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Teaserbild: Peruanisch reisen

Peruanisch reisen

Peruanisch reisen

Im Frühahr 2006 reiste ich mit meiner Freundin Silke von Lima nach Arequipa, von Arequipa nach Cusco, von Cusco nach Machu Picchu und wieder zurück und nach Puno an den Titicacasee.
Wir reisten peruanisch…

Warum Peru

Weil ich wissen wollte, warum Sexy Woman Sexy Woman heißt, ob man vom Cocablätterkauen grüne Zähne bekommt und ob die Ritzen in den Inkamauern wirklch so eng sind, dass noch nicht mal ein Zigarettenpapierchen dazwischen passt…

PopcornproviantSonntagsspaziergangSchulbus

Wie geht das – Peruanisch reisen?

In Peru gibt es drei Kategorien von Reisebussen: den Luxus-Schlafwagen-Nachtreisebus, den Tagsüber-Touristenklasse-Bus und den ganz gewöhnlichen peruanischen Überland-Bus.
Der Luxus-Schlafwagen-Nachtreisebus ist doppelstöckig, hat nach vorne und hinten ausklappund ausziehbare Sitze, drei an der Decke hängende Fernsehapparate, in denen die ganze Nacht amerikanische Komödien auf spanisch mit englischen Untertiteln zu sehen sind, Abendessen (Kekse mit Pollo*), Frühstück (Kekse mit Marmelade) und Zwischendurch-Snack (Kekse mit Pollo) inklusive, ein richtiges Klo an Bord, BINGO mit dem Busfahrer (Hauptgewinn: Kekse mit Pollo), Frischluftgetöse und romantische Einschlafmusik von oben und garantiert nur schwedische Touristinnen auf der Vorderbank…
Die zweite Kategorie ist weitaus unluxuriöser: Der Tagsüber-TouristenklasseBus hat eigentlich gar nichts. Kein Klo, keine Klapptische – was nicht weiter tragisch ist, denn hier gibt es auch keine Kekse – keine Musik, dafür aber drei kaputte Fernsehapparate an der Decke, kein BINGO und – und das unterscheidet den Tagsüber-Touristenklasse-Bus von der dritten Bus-Kategorie: keine Hühner und keine Meerschweine mit im Bus!
Die dritte Art zu reisen ist die unbequemste, anstrengendste und interessanteste: Der ganz gewöhnliche peruanische Überland-Bus ist besonders geräumig: auf jeden Doppelsitz passen drei oder vier Personen, es gibt keine Klapptische und keine Kekse, aber dafür steigt in jedem Dorf eine dicke Dame mit Hut ein und verkauft Cocatee in Tüten mit Strohhalm und peruanische Riesentortenstücke. Es gibt keine Belüftung von oben und keine kaputten Fernsehapparate, dafür aber jede Menge kaputte Schiebefenster, die entweder nicht mehr zu oder – was schlimmer ist – gar nicht erst aufgehen. Im ganz gewöhnlichen peruanischen Überland-Bus gibt es gibt keine amerikanischen Komödien auf spanisch, aber dafür Live-Musik auf Gürteltiergitarren und Panflöten. Im Bus der dritten Kategorie gibt es keine Touristen und kein BINGO, aber dafür Meerschweine in Kisten, Cocatee in Tüten und Käsekugeln im Gepäcknetz. Die Reise dauert ungefähr doppelt so lange und kostet ungefähr halb so viel.
Weitaus unpopulärer als die Überland-Busse ist die peruanische Eisenbahn. Eine fährt mit etwa 30 km/h in sechs Stunden von Machu Picchu bis Cusco. Im peruanischen Zug gibt es keine Meerschweine und keine Fernsehapparate, aber an jedem Haltebahnhof kann man von dicken Frauen mit und ohne Hut direkt durchs Zugfenster Käsekugeln, Fladenbrote oder Häkelpüppchen kaufen und man könnte, wenn man einen hätte, während der Fahrt seinen Hund draußen spazieren führen… 

BlickfangTiticacaausflugsbooteWeintraubentransporterSchilfkanuTortenInternetAutobahnraststätte

Durch die Stadt fährt man mit Minibussen. Sie heissen Colectivos, sind meistens nicht grösser als ein VW-Bus, knallbunt bemalt und total verrostet und sehen aus wie alte kaputte Spielzeugautos aus den fünfziger Jahren. Sie rasen schwankend, quietschend und kleine Abgaswölkchen hinter sich lassend kreuz und quer durch die Stadt, bis unters Dach voller Menschen, die sich auf winzigen Klappsitzen stapeln oder an Gummigriffen an der Busdecke hängen. Es gibt keine Haltestellen oder Fahrkarten-automaten. Die Colectivos sammeln ihre Fahrgäste auf der Straße ein: Sie halten einfach irgendwann und irgendwo am Straßenrand, wo augenscheinlich wartende Menschen herumstehen. Die Busse haben weder Nummern noch Namen, noch ist sonst irgendwie ersichtlich, wo sie hinfahren. Man sieht es nicht – aber man hört es! Denn im Colectivo gibt es einen Bus-Fahrer und einen Bus-Schreier: der Bus-Fahrer fährt und der Bus-Schreier hängt an der halb geöffneten Schiebetür in der Busmitte und schreit. Er springt aus dem Wagen und fordert wie ein Marktschreier alle Passanten – auch die nichtwartenden – auf, einzusteigen. Der Bus-Schreier ist auch der Bus-Schaffner: beim Aussteigen drückt man ihm 1 Sol in die Hand, egal wie lange man mitfährt. Colectivo fahren in Peru ist sehr lustig, denn man weiß nie so ganz genau, wo der Bus hinfährt und wann er anhält… Wem das Colektivo-Fahren zu aufregend ist, kann stattdessen und fast genauso billig ein Taxi nehmen. Peruanische Taxis erkennt man bestenfalls an einem Schild auf dem Dach, manchmal auch an einem aufgemalten Taxi-Zeichen auf der Tür – am häufigsten aber einfach daran, dass der Fahrer irgendeines Wagens neben einem am Straßenrand anhält, hoffnungsvoll den Kopf aus dem Fenster reckt und fragend „Taxi!?“ruft. Die Städte sind voll von Taxis. Eigentlich ist jedes Auto ein Taxi. Und deshalb ist es nicht schwer, eins zu bekommen. Man sollte aber (am besten auf spanisch) den Preis vor der Fahrt verhandeln und sich vorher (am besten auch auf spanisch) erkundigen, ob der Taxifahrer den Weg kennt…
Über Wasser kann man wahlweise auf dem Titicaca-Ausflugsdampfer mit Sonnendeck und Panflöten-Kombo, in einem romantischen Tretboot in Entenform oder auf einem knisternden Schilfkanu reisen. Flüsse mit Brückenmangel überquert man mit motorbetriebenen Extra-ReisebusTransportFlossen und mancherorts gibt es auch schwimmende Inseln – die allerdings festgeknotet sind, und sich nicht vom Fleck bewegen…
Wer weder mit einem Taxi ohne Schild, noch mit dem Luxus-Schlafwagen-Bus, noch mit einem Entenkanu fahren möchte, der kann natürlich auch zu Fuß gehen – am beliebtesten (unter Nicht-Peruanern) ist der drei-Tage-unddrei-Nächte-Fußmarsch, die Berge rauf und runter nach Machu Picchu! Unterwegs trifft man keine Meerschweine und keine Kaninchen, dafür aber Maultiere, Kakteenkäfer und Riesenspinnen… Mein persönliches peruanisches Lieblingsfortbewegungsmittel ist der Titicaca-Ausflugsdampfer – am liebsten ohne Panflötenkombo – dafür aber mit der grandiosesten Sonne-SchneeBerge-WasserInsel-Aussicht der Welt! (Übrigens heißt Sexy Woman eigentlich Sacsayhuaman, aber dass kann keiner aussprechen, deshalb wird der Inkatempel in Cusco Sexy Woman genannt – Cocatee schmeckt besser als Blätterkauen und färbt nicht, und die Mauerritzen… aber das musst du selbst rausfinden!)
Was man besser vorher wissen sollte oder vorher nicht weiß und selbst herausfindet:
Hostels oder Jugendherbergen am besten per Telefon ein, zwei Tage vorher reservieren und sich – wenn man abends ankommt – vom (Bus-)Bahnhof abholen lassen. Bustickets (alle Kategorien) kriegt man direkt am Busbahnhof oder im Reisebüro. Größere Touren, z.B. den Inka Trail, zwei bis drei Wochen vorher buchen, vor Ort in einer der zahlreichen Reise-Agenturen oder im Internet. Cusco liegt etwa 3700 Meter hoch! Bevor man auf Inkawegen loswandert, sollte man ein paar Tage im Schneckentempo die Stadt besichtigen und zwischendurch jede Menge Cocatee trinken!

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