, wenn wir sofort am Moskau mit der Transsib losfahren und anschließend nirgends länger als 2 Tage bleiben? Braucht man sich dann gar nicht zu registieren?

    LG, Mareike

  4. avatar
    4
    simone | 13. Februar 2015, 18:42

    Hallo Mareike,
    ich kenne das noch von früher, dass wir im ersten Hostel oder Hotel unseren Pass abgegeben haben und damit auch registriert worden sind. Egal ob wir einen oder die immer erwähnten drei Tage Aufenthaltsdauer in einer Stadt hatten (was bei uns sehr selten vorkam). Auf der Baikaltour haben wir das nicht mehr gemacht. Kann mich zumindest nicht erinnern. Obwohl wir den gleichen Hinweis auf den Seiten des AA gelesen hatten. Wir haben die ersten beiden Nächte in Irkutsk im Hostel verbracht und haben uns weder auf einer Polizeistelle gemeldet, noch unsere Pässe abgegeben. Wir haben bar bezahlt und haben das auch in allen anderen Hostels so gemacht. Auf unserer Migrationskarte war nur der Einreisestempel. Und die Karten haben wir, wenn ich mich richtig erinnere, bei der Ausreise dann auch so wie abgebildet, wieder abgegeben.
    Grüße
    simone

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Short Cuts Russland

  • Einreise: Als EU-Bürger benötigt man eine Visum. Leider hat Russland die Einreisebedingungen wieder deutlich mehr bürokratisiert. Sie begründen es damit, dass auch Deutsche die gleichen Unterlagen einreichen sollen, die umgedreht russische Bürger bei der Visa-Beantragung für Deutschland nachweisen müssen. Dazu gehören z.B. neben der Kranken-Versicherung bei ausgewählten Krankenkassen auch ein Lohnnachweis bzw. der Nachweis von Hauseigentum etc. Auch muss man sich seit vergangenem Jahr an an eine Visa-Agentur / russischer Konsulardienst wenden.
  • Geld: Den Rubel bekommt man in einer Bank oder von einem der vielen Automaten (auch in kleineren Ortschaften) mit Kredit- oder Visakarte. Einkaufen mit einer der beiden Karten auch in größeren Einkaufszentren.
  • Reisezeit: Eigentlich zu jeder Jahreszeit zieht der Baikal seine Besucher an. Wenig Niederschläge, dafür kann es im Winter bis zu Minus 50°C kalt werden; im Sommer ist es trocken und warm. Ab Ende Februar und den kompletten März hindurch macht es Spass, sich auch unter winterlichen Bedingungen auf und über den Baikal zu bewegen, vorher ist es u.U. ganz schön kalt und man benötigt Expeditionskleidung
  • Sprache: Russisch und Burjatisch. Ohne Grundkenntnisse in Russisch ist es schwieriger, selbstorganisiert durchs Land zu reisen. Mit Englisch kommt man in den Hostels gut weiter und die Leute dort helfen einem gern und schnell.
  • Ausrüstung: Wenn man etwas vergessen hat (Kartuschen / Benzin etc.): In Irkutsk gibt es ein Sport- und Campinggeschäft, in dem man auch so ziemlich alles bekommen kann, was man fürs (Über-)Leben draußen benötigt (Ecke Dekabristen-/ Engelsstr.)

wwwo beginnen

  • Russland-Visum: wie auch schon bei vergangenen Reisen war unser zuverlässiger Helfer Vostok-Reisen in Berlin
  • Übernachtung: Low Budet-Reisen ist auch mittlerweile in Russland gut möglich: in den größeren Städten an der Transib und an den bekannten Ausflugszielen gibt es Hostels, die noch nicht alle in der Liste erfasst worden sind
  • die Infoseite schlechthin und eine gute Möglichkeit, bei längerer Vorbereitung auch mal Fragen los zu werden: Baikalplan und Baikalinfo
  • Informationen zum ersten (ausgeschilderten) Fernwanderweg am Baikal: der Great Baikal Trail
  • Und wer auf der Suche nach einer geführten Reise zum Baikal abseits ausgetretener Touristenwege ist, dem kann sicher bei Knut weitergeholfen werden.
Russland

Nicht vergessen

  • Es kann kalt sein im Winter in Sibirien. Wir hatten eine Nacht unter -30°C, entsprechend ausgestattet sollte der Schlafsack sein. Ich hatte zusätzlich noch ein Inlett (Baumwoll-Seide) mit, um sowohl Sachen (Socken, Handschuhe...) zwischen Schlafsack und Inlett zu legen und über Nacht zu trocknen und als auch den Temperaturbereich meines Schlafsacks zu verbessern. Grenzwertig war, das wir bei unseren Daunenschlafsäcken keinen Vapor Barrier Liner als Dampfsperre verwendeten - nach zwei Nächten im Zelt war der Schlafsack ziemlich durchnässt.
  • Zelt (wir hatten das freistehende Staika von Hilleberg mit): Heringe im Eis sind sinnlos; wir nutzten bei starkem Wind Eisschrauben, um das Zelt auf dem Eis zu stabilisieren.
  • Daunenjacke und dicke Handschuhe sollten nicht fehlen, wenn man mehr als einen Tag auf dem Eis unterwegs ist. Ich nutzte Powerstretch-Handschuhe beim Hantieren mit Hering, Gestänge, Kocher etc.
  • Als Socken hatte ich 600 Woolpowersocken an sowie einen lammfellgefütterten Schuh, vergleichbar dem Gastein GTX von Meindl.
  • Alles an Bekleidung (Zwiebelprinzip), was man im Winter benötigt, wobei ich die Regenhose nur durch die Gegend getragen habe. Meine Softshellhose, über der langen Unterhose getragen war für die Tage und Abende am Baikal ausreichend.
  • Kompass: wir hatten uns gegen ein GPS- Gerät entschieden, da wir nicht noch mehr Batterien am Körper tragen wollten
  • Ausrüstung für Wintertouren: Kocher, Thermoskanne, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Stöcke (für das Queren der aufgebrochenen Eisflächen und als Unterstützung beim Ziehen einer Pulka)
  • Schuhkralle bei Blankeis und Schneeschuh, wenn doch mehr Schnee als sonst gefallen ist - wir hatten eine Schuhkralle mit, haben sie auf unserer Tour nicht benötigt. Schneeschuhe hätten uns auf den letzten 20km (inklusive dem Weg zur Straße) das Leben erleichtern können.
  • Pulka: wir hatten uns für eine leichte, zusammenrollbare Pulka (Faltpulka von nature-base) entschieden und so nur einen leichten Rucksack auf dem Rücken getragen.

Literatur

  • Lonley Planet: Trans-Siberian Railway (4. Auflage 2012,als e-Book oder Buch)
  • Trescher-Verlag: Den Baikalsee entdecken (2. Auflage 2007): mit diesem Buch sind wir unterwegs gewesen, wobei ein Teil der Informationen doch veraltet ist
  • Karten: drei verschiedene Karten vom Baikalsee:
  •     Osero Baikal (1:500 000) - mit Kartenausschnitten im Maßstab von 1:200 000, ohne GPS-Möglichkeit
  •     Map of Lake Baikal / Karta Osera Baikal: Maßstab 1:1.000 000 - die Karte ist von 2001 und die Ortsnamen sind in russisch und englisch
  •    Karta Ostrov Olchon / Karta osero Baikal: die Überblickskarte vom Baikal ist im Maßstab von 1:1.000 000 und die Karte von Olchon ist im Maßstab 1:100 000. Die Ortsnamen sind teilweise in englisch, teilweise werden die burjatischen Namen verwendet