Simien-Gebirge – am Horn und auf dem Dach von Afrika

Simien-Gebirge – am Horn und auf dem Dach von Afrika

Es war mir dieses Mal möglich, etwas schwerer zugängliche Gebiete wie das Simien-Gebirge, die Danakil-Depression und die Omo-Region zu erkunden. Der absolut lohnenswerte Besuch der Simien-Berge lässt sich gut in die kultur-historische – die klassisch-touristische „Nord-Route“ integrieren. Dieser Weg, den fast alle Erstbesucher von Äthiopien wählen, führt von Addis Abeba zum Tana-See, von Gondar über Lalibela nach Axum. Das Simien-Gebirge liegt zwischen Gondar und Axum und ist über Debark erreichbar.

Warum Äthiopien

Äthiopien, das ist Abessinien, das „Horn von Afrika“, das „Dach von Afrika“, die „Wiege der Menschheit“, die Nilquelle, das „Armenhaus von Afrika“,…(Alles schon gehört, alles schon gekannt!?) Äthiopien ist aber auch weitaus mehr und jeder Blick auf dieses Land lässt uns etwas Neues entdecken. Der einzige Staat Afrikas, der während des Kolonialismus seine Unabhängigkeit bewahren konnte, blickt auf eine lange Historie zurück. Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat mit unterschiedlichsten Ethnien, Religionen und Sprachen (annähernd 100). Auch landschaftlich besitzt Äthiopien eine einzigartige Vielfalt: vom 5. höchsten Berg Afrikas (Ras Dashen 4620m) bis zu einer der tiefsten Regionen der Welt (Danakil-Depression: -110m); von einer der heißesten und unwirklichsten Wüsten der Welt (Danakil) über den ostafrikanischen Grabenbruch mit seinen Seen bis hin zu den typischen ostafrikanischen Savannenlandschaften.

Die Sonne geht unterRiesenlobelienPanorama

Was Sie schon immer über ÄTHIOPIEN wissen wollten…

Was ist das Besondere an den Simien-Bergen?
Im Simien-Gebirge wird schnell und auf beeindruckende Art deutlich, warum dieses Land auch als das „Dach Afrikas“ bezeichnet wird. Viele Gipfel erreichen 4000m; der Höchste gar 4620m (Ras Dashen); weite Hochplateaus wechseln sich hier mit steil abfallenden Tälern ab! Im Südwesten des Gebirges befindet sich der 179 km² große Simien-Nationalpark, der auf Höhen zwischen 2000 und 4430m liegt. 1978 wurde der Park in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbe aufgenommen; seit 1996 steht er allerdings auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes.
Dies hat mit dem fortschreitenden menschlichen Druck auf dieses letzte natürliche Refugium im äthiopischen Hochland zu tun. Immer mehr Menschen siedeln sich im Gebiet des Parks an und nutzen das Gelände zur Viehwirtschaft. Dadurch bleibt immer weniger Raum für die einzigartige Flora und Fauna des äthiopischen Hochlandes: zum Beispiel für die letzten Wälder mit Baumheide (Erica arborea); die letzten Hochplateuas mit Riesen-Lobelien (Lobelia rynchopetalum); für die Dscheladas (Theropithecus gelada), die es nur im Äthiopischen Hochland gibt; für den Äthiopischen Wolf (Canis simensis), der auf Äthiopien beschränkt ist; für den Äthiopischen Steinbock (Capra ibex walie), der einzig im Nationalpark mit ca. 400 Individuen überlebt hat .

Wie komme ich hin, weg, durch,…?
Jeder Besuch der Simien-Berge wird zwangsweise in Debark beginnen! Debark liegt auf der Straße von Gondar nach Axum: die Anfahrt von Gondar aus ist bedeutend kürzer (nur ca. 100km) und angenehmer; allerdings ist der Zugang über Axum landschaftlich reizvoller, d.h. einer der schönsten Strecken in ganz Äthiopien. Dabei geht es durch eine bizarre Bergwelt mit unglaublichen Schluchten, Tafelbergen und halsbrecherischen Serpentinen, durch tief eingeschnittene Flusstäler und vorbei an alten Panzern und Kampfgeschützen.
In Debark finden sich einfache Übernachtungsmöglichkeiten, Lebensmittelgeschäfte und Führer samt Tragtiere! Außerdem befindet sich in Debark das Hauptquartier für den Nationalpark, bei welchem man den Eintritt zu bezahlen hat und Guides und Scouts zugewiesen bekommt. (Ein Besuch des Parks ist ohne Eintrittsticket, Guide und Scout nicht möglich!) Schon in Addis Abeba bzw. von heimischen PC aus (spätestens aber in Debark) kann man geführte Touren buchen, die ein Gesamtpaket anbieten (neben der Ausrüstung auch Guide, Koch und Esel (als Tragetiere) etc.). Lebensmittel und Trinkwasser müssen spätestens in Debark besorgt werden!

AugenblickChenek CampCorvus albicollis

Welche Trekking-Möglichkeiten gibt es?
Die klassische Trekking-Variante startet vom Sankaber-Camp, das auf 3300m liegt und 36km von Debark entfernt ist (ca. 2h Fahrt). Dort wird die erste Nacht verbracht! Die weiteren Camps – Gich und Chenek – liegen auf jeweils 3600m. Zwar könnte man in jedem Camp nur eine Nacht zubringen und somit den gesamten Ausflug auf 3 Tage begrenzen.
Sinnvoll ist es allerdings sowohl in Gich als auch in Chenek jeweils 2 Nächte zu verbringen. Damit verlängert sich das Trekking zwar auf 5 Tage, diese allerdings lohnen sich: immer wieder bieten sich dem Betrachter neue, beeindruckende Ausblicke und Panoramen; neue Wildtiersichtungen ermöglichen Rast und Beobachtung; kleinere und größere Gipfel in der näheren Umgebung der Camps laden zum „Gipfelsturm“ ein. Vom Chenek Camp aus ist z.B. die Besteigung des 4430m hohen Bwahit möglich.
Das Chenek Camp ist außerdem ein ausgezeichneter Punkt zum Verweilen, Erholen, Genießen und zur Tierbeobachtung. Dschelada-Gruppen marschieren z.T. zwischen den Zelten hindurch! Hat man noch 3 Tage mehr Zeit, gibt es die Möglichkeit, Äthiopiens höchsten Berg, den Ras Dashen (4620m) zu erklimmen.

Was gibt es sonst noch in Äthiopien zu sehen?
Die klassische, kultur-historische Route durch den Norden von Äthiopien beginnt zumeist am Tana See. Auf einigen der (Halb-) Inseln im See haben sich schon vor Jahrhunderten christliche Klöster etabliert. Durchströmt wird der See vom Blauen Nil, der ganz in der Nähe entspringt und kurz darauf die zweitgrößten Wasserfälle Afrikas bildet. Im Norden des Sees liegt die ehemalige Kaiserstadt Gondar, die über einen großen Palastbezirk mit Schlössern und Kirchen verfügt und daneben Ausgangspunkt für den Besuch der Simien-Berge ist.
Sowohl Lalibela als auch Axum gehören zum UNESCO Weltkulturerbe: Lalibela aufgrund seiner Felsenkirchen, die als 8. Weltwunder gelten; Axum wegen seiner Stelen und weiterer archäologischer Ausgrabungsstätten. Das axumitische Reich gilt als erste große Hochkultur Äthiopiens und ist zudem religiöses Zentrum der äthiopisch orthodoxen Kirche. Ein Besuch des Nord(ost)en des Landes lohnt vor allen Dingen für Naturliebhaber und Abenteurer: die Danakil, das Stammesgebiet der Afar, gilt als eine der heißesten und unwirklichsten Wüsten der Welt. Die Danakil bietet dem interessierten Betrachter ausgedehnte Salzseen, bizarre Schwefelquellen und mit dem Erta Ale einen einzigartigen Vulkan. Seine Aktivität zeigt er in einem riesigen oberirdischen Lava-See – ein Phänomen, das man weltweit nur 4-mal erleben kann.
Vollkommen andere Ansichten von Äthiopien vermitteln z.B. die alte muslimische Handelsmetropole Harar und der als „Völkermuseum“ bezeichnete Süden mit all seinen verschiedenen Ethnien, Religionen und Sprachen.

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2 Kommentare

  1. avatar
    1
    Stefan | 3. November 2010, 15:00

    Hallo,
    nächsten Januar wollen wir nach Äthiopien, auch die Simien-Mts. und Danakil. Kannst Du mir einen Tipp geben, wie ich an die Karte der Uni Bern komme? Gerne auch digital?
    Gruß
    Stefan

  2. avatar
    2
    Bernhard | 4. November 2010, 13:08

    Die Karte bekommst man unter folgender Adresse:

    Centre for Development and Environment,
    University of Bern,
    Hallerstrasse 10,
    CH-3012 Bern,
    Switzerland

    http://www.cde.unibe.ch

    Meines Wissens nach ist die Karte nur in Papier und nicht digital zu erwerben!

    Grüße,
    Bernhard

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Short Cuts Äthiopien

Reisezeit: Ungeeignet zum Reisen ist die Regenzeit (April – August), in der es aufgrund aufgeweichter Straßen und Pisten Probleme bei der Fortbewegung geben kann. Die Trockenzeit eignet sich dagegen besser, wobei Äthiopien besonders im „Frühling“ (September – November) reizvoll ist, weil dann noch alles gedeiht und blüht.

Anreise: z.B. mit Ethiopian Airlines von Frankfurt nach Addis Abeba

Einreise: Bei der Landung in Addis Abeba erhält man (für $ 20) ein Touristenvisum, welches für 90 Tage gültig ist.

Sprache: Amtssprache ist Amharisch! Englisch, das Bildungsund Unterrichtssprache ist, wird vor allem in der Hauptstadt und im Norden gesprochen. Je abgelegener die Regionen, je kleiner die Dörfer, desto mehr versagt das Englische und sogar auch das Amharische.

Geld: „Nur Bares ist Wahres!“ Geldkarten sind bisher, wenn überhaupt, nur in Addis Abeba bekannt! Entfernt man sich aus der Hauptstadt, sollte man einen entsprechend großen Vorrat an Reiseschecks, Euro oder Dollar (besser!) bei der Hand haben. Landeswährung ist der Birr!

wwwo beginnen

southethiopia Homepage des „South Omo Resarch Center“, einem Forschungszentrum, das sich den verschiedenen Ethnien in der Omo-Region widmet (gegründet vom deutschen Professor Ivo Strecker (Uni Mainz))

inwent Landesinformationsseiten (LIS) der Vorbereitungsstätte für Entwicklungszusammenarbeit (V-EZ); von InWEnt, AGEH, ded, eed und HORIZONT 3000 zusammengestellt; viele weiterführende Links

Äthiopien

Nicht vergessen

Fernglas – den Äthiopischen Wolf entdecken, dem Bartgeier ins Auge blicken, den Steinböcken beim Wiederkäuen zugucken,…

Schlafsack & Isomatte – mitunter und gerade bei einem Besuch der Simien-Berge geht es nicht ohne

Sonnenbrille – besonders im Hochland und in der Danakil sieht es sich nicht besonders gut ohne

Zeit & Gelassenheit – einer der größten Unterschiede zwischen Deutschland und der (afrikanischen) Welt

Literatur

Ethiopia. The Bradt Travel Guide Philip Briggs, Bradt Publication (NY); 4. Auflage (2005) englischer Reiseführer mit guten Karten & Stadtplänen

Äthiopien, Horn von Afrika. Reise-Know-How-Verlag: 1:1800000 gibt einen guten Grobüberblick über Infrastruktur & Naturgegebenheiten

Kauderwelsch, Amharisch Wort für Wort. Grundkenntnisse in Englisch vorausgesetzt, findet man so den wirklichen Kontakt zu den Einheimischen

König der Könige. Eine Parabel der Macht von Ryszard Kapuscinski (Autor), Martin Pollack (Übersetzer), Eichborn-Verlag

Mythos und Macht des letzten Kaiser von Äthiopien. Haile Selassie: wer sich für Afrika, Politik und Macht interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen

Simen Mountains Ethiopia. World Heritage Site Karte der Universität Bern: 1:100000. Die Karte ist zwar nicht unbedingt nötig, dafür aber sehr genau und gut!