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Teaserbild: Langstreckenwandern auf der Fjordruta

Langstreckenwandern auf der Fjordruta

Langstreckenwandern auf der Fjordruta

Auf der Fjordruta kann man ohne großen Vorbereitungsaufwand 2 Wochen lang 190 km wandern gehen. Die Tour beginnt direkt am Flughafen in Kristiansund und führt in einer großen Runde über 5 Inseln zunächst Richtung Norden. In der nördlichsten Siedlung der Rundwanderung, Vinjeøra, verläuft die Tour östlich des Fjords wieder in südlicher Richtung durch den gebirgigen Ostteil der Fjordruta zurück zum Flughafen. Für die Planung dieses schönen küstennnahen Wanderwegs hat der Leiter des Wandervereins Kristiansund, Eirik Gudmundsen, die königliche Verdienstmedaille erhalten!
Aber Achtung, die Tour ist nicht auf allen Abschnitten für Einsteiger geeignet: Im gebirgigen Osten kämpft man sich auf einigen Etappen zweimal am Tag von Meereshöhe auf 600m hoch … und wieder runter! Wir, Annett und Mustapha aus Leipzig, haben im September 2014 die ganze Fjordruta mit dem Zelt in 12 Tagen erwandert.

Warum die Fjordruta

Sucht man eher allgemein nach Wandergebieten in Norwegen oder lässt sich von den gängigen Tourenvorschlägen durch die Nationalparks leiten, wird man nicht als Erstes auf die Fjordruta stoßen. Die Fjordruta steht auch nicht unbedingt ganz oben auf der Liste der spektakulären Norwegen-Touren durch steile Fjorde und wilde Natur. Ich kann die Tour trotzdem empfehlen, weil sie als küstennahe Langstreckenwanderung zwischen Atlantik und Trollheimen wie kaum eine andere Tour sehr unterschiedliche Landschaften aufweist:
Von den flachen Gipfeln auf den östlichen Inseln kann man in Meeresnähe die sanften Fjorde und die vielen kleinen Atlantikinseln überblicken. Kiesstrände und einsame Buchten wechseln sich mit Wald, Sumpf- und Graslandschaften ab und gehen langsam ins Fjell der Gebirge über. Die Strecken im Südosten sind abgeschiedener und verlaufen über die Berge mit Aussicht auf Trollheimen. Ich habe die Fjordruta auf der Suche nach einem Wandergebiet entdeckt, in dem auch im norwegischen Herbst noch mit Zelt und 3-Jahreszeitenausrüstung eine Langstreckenwanderung möglich ist. Inspiriert hat mich der gleichnamige und empfehlenswerte Wanderführer von Alexander Geh.

am frühen Morgen auf den westlichen Hochebenen - Mustapha-OaallaAusblick vom Skarven (800m) über den Fjord Richtung Trollheimen - Mustapha OuaallaAufstieg zum Skarven im dichten Morgennebel - Mustapha Ouaalla

Was Sie schon immer über die FJORDRUTA wissen wollten…

Was sind die Highlights auf der Tour?
Die Fjordruta wartet nicht mit umwerfenden Fjorden wie in Aurlandsdalen, am Lyse- oder Geirangerfjord auf. Der Wanderer wird aber trotzdem nicht enttäuscht werden. Die Strecke überrascht dafür mit anderen nicht weniger schöneren Aussichten. Auf dem 900m hohen Skarven hat man bei klarer Sicht einen Rundumblick über das Meer, die Insel im Westen, die Fjorde bis hin zu den Eisfeldern und gezackten Gipfeln Trollheimens. Wie auf jeder anderen Wanderung auch, sind es die kleinen, unerwarteten und persönlichen Erlebnisse, die den Reiz der Strecke ausmachen. Mir haben besonders die Berge südlich des Vinjefjorden gefallen: Inmitten der herbstlichen Fjellfarben an einem kleinen Bergsee auf 700m Höhe sein Zelt aufschlagen und morgens den Sonnenaufgang mit Blick auf Trollheimen erleben, wenn die Täler noch wolkig mit Nebel gefüllt sind und nur die Bergspitzen und Eisflächen glänzend aus den Wolken ragen. Auf der Fjordruta habe ich auch zum ersten Mal selber im Meer nach Miesmuscheln gesucht und diese dann auf unserem kleinen Gaskocher zubereitet.

Eine Wanderung entlang der Fjordruta: Im Herbst oder doch lieber im Sommer?
Hätte ich vor Antritt der Tour die Wahl gehabt, wäre ich die Strecke lieber im Sommer gelaufen, weil mich die norwegische Blumenwelt so begeistert. Dafür war aber unsere Herbsttour so richtig golden-sonnig und farbenprächtig. Im Gegensatz zu den Tieflagen hingen die Sträucher in den Bergen noch voller Preisel- und Blaubeeren. Der Wald sieht in seinen bunten Herbstfarben mit einer großen Vielfalt an Pilzen aus wie im Märchen und die Gräser auf den kahlen Fjell-Hochebenen leuchten in Goldgelb und Orange. Probleme mit Mücken hatten wir zu dieser Jahreszeit überhaupt nicht mehr, dafür ist das Baden allerdings nur noch was für Abgehärtete – morgens waren manchmal bloß 6 Grad und abends haben sich die Täler in dichten Nebel gehüllt. Während ich im Juli & August in den höheren ungeschützten Lagen wegen der schweren Sommergewitter Bedenken hätte, so exponiert zu zelten, hatte ich Mitte September zum ersten Mal richtig Angst, unser Zelt könnte die straffen Windböen nicht überstehen… Es heißt ja immer wieder in Norwegen sei das Wetter im Herbst „stabiler“ – vielleicht hatten wir aber auch einfach nur Glück, denn in den 12 Tagen September-Fjordruta war’s zwar stürmisch, es hat aber auch bloß an einem Tag mal geregnet. Noch einen wesentlichen Vorteil bietet die Herbstwanderung: Für die Norweger ist mit dem Ende der Sommerferien die Hauptwanderzeit abgeschlossen und man begegnet tagelang nur hin und wieder vereinzelt anderen Wanderern.

Wie kann ich mich auf der 12tägigen Tour versorgen, wenn ich nicht so viele Lebensmittel mitschleppen möchte?
Für eine Langstreckenwanderung auf der Fjordruta ist die Mitgliedschaft im KNT- Hüttenverein auch dann empfehlenswert, wenn man ausschließlich Zeltwandern möchte und auf Selbstversorgung setzt. Wer die ganze Strecke läuft, kommt vor allem auf dem nord-westlichen und südlichen Teil nicht umhin, in den Hütten Lebensmittel nachzukaufen. Die Übersichtskarte aus dem Wanderführer von Alexander Geh gibt zuverlässige Informationen zu den Einkaufsmöglichkeiten. Auch wenn die Größe der Ortschaft Vinjeøra auf der Mitte der Tour vielleicht etwas Anderes suggeriert, aber es gibt zwischen Aure und Halsa keine andere Einkaufsmöglichkeit als in den Hütten des KNT-Vereins. Ein Mitgliedschaft empfiehlt sich deshalb aus zwei Gründen: Die Hütten sind allesamt unbewirtschaftet und nicht immer geöffnet, so dass man bei Bedarf nur als Mitglied mit einem eigenen Schlüssel Zugang hat. Außerdem zahlt man eine reduzierte Gebühr für den Tagesaufenthalt, die selbst dann zu entrichten ist, wenn man nur ein paar Lebensmittel nachkaufen möchte. Wir waren vor Antritt der Tour der festen Überzeugung, den Service des Vereins nicht zu benötigen und dann doch sehr dankbar zweimal einkaufen und einmal sogar übernachten zu können. Ein Tagesaufenthalt z.B. zum Kochen wird unter Umständen nötig, wenn man auf der Tour feststellen muss, dass der Spritvorrat für den Trekkingkocher nicht ausreicht … Gas oder Benzin können auf den Hütten natürlich nicht nachgekauft werden. Die liebevolle Ausstattung der Hütten, das breite Angebot an Lebensmitteln sogar in den entlegeneren Gebieten und nicht zuletzt die Möglichkeit, den Müll auf den Hütten lassen zu können, sind die Mitgliedschaft aber auf jeden Fall wert. Gas kann relativ günstig entweder in einem Baumarkt im Zentrum von Aure (am Kai) oder etwas teurer in der Tankstelle etwas außerhalb von Aure gekauft werden (unübersehbar ausgeschildert – nördlich am Kreisverkehr, Gas & Benzin für alle Kocher).

Heidelbeeren & Preisebeeren - Mustapha OuaallaPilze auf der Fjordruta - Mustapha Ouaallader Seeigel wurde nach dem Fotografieren natürlich wieder an seinen Platz im Wasser zurückgesetzt - Mustapha OuaallaBlick von Imarbu auf Stabblandet - Mustapha Ouaallader klassische Fjordruta-Ausblick - Mustapha  OuaallaGoldene Herbstwiesen auf der Fjordruta - Mustapha Ouaalla

Sind 12 Tage „nur“ Wandern nicht etwas eintönig?
Niemals! Die Landschaft ist herrlich und verändert sich bereits im Verlauf einer Tagestour kontinuierlich. Wer Abwechslung braucht oder zwischendurch einen Tag Erholung von der Wanderung wird diese aber auch zusätzlich noch finden. Nicht nur KNT-Mitgliedern bietet die Tour Freizeitmöglichkeiten: Die Hütte in Imarbu liegt direkt am Fjord. Dort kann man ein Boot und die vollständige Ausrüstung zum Krabbenfischen leihen. Für Anfänger ist das auf jeden Fall ein Erlebnis! Mit Angelschein und entsprechendem Gerät lässt sich auch gut mal am Fjord oder an einem der großen Binnenseen eine Tag Pause einlegen. Wir haben einmal an einem einsamen Kiesstand direkt am Wasser unser Zelt aufgeschlagen und den ganzen Abend begeistert damit verbracht, durch das flache Fjordgewässer zu waten und die vielen Wasserlebewesen und -Pflanzen zu entdecken…Seeigel, Krebse, zahlreiche Fische, Seesterne, Muscheln, Wasservögel … es gab in dem klaren Wasser so viel zu beobachten! An dem Abend haben wir noch Miesmuscheln gesammelt und zur Abwechslung mal was Anderes als immer nur gefriergetrocknete Mahlzeiten gegessen. Im Herbst laden auch die massenhaft wachsenden Pilze und Beeren zum Sammeln ein. Ich bin leider kein Pilzkenner und habe mich deshalb nicht getraut, welche zu probieren, aber nächstes Mal werde ich im Herbst auf jeden Fall einen Pilzführer für Skandinavien mitnehmen. Übrigens hat jede KNT-Hütte ein Sortiment an Pilzbüchern, Wanderführern, Fachbüchern zu Flora und Fauna oder eben auch eine Menge „leichter“ Lektüre nebst Brett- und Kartenspielen für die ganze Familie und Kinderspielzeug für die Kleineren. Als wir den einzigen verregneten Tag auf unserer Wanderung in der kleinen Hütte Gullsteinvollen verbringen mussten, hatten wir die urgemütliche Hütte mit ihrer netten Bibliothek ganz für uns allein.

Für alle, die eine verkürzte Tour gehen möchten oder einzelne Etappen: Eine kleine Entscheidungshilfe.
Der bereits erwähnte Wanderführer macht mehrere Vorschläge, wie man die einzelnen Etappen der Fjordruta miteinander kombinieren und gegebenenfalls auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Vor allem rät der Autor, die Tour direkt am Flughafen zu beginnen und erst den nördlichen Teil zu erwandern. Wir sind genau andersherum gelaufen und haben unsere Entscheidung etwas bereut.
I) Anfänger und Hüttenwanderer sollten unbedingt im Südwesten beginnen, weil das Terrain leichter ist und die Etappen zwischen den Hütten kürzer sind. Aufgrund der relativen Nähe zur nächsten Straße bzw. Bushaltestelle kann die Tour auf dem westlichen Streckenabschnitt auch kurzfristig ab- bzw. unterbrochen werden.
II) Tatsächlich empfiehlt es sich auch grundsätzlich, „die Richtung einzuhalten“ besonders wenn man die ganze Fjordruta vor sich hat. Ich habe den südöstlichen Streckenabschnitt als schöner empfunden, weil die Landschaft sehr gebirgig ist, atemberaubende Ausblicke auf die Gipfel und Eisflächen von Trollheimen freigibt und von der Zivilisation abgelegener scheint. Vor allem bezwingt man mehrmals am Tag beträchtliche Höhenmeter auf schmalen und teils sehr steilen Pfaden. Mit 5 bis 7h reiner Gehzeit sind die Abstände zwischen den Hütten im Süden nicht unbedingt der ideale Einstieg für die ersten drei Wandertage und so hebt man sich auch die spektakulärsten Streckenabschnitte für die letzten Wandertage auf.
III) Wer eine gute Kondition aber nicht so viele Tage Zeit hat, kann den Westen auslassen, die Fjordruta gleich in Aure oder Vinjeøra beginnen und einmal im Uhrzeigersinn in 8 bzw. 5 Tagen bis zum Fähranleger in Halsa wandern.

Was würdest Du auf der nächsten Tour anders machen?
I) Zu meinem früheren Reisebericht „Lysefjord“ habe ich berechtigte Kritik bekommen, weil die Angaben zu den Einkaufsmöglichkeiten nicht zuverlässig waren und sich Leser auf ihrer Wanderung um den Lysefjord auf meine Hinweise verlassen hatten. Auf der Fjordruta durfte ich nun selber mal erfahren wie das ist, wenn man dringend etwas nachkaufen muss und vor verschlossener Tür steht. Wir hätten viel Zeit und auch Einiges an Geld gespart, wenn wir vor Reiseantritt die Lage der Geschäfte und besonders die Öffnungszeiten gegoogelt hätten. Um ganz sicher zu gehen, kann man ja sogar das ausgewählte Geschäft vorher anmailen und darum bitten, für den bestimmten Tag die dringend benötigte Gaskartusche auf jeden Fall zu reservieren.
II) Auf der Fjordruta hatte ich zum ersten Mal, seit ich regelmäßig in Norwegen wandere, erschreckend viele Zecken. Auf manchen Strecken, die durch Wald und hohes Gras geführt haben, mussten wir in den Pausen bis zu 20 Zecken von den Hosenbeinen ablesen. Ein wirksames Mittel und Socken, die so lang sind, dass man die Hosenbeine noch mit reinstopfen kann, hätten das Wandern für mich entspannter gemacht.
III) Gerade in Küstennähe und in den höheren Lagen sind die Herbstwinde nicht zu unterschätzen. So zufrieden wie ich bisher mit meinem ultraleichten Vaude Power Lizard – Zelt war, aber so straff lässt sich das Zelt gar nicht abspannen, dass die Böen da nicht ordentlich in die Planen knallen. Das Zelt hat die Stürme zwar unbeschadet überstanden, aber bei der nächsten Anschaffung würde ich auf eine reißfeste Außenplane zusätzlichen Wert legen. Letztendlich reise ich auch, um von Unerwartetem überrascht zu werden und solche Erfahrungen sollen gerne mit dazugehören. Nächsten Sommer wieder – Skandinavien!

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