Der vergessene Berg

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Reiseberichte Europa Italien Markus | 3. Dezember 2005

Der vergessene Berg

Im September 2005 starteten wir (m22/24) von der Stadt Belluno aus. Wir liefen zum 501-Wanderweg, der einen Eingang zum Dolomiti Bellunesi Nationalpark bildet. Am nächsten Morgen folgten wir dem Verlauf des Wanderweges über den Foro del Marmot (2262m) zur Pian de Fontana-Hütte. Aufgrund des unberechenbaren Wetters gelangten wir bei der dritten Etappe auf dem Dolomiten-Pass nur bis zur gleichnamigen Baracke des Moschesinberges. Von hier aus beschritten wir am nächsten Morgen den 54-Weg mit dem schönen Namen „Der vergessene Berg“ (La montagna dimentica), nicht ohne den Abstecher über den Valaràz (1883m) und Zelo (2083m) zu machen. Die letzte Nacht verbrachten wir im Tal in der Nähe des La Muda- Ortes.

Warum DIE DOLOMITEN

Da Venedig unsere Ausgangsstation und unsere Zeit begrenzt war, sollte das Gebiet mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell erreichbar sein. Dies bot Belluno, zumal dessen Größe uns Möglichkeiten für weitere topographische und organisatorische Informationen erahnen ließ. Weiterhin erhofften wir uns nach längerem Städteaufenthalt Ruhe, körperliche Herausforderung und Berge. Das die Dolomiten ersteres boten wussten wir von Fotos und durch Berichte von Bekannten, das sie fordern versprach ihr Profil und auch die Ruhe stellte sich aufgrund der beendeten Saison ein.

In schräger Lage, dafür mit einem herrlichen Morgen.Die Landschaft enthüllt immer wieder wunderschöne Farbspiele......und Aussichten.

Was Sie schon immer über Italien wissen wollten…

…zur Übernachtung:

Wir verbrachten unsere Nächte bis auf eine im Zelt, was man sich selbst außerhalb der üblichen Wanderzeiten sparen kann. Das Gebiet ist neben Hütten mit hervorragend in Stand gehaltenen Biwakkisten übersät. Zudem gestaltet es sich ab 1600 Metern Höhe aufgrund des steilen Bergmassives schwer einen Zeltplatz zu finden. Eine Überraschung und einen Geheimtipp (da in den Karten nicht als solche ausgezeichnet) bildete die Moschesin Hütte, die wir als „Notfallunterkunft“, wie auf einem Zettel an der Tür zu lesen war, mit Kamin, Gewürzen, Kerzen und Feldbetten ausgestattet, vorfanden.

…zur Ausrüstung

Ordentliche Schuhe sind unbedingt notwendig. Für längere Touren sind wasserfeste Kleidung und möglichst wenig Gepäck (Hüttenschlafsack!) zu empfehlen. Wanderstöcke können bei den steilen Abstieg sehr entlastend sein. Für das Marmot Massiv empfiehlt sich ein Sicherungsgurt.

Bisweilen sitzt man jedoch im Nebel.Wenn man Glück hat verschwinden die Wolken kurz, sonst hilft nur ein Blick in die Karte.

…zu den Hütten:

Im September waren alle Hütten bereits geschlossen. Mit dem ersten Schneefall gilt die Saison als beendet. Die  Senner öffnen an manchen Tagen, vor allem an den Wochenenden, dennoch. Wann und wie lange entscheiden sie kurzfristig. Ansonsten gibt es ein dichtes Hüttennetz, so dass durchschnittlich mindestens eine bewirtschaftete Hütte pro Tag erreicht werden kann.

Tipps

- Das Wetter und die damit verbundene Sicht folgte an allen Tagen folgender Gesetzmäßigkeit: am Morgen bot sich ein herrlicher Blick, ab 10:00 Uhr stiegen die Wolken immer höher, so dass wir ab Mittag im Nebel liefen. Gegen Nachmittag regnete es, worauf eine freie Sicht auf Täler und Berge am Abend zur Folge hatte. Daher empfiehlt es sich für Wanderungen in dieser Jahreszeit, seinen Tourenplan so einzurichten, dass man mittags auf dem Gipfel sitzt.

- Laut einem Hinweis an der Tür der Moschesin Hütte sind in folgende Hütten ebenso Notfall-Übernachtungen möglich: Duran, Rova und Foca. Wobei ich nichts über deren Beschaffenheit sagen kann.

- Gespräche mit Einheimischen oder einzelnen Wandern bieten nicht nur die Chance verrückte Biographien kennen zulernen, sondern geben die Möglichkeit wertvolle Tipps zu erhalten. So erfuhren wir beispielsweise auf dem Rückweg nach Belluno nachdem wir ½ h an einer Bushaltestelle gestanden hatten, dass die Straße durch eine Lawine blockiert und der Linienverkehr eingestellt war. In den Bergen hätten es die Italiener zudem als unhöflich empfunden sich nicht wenigstens 10 Minuten Zeit für sie zu nehmen.

- Das täglich geöffnete Reisezentrum in Belluno hält für Wanderer neben zahlreichen hilfreichen Infos (auch auf deutsch) u.a. eine kostenlose Tabacco- Wanderkarte und Busfahrpläne bereit.

Weiterschmökern:


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Short Cuts DIE DOLOMITEN

Reisezeit:
Zwischen Juni und August. Die angrenzenden Monate führen häufig Schnee mit sich, nach dessen Auftreten sich die Öffnungszeiten der Hütten richten.
Anreise:
Die größten an den Park angrenzenden Orte Feltre und Belluno sind mit Bahn, den öffentlichen Bussen sowie zahlreichen Sonderbussen bequem erreichbar.
Sprache:
Obwohl der Park inmitten von Norditalien liegt, verirren sich wohl mehr Deutsche, Österreicher und Engländer als Italiener in die höheren Gefilde, so dass fast alle Hüttenbesitzer mindestens englisch sprechen.

wwwo beginnen

dolomitipark.it
Website des Nationalparks. Neuerdings auch in etwas holprigem Deutsch. Jedoch ist die italienische und englische Version wesentlich umfangreicher und bietet im Moment noch die entscheidenden Hinweise für Wanderer.
mazarol.net
Offizieller italienischer Führer zum den Park mit Angaben zu Hütten, Tierwelt und Vegetation.
dolomitibus.it
Website des offiziellen Busunternehmens mit allen wichtigen Fahrplänen.

Italien

Nicht vergessen

- Für das Alpengelände sind feste Schuhe unabkömmlich. Für längere Touren sollten wetterfeste Jacke und ein strapazierfähiger Rucksack dabei sein.
- Wanderstöcke können bei den steilen Abstieg sehr entlastend sein
- Für das Marmot Massiv empfiehlt sich ein Sicherungsgurt.
- Wer ein Hüttentour plant, kann auf umfangreiche Verpflegung, Isomatte und Zelt verzichten. Ein guter Schlafsack empfiehlt sich, auch wenn in allen Biwakkisten ausreichend Decken zur Verfügung standen.
- Die Zeckenzange kam bei uns immerhin zweimal zum Einsatz.

Literatur

Parco Nazionale Dolomiti Bellunesi
Tabacco: Carta turistica 1:25.000. Absolut zuverlässig und detailliert.

Reiseführer Dolomiten
Quast, Susanne: Marco Polo 2003. Der Tipp für alle, die mehr um die Berge reisen wollen.

Dolomiten. 110 Erlebnistouren
mit Wanderskizzen und über 200 Fotos. Kompass: Großer Wander-Atlas, Innsbruck 2005. Detailreicher Schmackhaftmacher mit zahlreichen praktischen Hinweisen

Daneben sind natürlich auch die 6 Bände des „Rother Wanderführer“  zu empfehlen (neuester Band 6 von Hauleiter, Franz)