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Teaserbild: Wanderung des nördlichen Kungsledens im September- Von Nikkaloukta nach Ritsem

Wanderung des nördlichen Kungsledens im September- Von Nikkaloukta nach Ritsem

Zu zweit machten wir uns Ende August des letzten Jahres auf, um die Fjälllandschaft Nordschwedens zu genießen. Von Berlin TXL ging es mit dem Flugzeug, über einen kurzen Zwischenstopp in Stockholm, direkt nach Kiruna.

Da wir den „klassischen“ Kungsleden-Abschnitt von Abisko nach Nikkaloukta beide schon einmal gewandert waren, aber die Einsamkeit und Weite des schwedischen Fjälls hoch über dem Polarkreis noch einmal genießen wollten (und insgeheim auf das Erspähen von Polarlichtern spekulierten), entschlossen wir uns diesmal, in Nikkaloukta zu starten und innerhalb von 9 Tagen ins 100 km entfernte, südwestlich gelegene Ritsem zu wandern. Mit insgesamt 9 geplanten Tagen hatten wir theoretisch Zeit für 2 Pausentage.

Der andere Start
Da unsere eigentliche Wanderung in Nikkaloukta startete, versuchten wir am Nachmittag unserer Ankunft, die 70 km von Kiruna nach Nikkaloukta zu trampen. Was uns leider nicht gelang. So verbrachten wir die erste Nacht im Zelt nicht im Fjäll, sondern auf dem Zeltplatz in Kiruna (10 € pro Nacht und Nase), um am nächsten Tag den Bus nach Nikkaloukta zu nehmen.

Etappe 1: Nikkaloukta – Kebnekaise (19 km) und Etappe 2: Kebnekaise – Singi (14 km)
Die ersten beiden Etappen (NikkalouktaKebnekaise, 19 km, und KebnekaiseSingi, 14 km) sind als Teile des nördlichen Kungsleden sehr gut ausgebaut und vom STF bewirtschaftet. Dementsprechend begegnet man sehr vielen Wanderern und das Ausmaß an Spuren von Zivilisation ist erschreckend groß. Dies bekommt man spätestens dann mit, wenn der zwanzigste Helikopter am Tag durchs Tal fliegt, um Proviant und Gäste auf die Fjällstationen zu bringen.

Etappe 3: Singi – Bergsee bei Cuhcavaggi 13 km
Am dritten Lauftag (ca. 13 km) ließen wir nun die ausgetreten Pfade des Kungsleden hinter uns und bogen auf einen kleinen ausgetretenen Pfad ab, der uns über hügelige, mit hohem Gras bewachsene, teilweise sumpfige Wiesen zu einem klaren Bergsee führte, an dem wir unser Nachtlager aufschlugen. Die Wegfindung war teilweise schwierig und hat uns einiges an Zeit und Kraft gekostet aber letztendlich stand unser Zelt pünktlich zum Sonnenuntergang. Der Bergsee lud die Mutigen unter uns in herrlicher Kulisse zu einem erfrischenden Bad ein.

Etappe 4: Bergsee bei Cuhcavaggi – STF Hütte Hukesjaure (ca. 13 km)
In der Nacht gab es einen Wetterumschwung: Der Wind frischte zum Sturm auf, Regen wurde in unser Tal gedrückt und es wurde kälter. Leider sah es am nächsten Morgen nicht anders aus. Gegen 14 Uhr nutzten wir eine kurze Regenpause, um das Zelt im trockenen Zustand abzubauen und alles wieder in den Rucksäcken zu verstauen. Der Tag blieb verregnet. Irgendwann wurde der Regen zu Schnee und wir hatten es mit einer unangenehmen Mischung aus Gegenwind, Schnee und Kälte zu tun. Dazu stand nun noch eine größere Flussüberquerung auf dem Plan. Jedoch: Die Stelle, welche in der Karte markiert war, konnten wir nicht ausfindig machen. So verbrachten wir ca. 2 Stunden damit, flussauf- und abwärts nach einer geeigneten Stelle zum Überqueren zu suchen. Als wir es dann doch noch trocken über den Fluss geschafft hatten, waren wir erschöpft und glücklich zugleich. Der Rest des Weges führte über ein karges, steiniges Hochplateau. Kurz bevor es dunkel wurde, erreichten wir die STF Hütte Hukesjaure (ca. 13 km). In der Nacht waren es erneut Temperaturen unter Null, sodass die windzugewandte Seite unseres Zeltes mit einer dicken Eisschicht überzogen war.

Etappe 5: STF Hütte Hukesjaure – Rentiergatter/Brücke bei Ainnajohka (ca. 12 km)
Der fünfte und vorletzte Wandertag war für mich persönlich die schönste Etappe (ca. 12 km). Man konnte die weite Landschaft, die nun langsam in schönen Herbstfarben leuchtete, bis in die Ferne einsehen. Und an diesem Tag fanden wir kurz vor unserem Zeltplatz auf einer Wiese gleich 4 oder 5 Rentiergeweihe. Wir schlugen unser Lager am Fluss in der Nähe einer Brücke auf und wurden mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.

Etappe 6: Rentiergatter/Brücke bei Ainnajohka – SFT Hütte in Sitasjaure (ca. 7 km)
Der nächste Tag führte uns bis zur SFT Hütte in Sitasjaure (ca. 7km). An diesem Tag sahen wir zum ersten Mal seit Singi wieder andere Wanderer. Sitasjaure liegt an einem riesengroßen, künstlich angelegten Stausee mit angeschlossenem Speicherkraftwerk. Wir waren also wieder in der Zivilisation angekommen und wurden von einer freundlichen Hüttenwirtin mit Erdbeersaft in Empfang genommen.

Etappe 7: SFT Hütte in Sitasjaure – Ritsem Fjällstation (22 km)
Nun waren es noch 22 km (nicht 16 km, wie es auf unserer Karte eingezeichnet war) bis nach Ritsem entlang einer geteerten Straße. Da es wie aus Eimern schüttete und zufällig gerade ein älteres, finnisches Pärchen mit seinem Wohnmobil Richtung Ritsem fuhr, konnten wir 8 Stunden Wandern gegen eine 30-minütige Autofahrt tauschen.
Ritsem selbst besteht eigentlich nur aus einer riesigen Fjällstation und einigen Wohngebäuden für die Mitarbeiter des Speicherkraftwerks. Als Ausgangspunkt für Touren in den Sarek und auf dem Padjelantaleden ist es trotzdem ein recht geschäftiges Örtchen und wird zweimal am Tag von einem Bus angefahren, der uns über Gällivare wieder nach Kiruna brachte.

Insgesamt haben wir 7 Tage für die Wanderung gebraucht. Unsere 2 geplanten Pausentage haben wir uns für das Ende aufgespart.
Die Zeit bis zum Abflug verbrachten wir hauptsächlich in der Sauna des Zeltplatzes in Kiruna und damit, Polarlichter zu beobachten (JA, wir haben tatsächlich welche gesehen!).

Unser Fazit
Alles in allem war es eine angenehme, abwechslungsreiche Tour mit einigen Herausforderungen (Wie überquert man einen Fluss, ohne komplett einzuweichen?), die wir gut meistern konnten. Unsere Erwartungen, eine menschenleere, weite Fjällandschaft vorzufinden, wurden erfüllt, sobald wir den Kungsleden verlassen hatten. Ein Manko hinsichtlich der Schönheit des Weges war die letzte Etappe, welche aus einer asphaltierten Straße bestand. (Vor einigen Jahren gab es wohl einen Weg querfeldein, dieser ist aber nicht mehr vorhanden.)

Reisezeit:
Anfang September war es in den höheren Lagen (ab 900 m) schon recht frisch inklusive erstem Frost und Schnee, wohingegen es in den niederen Lagen Ende August noch recht warm war. Der Wechsel von Sommer zu Herbst hat sich in den 9 Tagen unglaublich schnell vollzogen. Ab Mitte September werden die Hütten nicht mehr bewirtschaftet und die Saison ist vorerst vorbei, da der Herbst Dunkelheit, Regen und Matsch bringt. Im März, wenn die Tage länger werden, eignet sich das Gebiet hervorragend für Touren im Schnee.

Anreise/Einreise:
SAS fliegt von Berlin mit einem Zwischenstopp in Stockholm direkt nach Kiruna. Von Kiruna fährt ein Bus nach Nikkaloukta, mit 23 kg Freigepäck und Sparangeboten für unter 26-Jährige.
Die Einreise verlief problemlos. (Im Flugzeug dürfen keine Gaskartuschen mitgeführt werden!)

Sprache:
Auf Englisch kann man sich gut verständigen. Da so viele deutsche Wanderer auf dem Kungsleden unterwegs sind ist die Verständigung eigentlich nie ein Problem.

Geld:
In Schweden zahlt man mit der schwedischen Krone. Wir haben auf dem Flughafen Stockholm Bargeld abgehoben. Im Zentrum von Kiruna gibt es die nächsten Geldautomaten. (Auf dem Flughafen in Kiruna oder in Nikkaloukta gibt es leider keinen!!) Mit Kreditkarte kann man meist auch zahlen.

Wenn ihr Mitglied im STF oder im DJH seid, bekommt ihr Rabatt für die Hüttennutzung (auch hier wollte keiner einen Nachweis sehen). Ab September zahlt ihr für die Mitgliedschaft nur einen Bruchteil.
jugendherberge.de/mitgliedschaft

Auf dieser Webseite ist die Route sehr gut beschrieben.
fjaellwanderung

Hier findet ihr eine zuverlässige Vorhersage für Polarlichter in der Region.
auroraforecast

Tut euch den Gefallen und nehmt ein ordentliches Zelt mit, welches auch starken Wind in Kombination mit Regen abhält.
Die Regenklamotten (Gore Tex Jacke und Membrain Hose) hatten wir am Ende der Tour eigentlich immer an. Nicht nur zum Schutz vor Regen, sondern auch als Windschutz machten sie die Wanderung deutlich angenehmer.
Auf dem Weg nach Ritsem kann man den Kebnakaise bei gutem Wetter besteigen. Hilfreiche Infos zum Wetter und dem Weg gibt es in der Fjällstation Kebnkakaise.
Gaskartuschen gab es kostenlos in Kiruna auf dem Zeltplatz und auch in Nikkaloukta, als Hinterlassenschaft anderer Wanderer. Gaskartuschen dürfen nicht im Flugzeug mitgeführt werden und so lassen die meisten ihr nicht gebrauchtes Gas zurück in Schweden.
Wenn ihr unter 26 Jahre alt seid, bekommt ihr die Buspreise zum halben Preis. Ihr müsst dies dem Fahrer beim Ticketkauf allerdings kommunizieren, sonst bekommt ihr keinen Rabatt (Einen Ausweis wollen Sie nicht sehen;-)).

Karten:
Fjällkartan (Lantmäteriet) BD6 und BD7, Maßstab 1:100000, Dez. 2009

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