Trampen nach Kroatien

Trampen nach Kroatien

Es war kurz vor Ostern, in Leipzig begannen die Bäume langsam zu blühen und 2 Wochen Urlaub standen an. Kris und ich entschieden uns, per Anhalter in 13 Tagen (25.03. bis 06.04.) an die kroatische Adria zu trampen. Das Ziel war Dubrovnik, ganz im Süden des Landes gelegen, mit der Absicht, so viel wie möglich auf dem Weg dorthin zu sehen. So sollten beeindruckende historische Altstädte, gigantische Wasserfälle im Nationalpark, Klippenspringen auf entlegenen Inseln und sogar ein kleiner spiritueller Abstecher nach Bosnien zu Bestandteilen unserer Reise werden. Im Gepäck hatten wir ein Zelt, jeweils einen Schlafsack und eine Isomatte und entsprechende Kleidung, um für den Trip gerüstet zu sein. Wir entschieden uns bewusst dazu, die Reise so wenig wie möglich zu planen. Die einzigen Dinge, die für uns feststanden, waren die grobe Route, unsere tägliche Übernachtung im Zelt und der Verzicht auf öffentliche Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn. So sollte uns jeder Tag mit vielfältigen Erlebnissen überraschen und unvergessliche Eindrücke von Natur, Menschen und Kultur bescheren.

Warum Kroatien

Schon lange hatte ich den tiefen Wunsch, einmal in die wunderschöne Stadt Dubrovnik zu reisen und an steilen Gebirgsformationen die kleinen Küstenstraßen nahe dem türkisblauen Meer entlangzufahren und dabei die wunderschöne Natur Kroatiens zu bewundern. Meine Großeltern schwärmten schon vor 10 Jahren, wie wunderschön es doch in Brela und auf Brač sei. Da ich bisher wenig über das Land wusste, reizte es mich besonders. Kris ging es damit ähnlich. Kurzerhand entschieden wir uns per Anhalter von Leipzig bis nach Dubrovnik zu fahren und in den 13 Tagen möglichst viele Eindrücke auf dem Weg dorthin zu gewinnen.

Auf dem Weg nach BosnienKlippenspringen auf VisDer letzte Abend

Was Sie schon immer KROATIEN wissen wollten…

Los ging es im verregneten Leipzig am Morgen des Karfreitags mit dem Ziel, es bis nach Prag zu schaffen. Nach einem schleppenden Start lief es dann aber recht gut und mit insgesamt 5 Mitfahrgelegenheiten schafften wir es noch am gleichen Abend sogar bis nach Graz (800 km). Von dort aus verschlug es uns am nächsten Morgen weiter in die kroatische Hauptstadt Zagreb, aus der wir so viele Eindrücke vom Großstadtgetümmel wie nur möglich mitnehmen wollten, bevor es dann in die Natur weitergehen sollte.
Besonders genießen lässt sich Zagreb entspannt bei einem Kaffee im Park Trg kralja Tomislava, von wo aus man mit der warmen Frühlingssonne im Nacken das bunte Stadttreiben genießen kann. Auch die Altstadt mit der riesigen Kathedrale und den kleinen Gassen voller Cafés, Restaurants und Bars ist definitiv einen Abstecher wert.
Raus aus Zagreb kamen wir relativ schnell und steuerten unser nächstes Ziel an: den Plitvička jezera Nationalpark. Was einem hier an einzigartiger Natur geboten wird, ist einfach unglaublich und wirkt fast ein wenig surreal. Durch die kaskadenförmig angeordneten Seen, die sich auf unterschiedlichen Höhenlagen befinden, und den kleinen Bachläufen ergibt sich hier ein einzigartiges Naturschauspiel aus Flora und Fauna, geprägt von unzähligen Wasserfällen in verschiedensten Dimensionen. Nach erfolgreicher Durchquerung des Parks und einem atemberaubenden Ausblick aus dem Zelt am Morgen sowie mit Taschen voller frisch gepflücktem Bärlauch ging es für uns weiter in Richtung Split.
Durch Dalmatien, vorbei an Drehorten von Winnetou und Game of Thrones, erreichten wir zum späten Nachmittag die Küste und entschieden uns dafür, noch die letzte Fähre auf die Geheimtipp-Insel Vis zu nehmen. Was uns dort am nächsten Morgen erwartete, war komplett anders als die Landschaft, die wir bisher gesehen hatten.
Während in den Wäldern der Plitvicer Seen die Bäume gerade erst zu blühen begannen, erwarteten uns hier bereits blühende Zitronen- und Orangenbäume und Temperaturen um die 25 °C. Durchzogen ist die Insel größtenteils von Wald und kleinen Wiesenplateaus, die immer wieder durch flache Steinmauern abgegrenzt sind, welche an die römische Vergangenheit erinnern. Hier findet man definitiv Ruhe zum Entspannen, denn die Insel ist bis auf ein paar kleine Dörfer recht spärlich besiedelt und aufgrund der größeren Entfernung zum Festland auch touristisch kaum belastet.
Zurück nach Split ging es noch am gleichen Tag und wir entschlossen uns, noch eine weitere Nacht dort zu verbringen, um uns die schöne Küstenstadt anzuschauen. Am nächsten Morgen sollte es weiter südlich gehen und unser nächster Stopp lautete Makarska. Dort angekommen, merkten wir, dass ein Handy im Auto vergessen wurde. Wir beschlossen kurzerhand, es zu verfolgen. Ungünstig nur, dass wir dafür weg von der Küste und rein nach Bosnien trampen mussten. Das sollte sich später jedoch als eine gute Entscheidung herausstellen…

Der Ort an den es uns verschlug, hieß Međugorje und was wir nicht wussten: Es ist eine der größten Anlaufstellen für Gläubige und Pilger, die dort Tag für Tag an den Schicksalsberg pilgern, auf dem vor rund 20 Jahren sechs Kindern die Jungfrau Maria erschienen war. Die Sonne brannte und unzählige Menschengruppen aller Nationen und jeden Alters machten sich an den Aufstieg dieses heiligen Berges. Ein Schauspiel, das wir so noch nicht erlebt hatten und das einen bleibenden Eindruck bei uns hinterließ.

Split bei Dämmerung vom Stadtpark aus gesehenDie Insel MljetDubrovnikInsel VisPlitvicer Seen NationalparkMit der Fähre zurück nach Split

Der Rückweg aus Bosnien gestaltete sich recht schwierig, da die kleinen Landstraßen wenig befahren waren und man per Anhalter somit nicht die besten Voraussetzungen hatte. Dennoch kamen wir wieder an die große kroatische Küstenstraße Richtung Süden, durchquerten Neum, die einzige bosnische Stadt mit direktem Zugang zum Meer, welche extrem auf Tourismus ausgelegt ist, und konnten unseren Weg weiter fortsetzen.
Wir entschieden uns spontan dafür, eine weitere Insel zu erkunden, da wir von Vis noch so begeistert waren. So kamen wir bis Ston und nahmen die Fähre auf die Insel Mljet, die ebenfalls wenig besiedelt ist und mit ihrer einzigartigen Landschaft, geprägt von steilen Felsklippen, dichten, bergigen Nadelwäldern und kleinen Olivengärten daher kommt. Zudem befindet sich hier auch der Nationalpark Mljet, dem man unbedingt einen Besuch abstatten sollte. So konnten wir hier nochmal die pure Einsamkeit in der Natur genießen, bis es dann am nächsten Tag nach Dubrovnik weitergehen sollte.
Wir entschieden uns diesmal für die deutlich schnellere Verbindung und nahmen einen Katamaran von Mljet aus, der uns in 2 Stunden direkt nach Dubrovnik brachte. Dort angekommen, merkten wir schnell, wie touristisch auch diese Stadt geprägt ist. Hotels, Pensionen und Souvenirstände gibt es an jeder Ecke und auch die Preise zogen, im Vergleich zum Rest des Landes, deutlich an. Dennoch ist es allemal eine Reise wert. Vor allem die historische Altstadt Dubrovniks ist unvergleichlich. Meterhohe Steinmauern trennen die Altstadt komplett von dem Rest der Stadt und schmale Gassen mit Steinhäusern und roten Ziegeldächern prägen auf engstem Raum das Stadtbild. Obwohl wir zu Beginn der Dämmerung in der Altstadt ankamen und außerhalb der eigentlichen Saison reisten, waren trotzdem Scharen von Menschen unterwegs. Man kann sich also vorstellen, wie viele Schaulustige Dubrovnik in der Hochsaison wohl anziehen mag.
Da es hier sehr schwierig war, einen geeigneten Zeltplatz zu finden und es bereits dunkel war, entschlossen wir uns, auf ein günstiges Hostel zurückzugreifen. Wir kamen hier im Hostel Irena unter, was bei 2 Personen für eine Übernachtung rund 20 Euro kostet und einen super Eindruck bei uns hinterließ.
Der Rückweg stand uns nun bevor und wir mussten es wieder in den Norden des Landes schaffen, da in 2 Tagen unser Flieger von Zadar aus zurück nach Deutschland ging. Auch dieser Rückweg gestaltete sich schwierig, da wenig Verkehr auf den Straßen herrschte und es das Trampen sehr schwierig machte. Mit einer weiteren Übernachtungspause an einer Kirche mit dem Blick aufs Meer in Tučepi erreichten wir den nächsten Nachmittag Zadar und hatten auch hier noch den restlichen Abend Zeit, uns die schöne Altstadt anzuschauen. Mit der größten und günstigsten, gleichzeitig schmackhaftesten Pizza, die wir je gegessen hatten, ging es mit vollem Magen zum Flughafen, von wo aus am nächsten Morgen unser Flug zurück nach Deutschland ging.
Mit viel Sehnsucht und endlosen Eindrücken an großartige 2 Wochen, hat uns nun der Alltag wieder. Allerdings auch mit der Gewissheit zurückzukehren und sich all die unzähligen Sachen anzuschauen, für die die Zeit einfach zu kurz war.

Weiterschmökern:


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Short Cuts Kroatien

Beste Reisezeit
Frühling und Herbst scheinen die beste Reisezeit zu sein, da vom Touristenstrom der Hauptsaison noch nicht viel zu spüren ist, aber die Temperaturen trotzdem schon recht hoch sind. Im Sommer, der Hauptsaison, steigen dann mit den sehr heißen Temperaturen auch die Preise für Unterkünfte und Freizeitaktivitäten, was man sich getrost sparen kann.

Anreise
Der Flugverkehr steuert mittlerweile alle großen Städte des Landes (Zagreb, Split, Zadar, Dubrovnik) an. Auch das Bahn- und Busnetzwerk ist vor allem über lange Distanzen sehr gut ausgebaut. Da wir per Anhalter gereist sind, waren wir meist auf der Autobahn und den Europastraßen unterwegs, welche gut ausgebaut sind und zu der Zeit noch nicht viel befahren (was das Trampen nicht immer leicht machte wink). Im Sommer nimmt der Reiseverkehr auf den bergigen Landstraßen jedoch stark zu.

Einreise
Es reicht ein gültiger Personalausweis oder eben der normale Reisepass. Ein Visum ist nicht nötig.

Geld/Preise
Die Währung hier ist 1 Kroatische Kuna (HRK). Was umgerechnet nach aktuellem Kurs etwa 0,13 Euro entspricht. Bankautomaten zum Bargeldabheben gibt es reichlich und auch Wechselstuben findet man vor allem in den touristischen Gebieten sehr häufig. Die Kosten für Verpflegung sind recht gering und im Vergleich zu Deutschland sehr erschwinglich. Für die Unterbringung und Übernachtung in Pensionen und Hostels variieren die Preise je nach Saison und steigen zum Sommer hin stark an, bleiben aber im Vergleich zu anderen Küstenländern doch recht human.

Sprache
Die meisten sprechen Deutsch oder Englisch aufgrund der starken Ausrichtung am Tourismus. Selbst in den kleineren Städten und Dörfern in der Küstenregion sprechen viele Deutsch und Englisch. Je weiter man ins Landesinnere kommt, desto weniger wird Deutsch und Englisch gesprochen und vermehrt Kroatisch. Dennoch ist die deutsche Sprache überraschend viel verbreitet, was sich durch die Auswanderung jugoslawischer Gastarbeitern und Flucht nach Deutschland zur Zeit des jugoslawischen Krieges Anfang der 90er begründet.

wwwo beginnen

np-plitvicka-jezera
Alle wichtigen Infos zum Nationalpark Plitvicer Seen mit Preisen, Wanderrouten, Tipps etc… Die Seite ist zudem in deutscher, englischer, italienischer und französischer Sprache verfügbar.

faehren-kroatien
Offizielle Seite der Fährgesellschaft Kroatiens. Unabdingbar, um die unzähligen schönen Orte auf den kroatischen Inseln zu erkunden.

buscroatia 
Inländische Busverbindungen für kurze und lange Strecken. Hiermit sind alle interessanten Orte sehr einfach zu erreichen.

maps.me
 
Super Offline Karte zur GPS gesteuerten Navigation fürs Smartphone. Das beste: Sie ist kostenlos und bringt einige interessante Features mit sich. Wir haben ausschließlich diese App zur Navigation mit dem iPhone benutzt und waren begeistert.

Kroatien

Nicht vergessen

  • Wir waren mit einem 2 Personen Tunnelzelt von Nordisk unterwegs. Das Jumala 2 ist ein super robustes kleines Zelt, das in kürzester Zeit aufgebaut ist und definitiv ausreichend Platz für 2 Personen bietet.
     
  • Mit gerade mal 3 kg passte es neben meiner Therm-a-Rest Pro Lite Isomatte und einem Freetime Micropak 600D Schlafsack gut in das Hauptfach meines Deuter Air Contact Pro Rucksacks.
     
  • Kris war ebenfalls mit einer Pro Lite von Therm-a-Rest unterwegs und einem Schlafsack von Mammut, welche er beide bequem in seinen Patagonia Stormfront Roll Top verstauen konnte.
     
  • Mit ausreichend Flüssigkeit versorgte mich stets meine Nalgene Everyday 1,0l. Bei Dunkelheit machte uns die Black Diamond Revolt Stirnlampe das Leben leichter und für die kleinen „Survival“-Situationen stand uns stets ein SOG Powerlock Multitool hilfreich zur Seite.

Literatur

An gedrucktem Material hatten wir nicht so viel dabei. Der Lonely Planet über Kroation ist ziemlich gut und auch in den Marco Polo Reiseführer haben wir mal kurz einen Blick geworfen. Ansonsten hatten wir noch eine Europakarte vom ADAC mit, die uns im Fall der Fälle den Weg hätte schildern sollen. Meistens vertrauten wir aber der App.