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Teaserbild: Zwei Wochen Schweden und die Hälfte des südlichen Kungsleden

Zwei Wochen Schweden und die Hälfte des südlichen Kungsleden

Zwei Wochen Schweden und die Hälfte des südlichen Kungsleden

Dieser Sommer zieht mich zum Reisen, trotz des schlechten Wetters. Mein erstes Ziel war Schweden. Über Stockholm bin ich nach Storlien gereist, von dort bis Fjällnäs auf dem südlichen Kungsleden gewandert, um dann langsam nach Stockholm zurück zu reisen. 13 schöne Tage war ich unterwegs.

Warum Schweden

Ich bin ausgezogen in dieses dünnbesiedelte Land im Norden, um einen Bär zu sehen. Und Elche, und Rentiere. Ich habe den südlichen Kungsleden als Wanderweg gewählt, da mich die Herausforderung gereizt hat, so viel Essen und alles Notwendige mitzunehmen und selbst zu tragen; brauchte ich auf früheren Reisen höchstens Essen für drei Tage, nahm ich diesmal Essen für acht mit. Kurz: mich zog es in die Natur und zu den Tieren, der südliche Kungsleden sollte ein wunderschöner Wanderweg sein und da wollte ich hin.

Die erste Pause nahe Storlienvor dem RegenFunäsdalensjön

Was Sie schon immer über SCHWEDEN wissen wollten…

Am 25. Juni morgens verließ ich in einem vollgepackten Zug mit schwerem Sack und Pack Hamburg, um über Kopenhagen nach Stockholm zu gelangen. In meiner Jackentasche befand sich ein BahnSpezialTicket, zu meinem Leidwesen für die erste Klasse, da schon drei Wochen vorher alles für die zweite ausgebucht war. So überlegte ich dann auch, wie ich ab Kopenhagen für 20€ Kaffee und Kuchen essen konnte, damit sich das ganze lohnt.
Ab Mälmo hatte ich auch Zeit dafür, da der Zug sich nicht von der Stelle bewegte. Motorausfall. Ein Hin und Her folgte, Stunden vergingen und meinen Anschlussnachtzug in Stockholm fuhr ohne mich ab. Mit vier Stunden Verspätung und ohne Bleibe spendierte die Bahn mir und vielen anderen ein feines Hotelzimmer und Essenmarken für den nächsten Tag, der nächste Zug nach Storlien ging erst 24 Stunden später. So kam ich dann auch mit einem unerwarteten Tag in Stockholm in der Mitte Schwedens an, stieg aus an einem menschenleeren, kleinen Bahnhof und suchte meinen Weg über Pfade und Straße nach Storvallen zum Beginn des Wanderweges.
Den Supermarkt ließ ich links liegen, hatte ich doch schon alles in meinem Rucksack, was ich tragen konnte, und war schon jetzt begeistert von der Landschaft, besonders, da die Sonne schien. In Storvallen vorbei an der Kirche und hinter Häusern fand ich den Weg, den ich für Tage folgen sollte. Und hoch ging es, über die Baumgrenze und hoch aufs Fjäll, immer entgegen dem Wind, aber mit exzellenter Laune.
Rentiere suchte ich jedoch vergeblich, ein Fernglas hätte mir sicher genützt, so weit und eindrucksvoll war die Aussicht. Meine erste Etappe endet hinter der Bergstation Blaham am Bach. Ich schlage im Niesel mein Zelt auf, erkunde die Gegend und habe mich schon an die Schneefelder gewöhnt – auch in Schweden war es ein kalter Sommer. Am nächsten Tag treffe ich schon mehr WanderInnen auf meiner Tour, von EinzelgänerInnen bis Familien mit Kinder ist viel auf den Beinen und ich erkenne bestimmte Moden unter den Erfahrenen.
Der Weg führt weiter über die Höhen, die Steigungen übertreffen selten mehr als 250m, ich liebe meine Karten. Links und Rechts des Weges Berge mit eisigen Gipfeln, aber mein Weg führt zwischendurch. Alle langen Kilometer mache ich Rast in einer kleinen Hütte. Das Wetter ist schlechter geworden, die Menschen treffen sich an den Hütten, die sich oft durch Plumpsklo und Müllbehälter auszeichnen. Ich begegne FliegenfischerInnen und einem Jungen, der mir meine ersten Rentiere zeigt, nachdem er mich über meinen bisherigen Misserfolg in der Hinsicht hat klagen hören.
Auf dem Berg gegenüber, durch einen breiten Bergfluss von mir getrennt, steht eine kleine Rentierherde und grast. Noch zwei Kilometer auf meinem Weg kann ich sie gut im Augen behalten, aber ihr Weg ist ein anderer, wir verlieren uns. Für mich geht es nämlich vorbei an der Berstation Sylarna, den Berg hinauf. Das Wetter wurde immer schlechter, es regnet in Strömen, ich stapfe durch Nebel und durch Wolken, orientiere mich nur an den halbmannshohen Steinen am Wegesrand und rutsche den Berg wieder hinunter zu einem See, der mir als Zeltplatz empfohlen wurde. Noch stärkerer Regen, Zeltaufbau in Eile, Zelt schief, aber es hält auch noch die Nacht, und alles nass.
Der nächste Tag trocknet meine Sachen, ich bade im Bergfluss, den ich später bis zum Knie durchwate und treffe selten auf Menschen. In der Sonne sitzend sehe ich, wie Wolken einen Berg im Norden verschlucken. 20km später schlage ich mein Zelt auf, ein Rentier läuft nah dran vorbei, meine Verfolgung ist auch hier fehlgeschlagen, doch jetzt ist Schlafenszeit. Eigentlich wollte ich am nächsten Morgen früh los, doch Regen kommt dazwischen und es sieht schlecht aus. Ich hole mir bei der Bergstation Helags Wetterinformationen, der Nachmittag soll es besser bringen, und ich gehe los. Der Weg führt mich über kleine Brücken, durch Bäche und Flüsse, an einer größeren Rentierherde vorbei, über einen Zaun und immer in Sichtweite des Helagsfjället und des Predikstolen.
Auch auf dieser Etappe werden meine Schuhe nicht trocken und so lasse ich mich hinreißen an der Fältjägarstugan-Hütte mit Wärterin meinen Tag zu beenden und für 50SEK die Hütte zu nutzen. An diesem Nachmittag und Abend trocknen meine Schuhen drinnen und mein Essen köchelt auf dem Gasherd. Der nächste Tag soll schlechtes Wetter bringen und ich beschließe, einen Ruhetag einzulegen. Morgens ziehe ich weit ab vom Weg umher, eine sehr große Rentierherde soll am Tag zuvor hier langgezogen sein, doch auch diese finde ich nicht. Die Hälfte des Tages genieße ich die Ruhe, doch das schlechte Wetter kommt nicht, das Bergwetter hält sich nicht an Vorhersagen und ich werde unruhig.
So beginnt dann auch der nächste Morgen schon um 6 Uhr, viel will ich schaffen, und ich gehe bergabwärts wieder unter die Baumgrenze nach Klinken und wieder hoch bis nach Langbrottstugan. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, in der Nähe von Rasthütten und Flüsse mein Lager aufzuschlagen und den Luxus wild-fließenden Wassers und eines Plumpsklos zu genießen. Die letzten Kilometer dieser Etappen halten die Überraschung bereit, dass oft kein Weg mehr zu sehen ist. Vorher war es immer ein Kinderspiel: ich bin dem einzigen ausgetretenen Pfad weit und breit gefolgt, nun halte ich mich an Himmelsrichtung und an gelegentliche Markierungen. Auf meiner Suche begleitet mich fast bis zum Ziel ein Rebhuhn in Gesang und Anwesenheit. Den ganzen Tag bin ich kaum Menschen gegegnet; es war Fjäll pur.

FunäsdalenBadestelle in Järvsö am LjusnanFältjägarstuganRasthütte für kurze PausenRentiere im Talin der Nähe von Helags

Der Weg geht am nächste Morgen weiter wie er tags vorher endete, nur schlimmer. 200 m hinter der Hütte und ich erkenne keinen Pfad mehr, 500 m weiter und ich gehe nur noch nach Kompass, Karte (die mir anzeigt, dass da wo ich stehe ein gut ausgeschildeter Weg sein müsste) und den Pfählen des Winterwanderweges. Ich weiß also, wo ich bin und wo ich hin muss, aber die nächsten 8km über Berg, durch Gebüsch, durch Sumpf, mit Glück an Seen nur vorbei, sind unglaublich anstrengend.
Einmal fliegt ein Hubschrauber über mir und ich unterdrücke den Impuls zu winken. Nach 4km treffe ich auf ein Winterwanderschild, ich bin richtig, nur ein Weg für mich, der nicht durch Sumpf führt, scheint meilenweit entfernt. So geht es weiter. Ich schrecke noch große Gänse auf, hier geht sonst wirklich niemand, und finde doch nach Stunden die Rasthütte, zu der ich wollte. Nach einer harterkämpften Pause gelange ich zu einem kleinen, notdürftigen Zeltplatz, erbaue mein Zelt, ein Ehepaar fährt mich zum Laden, ich bin hundemüde und sitze in der Sonne am See Malmagen.
Der Rest meiner Reise sollte mich eigentlich nach Grövelsjön führen, durch den Nationalpark Rogen und noch weiter südlich. Doch stellte ich fest, dass mir Fjäll liegt und ich nicht unter der Baumgrenze wandern wollte. So wusste ich, ich komme nächstes Jahr zum Wandern wieder, und machte mich dann von Fjällnäs langsam zurück nach Stockholm. Zunächst besuchte ich noch Funäsdalen, fuhr von dort mit einem reservierungspflichtigen Bus nach Järsvö, übernachtete an der Badestelle am Fluss Fjusnan, genoss das Wetter, was so weiter südlich sehr viel wärmer war und erreichte am nächsten Tag Stockholm.
Da ich mir kein Hostel leisten wollte und es schon sehr spät war, schlug ich mein Zelt in einem Park auf, was leider nicht unter das Jedermannsrecht fällt, mir jedoch keinen Ärger einbrachte, wohl auch, da ich das Zelt sehr früh wieder abbaute. Am nächsten Tag ging es dann zurück nach Hamburg, in einem Zug, der auf einer Fähre fuhr.
Auch, wenn ich keinen Bär und keinen Elch gesehen habe, war es eine tolle Reise. Das nächste Mal erwandere ich den nördlichen Kungsleden und mehr Fjäll und entgehe so den viel bevölkerten Süden und leider auch den Tieren, die ich sehen wollte, diese leben nämlich ebenfalls weiter südlich.

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