Petersburg: Damit der Rubel rollt

Petersburg: Damit der Rubel rollt

Darf man auf dieser Seite über eine Geschäftreise berichten? Noch dazu wo es sich um das angestammte Geschäft vom Tapir handelt? Moment! Schon zu meiner Zeit als aktiver Tapir wurde der Wassersport sträflich vernachlässigt. Von daher: Es ist meine Pflicht darüber berichten, wie weit man reisen muss, um vernünftig einzukaufen zu können. Ja, "meine Tour" war ein Shoppingurlaub. Ich nenne sie "Expedition Faltbootkauf". Also, in 5 Tagen über Berlin und Tallin nach Petersburg und zurück. Dazwischen: Sightseeing. Nicht nur im klassizistisch-monumentalen (und stressigen) Petersburg, sondern auch im mittelalterlich-niedlichen (und trendigen) Tallin sehr lohnend.

Warum St. PETERSBURG

Wie schon gesagt, der Anreiz war der Bootskauf. Die Fa. Trition baut nicht nur überzeugende Faltboote (echte Seekajaks) sondern verkauft diese in Petersburg auch zu einem unschlagbaren Preis (~500 €). Die Reise gab es als Souvenir dazu. Ansonsten finde ich auch: reine Städterurlaube sind doof. Und die Millionenstadt Petersburg verlangt einem Städtemuffel da einiges ab.  Also gut, ganz im Ernst: Petersburg ist auch so eine Reise wert. Es ist DIE städtebauliche Perle Europas. Was vor 300 Jahren architektonisch möglich war, wurde von (europäischen) Meistern umgesetzt. Durchdacht geplant und vom Krieg unbeschadet.

 

Im Winter die erste Adresse, die Petersburger Metro.Der Winterpalast,  monumental und  prachtvoll, wie der Rest von Petersburg.Im rechten Licht glänzen aber auch unbedeutendere Bauten.

Was Sie schon immer über St. PETERSBURG wissen wollten…

Sind die Russen wirklich so unfreundlich?

Nein, sie sind noch viel unfreundlicher. Der Charme des Sozialismus ist noch zu spüren. Ob in der Warteschlange am Postamt (im schmutzigen Hinterhaus) oder dem nervigen Antrag fürs Visum. Leicht wird es einem nicht gemacht als Tourist. Tipp: Reiseservice Nagel in Leipzig, zum Visum gibt es einen Vorgeschmack zur russischen Mentalität dazu.

Ist man ein gern gesehener Kunde?

Den Eindruck hat man eher nicht. Das liegt aber an der Mentalität. Trotzdem, Versuche beim Kaufabschluss den Preis zu treiben, sind nervig ("Exportversion", Spritzdecke extra, obwohl sonst standardmäßig dabei etc.). Auch wurden uns Boote verschiedener Versionen verkauft, was sich erst beim Packen im Hostel herausstellte. Beide Versionen sind in Ordnung, aber einen Hinweis darauf erwartet man einfach. Und den Schreck im Hostel kurz vor der Abfahrt ("da fehlen Stangen") muss man auch nicht haben.

 

Zum Wegschütteln, Baltika 3 und 4.Wer sagt denn, dass Shopping was für Weicheier ist.So sieht das erworbene Packet später aus, wenn man Glück hat.

Lohn es sich wirklich für den Faltbootkauf nach Russland zu fahren?

Rein wirtschaftlich: nein. Die Boote sind bei einem dt. Importeur für 1090 € (zusammen mit 2 Jahren Garantie, dt. Aufbauanleitung + Beratung) erhältlich. Unsere Kosten inkl. Boot  (von Visa bis Bus über Unterkunft zum Zoll) belaufen sich auf 900 €. Dazu kommt eine latente Unsicherheit, ob die Ware vorrätig ist in Petersburg, ob man nicht übers Ohr gehauen wird etc. Außerdem ist man schließlich mehrere (Arbeits-)Tage unterwegs und hat gut zu tragen. Als  Abenteuer: ja. Es ist ein klasse Erlebnis, eine Beute nach Hause zu führen. Es ist eine Reise mit Zusatzanreiz oder ein Anreiz mit einer Zusatzreise. Und: Petersburg ist schöner als ich es sonst hier darstelle ;-)

Ein Faltboot mitbringen? Wie geht das transporttechnisch?

 Wenn man sonst kaum etwas dabei hat (Stadturlaub!) gibt es keine Probleme. Ein Einer-Kajak wiegt 24 kg und bei easyjet gilt "no wait restriction" beim Handgepäck. Alternative für den Sommer: die Fähre (130 € return ab Rostock, 36 h Fahrt). Dann darf es  auch ein Zweier sein (oder zwei Zweier?). Aber an den Zoll denken!

 Wofür lohnt sich Petersburg noch?

 - Zum U-Bahnfahren. Ja, kleine Kunstwerke tief unter der Erde. Das hätte ich den ganzen Tag machen können (auch weil es dort so schön warm war).

 - Für Baltika 7. Das alkoholhaltigste Bier Russland. Manche Kenner schwören aber auch auf Baltika 3. Der Alkoholgehalt ist natürlich nicht alles.

 - Zum Eisbaden in der Newa. Für alle, die sich echten Respekt bei den Russen verdienen wollen.

 - Um sein Pensum an sehenswerten historischen Gebäude auch für das nächste Leben abzudecken. Aber Vorsicht, eine Überdosis hat man sich schnell eingefangen.

 

Weiterschmökern:


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Short Cuts St. PETERSBURG

Beste Reisezeit: Winter. Wenn schon europäisch-soft (Petersburg), dann wenigstens zu einer echt russischen Jahreszeit. Und: bei minus 20 ° geht ein Stadtbummel locker als Trekkingtour durch. Am besten im März, noch knackig kalt, aber lange hell.
Anreise: Über Berlin mit easyjet nach Tallin und im Bus nach Petersburg. Reisezeit: 12 h (akzeptabel)
Einreise: Visumspflicht. Nur über die übliche Einladung eines russischen Staatsbürgers (Bürokratie!) oder über ein Reisebüro (teuer!).
Geld: Den Rubel gibt es sogar mit EC-Karte an Bankautomaten. Aber: häufig begrenzt auf 10.000 Rubel. Bei 5 € Gebühr wird das schnell teuer. Ansonsten: Visa, Euros, Dollar finden auch ihren Abnehmer.
Sprache: Klar kommt man auch ganz ohne Russisch durch, wenn man ein schweigsamer Mensch ist. Für alle anderen (normalsterblich) Reisenden: Wörterbuch und Sprachführer mitnehmen. Russland ist auch sonst herausfordernd genug.

wwwo beginnen

www.triton-ltd.ru
Die russischen Bootsbauer.
www.translate.ru
Sehr gute Übersetzungsmaschine für russische. Webseiten, wie z.B. obige von Triton.
www.outtrade.de
Der deutsche Importeur als Vergleich. Aber Vorsicht, vielleicht bringt diese Seite einen um die Reise.
www.petersburg-russia.com
Wozu noch einen Reiseführer? Weil man petersburg-russia.com leider nicht mit auf die Strasse nehmen kann.

Russland

Nicht vergessen

- gut isolierende Kleidung für Wintertrips (Sightseeing ist anstrengend, aber nicht schweißtreibend),
- Regensachen/schirm (für die restlichen Jahreszeiten)
- bequeme, isolierende, wasserdichte Schuhe, die Asphaltpfade sind lang und schlecht geräumt
- Hüttenschlafsack/ Inlets für schmuddelige (aber gut beheizte) Hostels

Literatur

Ein guter Stadtplan
ist immer noch der wichtigste Reiseführer. Gibt es am besten sehr preiswert in Petersburg selbst.
Marco Polo, Polyglott
Für Kunst- und Kulturbanausen reichen "die Dünnen" eigentlich aus. Mit ausFÜHRlicheren Publikationen ist man leicht übersättigt. Außerdem: die kleinen "Endeckungen" und unerwarteten Erlebnisse sind doch immer noch die besten Reiseerinnerungen.
 Sprachführer und Wörterbuch
Für alle denen der "Russisch-Unterricht" verwehrt blieb (oder die ihn vergessen haben). Erst damit hat man eine Eintrittskarte in Russland.