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Teaserbild: Kjalvegur – Geister und Verbrecher im Hochland

Kjalvegur – Geister und Verbrecher im Hochland

Kjalvegur – Geister und Verbrecher im Hochland

Im August 2016 sind wir zu dritt in den hohen Norden Europas aufgebrochen, um abseits vom Massentourismus die raue isländische Natur zu genießen. Die Regenjacken wurden frisch imprägniert, die Hosen gewachst und die Wanderstiefel eingefettet – der Regen konnte kommen!

Warum Island

Wir haben uns für den Kjalvegur entschieden, da dieser Wanderweg nicht so überlaufen ist wie zum Beispiel der Laugevegur. Wir wollten in Ruhe die Natur und die Landschaften genießen. Zudem hatten wir einen Wanderneuling dabei. Daher haben wir nach einer Tour mit wenigen Höhenmetern gesucht – und mit dem Kjalvegur auch gefunden.

Zeltplatz in PverbrekknamúliIslands raue NaturKjalvegur – Der alte Reiterweg

Was Sie schon immer über ISLAND wissen wollten…

Mit der Bahn von Osnabrück nach Bremen und dort ab in den Flieger, ab nach Island. Nachts zur Geisterstunde in Keflavik gelandet, standen auch schon die Shuttlebusse von Flybus vor dem Terminal. Mit dem online gebuchten Flybus-Plus-Ticket wurden wir ca. 1,5 Stunden später in Reykjavik am Campingplatz rausgelassen.
Da die Rezeption noch besetzt war, konnten wir direkt einchecken und vor dem ersten heftigen Regenschauer unsere Zelte aufstellen. Nach einer kurzen Nacht holten wir uns eine gebrauchte Gaskartusche aus dem "Free Stuff"-Regal und frühstückten ausgiebig. Wir hatten jeder ca. 3 kg Lebensmittel (das ist das zollfreie Maximum) aus Deutschland eingeführt. Neben unserem ersten Frühstück hatten wir diverse Nudelgerichte, Dosenbrot, Bifi Roll… dabei.
Nach dem Frühstück liefen wir zu Fuß an der Promenade entlang ins Stadtzentrum, um noch diverse Schoko- und Müsliriegel im Bonus, dem günstigen Discounter Islands, zu kaufen. Auf dem Weg zum Supermarkt kamen wir in der Einkaufsstraße Laugevegur an einem gut sortierten Outdoorshop vorbei und deckten uns mit den passenden Gaskartuschen für unsere anstehende Trekkingtour ein. Wir hätten die Kartuschen auch auf dem Campingplatz zum doppelten Preis kaufen können.
Bezahlt haben wir fast alles mit der Kreditkarte, was in Island selbstverständlich ist. Ein paar Isländische Kronen haben wir am Flughafen aber auch abgehoben. Ganz ohne Bargeld fühlt man sich so komisch in einem fremden Land. Nach etwas Sightseeing ging es zurück zum Zeltplatz. Die Nacht sollte mal wieder kurz sein, denn der Bus fuhr um 7.15 Uhr vom Campingplatz zum BSI, Reykjaviks Busterminal. Die kurze Fahrt ist kostenlos, wenn man ein Anschlussticket zu einem der Wanderwege hat. Unser Ticket hatten wir bereits im Vorfeld gebucht. 

Es ist Punkt 8 Uhr, der Bus fährt los zu unserem eigentlichen Abenteuer – Kjalvegur, wir kommen! Start unserer 4- is 5-tägigen Wanderung sollte die Haltestelle "Crossroads Hvitarnes" sein. Auf dem Weg hielt der Bus für jeweils 30 Minuten an dem berühmten Geysir und am Wasserfall Gulfoss – die ersten beiden Highlights in unserem Urlaub! Um 14:15 Uhr kamen wir nach einer abenteuerlichen Busfahrt über Schotterpisten an unsere Haltestelle an. Mit uns stiegen insgesamt 7 Leute aus dem Bus. Genau diese sieben Trekker sollen die nächsten vier Tage auf dem Kjalvegur unterwegs sein. Sonst niemand! Genau aus diesem Grund haben wir uns für dieses Ziel entschieden.
Weite, atemberaubende Landschaften und kaum eine Menschenseele. Endlich den 18-kg-Rucksack auf den Schultern ging es los zur Hütte Hvitarnes am Gletschersee. Das Wetter war herrlich. Wir machten bei strahlendem Sonnenschein eine Rast auf halber Strecke am Gletscherfluss. Nach einer kurzen Etappe von 9,1 km kamen wir am Zeltplatz an. Laut der E-Mail vom Hüttenverband sollten wir für die kommenden Nächte beim Hüttenwirt in Hvitarnes sogar per Kreditkarte bezahlen können.

Vom Hüttenwirt gab es jedoch keine Spur. In der Hütte von Hvitarnes soll ein Geist, eine Frau mit zwei Wassereimern auf dem Weg zum Gletscherfluss, sein Unwesen treiben. Ob der Geist von Hvitarnes den Hüttenwirt auf dem Gewissen hat, werden wir wohl nie erfahren… Um unser schlechtes Gewissen zu beruhigen, warfen wir am nächsten Morgen unser letztes Bargeld in den "Briefkasten" und machten uns wieder auf den Weg, folgten einem alten Reiterweg durchs Hochland. Am Gletscher entlang führten uns die Trampelpfade der Pferde zum Gletscherfluss Fúlakvisl. Die weitere Orientierung fiel leicht. Am Fluss entlang ging es auf einer 16,5-km-Etappe zur nächsten Hütte, an der wir wieder unsere Zelte aufschlugen. Da es an diesem regelrecht heiß war (22 °C und pralle Sonne), gönnten wir uns am Zeltplatz ein kleines Bad im recht kühlen Gebirgsbach nahe des Zeltplatzes. 

Schutzhütte in PjófadalirAuf der Spitze vom Vulkan StryturNordlichter in Hveravellir

Da die ersten beiden Tagesetappen im Flachland verliefen, freuen wir uns am dritten Tag auf ein paar Höhenmeter. Es ging los mit einem steilen, aber nicht zu langen Anstieg. Nach weiterem, eher leichtem Auf und Ab kamen wir an einen steilen Abstieg, bei dem wir unsere Trekkingstöcke gut gebrauchen konnten. Die abwechslungsreiche Etappe (wieder 16,5 km) endet in Pjófadalir an einem traumhaft schönen Platz, umringt von Bergen mit Blick auf den Gletscher. Mittlerweile hatten wir alle Sonnenbrand. Dennoch mussten wir die Zelte gut abspannen: Auf 700 Höhenmetern blies der Wind gewaltig!

Als ich am nächsten Morgen aus dem Zelt schaute, ging gerade die Sonne hinter den Bergspitzen auf; es war windstill und so leise, dass es schon fast unheimlich war. Unheimliche Geschichten hört man auch von den letzten 10,7 km des Kjalvegur. Hier soll einst Islands berühmtester Outlaw – Fjalla Eyvindur – gelebt haben. Er und seine Frau wurden wegen Diebstahls verurteilt und hielten sich anschließend jahrelang im Hochland versteckt. Für uns hielt der Weg jedoch keine bösen Überraschungen bereit. Kein Regen, kein Sturm und keine Banditen. Ganz im Gegenteil: Das Wetter war traumhaft und der Blick auf die beiden Gletscherkappen war fantastisch.

In Hveravellir endete unsere Trekkingtour auf dem Kjalvegur mit einem Bad im Hot Pot des angrenzenden Geothermalgebietes. Hier gab es auch einen kleinen Kiosk, Duschen und ein Restaurant. Es lohnt sich bereits Ende August, nachts mal aus dem Zelt zu schauen: In Hveravellir konnten wir die ersten Nordlichter sehen!
Da wir noch einen Tag Zeit hatten und das Wetter weiterhin mitspielte, entscheiden wir uns dazu, den Vulkan Strytur zu besteigen. Die Tour vom Zeltplatz zum Kratergipfel umfasste insgesamt 13,5 km. Ohne schweres Gepäck ein Kinderspiel! Auf dem Kraterrand konnten wir zum ersten Mal unsere Regenjacken als Windbreaker verwenden. Der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt und sollte bei einer Wanderung auf dem alten Reitweg fest mit eingeplant werden!

Am nächsten Morgen gönnten wir uns noch das kleine Frühstücksbuffet in der Hütte, bevor wir wieder mit dem Bus zurück nach Reykjavik fuhren. Unsere Tickets haben wir direkt beim Busfahrer mit der Kreditkarte bezahlt. Abfahrt war pünktlich um 12.15 Uhr. Wie auf dem Hinweg gab es wieder die obligatorischen Stopps am Geysir und am Wasserfall. Da wir an den ersten drei Hütten auf keinen Hüttenwirt gestoßen sind, haben wir nach unserem Urlaub für die zweite und dritte Nacht direkt beim Hüttenverband bezahlt. In Reykjavik angekommen, ließen wir uns für unsere letzte Nacht in Island auf dem Campingplatz nieder. Am nächsten Morgen ging es mit Sack und Pack zum Hafen – Whale Watching! Nach unserer Begegnung mit diversen Walen und Delphinen brachte uns der Flybus zurück zum Flughafen.

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