Winter am Baikal: Im UAS über`s Eis

Winter am Baikal: Im UAS über`s EisMärz 2001: Trotz vieler mails zuvor war es bei unserer Landung noch nicht klar, ob es klappen würde mit der Querung des Baikal von Süd nach Nord im Auto. Wir fuhren nach Olchon, sahen die harte Arbeit der Fischer beim Eisfischen und trafen endlich Jura, der das passende Auto hatte: einen Allrad-UAS. Das Wetter war eine Katastrophe, aber wir kamen durch nach Severobaikalsk. Zur Erholung knatterten wir dann mit “Buran”-Schneemobilen eine Tagesreise in die Taiga hinein und blieben ein paar Nächte in einer Jägerhütte. Rückflug nach Irkutsk in einer alten Propellermaschine.

Warum Russland

Um gemeinsam mit Pawel in seiner Einsiedler-Hütte am Nordwestufer des Baikal zu meinem Geburtstag Whisky zu trinken. Aber kein Einheimischer konnte sich erinnern, dass es jemals so heftigen Schneefall im März gegeben hatte. Zu Pawel war kein Durchkommen. Also tranken wir den Whisky mit Irina Dmitrjewna und Lew Alexejitsch, die am anderen Seeufer genauso einsam, wenn auch komfortabler leben. Auch zu den Rentierzüchter nördlich von Cholodnaja kamen wir nicht, aber ein paar Tage Taiga waren trotzdem drin – wie wir es uns gewünscht hatten. Denn eigentlich war man erst dann richtig in Sibirien, wenn man auch im Winter dort war…

Das Irina Dmitrjewna in ihrem ReichFolgenreiche Querung einer Eisspalte

Was Sie schon immer über Russland wissen wollten…

War es sehr kalt im sibirischen Winter?
Unser kältester Morgen hatte –25°C. Tagsüber waren zwischen –8 und –15°C. Da die Kälte aber trocken ist, stört sie einen normalerweise nicht – vorausgesetzt, man hat sich gut eingepackt (bei diesen Temperaturen bewähren sich Daunenjacken!). Natürlich kann es im Januar/Februar viel kälter sein, der März ist aber für seine „milderen“ Temperaturen bekannt. Wir hatten nur ein einziges Mal ein richtig heftiges Problem: Bei der Rückfahrt aus unserer Taiga-Hütte. Es war ziemlich kalt und wir konnten uns auf den Motorschlitten nicht bewegen, saßen aber im vollen Fahrtwind. Die Füsse schmerzten ohne Ende, aber Erfrierungen blieben uns erspart.

Wie lange dauert eine Autofahrt über den Baikal?
Es gibt eine „Piste“ auf dem Eis von Ust Barguzin nach Baikalskoje. Obwohl wir auch noch die ungespurte Strecke von Olchon nach Barguzin zurücklegen mussten, wäre das Unternehmen unter normalen Bedingungen an einem langen Tag zu schaffen gewesen. Da es aber kein Blankeis gab (auf dem Jura den UAS auf 90km/h aufgedreht hätte) sondern stattdessen tonnenweise Neuschnee in den Spuren, hatten wir keine Chance. In der Dunkelheit verpassten wir auch noch Dawscha und landeten schließlich, kurz vor dem endgültigen Steckenbleiben, bei Irina und Lew, die ein helles Licht am Ufer des Kordon Sewernyi hatten brennen lassen. Dort warteten wir eineinhalb Tage, bis der erste LKW uns wieder eine Spur in den Schnee fräste. Am Abend des dritten Tages waren wir in Severobaikalsk.

Die Burane ruhen sich aus: PerevalBindungsmontage an russischen SchneeschuhenDas

Kann man solche Touren von Deutschland aus organisieren?
Wichtige Eckpunkte lassen sich von zu Hause aus per mail schon klären, wenn man einen Ansprechpartner mit guten Kontakten vor Ort hat. „Jack“ Sheremetoff , der eigentlich Jewgeni mit Vornamen heißt, ist eine Top-Adresse in Irkutsk. Er ist absolut zuverlässig und vertrauenswürdig!!! (Da wir vor unserer Baikalüberquerung das Weiterflugticket nach Jekaterinburg noch nicht kaufen konnten, ließen wir ihm den Flugpreis komplett da – als wir dann wieder in seine „Gästewohnung“ kamen, lagen die Tickets, eine Quittung und das Wechselgeld bis auf die letzte Kopeke schon auf dem Küchentisch) Natürlich ist der Service der „Kontaktleute“ nicht kostenlos. Wer mehr Zeit hat und leidlich Russisch spricht, kann aber zweifellos jedes Abenteuer auch vor Ort selbst organisieren.

Wie gut sollten die Russischkenntnisse sein, wenn man ohne “Reiseleiter” in Russland unterwegs ist?
Wir hatten, als Ex-DDRler, unser Schulrussisch, das sich so recht und schlecht reanimieren ließ. Es reichte für alle Basisbelange der Reise. Aber dort, wo es anfing spannend zu werden, beim feuchtfröhlichen Umtrunk in Lews Haus oder bei der Diskussion über Politik im Bus, versagten unsere Kenntnisse. Da hätte uns die Reise noch viel mehr geben können, wenn unsere Sprachkenntnisse besser gewesen wären. Bei noch weniger Kenntnissen (z.B. auch des kyrillischen Alphabets) kann selbst die Reiseorganisation schwierig werden und da hört dann eigentlich auch der Spaß an einer Reise auf.

Kann man sich dem Wodka-Trinken auch entziehen ohne die russische Gastfreundschaft zu verletzen?
Als Mann etwas schwieriger als als Frau. Unter unseren Schneemobil-Piloten gab es aber beispielsweise einen, der prinzipiell nicht mittrank, wenn der Becher kreiste. Das wurde akzeptiert. Auch als wir wegen mangelnder Trinkfestigkeit irgendwann abwinkten, war das kein Problem. Wenn man aber als Gast das erste Glas ausschlagen will, muß man schon gute Argumente haben, um nicht als unhöflich zu gelten (Krankheit z.B.). Mittlerweile wird übrigens auch in Russland nicht nur Bier getrunken, sondern auch (vereinzelt) ganz vernünftig gebraut. Tip: Baltika, aber nur das mit der 3 drauf! Die Russen sagen: Baltika Troika (nicht tri).

Weiterschmökern:


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Short Cuts Russland

Beste Reisezeit: Trekking war im September ideal! Angenehme Temperaturen, keine Mücken. Wintertouren: März, weil nicht gar so kalt
Anreise: Mit dem Flieger nach Irkutsk. Man muß in Moskau den Flughafen wechseln: von SheremetjewoII nach SheremetjewoI. ACHTUNG: Kein Taxi nehmen (Taxi nado?)! Aeroflot hat einen kostenlosen Shuttle und außerdem gibt`s preiswerte Sammeltaxis (Marschrutki).
Einreise: Visumpflicht. Aktuelle Erfordernisse bei VOSTOK s.u.!
Sprache: Russisch (das trotz des Riesenlandes keine Dialekte kennt!). In Städten trifft man auf teilweise sehr gut Englisch sprechende junge Menschen.
Geld: Die ersten Rubel kann man noch vor der Zollkontrolle in Sheremetjewo eintauschen. Da der Dollar eine Art Schattenwährung ist, ist er das beste Tauschund Zahlungsmittel. Keine ECund nur vereinzelt (z.B. in Hotels) Kreditkartennutzung möglich. Erfahrungen mit Traveller Cheques haben wir nicht.

wwwo beginnen

REISEBÜRO VOSTOK
Kompetent, zuverlässig, schnell (soweit das die Zusammenarbeit mit russischen Behörden erlaubt). Wir haben die Preise nicht verglichen, fanden sie aber, beim gebotenen Service, gerechtfertigt.

JACK SHEREMETOFF
Jack ist mittlerweile eine Instanz für Individualtouristen in Irkutsk. Ob Kanu, Auto, Wohnung oder Karte - er organsiert oder gibt Hilfe zur Selbsthife. Jack spricht sehr gut Englisch und verfügt über beste Kontakte zu einer Sprachschule, über die er auch Dolmetscher für Russisch-unkundige Deutsche organisieren kann (oder einen Sprachkurs).

WAYTORUSSIA
Komplettservice rund um die Russlandreise: Visabeschaffung, Flug-&Bahntickets, Angebote lokaler Touranbieter - auch aus der Baikalregion.

Russland

Nicht vergessen

Winterschuhe mit Innenschuh. Die in Wintersocken und Trekkingschuhen steckenden Füße waren unser Schwachpunkt.
Daunenjacke hält mollig warm und ist nicht so schwer wie das Filzzeug, das beispielsweise die Jäger in der Taiga tragen.
Mütze, Handschuhe sollten warm UND winddicht sein.

Literatur

SIBIRIEN Reisehandbuch
Ist 2002 schon in dritter Auflage erschienen. Enthält z.B. den Vorschlag für eine Skitour am und über den nördlichen Baikal.

KULTURSCHOCK RUSSLAND
Nach der Lektüre dieses Büchleins verstehen Sie Russland und die Russen wirklich besser und stehen den Widrigkeiten des Alltags gelassener gegenüber.