Mit dem Kanu durch den Algonquin Nationalpark

Mit dem Kanu durch den Algonquin Nationalpark

Während eines Besuchs bei einem kanadischen Freund in Ottawa beschließen wir, einen Ausflug in den Algonquin Nationalpark zu unternehmen. Vier Tage, drei Nächte wollen wir die Natur durchqueren – per Kanu! Mit reichlich Nahrung und Fusel im Gepäck ziehen wir los.

Warum Kanada

Warum nicht, ist die angemessene Frage! Kanada bietet unglaubliche Natur und freie Wildnis, von der wir in Europa nicht einmal zu träumen wagen. Die Vielseitigkeit der Landschaften und die Möglichkeiten in Sachen Outdoorsport sind nirgends besser.

Der Leichteste sitzt vorne im Boot Unser Kanu am Ufer kurz vor SonnenuntergangEin Streifenhörnchen frisst uns die Nüsschen weg

Was Sie schon immer über KANADA wissen wollten…

Ich packe meinen Koffer…

Die erste Hürde auf dem Weg zum Outdoorabenteuer – was packe ich ein? Wir sind auf einem kleinen, leichten Kanu unterwegs, darum bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Rucksäcke nur mit dem Nötigsten zu füllen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Nahrung, Hängematten und Schlafsäcke, einen dicken Pullover und natürlich eine Flasche Whiskey.

Die Distanzen sind ewig

Die Fahrt von Ottawa zum East-Gate vom Algonquin Nationalpark in Ontario allein dauert drei Stunden, von hier ist es nicht mehr weit bis zum Einstiegsort in die Gewässer des Parks. Im Vorhinein haben wir uns einen Abholdienst unseres Vans organisiert, der das Auto drei Tage später zum Ausstiegsort bringt. Alles nicht ganz günstig, aber bei diesen Distanzen eine unabdingbare Notwendigkeit.

Call of the Wild

Endlich im Boot fangen wir fleißig an zu paddeln, noch haben wir Energie. Wir singen Boyscout-Songs und ich bringe den beiden Kanadiern „Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein“ bei. Bald darauf folgt die erste Portage. Das bedeutet, wir müssen mit dem Boot aus dem Wasser, ein kleines Stück Land überqueren und anschließend wieder einsteigen. Die Gewässer im Algonquin Nationalpark sind nicht alle zusammenhängend und wenn man Meilen hinter sich bringen will, muss man sich die Stellen raussuchen, an denen die Distanz auf Land am kürzesten ist.
Jeder trägt einen Rucksack und einer das Boot. Wir haben ein Carbon-Kanu, weswegen wir es relativ leicht auf den Schultern tragen können. Die erste Portage ist nur knapp 100 Meter, die längste die wir in den drei Tagen meistern müssen 700!!!

Die erste Nacht

Tag 1 ist schnell vorbei. Die zum Camping geeigneten Plätze nahe am Wasser sind auf unserer Karte markiert. Wir suchen uns den schönsten raus und gehen an Land. Es wird bereits dunkel, weshalb zwei auf Feuerholzsuche gehen und einer das Zelt und die Hängematten aufbaut. Mit einer Stab-Säge gehen wir durch den Wald, um dort nach totem (!!!) Holz zu suchen. Lebendige Äste und Zweige von Bäumen zu verbrennen, ist verboten und schadet der Umwelt. Kurze Zeit später haben wir ein prächtiges Lagerfeuer und kochen uns Reis mit einer Fertigsoße. Ein Festmahl, wie wir alle schmatzend einstimmen – dazu gibt’s den ersten Schluck Whiskey.

Was tut man als erstes, wenn man an Land geht? Richtig, Mückenspray!Die natürliche RutscheIch, während der Portage beim Tragen des Kanus

Der nächste Tag beginnt mit vielen kleinen Besuchern. Eichhörnchen und Streifenhörnchen haben sich zahlreich in unserem Camp versammelt, in der Hoffnung, dass sie Nahrungsreste finden. Ein paar ungesalzene Nüsschen lassen wir springen. Sie essen sie sitzend auf unseren Händen – es kribbelt ein bisschen.

Das Highlight

Kurz darauf sitzen wir wieder im Boot, auf dem Weg zu einem natürlichen Wasserpark. Wir müssen zwar eine halbe Stunde wandern, aber wir haben ein paar Snacks und Rotwein dabei. Als wir ankommen, treffen wir erstmals seit wir tags zuvor aufbrachen auf andere Leute. Ein flaches Stück Stein führt von einem Becken hinunter ins nächste – eine Rutsche! Direkt daneben sammelt sich Wasser über einen kleinen Zugang in einer Felsrinne – ein warmer Pool! Anschließend geht es zurück zum Boot und aufs Wasser, die Reise geht weiter!

Was gilt es zu beachten?

Man sollte sich auf jeden Fall vor Antritt der Tour eine Route zusammenbasteln. Nur so gelingt es, den langen und anstrengenden Portagen so gut es geht zu entgehen. Müll darf man auf keinen Fall zurücklassen. Die Parkwacht kann nicht dafür sorgen, den Dreck von allen Campern wegzuräumen. Alle Nahrung am besten in einem Rucksack aufbewahren und diesen mindestens 100 Meter entfernt vom Camp auf mindestens drei Metern Höhe zwischen zwei Bäume an eine Schnur hängen. An vielen möglichen Campingplätzen hängt bereits eine solche Schnur. Checkt die Wettervorhersagen. Bei Gewitter ist es wahnsinnig gefährlich auf den Seen.

Weiterschmökern:


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Short Cuts Kanada

Beste Reisezeit

Die beste Reisezeit ist definitiv im Sommer. Natürlich kann man auch im frühen Herbst oder im Frühling durch den Nationalpark fahren, aber alles andere ist auf alle Fälle zu kalt.

Sprache

In Kanada spricht man Englisch, in Teilen auch Französisch. Ottawa liegt direkt auf der Grenze zwischen dem englischen Ontario und französischen Québec.

Anreise/Einreise

Ein Visum für Kanada gibt’s on arrival am Flughafen oder an der Grenzstation von den USA kommend. Kostet nichts und ist schnell gemacht.
Zum Algonquin Nationalpark kommt man nicht ohne fahrbaren Untersatzt. Auf der Strecke sieht man zwar häufig Tramper, aber wer mit Kanu unterwegs ist, benötigt so oder so ein Transportmittel.

Geld

Der Kanadische Dollar wird häufig belächelt, sieht aber ganz nett aus. Er ist dem US-Dollar meist sehr ähnlich im Wechselkurs.

wwwo beginnen

Alle Infos über den Nationalpark gibt’s hier
:
algonquinpark

Ein paar Routenvorschläge gibt’s hier
:
hontarioparks 

Hier gibt’s ein paar generelle Artikel zu Ausrüstung und Reisemöglichkeiten in Kanada:

outdoorcanada

Kanada

Nicht vergessen

  • Eine Säge ist unabdinglich, da gestürzte Bäum die größte Quelle für Feuerholz sind. Um kleinere Stücke aus dem Wald ins Camp zu bringen, sollte man eine Säge, egal welcher Art, dabei haben.
     
  • Taschenlampen sind in vielerlei Hinsicht wichtig. Sollte man mal später ein Camp aufschlagen, kann es sein, dass es bereits dunkel ist. Dann gestaltet sich die Holzsuche ohne Licht zur echten Herausforderung. Wer nachts aufs Klo muss, braucht ebenfalls dringend eine Kopflampe – wie gesagt, es gibt Bären.
     
  • Wassertabletten. Die einzige Möglichkeit an Wasser zu kommen, ist das Wasser aus den Seen. Das kann man abkochen oder mit Wasseraufbereitungstabletten in Trinkwasser verwandeln. Ein bisschen Grünzeug bleibt womöglich noch drin, aber das sollte diejenigen hier draußen nicht stören.

Literatur

Eine Karte für das Gelände ist äußerst wichtig. Man kann diese kostenpflichtig auf der Homepage des Algonquin Nationalpark runterladen. Hier sind alle Campsites und Portagen mit Längen eingezeichnet. Ein unterhaltendes Buch ist immer Gold wert, wenn man abends im Zelt liegt.

Zu den Standardwerken der Backpackerliteratur zählt natürlich „Into the Wild“ von Jon Krakauer.

Kevin Callan hat „A Paddler’s Guide to Algonquin“ veröffentlicht. Dieses Buch ist wahrscheinlich der idealste Begleiter für diesen Trip.