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Teaserbild: Korsikaumradelung mit 2 Kleinkindern – ziemlich hart und ziemlich schön!

Korsikaumradelung mit 2 Kleinkindern – ziemlich hart und ziemlich schön!

Korsikaumradelung mit 2 Kleinkindern – ziemlich hart und ziemlich schön!

Unsere zweite gemeinsame Elternzeit. Auch diesmal wollen wir sie für eine längere Reise nutzen. Mindestens eine Radtour wollen wir mit den beiden Jungs ( 3 Jahre und 6 Monate) probieren. Unseren Bus lassen wir wieder bei vertrauenswürdigen Einheimischen, die wir zuvor auf dem Internetportal warmshowers kennengelernt haben. Die Radsachen werden auf ihrem Hof gepackt und bereits zu Rad geht’s zum Fährhafen nach Toulon im Süden Frankreichs. Nach einer recht erholsamen Nachtüberfahrt starten wir bei sonnigen 20 °C um 6 Uhr morgens von Bastia auf eine Rundfahrt gegen den Uhrzeigersinn- immer auf der Küstenseite, mit wundervoller Aussicht.
Die Umrundung führt uns erst um das Cap Corse, im Norden in die malerischen Orte L'île Rousse und Calvi, danach entlang einer beeindruckenden steilen rauhen Küste ins südliche Ajaccio, durch das am Berghang gelegene Sartene, in das strahlende Bonifacio am südlichen Zipfel, das hoch über den weißen Kalkfelsen gefährlich am Steilhang thront. Auf der weiteren Fahrt versuchen wir einen Pass ins hochgelegene Landesinnere und besuchen auf einer Wanderung eiskalte Badebecken im Bergbach. Die letzten Tage geht es immer an der flachen Küste auf der leider stark befahrenen, aber strandnahen Straße zurück nach Bastia. Inklusive der Pausentage waren wir fast 3 Wochen für die 800 km unterwegs.

Warum Korsika

Wir waren vor zwei Jahren auf einem Kletterurlaub auf Sardinien und haben dadurch Lust bekommen, auch Korsika mal zu besuchen. Viele rückkehrende Reisende aus Familie und Freundeskreis haben von Korsika nur Gutes und Traumhaftes berichtet. Man lobte das Ursprüngliche, Naturbelassene und die Vielfalt der Landschaften. Das beständige Wetter, blaues Meer, weiße Strände und Badegumpen in Gebirgsflüssen haben uns gelockt. Der Entschluss, die Insel mit zwei Kleinkindern ausgerechnet per Rad umrunden zu wollen, muss in einem Anfall von Selbstüberschätzung oder Gedankenlosigkeit entstanden sein, vielleicht war auch der Wunsch überflüssige Schwangerschaftspfunde zu verlieren eine treibende Kraft, bei dem wir den Beinamen Korsikas „Gebirge im Meer“ völlig ignoriert haben müssen.

Wieder startbereit nach der Pause bei RoccapinaKalkfelsen unterhalb von BonifacioAbendsonne am Cap Corse

Was Sie schon immer über diese TOUR wissen wollten…

Wie würdet ihr die Eignung Korsikas für Radtouren einschätzen?
Korsika ist wirklich ein ins Meer geworfenes Gebirge. Das heißt der Küstenstreifen ist recht schmal, oft fallen die Felsen steil ins Meer und die enge, kurvenreiche Straße ist nah an den Abgrund gebaut. Vom Meer ins Landesinnere geht es oft in vielen Serpentinen von 0 auf 1000 Hm, der höchste Pass hat 1470m. Unter Autoreisenden geht wohl auch der Name „Kotzika“ um, weil es manch einen nicht lang auf der Rückbank gehalten hat, ohne sein Essen auszuwerfen. Die meisten Radreisenden wählen für eine Radtour eher die 800 km lange Küstenrundtour, immer dicht am Meer. Auch bei dieser Variante kommt man immer wieder immerhin auf 600 oder zumindest 400 Hm. Das klingt erstmal wenig, durch das ständige Auf- und Ab muss man die Höhendifferenz aber unter Umständen mehrmals bewältigen.
Richtig gemütlich ist also auch die Küstenstrecke nicht. Fährt man gegen den Uhrzeigersinn, also immer auf der Meerseite, hat man dafür praktisch den ganzen Tag unglaubliche Ausblicke auf die atemberaubende Steilküste, das türkisblauklitzernde Meer und die in den Buchten gelegenen Häfen und Dörfer. Den Verkehr haben wir auf den meisten Straßen als moderat erlebt. Auf den schmalen Küstenstraßen im Norden und Westen ist hauptsächlich Tourismusverkehr, der sich langsam und vorsichtig durch die kurvigen Straßen bewegt und immer wieder Parkbuchten aufsucht, um den Ausblick zu genießen.
Jedoch sollte man sich unbedingt von den „Nationalen“ fernhalten, die Aufgrund der geringen Steigung und breiten Fahrbahn von LKWs stark befahren sind. Im Osten bietet sich da leider keine Alternative, die 170km stark befahrene Straße von Bonifacio nach Bastia hat wenigstens kaum Steigung und gut erreichbare Strände. Will man diese Strecke lieber meiden, sollte man über eine gute Kondition verfügen, wenig Gepäck dabei haben und muss wesentlich mehr Kilometer einplanen, da es keine wirkliche Nord-Südverbindung abseits der „Nationalen“ im Inland gibt.

Welche Strecken waren besonders schön zu fahren?
Ganz toll war das Cap Corse, das wir viel zu schnell hinter uns gebracht haben. Man kann ganz im Norden eine Menge Abstecher an schöne abgelegene Strände machen. Insgesamt ist das Cap etwas ruhiger, die Dörfer etwas kleiner und man muss noch in kleinen Kaufmannsläden einkaufen gehen. Ebenso zu empfehlen ist die Strecke von Calvi an der Küste über Galeria, Porto, Piana nach Cargese. Der erste Teil der Strecke ist für lange Fahrzeuge nicht fahrbar, demnach gibt es hier keine LKWs und auch keine ganz großen Camper und Reisebusse. Die Ausblicke sind grandios und die Gegend etwas einsam. Trotz der Steilküsten gibt es hier immer wieder schöne Badebuchten und am Abend tolle Sonnenuntergänge.
Das große Highlight ist die Calanche bei Piana, bizarre rote Granitfelsen, durch die die Straße direkt hindurch führt. Die Strecke lohnt sich besonders am Abend oder Morgen und man sollte sich unbedingt Zeit nehmen, auch einen der ausgeschilderten Spaziergänge durch die Felsen zu unternehmen. Südlich von Ajaccio ist es auf den küstennahen Nebenstraßen ruhig und der Abstecher nach Belvedere- Campomoro lohnt sich. Auch die Strecke von Sartene nach Bonifacio war trotz mehr Verkehr größtenteils angenehm, die Küste bei Roccapina ist sehr schön. Besonders sehenswert sind außerdem Sartene und Bonifacio selbst.

BadegumpenBucht an der WestküsteCalanches bei PianaCapu di Portu Vecchiu bei CalviÜbernachtung auf dem Bocca di PalmarellaCargese

Was kann man auf Korsika mit Kindern unternehmen?
Viele Buchten auf Korsika haben angenehme Sandstrände und sehr flaches, ruhiges Wasser, dass für Kinder ideal zum Baden ist. Die schönsten Buchten haben wir im Norden der Insel gefunden, besonders am nördlichen Zipfel des Caps, aber auch bei Île Rousse. Im Süden der Insel finden sich weitere Traumstrände u.a. bei Roccapina und um Bonifacio herum. Im Inneren der Insel gibt es in den Gebirgsflüssen zahlreiche ausgewaschene Felsen, die glatt geschliffene Badebecken bilden. Diese Badegumpen sind im Sommer eine tolle Abkühlung und finden sich z.B. nah des Campingplatzes „U Rosumarino“ bei Solenzara Richtung Bavellapass, der Straße Richtung Passhöhe weiter folgend kann man bei einem Parkplatz auf einem ersten kleineren Pass eine Wanderung zu verschiedenen Badegumpen und Kaskaden unternehmen.
Verschiedene ungewöhnliche Steinformationen sind ebenso spannend für Kinder. An den Stränden gibt es häufig schöne rundgeschliffene Felsblöcke zum Kraxeln, in den Calanches bei Piana lassen sich auf kurzen Spazierwegen die verschieden Felsformen bestaunen.

Korsika mit zwei Kindern umradeln!? Seid ihr des Wahnsinns?
Das wurden wir von vielen Caravanurlaubern immer wieder gefragt. Nach einer Woche hatten wir unter den Wohnwagenreisenden regelrechte „Fans“, die uns auf der gleichen Route immer wieder überholten und gespannt unsere Karawane verfolgten. In der Tat war die Tour eine der härtesten, obwohl wir schon einige Radreisen hinter uns haben. Am Mittag des dritten Radtages mussten wir erstmal für einen Tag pausieren, weil wir völlig ausgelaugt waren. Das lag vor allem an der Kombination aus zu hohen Temperaturen (35 °C tags/ 20°C nachts), unerwartet starken Anstiegen und zu viel Gepäck durch die 2 Kinder. Wir mussten unsere Fahrzeit deshalb in die Morgen- und Abendstunden verlegen und lange Siesta in den Badebuchten halten, von denen es glücklicherweise reichlich gibt. Beim Gepäck ist weniger mehr. Das Wetter ist doch recht beständig und Campingplätze mit Waschmaschinen gibt es an der Küste ausreichend. Dennoch muss man sich mit zwei Kindern, Anhänger und Kindergepäck auf ca. 40 kg mehr einstellen. Da gilt es, Abstriche an die Tageskilometerleistung zu machen. Energie braucht man nicht nur fürs Fahren, sondern auch für die Kinder – Tagesziele sollte man sich eher nicht setzen. Wir sind meist mit etwas Wasserreserven und einer Notpackung Nudeln nach dem Vermögen der Kinder unterwegs gewesen und haben zur Not wild gezeltet wenn wir es nicht mehr bis zum nächsten Campingplatz geschafft haben. Dennoch hilft es, sich vorher über deren Standorte zu informieren oder auch mal eine teurere Gästezimmerübernachtung in Kauf zu nehmen.
Etwas Eigendisziplin und Radreiseroutine sollte man außerdem mitbringen, denn der Tag und die Fahrtzeiten orientieren sich ganz klar an den Kindern, besonders wenn sie noch klein sind. Mit Geschrei im Anhänger kommt kein Fahrgenuss auf, dann lieber mal vor den Kindern aufstehen und packen statt gemütlich ausschlafen. Der ein oder andere Pausentag oder auch der einsame Sonnenaufgang am Strand kann dann entschädigen. Trotz aller Anstrengung haben wir die Schönheit der Insel in vollen Zügen genießen können. Die Kinder haben besonders die Meeresnähe sehr genossen und der „Große“ hat seinem Papa auf dem Weg zur nächsten Passhöhe liebend gern Löcher in den Bauch gefragt.

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