Ägypten – Ein Bischof, Pyramiden und Polizei-Eskorte

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Reiseberichte Afrika Ägypten Sebastian | 23. Oktober 2007

Ägypten – Ein Bischof, Pyramiden und Polizei-EskorteIch setzte im November 2005 mit dem Schiff von Aquaba/Jordanien nach Nuweiba auf die Sinai-Halbinsel über und durchquerte den Sinai auf der alten Straße vorbei am Berg Mose. In Suez überquerte ich den Kanal und radelte nach Kairo bevor ich das ägyptische Niltal stromaufwärts in Richtung Sudan durchquerte. Nach mehr als drei Monaten verließ ich Ägypten wie ich gekommen war – mit dem Schiff! – über den Assuan-Stausee nach Wadi Halfa/Sudan.

Warum Ägypten

Im September 2005 startete ich mit dem Fahrrad, um von Deutschland nach Kapstadt zu fahren. ( www.vom-wind-getragen.de ) Ägypten war somit zum einen “Transit-Land” und zugleich das erste afrikanische Land meiner Reise. Nach den endlosen Wüsten-Gebieten des nahen Ostens freute ich mich auf die Fahrt durch das grüne Niltal – das “eigentliche” Ägypten abseits der touristischen “Brennpunkte”.

sebbl<br />
Shinx<br />
Auf dem Sinai

Was Sie schon immer über ÄGYPTEN wissen wollten…

Die Kopten und der Islam
Ägypten ist ein arabisches Land und zugleich Heimat für eine der größten und ältesten christlichen Gemeinde außerhalb Europas – die Kopten. Gern weisen viele Ägypter auf dieses friedliche „Miteinander“ der Religionen als weithin  leuchtendes Beispiel hin. Auch wenn dies nach außen funktioniert, so scheint es doch eher ein „Nebeneinander“ und ein Blick hinter die Kulissen zeigt eine fragile Konstruktion. So wählen die meisten Kopten unbeirrt den umstrittenen Präsidenten Mubarak – da der Machtmensch Mubarak es bisher vermochte, die Muslimbrüder „auf Abstand“ zu halten und die Einstellung letzterer zum „Miteinander“ zumindest unsicher ist. In vielen Gesprächen mit ägyptischen Freunden ließ sich zudem ein gewisser Unmut der Araber über den wirtschaftlichen Einfluss der Kopten erahnen. (Die Kopten beherrschen einen Großteil des Handels).  Der Präsident hat es bisher verstanden, diese Umstände für sich zu nutzen, insbesondere, da der Einfluss der Muslim Bruderschaft stetig zuzunehmen scheint. Im Alltag ist von solchem Machtpoker kaum etwas zu spüren. Die Kopten, die ich getroffen habe, waren warmherzige und hilfsbereite Menschen. (Auch wenn man sich oft allzuschnell „outete“ – Europäer gelten offenbar per se als Christen und sofort präsentierte man mir eine entsprechende Tätowierung (Kreuz!) – Ich bin Christ! Kein Muslim!)

Reisen durch das Niltal – per eigenem Fahrzeug
Das Niltal zwischen Kairo und Luxor ist für mich das „eigentliche“ Ägypten. Ich habe mich dort unheimlich wohl gefühlt. Es gibt kaum touristische Infrastruktur, folglich trifft man auf erholsam wenig „Westler“. Kleine Dörfer, mächtige Wasserbüffel und jede erdenkliche Schattierung der Farbe Grün. Das Hauptverkehrsmittel hier ist der Zug – und eine angenehme Art und Weise, den Süden des Landes zu erreichen. Jene mit dem eigenen Fahrzeug ( Rad! ) sollten sich auf ein paar „Geplänkel“ an einem der zahlreichen Checkpoints einstellen. „Allein weiterfahren?? Völlig unmüglich! Viiiel zu gefährlich.“ Alsdann wartet man auf den nächsthöreren Vorgesetzten, der einen wiederum an den nächsten „Verantwortlichen“ weiterleitet. So kam es, dass ich für 600 Kilometer eine Polizei-Eskorte zur Seite gestellt bekam – ein Pickup, besetzt mit Gewehrschützen, der mir treu einen auf den anderen Tag folgte! Für jeden Schritt abseits der Straße waren anstrengende Diskussionen mit meiner Begleitung nötig. Als ich schließlich nach Assiut hineinfuhr – ein Polizeiauto vor mir, eines hinter mir, jeweils voll besetzt – fühlte ich mich wie bei einem Einzelzeitfahren bei der Tour de France. Sollte einmal kein Hotel greifbar sein, lohnt es sich, nach der nächsten Kirche zu fragen. In Sohag schlief ich in der örtlichen koptischen Kirche – inkl. Audienz bei Bischof Bachum!
Eine Reise durch das Niltal auf eigenen Wegen? – auch im touristisch erschlossenen Ägypten noch ein Abenteuer!

Hoch von Sand, Fels und Himmel auf dem SinaiÜber den Suez Kanal mit Hugo, einem französischen<br />
Weltumradler (...für Räder verboten)<br />
Eine typische SehenswürdigkeitAbendessen! Auf dem Sinaisebbl<br />
Shinx<br />

Der Karrikaturenstreit – Reisen in einem islamischen Land
Auch wenn Touristen in Ägypten keine Seltenheit sind – es ist ein arabisches Land und so gelten die üblichen Regeln auch dort. Allzu offenherzige Kleidung gilt als albern und respektos. Insbesondere die Frauen könnten damit möglicherweise unangenehme „Begehrlichkeiten“ seitens der männlichen Bevölkerung wecken! ( inzwischen können es die meisten wohl im Schlaf herunterbeten und doch trifft man noch immer auf ausreichend „Negativ-Beispiele“)
Die Religion nimmt im Alltag der Gläubigen einen Stellenwert ein, den viele „aufgeklärte“ Europäer kaum mehr nachvollziehen können. Der Karrikaturenstreit fiel just in meine Zeit in Kairo und so hatte ich die Möglichkeit, jenen mit ägyptischen Freunden offen zu diskutieren. Die jeweiligen Für und Wider gehören sicher nicht auf diese Seiten – ein Zitat sei mir erlaubt: „Du kannst meinen Vater angreifen. Meinen Sohn. Das können/haben wir unter uns auszumachen. Aber lass meinen Propheten in Ruhe!!!
Schließlich – Ich fühlte mich während 6 Monaten im arabischen Kulturkreis sehr wohl  und – nun in Schwarzafrika – vermisse ich zuweilen die respektvolle Distanz und große Gastfreundschaft gegenüber dem Reisenden in der arabischen Welt.

Wild campen in Ägypten?
Wild campen ist eigentlich nur auf dem Sinai oder in der Wüste möglich. Im dichtbevölkerten Niltal ist es schwierig, einen ruhigen Platz zu finden. (Und – Polizeieskorten lassen einen ohnehin nicht ohne gewichtigen Grund anhalten!) Andererseits ist es kaum ein Problem, in den Städten eine – auch preisgünstige – Unterkunft zu finden.

Muss man die Pyramiden wirklich gesehen haben?
Klar! Zumindest einmal. Dann heißt es: Man wappne sich gegen Myriarden von Touristen, Souvenirverkäufern und Kamelführern. Blendet man all dies aus, so sind diese Bauwerke einfach gigantisch – im wahrsten Sinne des Wortes. Am Fuße einer Pyramide zu stehn, sich gedanklich in die Zeit ihrer Erbauung zurueckzuversetzen und die Vorstellung, dass diese Bauwerke einst komplett mit weißem Marmor bedeckt waren……..! Ein Besuch bei den etwas kleineren Stufen-Pyramiden bei Fayum lohnt sich, da sie nicht soo überlaufen sind. Dann ist aber auch genug!

Weiterschmökern:


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Kommentare

  1. avatar
    1
    Christina | 3. April 2012, 09:17

    Ich finde diesen Reisebericht sehr beeindruckend. Nicht nur weil Sie mit dem Rad da unterwegs waren, sondern auch weil Sie das wahre Ägypten kennengelernt haben, jenseits der Touristenattraktionen. Super Idee und sehr inspirierend!

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Short Cuts Ägypten

An/ Einreise:
Ägypten ist einfach zu erreichen! Mit dem Flugzeug nach Kairo, Alexandria, Hurghada oder Sharm el Sheik. Den “Langsamen” stehen folgende Grenzübergänge zur Verfügung:
Von/nach Libyen in Soloum im äußersten Nord-Westen;
Von/nach Israel in Elat (Achtung! Wer weiter in den Sudan oder nach Libyen fahren möchte, sollte diesen Grenzübergang unbedingt (!) meiden! Diese Länder stellen keine Visa aus, sobald Ihr einmal in Israel gewesen seid – ägyptischer Einreisestempel jenes Grenzübergangs genügt als “Beweis”!!! );
Von/nach Jordanien mit dem Schiff von Aquaba/ Jordanien;
Vom/in den Sudan – mit dem Schiff über den Assuan-Stausee nach Wadi Halfa; auf dem Landweg entlang der Küste ( = kein “gewöhnlicher” Übergang = vorher aktuelle Infos einholen!);
Weiterhin könnt Ihr mit dem Schiff z.B. von Zypern nach Alexandria fahren.
All jene Grenzübergänge waren im Frühjahr '06 offen und problemlos zu passieren.

Visum
Das Visum erhaltet Ihr an der Grenze, Kosten im November 2005: 15 USD

Währung und Preisniveau
Das ägyptisches Pfund ist relativ stabil. Abseits der touristisch überlaufenen Pfade lebt es sich ausgesprochen preiswert. Ein komplett magenfüllendes Mittags-Mahl ist auch in Kairo für 3 EP zu haben! Sobald Ihr eine “TouristArea” betretet, wird gern bis zum zehnfachen verlangt! Kein Problem so  Ihr die Preise kennt und ein wenig Arabisch könnt (Kauderwelsch genügt!) – etwas Feilschen, Scherzen...

Sprache
Amtsprache ist Arabisch. Es existieren verschiedene Dialekte. Keine Scheu – einmal erlernte Phrasen ausprobieren – wirkt Wunder und man korrigert Euch vergnügt.

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Ägypten

Nicht vergessen

Sonnenschutz in Form angemessener Kleidung,

gute Sonnenbrille und Lotion,

Evtl. Multivitamin/ Mineraltabletten

Engelsgeduld! (Hey my friend! Camel-Ride??? Felukka-Ride??? What do you want – I have it!!! )

Literatur

Lonely Planet “Egypt” von Virginia Maxwell, Mary Fitzpatrick, Siona Jenkins, 8. Auflage, 2006.

Ägypten individuell von Wil und Sigrid Tondok, 16. Auflage, 2006: 115 Pläne und Karten, 8-seitiger Farbatlas

Ägyptisch-Arabisch Wort für Wort von Hans-Günter Semsek, Kauderwelsch: da klappt es mit der Verständigung