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Kamtschatka: der Südwesten

Nachdem ich mir im Sommer 2013 das nördliche Vulkangebiet Kamtschatkas ansehen durfte, hatte ich im August 2015 die Möglichkeit, mich dem Westen und dem Süden der großen, östlichen Halbinsel zu widmen. Dabei führte mich mein Weg über die Westküste, am Ochotskischen Meer entlang bis zum Kurilen-See.

Seiner unberührten Natur wegen gehört Kamtschatka zweifellos zu den beeindruckendsten Landstrichen der Welt. Als riesige Halbinsel liegt es am östlichsten Ende Russlands – umgeben von drei Meeren: im Westen das Ochotskische Meer, südöstlich der Stille Ozean und im Osten die Beringsee. Auf der riesigen Fläche von 470.000 km² leben nur ca. 400.000 Einwohner; 350.000 davon in der Hauptstadt Petropavlovsk-Kamchatsky. Damit gibt es genügend Raum und Platz für unberührte Natur, unendliche Wälder und Weiten!
Durch seine jahrzehntelange Abgeschiedenheit als militärisches Sperrgebiet konnte Kamtschatka seine außergewöhnliche Natur bewahren. Geprägt wird die einzigartige Halbinsel in erster Linie durch seine Vulkane. Mehr als dreißig aktive und über hundert erloschene Vulkane formten Kamtschatka und prägten die Landschaft, deren Täler von kalten, klaren, fischreichen Flüssen durchzogen sind. Diese Flüsse und die großen Seen (z.B. der Kurilen-See) bieten beste Möglichkeiten einen der größten, mächtigsten und interessantesten Bewohner Kamtschatkas zu beobachten: den Kamtschatka-Braunbär.

Juzno-Kamčatskij-Naturreservat (mit Kurilen-See)
Im Süden Kamtschatkas stehen insgesamt 711.000ha unter Naturschutz ( Juzno-Kamčatskij-Naturpark: 486.000ha). Die gesamte Südspitze Kamtschatkas (225.000ha) rund um das Lopatka-Kap wurde schon 1882 unter Zar Alexander III. unter Schutz gestellt, um die wertvollen Bestände an Zobel und Seeotter zu schonen. Heutzutage besitzen diese Gebiete den höchsten Schutzstatus in Russland und dienen als Rückzugs- und Brutgebiete vieler verschiedener Tierarten – wie z.B. ca. 1000 Braunbären, Millionen von (Rot-)Lachsen und Riesenseeadler…
 1996 wurden 6 verschiedene Schutzgebiete Kamtschatkas zum UNESCO-Weltnaturerbe „Die Vulkane Kamtschatkas“ ernannt.

Kurilen-See

Der Kurilen-See ist der bekannteste Teil des Juzno-Kamcatskij-Naturreservats. Mit 76 Hektar Wasserfläche und einer Tiefe von bis zu 306 Meter ist er der zweittiefste See Russlands (nach dem Baikalsee). Auch der Kurilen-See geht auf vulkanische Aktivität zurück: vor rund 8000 Jahren entstand er nach einem gewaltigen Vulkanausbruch. Die entleerte Magmakammer brach ein und bildete eine 8 mal 14 Kilometer große Caldera. Nach Bildung der Caldera entstanden die Vulkane Ilinskaja Sopka im Nordosten und Diki Greben im Westen des Sees. 
Der Kurilen-See entwässert über den Fluss Osernaja nach Westen in das Ochotskische Meer.
Von dort ziehen jedes Jahr mehrer Millionen Lachse in den Osernaja bzw. den Kurilen-See, um dort abzulaichen. Besonders der Rotlachs spielt für die Nahrungsnetze rund um den See eine besondere Rolle. Vom Reichtum an Lachsen profitieren u.a. die Braunbären; der Kurilen-See gilt als Kinderstube der Braunbären, da die Mütter mit ihren Jungtieren hier Nahrung im Überfluss und damit stress- und gefahrfreie Räume finden.

Wie ist die Infrastruktur vor Ort?
Rund um den Kurilen-See gibt es zwei feste Camps: eines der Camps befindet sich direkt am Ausfluss der Osernaja (im Nordwesten des Sees); dort wo die ziehenden Lachse den Kurilen-See erreichen. Hier befindet sich auch eine wissenschaftliche Station, die sich der Lachszählung und weiteren ökologischen Parameter widmet. Die Grassy Point Lodge befindet sich am Südufer des Sees. Von beiden Camps sind Touren zu Fuß oder im Boot möglich – immer in Begleitung eines bewaffneten Guides. Des Weiteren verfügen beide Camps über feste Schlafplätze, Zeltplätze, Küchen und einfache sanitäre Einrichtungen. Buchungen und Anmeldungen müssen im Vorfeld über das Büro der Zapovednik-Verwaltung in Elizovo gemacht werden.

Wie komme ich hin und wieder weg?


Es gibt zwei verschiedene Arten um den Kurilen-See zu erreichen – entweder auf dem Landweg oder per Helikopter. Die Helikopter können in einem der beiden Camps am Kurilen-See landen und heben z.B. von Petropawlowsk, Elisovo und Paratunka ab. Das Fliegen ist zweifelsohne die schnellste und bequemste Reisemöglichkeit; auch Tagesausflüge zum Kurilen-See werden von Petropawlowsk, Elisovo und Paratunka angeboten (Kosten: ca. 500-600€ (Stand: 2015)). Außerdem bieten die Flüge unvergessliche Aus- und Ansichten der unvergleichlichen Landschaft Kamtschatkas.
Nicht weniger landschaftlich reizvoll ist die Anreise auf dem Landweg: bis zur Fischersiedlung Oktoberskij bewegt man sich auf ziemlich guten, breiten Pisten. Danach folgt man dem Küstenverlauf des kalten und rauen Ochotskischen Meeres bis nach Osernowskij an der Mündung des Flusses Osernaja. Dieser Abschnitt ist nur mit einem äußerst geländegängigen Fahrzeug zu meistern – mehrere große Flüsse sind zu überwinden, zwei davon (Opala & Bolschaia) nur mit Fähren. Oktoberskij und Osernowskij sind die einzigen großen Zivilisationspunkte, d.h. Einkaufsmöglichkeiten am Ochotskischen Meer – dazwischen gibt es nur saisonal betriebene Fischfangbetriebe bzw. Fabriken.
Im Hinterland von Osernowskiij liegt das kleine Dörfchen Pauschetka. Hier liegt ein geothermisches Reservoir an, welches ein Geothermalkraftwerk antreibt und welches im Dorf benutzt wird, um diverse Gewächshäuser und Pools zu erwärmen. Sowohl Pauschetka als auch Osernoskij bieten sich als letzter Übernachtungspunkt vorm Kurilen-See an. Mit den Mitarbeitern der Naturparkverwaltung (Ranger) wurde im Vorfeld eine Uhrzeit vereinbart; Trefffpunkt ist die neue Hängebrücke über die Osernaja. Bis zum Camp am Ausfluss der Osernaja sind es noch 12km, die zu Fuß und in Begleitung des bewaffneten Rangers zurückgelegt werden müssen. Die Anweisungen des Rangers und die Verhaltensregeln innerhalb der Camps sind strengstens zu beachten – Kurilen-See ist Bärenland!

Beste Reisezeit: 

Die besten Klimabedingungen für Trekking- und Wanderreisen nach Kamtschatka sind von Mai bis September. Die Tagestemperaturen im Sommer erreichen mitunter sogar 30°C, in der Nacht ist es kühl, wobei jedoch Temperaturen unter Null nur in größerer Höhe vorkommen. Problematisch bleiben der häufige, unvorhersagbare Regen und der Restschnee des Winters (in höheren Lagen (Vulkane))!

Anreise:
mit AEROFLOT über Moskau nach Petropavlovsk-Kamchatsky (mit einem der längsten Inlandsflüge weltweit)

Einreise:
Die Einreise nach Russland ist insofern aufwendig, als dass für die Beantragung des Visums ein Haufen Papierkram (z.B. Einladungsschreiben etc.) ausgefüllt und beantragt werden muss.

Sprache:
Weitab von Europa und der Zivilisation wird eigentlich nur Russisch geredet! In Petropavlovsk-Kamchatsky findet man natürlich auch englischsprachige Mitmenschen!

Geld: 

Den Russischen Rubel bekommt man in Petropavlovsk-Kamchatsky an Geldautomaten und in Wechselstuben. Wichtig ist, dass man aus der Hauptstadt genügend Bargeld mit auf seine Touren ins Hinterland nimmt.

Es gibt ein Sprichwort auf Kamtschatka: „Es ist einfacher und billiger sich den Dienst einer Prostituierten zu sichern, als einen Porno aus dem Internet herunterzuladen!“ So ähnlich sieht es noch mit verwertbaren Homepages aus!

Schlafsack & Isomatte – möchte man ein Trekking im Hochland machen, sollte die Ausrüstung für kalte Nachttemperaturen (z.T. um 0°C) geeignet sein.

Schutz gegen Insekten (Moskitos), Regen, Wind und Bären

Angelausrüstung
für einen selbstgeangelten Fisch

KAMTSCHATKA von Andreas von Heßberg, Verlag: Trescher Verlag; Auflage: 2. Aufl. (2012); ISBN-10: 3897941953; ISBN-13: 978-3897941953:
ein kleiner Lichtblick unter den wenigen (brauchbaren) Reiseführern

KAUDERWELSCH RUSSISCH Wort für Wort:
Unabdingbar für die Verständigung und Organisation vor Ort!

Georg Wilhelm Stellers: Beschreibung von dem Lande Kamtschatka; Neudruck der Ausgabe von 1774 (Herausgegeben von Erich Kasten und Michael Dürr):
1. naturwissenschaftliche Ausführungen über Kamtschatka von einem bedeutenden deutschen Forscher des 18. Jhd.

Kamchatka Peninsula (Russia); Map & Guide: englischsprachige Übersichtskarte (1:1000000):
Diese moderne englischsprachige Karte deckt die ganze Halbinsel ab und bietet Informationen über touristisch interessante Punkte.

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