Im Land der hohen Pässe – Exkursion in Ladakh

Im Land der hohen Pässe - Exkursion in Ladakh

Lange hatten wir gewartet und lange hatten wir uns darauf gefreut. Doch leider musste unsere rund vierwöchige Exkursion des Südasieninstitutes der Universität Heidelberg nach Ladakh um sechs Tage verschoben werden. Grund waren starke monsunartige Regenfälle und Überflutungen in Srinagar im Bundesstaat Jammu und Kaschmir, die auch die Flugverbindungen zwischen Delhi und Leh zum Erliegen brachten.

In dieser Zeit besichtigten wir gezwungenermaßen die Mega-City New Delhi, die einige interessante Orte wie die chaotischen Bazare in Old Delhi, den größten Sikhtempel der Stadt „Gurudwara Bangla Sahib“, das berühmte „Red Fort“ und auch die große „Jama Masjid“- Moschee bereitstellte. Ein weiterer Höhepunkt war die Besichtigung des Mausoleums „Safdarjung tomb“ bei Sonnenuntergang. 3 Uhr morgens pendelten wir dann regelmäßig zum Flughafen mit dem Ergebnis, das unser Flug zunächst verspätet und, nach einem gesponserten Frühstück von Air India, schließlich abgesagt wurde.

Warum Indien – Ladakh

Nach gut einer Woche bangen Wartens gab es dann aber schließlich grünes Licht und unsere atemberaubende Reise über die Himalaya-Hauptkette ins Transhimalaya begann. Ladakh ist eine Hochgebirgswüste und liegt im äußersten Nordwesten Indiens. Die Region ist aus geopolitischer Sicht ein höchst umstrittenes Gebiet und liegt zwischen den drei Atommächten Indien, Pakistan und China. Am Siachen-Gletscher, dem höchsten „Kriegsschauplatz der Erde“ stehen sich Pakistanis und Inder seit vielen Jahren in einem Stellungskrieg gegenüber. Die meisten Todesopfer sind jedoch nicht durch Kriegsereignisse, sondern durch Höhenödeme und Lawinen, sowie Gletscherspalteneinbrüche von Soldaten zu beklagen. Auch geologisch und geomorphologisch zählt Ladakh zu den faszinierendsten Ecken des indischen Subkontinents. Ophiolithkomplexe, Glatthänge, Schuttfächer und natürlich auch Gletscher (meist in hohen Höhen von über 5000 Meter) sind ein spezifisches Charakteristikum dieses peripheren Hochgebirgsraumes, dessen Bevölkerung vorwiegend von der Landwirtschaft, speziell dem Bewässerungsfeldbau, lebt.
Eines der sicherlich interessantesten Fakten über Ladakh ist die Verbindung zu Tibet. Oftmals werden Synonyme wie „Klein-Tibet“ oder „Land der Lamas“ für Ladakh benutzt, die eine Verknüpfung zum tibetischen Buddhismus darstellen sollen. Tatsächlich ist Ladakh viel mehr als das: Als Teil einer ehemaligen Karawanenroute zwischen Indien und China ist es auch heute noch ein Schmelztiegel zwischen Buddhismus und Islam, wobei der Leh-Distrikt eher buddhistisch und der Kargil-Distrikt eher muslimisch geprägt ist. Die jahrhundertealten Klöster Ladakhs konservieren dabei das kulturelle Erbe Tibets und in vielen Siedlungen Ladakhs leben Exil-Tibeter. 

Namgyal Tsemo Kloster im AbendrotIdylle in einem Dorf LadakhIm Schatten der Zanskar Range

Was Sie schon immer über INDIEN/LADAKH wissen wollten…

Wo kann man am besten alles organisieren?
Das administrative und wirtschaftliche Zentrum Ladakhs ist die Hauptstadt Leh. Sie ist auch Ziel für den Flugverkehr nach Delhi und liegt auf rund 3500 Metern. Gerade in den ersten Tagen, wo man sich an die Höhe gewöhnen muss, bieten die engen Gassen von Leh viele Möglichkeiten zum herumschlendern und zum Kauf von Ausrüstung für den Trek. Es gibt viele kleine Gästehäuser mit Restaurants, sowie zahlreiche Reiseagenturen im Stadtzentrum unterhalb des Königspalastes, wo unzählige Outdoor-Angebote buchbar sind und sich entsprechende Genehmigungen besorgen lassen. Ein angenehmer Platz, um bei einem Glas Sanddorn- oder Aprikosensaft zu entspannen und seine Plastikwasserflasche für günstige 7 Rupien umweltfreundlich auffüllen zu lassen, ist der kleine Bioladen „Dzomsa“ in der Nähe des Mainbazars. Hübsch ist auch die Aussicht vom 4267 Meter hohen „Shanti-Stupa“, wo man wunderbare Sonnenuntergänge mit Blick auf die Altstadt von Leh werfen kann, insbesondere auf das 600 Jahre alte Kloster „Namgyal Tsemo“ oberhalb des Königspalastes.

Welche Gebiete in Ladakh sind besonders zu empfehlen?
Ziele unserer Exkursion waren neben der Hauptstadt Leh unter anderem das Indus -Tal, mit dem berühmten Kloster „Thikse“; desweiteren der „Khardung La“, mit über 5400 Meter der höchste befahrbare Pass der Welt. Das abgelegene Nubra-Tal unweit der pakistanischen Grenze, sowie der touristisch etwas unbekanntere Kargil-Distrikt, den wir, um zum Ausgangspunkt unserer 9-tägigen Trekking-Tour durch die Zanskar Range zu gelangen, durchquerten, ist ebenfalls einen Abstecher wert. Besonders imposant ist das Nubra-Tal, das man nur über den Khardung La erreicht. Die Fahrt auf den Pass ist lang und mit vielen Kurven auch sehr beschwerlich. Kurz nach der Überquerung hat man traumhafte Blicke auf den Karakorum, eines der beeindruckendsten Hochgebirge der Welt. Unweit der pakistanischen Grenze befindet sich der kleine Ort Hundar, wo man im malerischen Ambiente der Sanddünen auf Kamelen dem Sonnenuntergang entgegenreiten kann. Auch die Vegetation ist markant und wird durch einen einzigartigen „Sanddornbaum-Wald“ geprägt. Etwas seltsam mutet die ständige Präsenz des indischen Militärs an, das bei den abgelegensten Orten seine Camps errichtet hat. Als weiterem Insider-Tipp empfehle ich den muslimisch geprägten Kargil-Distrikt, eine Region, die touristisch bislang dem Leh-Distrikt hinterherhinkt. Im Suru-Tal sieht man viele Moscheen im Hochgebirge – ein für Westeuropäer exotischer Anblick.

Um unsere Trekkingtour zu beginnen, mussten wir durch das Suru-Tal fahren, vorbei an den beiden Zwillingsbergen Nun und Kun, die mit über 7000 Metern zu den höchsten der Region gehören. Die Anreise bis nach Padum, dem letzten größeren Ort vor unserer Trekkingtour betrug zwei Tage. Der erste Tag von Leh bis nach Kargil über das schöne Kloster Lamayuru führte noch über eine mittlerweile komplett geteerte Straße während der zweite Tag auf 160 Kilometer Schotterpiste verlief. Am dritten Tag besichtigten wir dann das wunderbare Kloster Stongde, dass wenige Kilometer entfernt von Padum liegt und von dem man eine fabelhafte Aussicht auf den Zanskar-Fluss und die Himalaya-Hauptkette genießt. Die Mönche freuen sich über jeden Besucher und geben gerne auch eine kostenlose Führung durch die ehrwürdigen Räumlichkeiten, die dann aber mit einer geringen Spende entlohnt werden sollte.

Mönch im Kloster von StongdeIm größten Sikh Tempel von Neu DelhiHorsemen aus PishuSonnenaufgang im Suru TalBlick vom Stonge KlosterDie ExkursionsgruppeDas zauberhafte Örtchen PhotoksarSafdarjung Tomb bei Sonnenuntergang in DelhiSanft windet sich der Yampu-Fluss durch den BergJunge in KhalatseDer Zanskar Fluss in der Nähe von PishuTibetische Händlerin in Padum

Welche Trekkingtour ist besonders aufregend?
In Ladakh gibt es eine Vielzahl an Wandermöglichkeiten. Der bekannteste Trek ist der Markha Valley Trek mit einer optionalen Besteigung des über 6000 Meter hohen Stok Kangri, der aber relativ überlaufen sein soll. Aufgrund der durch die Überflutungen in Kaschmir hervorgerufenen Flugausfälle mussten wir unsere Trekkingtour etwas modifizieren. Schließlich haben sich unsere Dozenten für einen Trek entschieden, der von Pishu über neun Tage bis nach Lamayuru führt. Dabei musste man fast jeden Tag einen oder zwei Pässe überqueren, die höchsten waren um die 5000 Meter hoch. Insbesondere von den Höhenunterschieden betrachtet, zählt dieser Trek zu den anspruchsvolleren. Wir hatten eine richtige kleine Expeditionsgruppe mit Pferden als Lasttiere, Horsemen, Köchen, Helfern und zwei Mountain-Guides aus Nepal. Dennoch gibt es in den kleineren Ortschaften, die man auf dem Weg passiert, eine wachsende touristische Infrastruktur in Form von kleinen Lebensmittelläden, an denen man seine Vorräte aufstocken kann. Ein besonders schöner Ort auf der Tour ist das kleine Dorf Lingshed. Um dorthin zu gelangen, muss man zunächst über den Purfi La (3850 Meter) und den Hanuma La (4710 Meter), bevor man diesen abgeschiedenen Ort erreicht. Kurz vor dem höchsten Pass Singe La auf knapp 5000 Metern endet dann die Romantik: Eine Straße ist in Planung und mit dem Bau wurde bereits begonnen! Noch fahren keine Autos, aber in ein paar Jahren könnte der Trek der Vergangenheit angehören bzw. müsste stark verändert werden. Nach einem scheinbar endlosen Abstieg mit einer stark veränderten Vegetation erreicht man das hübsche Dorf Photaksar, das von malerischen Schuttkegeln und steil aufragenden Bergen eingerahmt wird. Einen weiteren Pass, nämlich den Sisir La gilt es zu bewältigen, bevor es durch ein sehr schmales, aber ausgesprochen beeindruckendes Tal geht. Von dort sind es dann noch 2 Tagesmärsche nach Lamayuru, die teilweise auf Straßen verlaufen.

Fazit
Ladakh ist eine einzigartige Region, für die viel Zeit eingeplant werden muss. Kaum ein Gebiet auf der Welt offeriert eine solche Vielzahl an geologischen, geomorphologischen, geopolitischen und kulturellen Besonderheiten. Das wüstenhafte Erscheinungsbild, der eigenartige Kontrast zwischen militärischer Präsenz und Tourismus, ein nebeneinander von Klöstern und Moscheen, sowie die Freundlichkeit der einheimischen Bevölkerung lassen das Herz des Reisenden höher schlagen.

Weiterschmökern:


Kommentar-Feed Kommentar schreiben oder Trackback einrichten

Vorheriger Eintrag
Nächster Eintrag

Kommentar schreiben

Short Cuts Indien - Ladakh

Sprache:
In Ladakh wird Ladakhi gesprochen, eine Sprache, die relative Ähnlichkeiten mit dem Tibetischen haben soll. Hindi ist Amtssprache und wird in den Schulen gelehrt, in den muslimischen Teilen auch Urdu. Mit Englisch kommt man aber in den Touristenzentren ganz gut durch, in ländlichen Räumen kann es schwieriger werden und man muss mit Händen und Füßen arbeiten bzw. hat einen Dolmetscher.

Geld:
Landeswährung ist die indische Rupie, die man am Automaten in Leh oder Delhi bekommt bzw. auch in Wechselstuben tauschen kann. 80 Rupien sind etwa 1 € (Stand: September 2014). Ich hatte auch Dollar und Euro als Notnagel dabei, die man ohne Probleme überall umtauschen kann.

Beste Reisezeit:
Im Gegensatz zum Rest von Nordindien bereist man Ladakh am besten in den Sommermonaten Juli, August und September. Wir waren im September da, wo der Touristenansturm schon abgeebbt ist. Im Juni können viele Pässe durch Schnee noch unpassierbar sein, Ende Oktober fegen bereits die ersten Winterstürme über die Region. Auch im September kann es noch sehr heiß werden mit Temperaturen um die 25 Grad, nachts dagegen sind Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes nicht unüblich.

Anreise:
Am schnellsten mit dem Flugzeug von Frankfurt über Delhi nach Leh. Es gibt aber auch eine mehrtägige Verbindung mit dem Bus über viele hohe Pässe von Delhi nach Manali und dann nach Leh. Das Visum für Indien muss unbedingt vorher in Deutschland beantragt werden!

wwwo beginnen

Viele Informationen, also wirklich „alles über Ladakh“ findet man auf dieser Seite:
allesueberladakh

Diese Website bietet Informationen zu Zanskar und anderen Gebieten von Ladakh:
reachladakh

Helena Norberg-Hodge ist eine schwedische Umweltaktivistin, die seit vielen Jahren in Ladakh lebt. Hier kann man das Konzept ihrer NGO nachlesen, dessen Kernpunkt das Ladakh Project darstellt:
localfutures

Indien - Ladakh

Nicht vergessen

  • Sonnenschutz!!! Die intensive Höhensonne in Ladakh erfordert Kopfbedeckung, Sonnenbrille und viel Sonnencreme (Lichtschutzfaktor 50). Ich habe mir die Kniekehlen verbrannt, also sind auch kurze Hosen mitunter mit Vorsicht zu genießen wink

 

 

  • Zelt und Isomatte bei Camping-Trips in abgelegene Regionen wie das Zanskar-Tal (kann aber auch in Agenturen gemietet werden)

 

  • Stirnlampe für Lesespaß im Zelt und bei nächtlichen Ausflügen auf die Toilette.

 

  • Gute eingelaufene Wanderschuhe damit die Trekkingtour noch mehr Spaß macht.

 

  • Wasserfilter: Ich war hochzufrieden mit dem neuerworbenen, sehr leichten Hohlfasermembranfilter von Care-Plus. Bei Zweifel kann man auch noch Micropur mitnehmen

Literatur

Ich hatte keinen Reiseführer dabei, sondern habe mich eher von der Exkursionsleitung leiten lassen. Ein Buch über den Alltag und die Kultur Ladakhs gibt es von Helena Norberg Hodge: Leben in Ladakh. Mit einem Vorwort des Dalai Lama. Freiburg.
Interessant ist auch der Bericht Heinrich Harrers von 1978, der das Leben in Ladakh kurz nach der Öffnung für den Tourismus 1974 eindrucksvoll darstellt: Ladakh. Götter und Menschen hinterm Himalaya.