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Teaserbild: Baltikum per Rad – Langsamkeit erleben und Grenzen erfahren

Baltikum per Rad – Langsamkeit erleben und Grenzen erfahren

Baltikum per Rad – Langsamkeit erleben und Grenzen erfahren

Im Juli sollte es wieder so weit sein. Eine 3-wöchige Fahrradtour durch die baltischen Staaten ließ mich mal wieder meinen Hausrat auf das Minimalste reduzieren und in die wasserdichten Radtaschen verpacken. Es wurde wieder Zeit, die Sonne auf der Haut zu riechen.

Warum Baltikum

Es war die Sehnsucht nach einem Land frei von den allseits bekannten und verbreiteten Fast-Food-Tempeln sowie Kaufhäusern. Wer also eine Reise durch Länder sucht, die bislang noch nicht so sehr von den westlichen Standards geprägt sind, sollte sich auf ins Baltikum machen. Eile ist jedoch geboten, denn vor allem in den Hauptstädten ist der Wandel spürbar.

Was Sie schon immer über das BALTIKUM wissen wollten

Nach Reisen in die Natur Schwedens und Norwegens wollte ich etwas neues kennenlernen. Eine Fahrt ins Baltikum lag nahe, da ähnlich wie in Skandinavien für jeden das Recht gilt, mit dem Zelt in der Natur zu übernachten. Das wird zwar durch die Balten akzeptiert, aber eine Tradition, wie in den skandinavischen Ländern, ist es bislang noch nicht.
Mit dem Fahrrad startete ich in der litauischen Hafenstadt Klaipeda und radelte zunächst in Richtung Osten. Den Umweg nach Riga habe ich bewusst gewählt, da auf dieser Strecke mit dem Berg der Kreuze eine interessante historische Stätte lag. Begann mit dem Errichten erster Holzkreuze eine stille Form des Widerstandes gegen die sowjetische Besatzung, stellt der Berg heute einen Wallfahrtsort für die Christen da. Der Kryžių kalnas besticht deshalb nicht unbedingt durch die Höhe des Berges sondern durch die Vielzahl an Kreuzen, die durch Gläubige der Welt hier aufgestellt wurden.
Generell sind die 3 baltischen Länder sehr geprägt vom christlichen Glauben, aber auch von der russisch orthodoxen Kirche. Vor allem in Litauen kann man schon mal ausgebremst werden, will man jede Kirche mit dem typischen Holzbau oder den Zwiebeltürmchen fotografieren. Eine weitere angenehme Begleitung waren die vielen Störchennestern, die von bis zu 5 der kinderbringenden Artgenossen beherbergt wurden.
Über die größte Stadt des Baltikums Riga, entlang des europäischen Fernradweg R1, vorbei an herrlichen Ostseestrandsänden, über Pärnu radelte ich zu den beiden größten Inseln Estlands Hiiumaa und Saaremaa. Das Inselhopping über drei Fähren gestaltet sich mit weniger als 15 Euro günstig und verspricht im Landesinneren totale Einsamkeit und wenig Verkehr. Umso erstaunlicher für mich, mit was für einem Ehrgeiz die örtliche Polizei Geschwindigkeitskontrollen durchführte. Abschließend erreichte ich über den direkten Weg Tallinn. Diese Stadt war ihre Reise allein schon wert. Sie lässt sich zwar innerhalb von 2-3 Tagen recht schnell erschließen, ist aber mit ihren mittelalterlichen Türmen und dem hervorragend erhaltenen Stadtkern hübsch anzuschauen. Ein guter Tipp ist die kostenlose Stadtführung direkt neben dem offiziellen Touristenbüro, die täglich 12 Uhr startet. Die Stadtführung wird ausschließlich finanziert durch das „Trinkgeld“, weshalb sich die Stadtführer besonders ins Zeug legen. In dem 2-stündigen Rundgang werden nicht nur stadtgeschichtliche Dinge erläutert, sondern auch Anekdoten und persönliche Geschichten erzählt, was der Stadt eine persönliche und sympathische Note gab.

Generell gilt für Riga und Tallinn, dass man sich eine spezielle Karte besorgen sollte, die von den Einheimischen für Touristen gemacht wurde. Sie beinhaltet fernab von den touristentypischen Orten Tipps, wie z.B. für eine Mittelalterkneipe mit uriger Elchsuppe, einem Restaurant mit riesigen günstigen Pfannkuchen, einzigartige Clubs und Aussichtspunkte, die selbst nur wenige Tallinner kennen. Die Karte sorgt für das Gefühl in dieser Stadt wirklich zu leben und schont den Geldbeutel gleichermaßen.
Für die Rückreise nach Klaipeda nutzte ich die Fernbusse. Züge sollten nicht in Betracht gezogen werden. Sie stellen derzeit keine gute für Radfahrer Option dar. Sie sind unpünktlich, es gibt keine direkte Verbindung nach Riga und sie benötigen für eine kurze Strecke eine Ewigkeit.
Für die Busfahrt sollte man viel Zeit, Einfühlvermögen und Geduld mitbringen. Es kann passieren, dass der Busfahrer einen nicht mitnimmt, weil angeblich der Gepäckraum überfüllt ist. Hier gilt es den Busfahrer höflich zu überreden. Reicht das nicht, sollte man sich dringend einen Vermerk auf dem Ticket geben lassen, mit dem man sein Geld zurückerhält. Dann kann ein neues Ticket für den nächsten Bus gekauft werden.
In Klaipeida angekommen, gönnte ich mir nochmal einen Tag auf der kuhrischen Nehrung. Die Personenfähre bringt einen über die Lagune. Nach der 15-minütigen Überfahrt wäre es empfehlenswert eine Weile zu warten, bis sich die Fußgänger und Radfahrer zerstreut haben, da das unkontrollierte Fortbewegen vieler Touristen auf dem einzigen Radweg nervt. Auf der kuhrischen Nehrung sollte man die Augen offen halten, denn die angepriesenen Naturschönheiten, historischen Häuser oder Denkmäler sind nicht oder nur schlecht ausgeschildert. Darum bin ich auch eher zufällig auf den Parkplatz gestoßen, der mir den Weg zur Todesdüne wies. Sie ist eine der höchsten Sanddünen auf der kuhrischen Nehrung und hat bereits mehrere Dörfer unter sich begraben.
Für meine Rückfahrt nach Kiel erstand ich noch am gleichen Tag mein Ticket in einem Reisebüro in der Nähe des Touristenbüros.

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