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Teaserbild: Pakistan mit dem Wohnmobil

Pakistan mit dem Wohnmobil

Pakistan mit dem Wohnmobil

Da es von Indien zu Pakistan und von Pakistan zu Iran jeweils nur einen einzigen für Ausländer nutzbaren Grenzübergang gibt, war die Route innerhalb Pakistans schon grob vorgegeben. Von Amritsar in Indien ging es über die Grenze bei Wagah nach Lahore. Weiter nach Islamabad, ein kurzer Abstecher in die Vorgebirge des Himalaya, um danach gemütlich und mit mehreren Abstechern am Industal entlang Richtung Süden nach Karachi zu fahren. Die größte Schwierigkeit war es dann, aufgrund der Sicherheitslage in Belutschistan, von Karachi nach Quetta zu gelangen, von wo aus die Straße nach Taftan (Grenze zu Iran) startet. Aber dazu später…

Warum Pakistan

Auf unserer Reise von Indien nach Deutschland im Wohnmobil mussten wir unter anderem durch Pakistan fahren. „Mussten“ sage ich mit Absicht, da wir und unsere Verwandten und Bekannten aufgrund der Situation im Lande anfangs starke Bedenken um unserer Sicherheit hatten. Aus Mangel an Alternativrouten blieb uns aber nichts anderes übrig, als dieses von diversen Krisen gebeutelte Land zu durchfahren. Und es sollte sich lohnen, diesen Schritt zu wagen! In keinem Land unserer Reise haben wir uns mehr Willkommen gefühlt. Nichts zu spüren von angeblicher Feindlichkeit gegenüber dem „Westen“, stattdessen Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft allerorten!

Pakistanischer SchäferMausoleum von Bibi Jawindi, Uch SharifFaisal-Moschee Islamabad

Was Sie schon immer über PAKISTAN wissen wollten…

Aber nun zu unserer eigentlichen Reise…
Unser erstes Ziel war Lahore, wo wir schon vorher ein Bett via Couchsurfing klar gemacht haben. Ja, auch das geht in Pakistan, zumindest in den Großstädten. Wir schliefen sogar bei einem pakistanischen Serienstar, dementsprechend besuchten wir in Lahore auch mal ein Filmset. Und wenn wir mal nicht mit den Stars von Lollywood (so nennt sich die hiesige Filmindustrie) unterwegs waren, gab es immer noch genug Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, darunter auch zwei Weltkulturerbestätten: Die Festung und die Shalimar-Gärten.
Unser nächstes Ziel war eine weitere Weltkulturerbestätte namens Rohtas Fort. Da in Pakistan freies Campen nicht ratsam ist, wollten wir auf dem Parkplatz der Festung nächtigen, was den Verwaltern dieses Komplexes aber noch nicht sicher genug war. Nach Rücksprache mit dem regionalen Polizeichef durften wir auf dem Gelände des Verwaltungskomplexes parken. Es folgten zahlreiche Gespräche sowie Einladungen zu Tee und Essen. Am nächsten Tag gab es eine exklusive Führung, wobei nur für uns sogar noch das zum Fort gehörende Museum geöffnet wurde, welches aus Geldmangel sonst für die Öffentlichkeit geschlossen ist.
Weiter ging es nach Islamabad. Die Hauptstadt Pakistans ist nicht unbedingt sehenswert, denn sie ist eine am Reißbrett entworfene Stadt, die erst in den 1960er Jahren gebaut wurden ist. Die Faisal-Moschee sowie die umliegenden Berge (Margalla Hills) sind zwar sehr hübsch und es gibt auch ein paar Museen und Parks, aber unbedingt gesehen haben muss man diese Stadt wohl nicht. Da gibt es auch in Pakistan lohnenswertere Ziele. Genächtigt haben wir übrigens auf der Tourist Campside, was wohl mal als Campingplatz für Overlander angedacht war, die aber seit 9/11 nur noch sporadisch kommen. So waren wir dann dort auch die einzigen Gäste…
In Taxila schauten wir uns ein weiteres Weltkulturerbe an. Taxila war die Hauptstadt von Gandhara – einem Gebiet vom östlichen Afghanistan bis in den Nordwesten von Pakistan. Seine perfekte Lage in Sachen Handelsbeziehungen brachte viele unterschiedlichen Sprachen, Religionen, Wissenschaften usw. in der Stadt zusammen. Besonders bekannt ist Taxila aber für seine buddhistische Vergangenheit.

Nun aber ab in der Berge…
Erstes Ziel war Nathiagali, ca. 2500m hoch. Wir wurden gleich mal mit Neuschnee empfangen, so dass wir unseren Plan, mal etwas wandern zu gehen, auch recht schnell wieder aufgaben, zumal auch noch reichlich Altschnee vorhanden war. Abgesehen davon war das Städtchen auch ziemlich verlassen, ist wohl nur was für die Sommersaison. Die Fahrt nach Murree (2300m hoch) war dann aufgrund des Schnees recht anstrengend, auch wenn die Straße selbst geräumt war. Leider war aber öfters nur eine Spur frei, so dass sich ein paar Mal Knoten bildeten und die Autos weder vor noch zurück konnten. Nur mit mühevoller Rangierarbeit und viel schieben (man musste dann zwangsläufig in den Schnee, um aneinander vorbei zu kommen und fuhr sich dort natürlich fest) ging es dann weiter. Aber letztlich alles kein Problem, denn jeder half jedem. Murree selbst war dann voll von pakistanischen Touristen, anscheinend ein sehr beliebtes Ziel für die Einheimischen. Uns gefiel es aber so gar nicht, was auch daran lag, dass man nur einen Verkaufsstand neben dem nächsten sah und das ganze anscheinend nur noch eine riesige Shoppingmeile ist mit entsprechend hässlichen Betonbauten.
Als nächsten ging es in das obere Industal, dem Karakoram Highway entlang Richtung Himalaya. Weiter als bis nach Besham sind wir aber leider nicht gekommen, denn aufgrund des schlechten Wetters (Regen, Regen, Regen und von den Bergen vor lauter grau nichts zu sehen) und der schlechten Straße (man sollte sich nicht davon täuschen lassen, dass die Straße Highway genannt wird) schien es uns als nicht ratsam, noch weiter zu fahren. Tja, 100km vor einem 8000er gewesen (Nanga Parbat), aber nichts gesehen. Aber hey, immerhin wissen wir nun schon was wir nächsten Sommer machen wollen!

Also zurück ins Flachland!
Die Salzmine von Khewra stand als nächstes an, die zweitgrößte der Welt übrigens. Große Höhlen, lange Stollen, dazu eine unterirdische Moschee aus Salz und noch einiges mehr. Durchaus beeindruckend! Unser Führer sprach zwar kaum Englisch, aber es fand sich zum Glück jemand anders in unserer Gruppe, der für uns übersetzte! Vor Multan hatten wir beide viel Bammel, denn erst 2-3 Wochen vorher wurden dort ein Deutscher und ein Italiener entführt. Zudem meinte ein Mädel, welches wir wegen Couchsurfen gefragt haben, dass sie das nicht mehr verantworten kann, denn ihr letzter Gast scheint auch nur knapp einer Entführung entkommen zu sein. Wir machten uns aber trotzdem auf dem Weg. In der Stadt angekommen suchten wir nach einem Hotel, welches uns kostenlos oder für wenig Geld auf ihren Parkplatz übernachten lässt. Leider war das nicht sehr erfolgreich und unsere Laune sank immer weiter. Plötzlich hielt ein Auto neben uns und wir wurden gefragt, ob wir irgendwelche Probleme hätten. Nein, wir suchen eigentlich nur ein Platz zum abparken, aber trotzdem Danke. Damit lässt sich ein Pakistani natürlich nicht abspeisen. Letztlich durften wir für kostenlos in einem Hotel übernachten, wurden mehr als großzügig bewirtet und eine Stadttour gab es obendrein!
Und weiter ging es über Bahalwapur zum Fort Derawar, großartige Szenerie da in der Wüste gelegen! Und wir hatten zudem das Glück, dass die Festung sogar geöffnet hatte, so dass wir das Innere besichtigen konnten. Ganz in der Nähe gibt es noch einen Nachbau der Moschee vom Roten Fort in Delhi sowie eine Nekropole.
Nächstes Ziel Uch Sharif mit seinen prächtigen Schreinen und dann über superschlechte Straßen nach Moenjodaro. Dort übernachteten wir zum ersten Mal in Pakistan auf einer Polizeistation (sollte noch mehrmals passieren). Der Polizeichef gab uns auch gleich mal eine Tour im Pickup durch seinen Distrikt. Er zeigte uns unter anderem, wo Kämpfe zwischen Schweinen und Hunden veranstaltet werden (wir sind Vegetarier!) und lud uns auch noch zum Abendessen zu sich nach Hause ein. Da half es nichts, dass wir uns anfangs noch so gewehrt haben, es musste sein! Am nächsten Tag besichtigten wir dann die Ausgrabungsstätte der Industal-Zivilisation (Harappa-Kultur), mussten aber feststellen, dass es nicht viel mehr als alte Steine zu sehen gab. Da muss man wohl schon Archäologiefan sein, um dem Ganzen etwas abgewinnen zu können.

Pakistanischer TruckMauseoleum von Rukn i Alam, MultanFort Derawar

Letztes (touristisches) Ziel unserer Reise…
Das war der Süden Pakistans mit Thatta und Karachi. Doch der Weg dahin war sehr weit, so dass wir unterwegs am Highway bei einer Raststätte übernachten wollten. Zuerst jedoch mussten wir noch tanken und schon da kam der Besitzer der Raststätte und bot uns einen Tee an. Und als wir ihn später fragten, ob wir auf seiner Raststätte übernachten könnten, bot er uns an, dass wir doch bei ihm im Hause übernachten können! Gesagt getan. Wieder einmal pakistanische Gastfreundschaft inklusive Speis und Trank und zahlreichen Gesprächen. Und da sich unser Gastgeber Sorgen um unserer Sicherheit machte, besorgte er für die Nacht gleich noch eine Wache und für die Weiterreise am nächsten Tag eine Polizeieskorte. Und das mit den Polizeieskorten war auch so ein Ding, denn die waren fahrzeugtechnisch manchmal so schlecht ausgerüstet, dass sie kaum schneller aus 50km/h fahren konnten. Und da riss uns manchmal doch der Geduldsfaden und wir sind denen einfach davon gefahren, wohl wissend, dass an der nächsten Distriktgrenze schon eine neue Eskorte warten würde… Da fragt man sich doch, wie so eine Polizei im Ernstfall Verbrecher jagen soll? In Thatta wurde dann wieder in einer Polizeistation übernachtet, bevor es am nächsten Morgen zur beeindruckenden Shah Jahan-Moschee ging, inklusive bewaffneten Begleitschutz natürlich.
Ganz in der Nähe sind die Makli-Hills, die größte muslimische Grabesstätte der Welt mit zahlreichen alten Mausoleen. Hier wurden wir sogar noch persönlich von Polizei-Distrikt-Chef durch das riesige Gelände gefahren und geführt!
Karachi haben wir nicht so gut in Erinnerung, was nicht an unsere super netten Gastgeber lag (noch einmal via Couchsurfing), sondern daran, dass es eine stinkende Groß- und Hafenstadt ist, die nicht allzu viel zu bieten hat. Zudem mussten wir viel länger als geplant dort bleiben, denn unser erster Versuch, Richtung iranische Grenze zu kommen, scheiterte daran, dass wir nach 200km Fahrt durch Belutschistan auf der uns von Botschaft und PTDC empfohlene Route wieder zurückgeschickt wurden mit dem Hinweis, dass wir hier aufgrund der Sicherheitslage nicht weiterfahren könnten und wir doch erstmal in Karachi die notwendigen Papiere besorgen sollten. Davon hat uns freilich vorher niemand etwas erzählt. Also fuhren wir zum deutschen Konsulat in Karachi und baten dort um Hilfe. Und die Mitarbeiter dort waren super freundlich und hilfsbereit und telefonierten alle ihre Kontakte ab, um zu sehen was machbar ist.
Letztlich dauerte es einige Tage, bis wir endlich das entsprechende Papier mit der Erlaubnis hatten, nach Quetta zu fahren, übrigens über eine Route, von der uns zuvor immer abgeraten wurde… Und das war es auch schon fast mit unserer Reise durch Pakistan.
Es folgten noch lange Fahrten durch wunderschöne einsame Landschaften, viel Polizeieskorte, mal in unserem Bus, mal mit eigenen Gefährt und dazu unzähligen Passkontrollen. Übernachtet haben wir dann nur noch auf Polizeistationen, wobei sie uns in Quetta auch tagsüber nicht rauslassen wollten, da es ihrer Meinung nach viel zu gefährlich wäre. Wir mussten dort aber 2 Tage warten, bis wir die Erlaubnis hatten, den letzten Streckenabschnitt Richtung Grenze zu Iran (Taftan) zu fahren und waren dann entsprechend auch sehr froh, als es endlich soweit war…

Der Abschied aus Pakistan…
… war dann noch einmal sehr schön, mit netten Grenzbeamten, die uns sehr zuvorkommend behandelt hatten (die Zollangelegenheiten durften wir schon am Abend vor Grenzübertritt erledigen, um am nächsten Morgen ganz früh über die Grenze zu kommen, zudem durften wir auch auf dem Zollgelände übernachten, plus schon fast obligatorisch Einladungen zu Essen und Trinken) so dass es bei der Ausreise aus Pakistan keinerlei Probleme gab. Insgesamt ein sehr beeindruckendes Land, das vor allem von seinen unglaublich freundlichen Bewohner und den unbeschreiblich schönen Landschaften profitiert. Wir sind uns jedenfalls sicher, dass wir eines Tages wieder zurückkommen werden!

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