Abwechslung pur in Nicaragua

Abwechslung pur in Nicaragua

September 2007: Von San José, der Hauptstadt Costa Ricas, ging´s mit dem Bus direkt an die nicaraguanische Grenze und von dort aus mit dem Boot über den Río San Juan zum Dschungelort El Castillo. Nach einem Abstecher zu den Solentiname-Inseln war die Vulkaninsel Ometepe im Nicaragua-See die nächste Station. Von dort aus weiter in die Kolonialstädte Granada und Leon. Abschließend habe ich noch eine einwöchige Runde durchs nördliche Bergland mit Aufenthalten in Matagalpa, Jinotega, Estelí und den Naturpark Miraflor gedreht.

Warum Nicaragua

Nicaragua ist kaum (massen)touristisch erschlossen, noch sehr ursprünglich, landschaftlich reizvoll und äußerst vielseitig. Vulkanbesteigungen, Dschungeltouren, Kolonialstädte, Baden im Pazifik – bei so viel Abwechslung kommt keine Langeweile auf. Zudem ist Nicaragua ein ziemlich sicheres Reiseland mit netten Leuten und entspannter Atmosphäre: laut Statistik hat es die niedrigste Kriminalitätsrate in ganz Zentralamerika.

Blick zum Concepcion-Vulkan auf OmetepeDer Dschungelort El CastilloKolibri im Naturpark Miraflor

Was Sie schon immer über NICARAGUA wissen wollten…

Wie kommt man am besten von Costa Rica nach Nicaragua?
Der direkte Weg führt mit dem Bus über die Panamerikana. Wer allerdings ausreichend Zeit hat, sollte jedoch über den landschaftlich viel reizvolleren Grenzübergang am Río San Juan einreisen. Im Morgengrauen fährt von San José aus ein Bus in fünf Stunden zum Grenzort Los Chiles. Nach Erledigung der Grenzformalitäten steigt man hier in ein kleines Motorboot, das einen entlang des kleinen Nebenflusses Río Frio in einer Stunde zum nicaraguanischen Grenzort San Carlos bringt. Der Fluss führt durch dichte Vegetation, mit etwas Glück sieht man unterwegs bereits etwas von der vielfältigen Tierwelt, so dass der Grenzübertritt fast schon zu einer kleinen Dschungeltour wird.
Wie kommt man im Land voran?
Normalerweise mit dem Bus, in einigen Gegenden aber auch ausschließlich mit dem Boot. Von San Carlos fahren kleine Motorboote (sogenannte Pangas) entlang des Río San Juan und zu den Solentiname-Inseln. Mit einer großen Fähre gelangt man mit einem Zwischenstopp auf der Ometepe-Insel nach Granada. Im Rest des Landes ist der Bus das Hauptverkehrsmittel. Zwischen den größeren Städten verkehren Kleinbusse als Sammeltaxis und im Hinterland ist man meist in den typischen, ausgemusterten us-amerikanischen Schulbussen unterwegs.
Was gibt´s zu essen und zu trinken?
Nicaraguas Nationalgericht, an dem niemand vorbeikommt, heißt Gallo Pinto. Es besteht aus gebratenem Reis und Bohnen, je nach Geschmack kann man sich Maniok, Kochbananen, Spiegelei oder anderes dazu servieren lassen. Obwohl in Nicaragua ausgezeichneter Kaffee angebaut wird, werden passionierte Kaffeetrinker enttäuscht sein: mit wenigen Ausnahmen bekommt man in Cafés und Restaurants Instantkaffee serviert. Das nicaraguanische Nationalgetränk ist Rum der Marke Flor de Caña, den es an jeder Ecke zu kaufen gibt.
Was waren die Höhepunkte der Reise?
Rio San Juan:
Der Rio San Juan schlängelt sich auf seinem Weg vom Nicaragua-See zum Atlantik durch dichten, ursprünglichen Regenwald. Ein guter Ausgangspunkt für Dschungeltouren ist der kleine Ort El Castillo, der ausschließlich per Boot erreicht werden kann. Hier gibt es mehrere einfache Restaurants, günstige Unterkünfte und eine alte spanische Festung (heute mit interessantem Museum), die die Städte Nicaraguas im 17. Jahrhundert vor Piratenangriffen schützen sollte. Dschungeltouren werden im Ort zum Festpreis angeboten, deshalb lohnt es sich, morgens die Unterkünfte abzuklappern, um Mitstreiter zu gewinnen oder sich einer anderen Gruppe anzuschließen. Besonders empfehlenswert ist ein Ausflug zum Reserva Biológica de Indio Maíz. Mit etwas Glück kann man hier im dichten Dschungel Pfeilgiftfrösche, Tukane, Affen und andere Tiere beobachten. Achtung: genügend Bargeld einstecken, denn im gesamten Gebiet des Rio San Juan und auf der Ometepe-Insel gibt es keine Geldautomaten!
Ometepe:
Die Ometepe-Insel liegt mitten im Nicaragua-See und wird durch die zwei Vulkane Concepción und Maderas und eine sie verbindende Landenge gebildet. Ich habe mich vor allem auf dem Südteil der Insel rund um den Maderas-Vulkan umgeschaut. Höhepunkt war die Besteigung des Vulkans, ansonsten kann man baden, zu einem Wasserfall wandern oder einfach nur faul in der Hängematte rumliegen.

Markt in JinotegaLeonSolentiname-Inseln im Nicaragua-See

Kolonialstädte Granada und León:
Granada liegt direkt am Nicaragua-See und ist die besser erhaltene der beiden Städte. Der gesamte historische Stadtkern wurde saniert und erstrahlt heute in neuem Glanz. Granada ist die wohl touristischste Stadt Nicaraguas, hier gibt es viele Cafés, Restaurants und Kneipen, Kirche und Museen, so dass man problemlos einige Tage in der Stadt beschäftigt ist. Empfehlenswert ist auch eine Bootsfahrt durch ein Insellabyrinth auf dem Nicaragua-See oder ein Ausflug zum nahegelegenen Vulkan Mombacho. Leon ist dagegen weit weniger touristisch erschlossen und wirkt ursprünglicher und lebhafter als Granada. Auch hier gibt es viele Kirchen und Museen und der Pazifische Ozean liegt praktisch direkt vor der Haustür (30 min Busfahrt). Zudem ist León ein idealer Ausgangspunkt für zahlreiche Vulkanbesteigungen.
Der Norden:
Touristisch weitestgehend unerschlossen ist das vom Kaffeeanbau geprägte nördliche Bergland. Die verschlafenen Provinzstädte Matagalpa und Jinotega haben selbst nicht viel zu bieten, sind aber ein guter Ausgangspunkt für kleine Wanderungen oder zur Besichtigung von Kaffeeplantagen. Empfehlenswert ist der Besuch der Finca Selva Negra. Neben einem Restaurant und Übernachtungsmöglichkeiten bietet die Finca Führungen durch die Kaffeeplantagen und mehrere längere Wanderwege durch unberührten Bergregenwald. Absoluter Höhepunkt im nördlichen Bergland Nicaraguas ist der Besuch des Naturparks Miraflor (Ausgangspunkt ist die Stadt Estelí). Hier kann man Ausflüge in den Bergregenwald unternehmen, ursprüngliche Landwirtschaft erleben oder per Pferd die Umgebung erkunden. Übernachtet wird bei ortsansässigen Familien.
Vulkanbesteigungen:
Insgesamt habe ich drei sehr unterschiedliche Vulkane bestiegen: den Maderas auf der Ometepe-Insel, den Mombacho bei Granada und den Telica in der Nähe von León. Der Maderas ist der südliche Vulkan der Ometepe-Insel – er ist mit dichtem Bergregenwald bewachsen. Nach einem langen, anstrengenden Aufstieg zum Kraterrand steigt man in den Krater hinab, an dessen Grund sich ein See befindet (Laguna). Wer Lust hat, kann sich hier mit einem Bad erfrischen. Der Mombacho liegt nur wenige Kilometer von Granada entfernt und ist wohl einer der am bequemsten zu erreichende Vulkan Nicaraguas: auf der Ladefläche eines umgebauten Militär-LKWs gelangt man zum Gipfel. Oben gibt es eine Forschungsstation, einen Rundweg durch dichten Dschungel am Kraterrand entlang, Fumaroles (Löcher, aus denen Schwefeldampf entweicht) und tolle Ausblicke auf Granada. Der Telica liegt in der Nähe von León. Mehrere Agenturen in der Stadt bieten Exkursionen an. Besonders empfehlenswert ist die Non-profit-Organisation Queztaltrekkers (siehe rechts). Nach einer kurzen Busfahrt steht einem noch ein etwa 5 km langer Anmarsch zum Fuß des Vulkans bevor. Nach einem kurzen, aber schweißtreibenden Anstieg kann man sich (am besten auf allen Vieren) an den Rand herantasten und einen Blick in den rauchenden Krater werfen.
Übernachtungstipps:
• San José (Costa Rica): Casa Ridgeway – einfach, ruhig und günstig. Genau das Richtige, wenn man auf dem Weg vom oder zum Flughafen nur auf der Durchreise ist.
• San Carlos: Hotel-Cabinas Leyko – schlichte, saubere Räume in einem Holzhaus. Noch die beste Wahl unter den eher schäbigen Unterkünften des Ortes
• El Castillo: Hotel Victoria – bestes Preis-Leistungsverhältnis (wenn man in der Nebensaison etwas handelt). Nette Besitzerin, Hängematten, direkt am Fluss.
• Ometepe: Albergue Exológico El Porvenir – Nahe der Kreuzung bei Santa Cruz auf der Südseite der Insel. Gute Zimmer, Essen aus dem Bio-Garten und ein toller Ausblick auf den Vulkan Concepción.
• León: Vía Vía – mein Favorit in ganz Nicaragua. Frisch renovierte, um einen Patio angeordnete Zimmer, fairer Preis, gutes Essen und nette Besitzer. Immer montags kann man bei einem Quizabend eine Flasche Rum gewinnen.

Weiterschmökern:


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Short Cuts Nicaragua

Beste Reisezeit: Durch Nicaragua kann man das ganze Jahr über reisen. Selbst in der Regenzeit (Mai-November) ist dies ohne Probleme möglich, man muss sich halt nur auf den einen oder anderen heftigen Regenguss einstellen. Dafür wird man mit einer frischen, grünen Landschaft und oft günstigeren Nebensaissonpreisen in den Unterkünften entschädigt.

Anreise: Mit einem relativ preiswerten Charterflieger nach San José (Costa Rica) oder mit einem Linienflug nach Managua.

Einreise: Reisepass, der mindestens noch 6 Monate gültig sein sollte. Visum gibt’s am Flughafen oder am Grenzübergang.

Sprache: Spanisch. Leute, die im Tourismusbereich arbeiten, sprechen manchmal etwas Englisch.

Geld: Die Währung heißt Córdoba. Geldautomaten gibt´s nur in großen Städten. Reiseschecks sind unüblich geworden. Wenn man länger in abgelegenen oder ländlichen Gegenden (Río San Juan, Ometepe-Insel) unterwegs ist, sollte man vorher ausreichend Bargeld einstecken.

wwwo beginnen

vianica. Umfangreiche Seite mit vielen Informationen zu Nicaragua, z.B. Geschichte, Kultur, Tierwelt, Tourismus u.v.a.m.

quetzaltrekkers Die Queztaltrekker bieten Vulkanbesteigungen in der Umgebung von León an. Die Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich und alle Einkünfte werden an gemeinnützige Projekte gespendet.

viaviacafe Internetseite des VíaVía-Hostals in León.

miraflor Schön gestaltete Internetseite des Naturparks Miraflor in der Nähe von Estelí im Norden des Landes.

Nicaragua

Nicht vergessen

Taschenlampe: Da die Stromversorgung in Nicaragua den Bedarf nicht deckt, wird in den Städten oft jeden Tag zu festgelegten Zeiten der Strom einfach stundenweise abgeschaltet (manchmal ebenso das Wasser).

Regenschutz: besonders in der Regenzeit sollte man umfassend ausgerüstet sein: leichte Regenjacke oder Poncho, Regenhose und Regenschirm am besten immer dabeihaben.

Feste, knöchelhohe Schuhe: bei Vulkanbesteigungen ist man oft in unwegsamem Gelände unterwegs und auch im Dschungel sollte man nicht in Sandalen rumlaufen.

Geldgürtel: Ein sicherer Ort für´s Bargeld.

Literatur

Veronika Schmidt: Kauderwelsch Sprachführer Nicaragua. Bielefeld 1998. Sprachführer, der auf die Besonderheiten der spanischen Sprache in Nicaragua eingeht.

Gerd Schuhmann: Nicaragua: entre pobreza y esperanza. München 2007. Lesetexte für fortgeschrittene Spanischlernende.  Für alle, die schon etwas Spanisch können. Hier kann man etwas über Land und Leute erfahren und gleichzeitig sein Spanisch auffrischen.

Verlag Reise Know-How: Nicaragua, Honduras, El Salvador. 1 : 650 000. Übersichtskarte mit vielen Details