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Teaserbild: Kirgistan – das Land der Pferde

Kirgistan – das Land der Pferde

Kirgistan – das Land der Pferde

Vom 14.07.16 bis zum 24.08.16 waren wir in Kirgistan (Kirgisische Republik) unterwegs. Wir reisten mit einem VW T3 von Usbekistan nach Osch ein. Weiter ging es über Arslanbob nach Bischkek, Karakol, Kochkor in die Berge, sowie zum Issyk-Kul See und Song-Kul See. Auf unserer To-Do-Liste standen auch ein Reitausflug sowie etliche Wanderungen in den Bergen.

Warum Kirgistan

Eigentlich stand Kirgistan nicht auf unserer Reiseliste. Aber als unser Traum von einem Pakistan-Visum und somit Indien im Iran geplatzt war, entschlossen wir uns kurzerhand, nach Zentralasien zu fahren (ohne Kirgistan). Auf dem Weg durch die vielen Wüsten- und Steppengebiete trafen wir viele Reisende, welche uns Kirgistan mit den vielen Flüssen, Seen und Bergen wärmstens weiterempfahlen. Also nutzten wir die Gelegenheit, die einzige demokratische Republik in Zentralasien kennenzulernen. Und wir sind sehr froh darüber!

Yurte am Song-Kul LakeTraditionelles (Dorf-)Fest in ArslanbobDie Hochebende von Kirgistan auf der Straße zwischen Osch und Bischkek

Was Sie schon immer über KIRGISTAN wissen wollten…

Aller Anfang ist schwer …
An der Grenze von Usbekistan nach Osch hatten wir ein kleines Problem, da motorisiert Reisende eine "Abgassteuer" von etwa 20 $ zahlen müssen. Leider wissen wir bis heute nicht, ob dies rechtlich offiziell vorgesehen ist. Jedoch hatten wir aufgrund der fehlenden ATs im Iran, in Turkmenistan und Usbekistan nur noch läppische 10 € übrig.
Theoretisch ist ein Abheben in Usbekistan via Bankautomat (diese waren immer leer!) und Bank (Registrierung im Hotel notwendig!) möglich. Glücklicherweise trafen wir an der Grenze auf drei hilfsbereite französische Mitmenschen, die uns schnell (nach 2 Stunden) von diesem Problem erlösten. In Kirgistan ist die Geldbeschaffung via ATM super einfach, da es überall Automaten für VISA und MasterCard gibt (etwa 5 € Gebühr).

Osch
In Osch blieben wir 3 Nächte im "Tes Guesthouse" (SayBoyu 5, guesthouse@tes-centre.org), welches sehr gut für Fahrzeuge und Radreisende geeignet ist. Es verfügt über ausreichend, teils überdachte Stellmöglichkeiten und eine Rasenfläche für Zelte. In Osch gibt es einen ausgedehnten Basar, in dem man so ziemlich alles findet. Die Stadt hat sich sehr den Flair aus UdSSR-Zeiten erhalten, ist sehr grün und hat breite Straßen sowie einen Felshügel. Von diesem Felshügel aus ist es mit Kletterausrüstung möglich, auf den anderen "Gipfel" hochzuklettern. Im gesamten Land gibt es kaum (abgesicherte) Sportklettermöglichkeiten. Gemüse, Obst und Vodka sind sehr günstig. Für Vegetarier sieht es (wie in gesamt Zentralasien) eher mau aus. SIM-Karten mit und ohne Internet-Flatrate sind sehr günstig bei "Beeline" erhältlich.

Arslanbob
Nach Osch sind wir weiter ins Fergana-Valley nach Arslanbob gefahren. Die Gegend ist bekannt für seine Walnusswälder und die muslimische Prägung. Deshalb sollte man sich vorher mit Bier eindecken, wenn es nicht fehlen darf. Das Dorfzentrum ist sehr hektisch und lebendig; unweit davon, ein kleines Stück bergauf, befindet sich linkerhand ein CBT (Community Based Tourism) Office. Hier erhaltet ihr nützliche Informationen und Unterkünfte (eher preisintensiv). Stellplätze findet ihr neben dem Fluss an der Wiese kurz vorm Ort oder auf dem Parkplatz des Tier-Basars. Es gibt in der Nähe zwei Wasserfälle, einer am Dorfrand (sehr touristisch) und der andere etwa 5 km entfernt in den Bergen. Neben dem kleinen Wasserfall am Dorfrand führt ein Weg in den Walnusswald hinauf, diesem rechterhand folgen zu einem kleinen Tor. Hier beginnt ein Rundweg durch den Wald bis zu einem Aussichtspunkt und wieder zurück zum Dorf (CBT hat hierzu nähere Informationen).

Bischkek
Die Straße nach Bischkek ist relativ gut ausgebaut und führt über zwei Pässe mit wunderschönen Landschaften direkt ins Zentrum. Gleich am Ortseingang gibt es den Osh-Basar, den größten Basar in Kirgistan. In Bischkek konnten wir unser Auto im "Nomads Home" (Drevesnaya 10 ) unterstellen. Es ist nicht die schönste Unterkunft, aber für 550 som (2 Personen, 1 Auto) völlig okay. Wir nutzten die Zeit, um unser Auto reparieren zu lassen. Nicht wundern: Vor jeder Werkstatt muss eine Gebühr bezahlt werden. Für das Austauschen der Simmeringe haben wir etwa 40 € gezahlt.

Bergbesteigung
Endlich konnten wir in den Nationalpark "Ala-Archa" fahren, etwa 20 km von Bischkek entfernt. Die Nationalparkgebühr betrug etwa 600 som, hat sich aber defintiv gelohnt. Es ist kein Problem, mit dem Auto am Rand zu stehen und dort zu übernachten. Wir versuchten einen Rundweg auf 2500 m und wurden leider vom Regen überrascht. Wir versuchten unser Glück erneut und wollten zum Gletscher Ak-Say hinaufwandern. Diese etwa 9 km lange Strecke ist auch an einem Tag zu schaffen (hin & zurück), jedoch mit weniger Gepäck. Auf 4300 m Höhe gibt es eine Schutzhütte (Schlafsack, Isomatte, Wasser notwendig) für 550 som. Der Weg beginnt am Ausgangspunkt im Park (2 Hotels, 1 Kiosk, 1 Wetterstation) und führt steil bergauf zu einer wunderschönen Aussicht über das Tal und in die Berge bis hin zum Wasserfall. Ab nun wird der Weg leichter und wir sahen sogar Murmeltiere. Um zum Wasserfall zu kommen, muss man zwei Flüsse überqueren (Achtung bei Regen). Ab hier geht es sehr steil weiter bergauf Richtung Schutzhütte. Der Weg ist sehr steinig, oft vernebelt und teilweise sind Felsklettereien notwendig. Wir hatten weniger Glück und wurden 2 Tage lang von Regen und Schnee begleitet. Dennoch erhaschten wir für 7 Minuten einen unglaublichen Blick auf die schneebedeckten Gipfel und auf den Gletscher. Von November bis März sind hier auch viele Steinböcke unterwegs (wir haben sogar im August 3 Stück gesehen).

Der Issyk-Kul-See
Nach diesen wanderreichen Tagen sind wir zurück nach Bischkek und weiter zum Issyk-Kul-See (zweitgrößter Alpinsee der Welt) gefahren. Die Straße ist in sehr gutem Zustand. An der Südseite des Sees gibt es zahlreiche Plätze zum Stehen und Zelten, am besten zwischen Ottuk und Kara-Koo schauen. Es gibt einen super Strandplatz direkt am Wasser in Ton – einfach dem Schild des CBT-Yurtcamp Bokonbayevo folgen, dann links Richtung Mauer und dieser folgen bis zum See. Der See ist relativ kühl, aber eignet sich hervorragend zum Baden.

Blick ins Tal von Edelweis im NationalparkEin Blick in eine YurteWanderung im Nationalpark Osch Basar in OschFairy Tail CanyonWanderung im Walnusswald von ArslanbobParagliging in KarakolTiermarkt (Animal Basar) kurz nach Arslanbob

Ein Reitausflug
Von dort sind wir wieder zurück nach Kochkor gefahren. Der Ort selbst ist sehr klein, hat ein CBT Office, viele Unterkünfte und sehr viele Touristenagenturen für Wander- und Reitausflüge. Ein kleiner Abschnitt der Straße ist sehr schlecht, der Rest gut befahrbar. In Kochkor trafen wir unseren Guide für einen 3-tägigen Reitausflug zum Song-Kol-See. Wir haben den Kontakt über andere Reisende bekommen. Er sprach sehr gut Englisch und möchte ab nächstem Jahr sein eigenes Geschäft eröffnen.
Damit der Preis etwas günstiger wird, sind wir mit unserem Auto zu dem Dorf (Kyzart) gefahren, wo unsere Pferde standen. Dies war eine schlechte Idee. Die Straße ist ungeteert und mit tiefen Löchern versehen – ein Vorwärtskommen war nur sehr langsam möglich. Dann ging es ohne viele Worte auf die Pferde und los. Die Sättel sind gewöhnungsbedürftig, oft aus Holz mit einer dünnen Schaumstoffmatte. Am besten ein paar Klamotten mehr mitnehmen zum Auffüllen des Sitzpolsters. Nach 6 Stunden kamen wir an der ersten Yurte an und bekamen dort Abendbrot
 sowie einen Schlafplatz. In den Bergen wird es auch im August nachts recht kühl.
Am zweiten Tag ritten wir über einen Pass und hatten eine wunderschöne Aussicht über die Täler und den See. Wir übernachteten direkt am See in einer Yurte und konnten die Pferde alleine ausleihen. Der See liegt malerisch umgeben von grünen Hügeln, schneebedeckten Gipfeln, Flüssen auf etwa 1600 m Höhe. Ringsherum grasen (teilweise mit Fesseln am Fuß) freilaufende Pferde und Kühe. Das Essen war überraschend vegetarisch und sehr lecker. Es besteht weiterhin überall die Möglichkeit, vergorene Stutenmilch zu trinken (Geschmacks- und Magensache).
Am dritten Tag ging es die 16 km zurück; nur mit viel Mühe erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt. Wir mussten uns nun erstmal erholen. Dazu fuhren wir wieder zum Issyk-Kul-See. Nach 3 Tagen brachen wir auf zu unserem östlichsten Punkt, Karakol.

Karakol und ein neues Abenteuer
Die Stadt hat ein angenehmes Yurtcamp, "Turkestan" (Toktogula 273), wo es kein Problem ist, das Auto abzustellen (ca. 600 som). Spontan ließen wir uns zu einem Paragliding-Flug überreden. Das Yurtcamp bietet dies für ca. 20 € pro Person an. Wir wurden mit dem Auto vor Ort abgeholt und bis zum Abflugpunkt gefahren. Vom Hügel aus 
konnte man bis in die Berge und zum See blicken. Nach einer kurzen Einweisung ging es auch schon los. Wir warteten etwa 5 Minuten auf guten Aufwind und nach einem kurzen "Endspurt" hoben wir ab (Tandemflug). Ein unbeschreibliches Gefühl, das leider viel zu schnell vorbei war. Denn nach etwa 10 Minuten hatten wir wieder Boden unter den Füßen. Als kleinen Trost gab es ein Video von unseren Flügen. Ich kann dieses Flugerlebnis wärmstens weiterempfehlen.
Wir verbrachten noch ein paar Tage in den umliegenden Tälern; rund um Karakol gibt es verschiedene Wandermöglichkeiten.

Ein bisschen Wärme zum Schluss
Ein etwas touristischer Weg startet vom Jeti-Oguz-Tal aus. Dort gibt es rote Felsformationen in Gestalt eines gebrochenen Herzes. Weniger touristisch ist das Tal. Der Hauptstraße weiter westlich folgend kommt der Ort Kyzyl-Suu; weiter geht es an einem Bach Richtung der Berge dem Chong Kyzyl-Suu-Tal entlang. Dort suchten wir uns in dem wunderschönen Tal einen Stellplatz für 2 Nächte. Mit einem geländegängigen Fahrzeug kann man bis zu einem höher gelegenen Thermalbad fahren. Wir wanderten das letzte Stück nach oben und genossen dann für sehr wenig Geld ein heißes Bad. Das Wasser roch ein bisschen, aber die Entspannung stellte sich auf jeden Fall ein.
Zum Abschluss fuhren wir zum Fairy Tail Canyon – ein magischer Ort mit verschiedenen roten Felsformationen. Der Eintritt kostet etwa 2 €. Die Ausreise war sehr unkompliziert, nach einem kurzen Blick ins Auto konnten wir nach etwa 2 Stunden nach Kasachstan einreisen (Grenzübergang zwischen Bischkek-Merki-Talas).

Unvergessen bleiben die Bilder von endlosen, grünen Hügeln, schneebedeckten Gipfeln, Jurten neben Flüssen und freilaufenden Pferden, Kühen und Schafen. Schon allein deswegen lohnt sich eine Reise nach Kirgistan! Für das Fahren mit dem eigenen Auto bleibt zu sagen, dass es wie ein Glücksspiel ist mit den Straßen. Sie sind entweder sehr gut oder furchtbar schlecht.

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