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Erinnerungen an Nepal

Erinnerungen an Nepal

Nichts ist mehr, wie es einmal war. Ein eigenartiges Gefühl überkommt mich, wenn ich mir nach dem verheerenden Erdbeben alte Fotos von Nepal anschaue. Der Durbar Square, kulturelles Zentrum Kathmandus, glänzt in der Sonne, vom Swayambhunath (Monkey-Temple) sticht noch der Dharahara-Turm als Wahrzeichen der Hauptstadt hervor. Bilder von jahrhundertealten buddhistischen Klöstern im Langtang Himalaya, der Besuch tibetischer Flüchtlingscamps bei Pokhara, sowie die faszinierende Begegnung mit zwei Tigern im Bardia Nationalpark im äußersten Westen des Himalaya-Staates sind mir iimmer noch sehr präsent. 

Warum Nepal

Egal ob Sherpa, Tamang, Tharu oder Rai, egal ob Hindus, Buddhisten oder Muslime – Nepals Bevölkerung hat eines gemeinsam: Sie sind alle, trotz zahlreicher sozialer und politischer Probleme, sehr stolz auf ihr kleines Land. Dieses liegt nach dem Erdbeben in Schutt und Asche und bedarf dringender Hilfe. Für mich unvergessen sind neben der facettenreichen Natur Nepals vor allem die prägenden Begegnungen mit den nepalesischen Menschen. Ihnen sei dieser Bericht gewidmet.

Begegnung mit einem Greis im Hintergrund das Dorf LangtangDie Weltkulturerbestätte Boudha in Kathmandu vor dem ErdbebenEin kleines Mädchen aus dem Dorf Kyanjin Gompa im Langtang Himalaya

Was Sie schon immer über meine Erinnerungen an NEPAL wissen wollten…

Die Bevölkerung des Dorfes Langtang im Langtang Himalaya
Der Langtang Himalaya befindet sich nördlich von Kathmandu, ist aber nur durch eine rund 120 Kilometer lange, teilweise nicht asphaltierte Schotterpiste zu erreichen. Wer Glück hat, ist nach rund 10-12 Stunden Fahrt haarsträubenden Serpentinen am Ausgangspunkt für eine der schönsten Trekkingtouren Nepals, dem Bergdorf Dunche.
Im Langtang Himalaya ist mir eine Begegnung in besonderer Erinnerung geblieben. Nach der erfolglosen Besteigung des Yala Peak, traf ich auf dem Weg von Kyanjin Gompa in das Dorf Langtang einen alten Greis, der mich mit seinem tief zerfurchten Gesicht neugierig musterte. Nachdem ich ihn mit der tibetischen Formel „Tashi delek“ kurz gegrüßt hatte, lächelte er mich an und murmelte etwas mir unverständliches in seinen zerzausten Bart. Ich hielt inne, schaute auf die Khorten (Gebetsmühle) in der einen Hand und blickte dann auf die andere, in der er unzählige Amulette mit kleinen Buddhas hin und her fuchtelte. Mit einem Fingerzeig auf seine Füße sah ich seine vollständig durchlöcherten Schuhe und verstand: Er wollte mir ein Amulett verkaufen und sich von dem verdienten Geld ein paar neue Stiefel zulegen. Nachdem ich ein Amulett erworben hatte, bedankte er sich höflich und wies mir den Weg zum Kloster, das ich auf meinem Weg nach unten noch besuchen sollte. Eine Frau öffnete mir die Furten und zeigte mir die alten Fassaden des ehrwürdigen Gemäuers. Danach lud sie mich zu einem hausgemachten Apfelkuchen ein, den sie über einem kleinen Holzfeuerofen in rasender Geschwindigkeit zubereitete. Von der kleinen Sitzbank an ihrer Lodge bot sich ein atemberaubender Blick auf die schöne Bergwelt…
Das Dorf Langtang existiert seit dem 25. April nicht mehr. Nach dem Erdbeben lösten sich vom Langtang Lirung, dem 7227 Meter hohen Hausberg, mehrere große Schnee- und Gerölllawinen, die alle Häuser der kleinen Ortschaft mit sich rissen und unter sich begruben. Ein Großteil der Bevölkerung kam dabei ums Leben. Es ist eine tragische Ironie des Schicksals, dass die Berge, von denen das Dorf lebte, zum eigenen Verhängnis wurden.

Der Dschungelführer Prem
Auf die Fahrt in das unbekannte nepalesische Tiefland, dem „Terrai“, waren wir sehr gespannt. In Kathmandu gab es keine Karten über das Gebiet und wir hatten bislang niemanden getroffen, der eine Reise dorthin gemacht hatte. Die Busfahrten durchs Terrai waren generell sehr lang und abenteuerlich. Ständig gab es irgendwelche Unterbrechungen durch das nepalesische Militär, die meist schwerbewaffnet das Gepäck abtasteten und auf der Suche nach maoistischen Rebellen die Passagiere des Busses mit scharfen Blicken musterten. Nach einer Zwischenstation in Lumbini, dem Geburtsort Siddhartha Gautamas und einer aufregenden Fahrradtour zur indischen Grenze begaben wir uns auf den Weg nach Ambassa, dem Tor des Royal Bardia Nationalparks. Zwei Nächte übernachteten wir in einem kleinen Bungalow im Dorf Tharkurdwara, um am dazwischenliegenden Tag eine geführte Wanderung durch den Dschungel zu machen.
An unserer Seite stand Prem, ein einheimischer Guide von der ethnischen Gruppe der Tharu, der sich aus ärmlichen Verhältnissen nach oben gearbeitet hatte. Durch den häufigen Umgang mit Touristen sprach er ein solides Englisch und konnte uns in die Geheimnisse von Nepals unberührtestem Dschungel einführen. Seine Suche nach einem Nashorn blieb (leider) erfolglos. Seinen Adleraugen haben wir es jedoch zu verdanken, zwei Tiger in freier Wildbahn zu sichten. Mit Witz und Verstand erklärte er uns Techniken, wie man vor einem wilden Nashorn flüchten kann oder mit den Pflanzen des Dschungels über mehrere Tage überlebt und erzählte uns zudem liebevoll von seinen beiden Kindern.

Im Dorf Langtang mit Nima LamaBlick auf Kathmandu vom Swayambhunath, im Hintergrund sieht man noch den Dharahara Turm und die Tempel des Durbar SquareEine junge Bewohnerin des Langtang Himalaya freut sich über den BesuchDer Durbar Square in Kathmandu vor dem ErdbebenDer König des Dschungels im Bardia NationalparkEin hinduistischer Pilger in Nepals Hauptstadt Kathmandu in der Nähe des Durbar SquareHoli Gulal die Pulverfarben im nepalesischen TerraiIn einer Teestube in Janakpur TerraiKarma Sherpa in seinem Element hier vor dem Heiligen Berg Machapuchare im Annapurna HimalMeister der Improvisation. Nach einem Hangrutsch im Langtang Himalaya wird der Bus angeschoben.Nepalesischer Apfelkuchen im Dorf LangtangNorbu Tsering vor einem Mauer im tibetischen Refugee Camp Tashi Ling bei PokharaSchön und gefährlich zugleich. Der Langtang Lirung Hausberg des Langtang HimalayaUmgeben von der fabelhaften Bergwelt des LangtangUnser Guide Prem zeigte uns anschaulich die Flucht vor einem wilden Nashorn

Der Tibeter Norbu Tsering
Im September 2010 betrat ich zufällig das Guesthouse „Shining Star“ an der nordöstlichen Seite des Phewa-Sees in Pokhara. Ein freundlicher junger Mann tibetischen Aussehens öffnete mir die Tür und fragte mich nach meinem Anliegen. Nachdem ich ihm meine Reisepläne erläuterte, kamen wir ins Gespräch und er erzählte mir die ergreifende Flucht von seiner Mutter aus Lhasa nach Mustang, einer kleinen Enklave im äußersten Nordwesten des Annapurna-Massivs. Er hieß Norbu Tsering, war in Mustang aufgewachsen und wohnte in Tashi Ling, einem der vier tibetischen Refugee Camps in der Nähe von Pokhara.
Am Abend lud er mich zum Essen ein, bei dem Momos, traditionelle tibetische Teigtaschen, die mit Gemüse oder Fleisch gefüllt sind, serviert wurden. Seine Frau war hochschwanger und stand kurz vor der Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes. Als ich sie ein halbes Jahr später in Tashi Ling besuchte, war das kleine Mädchen bereits auf der Welt und wir besuchten zu dritt Norbus Bruder und seine Mutter. Sie berichtete über die Zeit der chinesischen Invasion und dem Tibet, das sie noch kennengerlernt hatte. In ihrer kleinen Gemeinschaft pflegen sie noch bis heute das Leben, in dem sie bis zum Jahr 1959 in Lhasa aufwuchs.
Das tibetische Flüchtlingsdorf „Tashi Ling“ befindet sich unweit des Epizentrums an der Grenze zum Gorkha-Distrikt. Ich hoffe sehr, dass es ihm und seiner Familie gut geht und sie das Erdbeben unbeschadet überstanden haben. Von dem Tibeter Norbu, den ich mehrmals in Nepal getroffen habe ist bislang kein Lebenszeichen aus Pokhara gekommen. Ich habe ihm schon mehrfach geschrieben, aber bislang ohne Rückantwort. 

Der Bergführer Karma Sherpa
Die Bewohner des Solu-Khumbu-Gebietes, die Sherpa, sind weltberühmt für ihre Eigenschaft als Mountain Guides an den 8000ern und teilweise auch als Hochgebirgsträger. Ihre liebenswerte ruhige Art und ihre unglaubliche Geduld kommen dabei allerdings nur selten zur Sprache.
Einer der ersten Sherpas, die ich kennen- und schätzen gelernt habe, ist Karma. Als Bergführer hat er zahlreiche Expeditionen durchgeführt und auch geleitet. Viele seiner Freunde und Angehörige kamen bei ihrer Arbeit, westliche Touristen auf die höchsten Berge der Welt zu führen, ums Leben. Als Leiter der Agentur „North Pole Trekking“ hat er sich eine eigene kleine Existenz aufgebaut und lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Kathmandu. Als treuer Wegbegleiter beeindruckte er mich mit seiner ruhigen Weise schon seit unserer ersten Begegnung. Nach einem gemeinsamen Wandertag stand er oft zur Abenddämmerung noch lange minutenlang an der frischen Luft und schaute sich die Berge an. Auf die Frage, ob er die Berge noch mag, war seine lapidare Antwort, dass sie für ihn nichts Besonderes, also etwas „Normales“ seien.
Karma Sherpa war zum Zeitpunkt des Erdbebens in Kathmandu. Sein Haus wurde schwer beschädigt aber seiner Familie geht es, den Umständen entsprechend, gut. Er lebte kurz nach dem Beben in einem der vielen Zeltdörfer Kathmandus und teilte sich die Zeltplanen mit 150 anderen Menschen, die dem Unglück entkommen sind. Nur mit Karma Sherpa habe ich vor ein paar Wochen korrespondiert. Ihm geht es den Umständen entsprechend gut. Er baut sein Haus in seinem Heimatdorf in Solu wieder auf und konnte auch schon im vergangenen Herbst die ersten Touristen nach dem Erdbeben als Trekkingguide im Solu-Khumbu-Gebiet betreuen. Mit gesammelten Spendengeldern von seinen ehemaligen Gästen hat er für die Bevölkerung seines Heimatdorfes in den ersten Monaten nach dem Erdbeben Nahrungsmittel gekauft. Von seiten der Regierung ist seiner Meinung nach kaum Hilfe zu erwarten. Jede Person, deren Haus vollständig zerstört wurde, hat rund 15000 Rupien (etwa 130€) bekommen. Dies ist problematisch, da viele Häuser äußerlich von der Ferne noch intakt zu sein scheinen, aber quasi nicht mehr bewohnbar sind (Risse und Einsturzgefahr!).

Die Frage nach der Zeit danach…
Die Natur und vorwiegend die Berge des Himalaya sind es, für die ein Großteil der Touristen nach Nepal kommt. Über die Lebensumstände der einheimischen Bevölkerung wird oftmals mit einem peinlichen Schweigen hinweggesehen. Das war schon vor dem Erdbeben so und wird wohl auch nach dem Naturereignis, dass zur sozialen Katastrophe wurde, in wenigen Monaten wieder so sein. Der Tourismus ist ein schwieriger Begleiter. Er schafft Arbeitsplätze und stärkt die kulturelle Identität, ist aber gleichzeitig sehr krisenanfällig und führt zu einer Abhängigkeit der Bevölkerung, die bei einer solchen Katastrophe erst einmal mit leeren Händen dasteht. Es ist Nepal und seinen Bewohnern zu wünschen, dass es möglichst schnell wieder den Gang in die Normalität findet. Denn nichts ist mehr so, wie es einmal war…

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