Mit Schirm, Charme und Sonnencreme: 5-Seen-Wanderung auf dem Pizol

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Reiseberichte Europa Schweiz Florian | 8. August 2016

Mit Schirm, Charme und Sonnencreme: 5-Seen-Wanderung auf dem Pizol

Auf unserer langen Reise um die Welt, verschlug es uns zuerst in die Schweiz. Wir trampten von Freiburg aus in das Land und wurden prompt von unserem Fahrer zum Übernachten eingeladen. Beim Abendbrot gab uns Thomas dann seinen ultimativen Geheimtipp.

Warum Schweiz

Er schwärmte von der 5-Seen-Wanderung, die er kürzlich gemacht hatte und beschrieb die Stecke in den höchsten Tönen als die schönste Wanderung der Schweiz. “Das müsst ihr einfach gesehen haben, wenn ihr wissen wollt wie schön die Schweiz wirklich ist!” Und er sollte Recht behalten.

Die Szenerie verführt zum einen oder anderen FotoshootingKriegsbemalung einmal andersDie Farbe der Gletscherseen sucht ihres Gleichen

Was Sie schon immer über DIESE TOUR wissen wollten…

Zunächst ging es für uns mit der Gondel aus Bad Ragaz hoch auf den Pizol, dann zu Fuß vorbei an der Pizolhütte und dem einen oder anderen gefleckten muhenden Vierbeiner. Nach einer ausgiebigen Mittagsrast traten wir gegen 14 Uhr unseren ersten Aufstieg zum Wildsee an und sind mit unserem schweren Gepäck ganz schön ins Schnaufen gekommen.
Die muntere Ü-60 Gruppe, die leichten Schrittes mit ihren Tagesrucksäcken an uns vorbei marschierte, ließ uns zugegebenermaßen ziemlich alt aussehen. Der Blick auf den Gletscher und den erhaben daliegenden See lohnt jedoch die Mühe und man taucht sofort ein in die Faszination des Bergpanoramas.
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle nach links wenden und als Zwischenabstecher an die Gletscherbesteigung wagen, wir sind jedoch in die Gegenrichtung weiter und folgten dem Hauptpfad. Ein steiler Abstieg führte uns nun zum Schottensee wo wir eine kurze Pause einlegten, unseren Wasservorrat auffüllen und uns mal ganz in Ruhe die interessanten Pflanzen und Schmetterlinge beschauten. Mit neuer Kraft ging es nun weiter bergauf zum Schwarzplangg, wo sich uns eine fantastische Aussicht zurück auf den Pizolgletscher sowie nach Ringelspitz, Piz Sardona, Clariden und Glärnisch bot.
Nach unzähligen Hochs und Runters durch eine Landschaft, die uns wie Drehorte für die Hobbitfilme vorkamen, schlugen wir bei anbrechender Abenddämmerung unser Zelt am 4. See der Wanderung auf (Schwarzsee). Die Kulisse war beeindruckend: Umgeben von schroffen Felsen, gebettet auf einem Kissen aus Moos und beschienen vom gespenstisch hellen Mond, schlummerten wir glücklich und zufrieden ein.

Hier wollte wohl jemand ein Zeichen setzenZu viel Sonnenschutz kann es nicht gebenMacht euch auf die Begegnung mit dem einen oder anderen Vierbeiner gefasstDer Abstieg zur Gondelstation motiviert zum EndspurtZum Nachahmen empfohlen: Schatten to goBäume findet man auf dem Pizol nicht, die Flora ist trotzdem wunderschön

Am nächsten Morgen ging es nun wieder ein Stück bergauf, wir trafen ein paar andere frühe Vögel und fanden uns ganz unverhofft in einer regelrechten Armee kleinerer und größerer Steinpyramiden wieder. Auch hier war die Aussicht atemberaubend schön. Ein letzter langer Abstieg führte uns schließlich auf 1850m und zur Sessellift Station Gaffia. Auf dem Weg kamen uns regelmäßig Gruppen rüstiger schweizer Rentner entgegen, die die Wanderung in der anderen Richtung zurücklegen wollten.
Von hier gab es nun zwei Möglichkeiten. Entweder wieder bergauf und zur Pizolhütte laufen, oder aber mit dem Lift den Rest der Strecke wie im Flug zurücklegen. Wir entschieden uns spontan für die Variante zwei und wurden sogar kostenlos mitgenommen. Auf dem letzten Stück Weg zurück zur Gondel nach Bad Ragaz trafen wir nochmals eine ganze Reihe friedlicher Kühe und traten die Abfahrt mit einem zufriedenen Gefühl im Bauch und einem ganzen Sack voller Eindrücke an.
Die 5-Seen-Wanderung bietet in relativ kurzer Zeit und Strecke unglaublich viel zu sehen und ist daher für einen ausgedehnten Wochenendtrip oder ähnliches sehr zu empfehlen. Wer weitläufige Berglandschaften mag, wird den Pizol lieben! Euch erwarten Gletscherseen in tiefem Türkis, blauer Himmel und eine kilometerweite Sicht auf prächtige grünbewachsene Berge. Ich persönlich bin im Grunde eher ein Waldmensch, war aber trotzdem restlos begeistert.

Schlussbemerkung und Hinweis
Wildcampen in der Schweiz kann sehr teuer werden, vor allem wenn man ein Feuer macht oder im Naturschutzgebiet nächtigen will. Generell ist es aber oberhalb der Baumgrenze erlaubt. Verbotsschilder gibt es auf dem Pizol keine. Zum Campen und Biwakieren in der Schweiz.

Weiterschmökern:


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Short Cuts Schweiz

Beste Reisezeit:
Zwischen Anfang Juli und Ende Oktober ist die Gondel-Anlage täglich in Betrieb und der Wanderweg gut begehbar. Unsere persönliche Empfehlung: Ende August, Anfang September sind nicht nur in Deutschland sondern auch in der Schweiz die Sommerferien gerade vorbei und es ist entsprechend wenig los, das Wetter ist jedoch super. In der Nacht kann es trotzdem durchaus kalt werden. Wir hatten Nachttemperaturen zwischen 5 und 10 Grad (26. auf 27. August 2015). Falls ihr in den Bergen übernachten wollt, sollte der Schlafsack entsprechend ausgelegt sein.

Anreise:
Die Anfahrt nach Bad Ragaz ist sehr gut mit dem Zug möglich z.B. von Zürich, St. Gallen oder Chur. Wer mit eigenem Auto anreist, findet einen weitläufigen, im Sommer kostenlosen, Parkplatz an der Gondelstation vor. Im Ort gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Man kann aber auch direkt mit der Gondel auf den Pizol fahren und dort in der Pizolhütte am Wangersee 2227m über NN mit Panoramablick nächtigen. Wir haben die Schweizer als sehr nett und gastfreundschaftlich erlebt und durften auf dem Grundstück eines Bauern in der Nähe der Gondelstation campen, bevor wir am nächsten Morgen auf den Pizol gefahren sind. Man kann selbstredend auch nach oben laufen, muss dann aber etwas Zeit mitbringen. Ihr solltet beachten, dass unter der Woche die letzte Gondel bereits 17:00 geht. Die 11km als Tageswanderung zu machen ist mit kleinem Rucksack in 4-5h reiner Laufzeit (offizielle Angabe) auf jeden Fall möglich, wird aber anstrengend.

Tipps für die Einreise:
Die Einreise in die Schweiz ist ohne Grenzkontrolle möglich. Als Fahrzeughalter gehört eine Warnweste pro Passagier ins Auto (bei Kontrollen kann es ohne teuer werden). Die Zollbestimmungen sind nicht besonders kritisch, wenn man einfach nur zum Wandern in die Schweiz einreisen möchte. Jegliche persönliche Gebrauchsgegenstände, Reiseproviant und Treibstoff im Tank sind beispielsweise abgabenfrei. Wer zu viel Lebensmittel, Tabak (bis 250 Zigaretten), Alkohol (bis 6L) und Treibstoff (bis 25L im Kanister) einführen möchte muss wie in den meisten Ländern mit Besteuerung rechnen. Wer es ganz genau wissen möchte schaut hier

Geld, Preise etc.
In der Schweiz zahlt man mit Schweizer Franken (1€=1,09CHF). Die Preise liegen deutlich über dem deutschen Niveau. Im Schnitt ist alles 1,5 bis 2mal so teuer. Im Restaurant und Hotel merkt man das sehr deutlich. Man sollte also ausreichend Kleingeld oder Proviant dabei haben. Das Ticket für die Gondel ist gemäß der Schweizer Verhältnisse nicht ganz billig. Derzeit 44CHF pro Person für einmal mit der Gondel hoch und wieder runter fahren. Wir fanden es jedoch praktisch, dass das Ticket für drei Tage galt und wir daher auch bequem erst am nächsten Tag wieder herunterfahren konnten. Es ist möglich, dass sich die Konditionen seither geändert haben. Generell werden aber auch Mehrtagestickets verkauft.

Sprachbarrieren?
In der Schweiz sprechen und verstehen mehr oder weniger alle Menschen hochdeutsch. Der schweizer Dialekt kann mitunter sehr unverständlich sein aber wir haben nur 1 oder 2 Leute getroffen, die tatsächlich nur Schweizer Deutsch sprachen (oder sprechen wollten). Es gibt also keine nennenswerte Sprachbarriere :-).

wwwo beginnen

Offizielle Website mit vielen Infos, auf der es auch den GPS-Track gibt:
htt5-seen-wanderung

Aktuelle Gondelzeiten und Infos zu Unwetter-Pausen:
pizol
und Sommerbetrieb

Für uns der mit Abstand beste Wetterdienst überhaupt (gibt es auch als APP):
yr.no

Schweiz

Nicht vergessen

  • Der Wanderweg verläuft weit über der Baumgrenze, was schön ist, da man dadurch stets sehr weit schauen kann. Gleichzeitig ist die Sonne entsprechend intensiv und es gibt kaum natürlichen Schutz. Sonnencreme, -brille oder -hut sind daher ein Muss.
     
  • Sehr bewährt hat sich für uns ein UV-beschichteter Regenschirm (Swing Liteflex von Euroschirm in der silbernen Variante). Mit diesem seid nicht nur ihr, sondern auch euer Rucksack gut geschützt und es ist darunter angenehm kühl. Zugegeben, den Preis für das schönste Wanderoutfit bekommt man damit sicher nicht. Wer seine Hände frei haben möchte, kann sich auch eine entsprechende Halterung an den Rucksack montieren. Mit ein wenig Geschick tut es auch Gaffaband oder Kabelbinder.
     
  • Wenn ihr wie wir mit viel Gepäck unterwegs seid, können ein paar Trekkingstöcke wahre Wunder für belastete Knie bewirken.
     
  • Das Seewasser ist prinzipiell trinkbar, ein Filtersystem sollte man zur Sicherheit aber dabei haben. Wir hatten unseres unten an der Gondel im Schließfach vergessen, hatten aber keine Probleme. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, nimmt einfach ausreichend Vorrat mit. Offizielle Trinkwasserquellen gibt es entlang des Weges nicht!
     
  • Im Allgemeinen werden für die Strecke natürlich Wanderschuhe empfohlen. Wir laufen jedoch stets in leichten Barfußschuhen (Merrell Vapor Glove) und hatten auch hier keinerlei Probleme. Für diesen Laufstil bedarf es natürlich eines ausreichendenTrainings vorab!

Literatur

Eine Wanderkarte ist definitiv nicht notwendig. Der GPS Track ist auf der Pizol-Website frei verfügbar und auch sonst ist die Strecke sehr gut ausgeschildert. Es gibt zudem viele lehrreiche Tafeln zu Beginn der Wanderstrecke.