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Teaserbild: Schneezelten zwischen Fichtel- und Keilberg

Schneezelten zwischen Fichtel- und Keilberg

Bei sonnigen Temperaturen um -5°C am Tag und -20°C bei sternenklarer Nacht ging es Anfang März in Bärenstein am Bärenstein, zwischen Annaberg und Oberwiesenthal los. Es ging vorbei an der Talsperre Cranzahl in Richtung Fichtelberg, bis wir uns mit Blick auf den höchsten Berg Sachsens knapp unterhalb des Eisenberges eine passende Stelle zum Übernachten auserkoren. Weiter über den Fichtelberg hinüber zum Keilberg, um abends auf tschechischer Seite auf einer seit Monaten ungeräumten Landstraße im Wald bei Háj zu übernachten. Der letzte Tag führte uns dann zum Ausgangspunkt zurück.

Warum ERZGEBIRGE

Verkehrstechnisch schnell und kostengünstig zu erreichen, bietet das Erzgebirge eine willkommene Abwechslung vom Großstadtrummel, auch wenn man gerade keine Zeit fürs Hochgebirge hat. Die Schneeverhältnisse in den Höhenlagen sind mit einem bis zwei Metern Schnee ab Januar/Februar meist recht zuverlässig. Auch für Schneewander-Neulinge eignet sich die Gegend recht gut. Abseits der Skipisten ist man ab Dämmerung schnell allein, und findet ohne Probleme einen Schlafplatz.

Morgensonne auf unserem Zeltplatz direkt neben der Leupe auf einer nicht geräumten tschechischen LandstraßeLetzte Sonnenstrahlen leuchten uns bei der Vorbereitung unseres ersten ZeltplatzesAufstieg zum Fichtelberg in Begleitung Marienberger Gebirgsjäger - in Bildmitte ist unser Start und Zielpunkt zu sehen

Was Sie schon immer über eine Wintertour wissen wollten…

Wie bewege ich mich fort?
Da wir weder Ski noch Schneeschuhe zur Verfügung hatten, haben wir uns zugegebenermaßen etwas illusorisch mit normalen Bergstiefeln und kniehohen Gamaschen bewaffnet auf den Weg gemacht. So lange man sich damit auf befestigten Wegen oder (mittels Pistenraupen) gut präparierten Loipen aufhält, reichen diese auch aus, da der Boden hinreichend verfestigt worden ist. Die Bedingungen ändern sich aber radikal, wenn die Loipe nicht dort hin führt, wo man hin will und man notgedrungen durch den tief verschneiten Wald stolpert. Manche kleineren Loipen sind mit einem Motorschlitten gespurt, so dass die Schneedecke nicht immer das Gewicht trägt und man jeden 2ten Schritt teilweise knietief einsinkt. Das trifft besonders auf die tschechische Seite zu, wo eine kommerziell interessierte touristische Erschließung mit Pistenraupen noch nicht Einzug gehalten hat. Großenteils werden die Verbindungsstraßen zwischen den Dörfern hier im Winter nicht geräumt, sondern jeder Ort ist nur über eine einzige, zwar geräumte, aber nicht gestreute und nicht gesalzene Zufahrt erreichbar. Einerseits ist das sehr schön, weil man einfach auf den zahlreichen Landstraße wandern kann, die nicht geräumt werden, andererseits sind die einzig gehbaren Spuren auf diesen Straßen die von den Langläufern selbst gespurten Loipen. So wurden wir dort also zu Loipenlatschern, was uns aber in dem Moment im eigenen Interesse sehr egal war. Quintessenz: es empfiehlt sich also, Schneeschuhe oder Langlauf-Skier zu benutzen, um entsprechend schnell und weniger schweißtreibend voranzukommen.

Was für Schnee und wie übernachten?
Obwohl sich die Schneeverhältnisse wohl jedes Jahr verändern, ist doch gegen Ende des Winters mit dem besten Schneezustand fürs Winterwandern zu rechnen. Über den Winter hatte der Schnee genug Zeit sich zu setzen und stabile Schichtungen aufzubauen. So lässt sich mit dem verfestigten Schnee, ein bisschen Übung und einem Fuchsschwanz ein Iglu aufbauen – die Anleitung dafür gibt’s bei WWWo anfangen und falls das nicht klappt, kann man immer noch sein Zelt aufstellen. Dabei darf bei der Standortwahl im eigenen Interesse ruhig darauf geachtet werden, seinen Schlafplatz so zu wählen, dass man am nächsten Morgen von der Sonne geweckt wird. Auf deutscher Seite sollte man sich dazu einen etwas von der Loipe abgelegenen Platz suchen, im Tschechischen kann man schon mal auf einer verschneiten Landstraße zelten.

Am ersten Morgen - gediegenes Frühstück mit Blick auf den FichtelbergAuf dem höchsten Punkt Sachsens mit weitem Blick in's GrenzgebietMorgensonne auf unserem Zeltplatz direkt neben der Leupe auf einer nicht geräumten tschechischen Landstraße

Tipps und Tricks in der Kälte
Bei der Kleidung möglichst dunkle oder schwarze Kleidung mitnehmen, diese kann die Sonnenenergie am besten absorbieren und wird schnell gemütlich warm. Lieber auch für die Nacht etwas Reservekleidung einplanen, so mancher ist wohl schon fluchend aufgewacht und hat sich geärgert, das letzte Mal beim Schlafsackkauf den Komforttemperaturbereich unterschätzt zu haben. Uns haben Schlafsäcke mit Komfortbereich bis –12°C vollkommen ausgereicht – und wir haben die kältesten Nächte des Jahres erwischt. Im Zelt sind es meist fünf Grad mehr als außerhalb. Die Isomatte ist mindestens genau so wichtig wie der Schlafsack. Wer nicht in der glücklichen Lage ist, ein Winterluxusisolationsmodell zu besitzen, für den reichen auch zwei übereinander gelegte normale Isomatten. Darunter kann man bei Bedarf noch eine Aluiso platzieren. Im fest gefrorenen Schnee halten normale Zeltheringe nicht, Heringe in den tiefgefrorenen Boden zu schlagen geht zwar mit viel Gewalt (und einem 5 Kg Vorschlaghammer, den man bei solchen Gelegenheiten ja immer bei sich führt), aber am nächsten Morgen bekommt man sie nicht mehr aus dem Boden heraus. Also benutzt man entweder seine auseinandergebauten Teleskopstöcke und vergräbt sie als Schneeanker, oder man sucht sich möglichst lange und dicke abgestorbene Äste, die den selben Zweck erfüllen. Loser Schnee braucht circa eine halbe Stunde um sich um die Schneeanker zu verfestigen, also möglichst mit dem Abspannen etwas warten, dann hält alles besser. Durch die Schneeanker muss das Zelt also kein freistehendes Modell sein. Beim Schnee schmelzen im Kocher passt mehr Schnee in den Topf, wenn schon eine geringe Menge Wasser im Topf geschmolzen ist die sich in den Schnee hinaufsaugen kann und diesen so schneller verflüssigt. Eine Kochnische im Schnee verhindert sehr effektiv unnötige Wärmeverluste durch Wind. Den Kocher  selbst sollte man auf eine kleine Plattform aus Holz, Steinen oder Topfdeckel stellen, da dieser durch die Wärme schnell einsinkt und umkippt. Für manche Kocher gibt es auch extra Unterlagen, welche die Wärme reflektieren und ein Einsinken verhindern.

Essen und Trinken

Schnee dank genügend (!!) Kochervorrat schmelzen und in Thermoskannen füllen, um den ganzen Tag warme Getränke zu haben. Wasserflaschen mit purem Wasser mitzuführen lohnt sich aus klimatechnisch begründeten Rahmenbedingungen einfach nicht – es sei denn, man will für die Cocktailparty am Abend für ausreichend Eis sorgen. Essen für zwei bis drei Tage kann man problemlos tragen. Einkaufsmöglichkeiten gibt es aber im Winter dank Tourismus fast in jedem Kaff – auf tschechischer Seite auch noch ziemlich preiswert schon angerichtet und serviert. Als Essen bewährt haben sich wie immer Fertiggerichte von Aldi & Co., die man einfach mit kochendem Wasser anrührt und selbst ein bisschen nachwürzt. Käse, Wurst und Brotaufstrich gefrieren und man muss sich schon erst mal an die Eiskristalle auf dem Brot gewöhnen. Benzinkocher sind bei den doch recht niedrigen Temperaturen eindeutig im Vorteil, da die Anlaufschwierigkeiten erheblich geringer sind und der Brennstoffvorrat länger reicht als bei Gas.

 

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