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Teaserbild: Vía de la Plata – Mozarabischer Jakobsweg

Vía de la Plata - Mozarabischer Jakobsweg

Vía de la Plata - Mozarabischer Jakobsweg

Nachdem ich bereits den „normalen“ Jakobsweg (Camino français) erwandert habe und ich im Jahre 2008 den besonderen Reiz der andalusischen Dehesa-Landschaft kennen lernen durfte, hatte ich im April und Mai des Jahres 2009 die Zeit, Gelegenheit und das Bedürfnis, noch einmal einen „Jakobsweg“ zu laufen.  Die „Vía de la Plata“ führt von Sevilla nach Astorga. Von dort kann man über den „Camino français“ weiter bis nach Santiago de Compostela laufen. Oder man macht es wie ich und biegt in Granja de Moruela ab auf den „Mozarabischen Jakobsweg“ und läuft über Ourense nach Santiago.

Warum die Vía de la Plata

Da der „Camino français“ in den letzten Jahren vor allem bei Deutschen und u.a. durch den Bestseller von Hape Kerkeling zu einer Art Modeerscheinung (mit zu vielen Tourigrinos) verkommen ist, musste eine Alternative her. Die „Vía de la Plata“ führt in Andalusien durch eine der schönsten europäischen Kulturlandschaften, führt an vielen Kulturdenkmälern vorbei, ist relativ witterungsbeständig und bietet dieselben Annehmlichkeiten wie die übrigen Jakobswege (sehr gute Ausschilderung und Markierung; dichtes Netz an Pilgerherbergen etc.). Nimmt man dann bei Granja de Moruela die Alternative über den „Mozarabischen Jakobsweg“, umgeht man den „Camino français“ komplett und trifft nur noch auf den Extra-Etappen bis zum Kap Finisterre auf die Tourigrinos.

Einlauf nach GalisteoHórreos - galicische Getreidespeicherdurch die Dehesa

Was Sie schon immer über die Via de la Plata – den mozarabischen Jakobsweg wissen wollten…

Worum handelt es sich bei der Via de la Plata bzw. dem Mozarabischen Jakobsweg?
Bei der „Vía de la Plata“ (auch Ruta de la Plata) handelt es sich um einen alten römischen Weg, der die andalusische Hauptstadt Sevilla mit der nordspanischen Stadt Astorga verbindet und dabei die Bundesländer Andalusien, Extremadura und Kastillien und León durchquert. Bereits vor den Römern wurde diese Nord-Süd-Verbindung von Jägern und Hirten (Transhumanz) genutzt. Es waren jedoch die Römer (ab dem 2. Jhd. v. Chr. auf der iberischen Halbinsel), die diesen Weg bis zum 1. Jhd. n. Chr. vollständig pflasterten und ihn als Handelsund Militärverbindung nutzten. Als Mozaraber wurden die Christen bezeichnet, die in den vom Islam beherrschten Gebieten des Südens der Iberischen Halbinsel lebten. Der „Mozarabische Jakobsweg“ bezeichnet einen Jakobsweg, der von Granada aus über Córdoba nach Mérida verläuft, dort auf die „Vía de la Plata“ stößt und bei Granja de Moruela über Ourense nach Santiago führt.
Was sind die „Höhepunkte“ auf dem Weg?
Auf den rund 1000 Kilometern zwischen Sevilla und Santiago de Compostela findet jeder seinen ganz eigenen Höhepunkt. Sevilla ist eine der faszinierendsten Städte Spaniens, die über viel Kultur und Historie verfügt und besonders zur „Semana Santa“ (Karwoche) und zur „Fería de Abril“ von nationaler und internationaler Bedeutung und Attraktivität ist.
Die Landschaften der Dehesa, der weiträumigen, offenen Steinund Korkeichen-Wälder, in Andalusien und der Extremadura zählen zu den attraktivsten und natürlichsten Kulturlandschaften in Europa. Mérida wartet mit unzähligen archäologischen Überresten aus der römischen Zeit auf. Die mittelalterliche Altstadt von Cáceres wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Salamanca besticht durch Historie und Jugend zugleich: neben den vielen historischen Gebäuden ist Salamanca vor allem für seine Universität bekannt (seit dem 13. Jhd.). Die Kulturhaupstadt Europas aus dem Jahr 2002 ist eine der bedeutendsten spanischen Universitätsstädte, die besonders bei ausländischen (ERASMUS-) Studenten beliebt ist.
Santiago de Compostela, das Ziel aller Jakobswege und Pilger, ist eine altehrwürdige, aber sehr lebhafte Stadt – vor allem durch die vielen ausländischen Pilger. Das Kap Finisterre, das Ende der Welt, stellt das eigentliche Ziel dar: nach all den Wochen, Kilometern und Mühen endlich das Meer zu sehen, ist ein unvergesslicher Moment.
Neben den vielen Naturbeobachtungen war die Bar „Rincón de Peregrino“ in Albergaría (Galicien) einer meiner ganz persönlichen Höhepunkte: dort kann jeder Pilger seinen Namen, Grüße oder Eindrücke auf einer Jakobsmuschel hinterlassen, die dann in die Bar neben all die anderen Muscheln gehängt wird.

PilgerZiel aller Pilger: Die Kathedrale von Santiago
noch wenige Kilometer bis zum Kap

Welche Landschaften und Regionen durchwandert man?
Die Landschaften in den Regionen Andalusien und Extremadura ähneln sich durch die weiträumige Landwirtschaftsund Kulturform der Dehesa. Die offenen Steinund Korkeichen-Wälder dienen vor allen Dingen zur Zucht, Haltung und Mast des Iberischen Schweins, aus dem der berühmte Serrano-Schinken (Jamón ibérico)gewonnen wird. Darüber hinaus bietet diese Landschaftsform einen Zufluchtsort für viele z.T. gefährdete Tierund Pflanzenarten, wie z.B. Weißstorch, Wiedehopf, Bienenfresser, Mönchsgeier und Europäische Sumpfschildkröte.
Andalusien wird trotz oder wegen seiner römischen und arabischen Wurzeln als Inbegriff Spaniens angesehen. (Nicht zu vergessen sind die Einflüsse der Zigeuner bzw. Gitanos, wie z.B. der Flamenco!) Die Extremadura ist ähnlich fruchtbar wie Andalusien und gilt als Kornkammer Spaniens – auch wenn es sich um eine der ärmsten Regionen Spaniens handelt.
Kastilien und León, die größte aller spanischen Regionen und von historischer Bedeutung als Mutterland aller Spanier, fasziniert den Besucher durch ein vollkommen anderes Gesicht: typische Landschaft dieser Region ist die Meseta, eine Hochebene zwischen 500 und 1000m. Die dazu gewonnene Höhe spürt man durch die deutlich kühleren Temperaturen. Auch optisch lässt sich dies verdeutlichen: zum einen meint man in der (Jahres-) Zeit zurückgegangen zu sein; zum anderen ist man auf einmal der Sierra de Gredos ganz nahe, die noch lange im Jahr schneebedeckte Gipfel besitzt (z.B. den Calvitero (2425m)).
Als letzte Region auf seinem Weg nach Santiago bzw. Kap Finisterre durchquert man das sagenumwobene Galicien. Diese Region präsentiert sich bergig, regenreich, grün (durch zu viele Eukalyptus-Forste), agraisch geprägt (Minifundien; Hórreos) und sehr eigen (eigene Sprache (galicisch) und Mythen).

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