Wandern im neuseeländischen Herbst

Wandern im neuseeländischen Herbst

Neuseeland ist eines der abwechslungsreichsten Länder der Erde. Trotz der geringen Größe hat es eine einzigartige Vegetation und Tierwelt hervorgebracht, die sich aufgrund der Isolation beider Inseln ungestört entwickeln konnte. Wer Neuseeland bereist, lernt das kleine Glück zu schätzen. Das kann ein Sonnenstrahl sein, der sich in einem Eiszapfen bricht, die simple Spiegelung in einem See oder die unzähligen Regenbogen, die auch in doppelter Ausführung den Betrachter zum Schwärmen bringen. Die naturelle Vielfalt Neuseeland macht es dabei dem Besucher nicht leicht, die richtige Tour zu finden. Da ich ein knappes Jahr auf der Südinsel gelebt habe, konnte ich eine Vielzahl an verschiedenen Tracks testen und würde einige davon gern näher vorstellen.

Warum Neuseeland? Warum im Herbst?

Der neuseeländische Herbst zwischen Ende Februar bis Mitte April ist auf der Südinsel der wetterstabilste Zeitraum, um die zahlreichen Outdoor-Möglichkeiten in die Tat umzusetzen. Ob Kajak fahren, Wandern, Trekking oder Bergsteigen – hier kommt jeder Besucher auf seine Kosten. Die Zahl der Besucher nimmt jedoch nach der Hauptreisezeit im Januar rapide ab, sodass man die vielen einsamen Gebiete im Herbst Neuseelands in vollen Zügen genießen kann. Ein wahres Paradies an goldenen Herbstfarben ist das Bundesland „Central Otago“. Zwischen Wanaka, Queenstown und Alexandra befindet sich das kleine Örtchen Cromwell, dessen idyllische Lage am Lake Dunstan umsäumt wird von mehreren Obstplantagen, die neben schmackhaften Kirschen, Aprikosen und Nektarinen auch das leckerste Fruchteis der Welt herstellen. Wenn sich gegen Anfang April die Blätter der Aprikosenbäume zu färben beginnen, zählt Cromwell zu den schönsten Orten der Welt.

Jackson Orchards im HerbstAm Milford Sound FiordlandHerbst in Canterbury

Was Sie schon immer über die NEUSEELÄNDISCHEN TRACKS wissen wollten…

Der Rees Track
Etwa hundert Kilometer westlich von Cromwell beginnt in Glenorchy, am Ende des Lake Wakatipu, der meiner Meinung nach abwechslungsreichste Wanderweg Neuseelands – der Rees-Dart Track. Man kann ihn mit dem berühmten Routeburn Track kombinieren, wird aber deutlich weniger Reisegruppen treffen.
Der Beginn des Rees Tracks führt zunächst durch privates Farmland entlang des Rees Rivers, dessen Seitenarme oft mehrfach durchwatet werden müssen. Darum stellt dieser erste kurze Teil eine der anspruchsvolleren Passagen dar. Am besten funktioniert das Durchwaten in einer kleinen Gruppe. Das Gelände ist zudem sehr schlammig und erst nachdem man das Schild zum Mount Aspiring Nationalpark passiert hat, beginnt langsam der Aufstieg zur ersten Hütte, der Shelter Rock Hut, die man nach etwa 6 Stunden gemütlichen Wanderns erreicht.
Am nächsten Tag folgt einer der Höhepunkte des Tracks. Der steile und schweißtreibende Aufstieg zum Rees Saddle wird durch eine wunderbare Aussicht belohnt. Auf 1477 Meter folgt man nun dem Snowy Creek entlang eines schmalen Weges zur Dart Hut. Das Panorama ist unbeschreiblich, die Dart Hut gleicht einem Resort inmitten neuseeländischer Berge, Gletscher und reißender Flüsse.

Die Cascade Saddle Route
Von der Dart Hütte kann man einen Abstecher zum Cascade Saddle machen, einem alpinen Pass, der atemberaubende Blicke auf den Dart- und Whitbourn Gletscher gewährt. Im Osten sieht man die majestätische Pyramide des berühmten Mount Aspiring, des einzigen Dreitausenders außerhalb der neuseeländischen Alpen. Ich habe damals mit einer Amerikanerin einen Vorstoß auf den Gletscher oberhalb des Passes gewagt. Allerdings mussten wir unser Vorhaben, einen Gipfel zu besteigen, aufgrund der zahlreichen Gletscherspalten schnell aufgeben.

Der Dart Track
Von der Dart Hut geht es über einen verhältnismäßig einfachen und breiten Wanderweg entlang des Dart Rivers zunächst zur Daleys Flat Hut. Wer zeitig aufgebrochen ist, schafft es aber auch in einem Tag, bis zum kleinen Parkplatz mit dem klangvollen Namen „Paradise“ zu gelangen. Direkt am Ende des Tracks kann man sehr gut wild zelten und ist eingerahmt von Ausläufern des Fiordlandgebirges.

Dusky-Track'Cloud-Piercer'-AorakiAm Lake PukakiSonnenaufgang an der Mueller HutStimmungvolle Dramtik in CromwellAm Lake Wakatipu

Die neuseeländischen Alpen
Wenn man von der Inselhauptstadt Christchurch den kürzesten Weg nach Queenstown nimmt, hat man mit dem „Canterbury High Country“ eine der interessantesten Regionen Neuseelands zu queren. Die unwirklich anmutenden Seen Pukaki und Tekapo glitzern wie Juwelen; bei gutem Wetter hat man vom Aussichtspunkt Mount John, einem Observatorium oberhalb des Camping Platzes von Tekapo, einen ersten Eindruck von dem jungen Faltengebirge, das in Neuseeland auch „Southern Alps“ genannt wird.
Von Tekapo ist es eine weniger abwechslungsreiche, aber faszinierende Reise durch das Hochplateau an der Ostseite der neuseeländischen Alpen. Im Dorf „Mount Cook“ angekommen, gibt es eine Vielzahl von kleinen Wanderungen, die in die Nähe des höchsten Berges Aoraki/Mount Cook führen.
Der Gipfel des Aoraki, zu Deutsch „Der, der die Wolken durchstößt“, ist über 250 Tage im Jahr wolkenverhangen und bietet eine gute Trainingsfläche für ambitionierte Bergsteiger aus aller Welt. Schon Sir Edmund Hillary, der berühmte neuseeländische Erstbesteiger des Mount Everest, erschloss am Berg mehrere neue Routen.

Mueller Hut und Ball Pass
Am populärsten ist die zweitägige Wanderung zur Mueller Hut. Nach einem steilen, rund tausend Meter hohen Aufstieg ergibt sich bei gutem Wetter ein malerischer Blick auf die weißen Riesen Neuseelands. Nach etwa drei Stunden hat man einen 360 Grad Rundblick auf Gletscher, Eisklippen, vertikale Felsen und natürlich die höchsten Berge Neuseelands. Ich habe damals in der Nähe der Hütte gezeltet und wäre mit meinem 50 Dollar Zelt fast davon geweht worden. Die Hütte ist groß und geräumig und bietet auch Platz für viele Leute, allerdings ist sie recht preisintensiv. Nach einer eisigen Nacht im Zelt freute ich mich auf die warmen Strahlen der Sonne, die von einem intensiven Sonnenaufgang begleitet wurden.
Einer der einsamsten, aber leicht zugänglichen Routen ist die Tour zur ehemaligen Ball Shelter Hut. Der Weg führt entlang des längsten Gletschers Neuseelands, des Tasman Glacier. Die Hütte wurde mittlerweile aus Sicherheitsgründen entfernt, allerdings gibt es noch die Überreste eines Campingplatzes. Der Weg endet dort, allerdings kann man via „Ball Pass“ noch einen Abstecher in die Nähe des Mount Cook machen. Hier kam ich mangels Steigeisen und Eispickel an meine Grenzen und genoss den Blick auf das „Caroline Face“, die gefürchtete Ostwand des 3754 Meter hohen Aoraki.
Die neuseeländischen Alpen sind gekennzeichnet durch ihre Variabilität in der Landschaft, der Osten ist sehr karg und geprägt von Seen und Steppe; der westliche Teil ist jedoch aufgrund zahlreicher Niederschläge und durch das raue Klima der Tasman Sea sehr grün. Im südwestlichen Teil der Südinsel fallen die größten Niederschläge, bis zu 10 Meter (!) im Jahr. Einer der anspruchsvollsten Wanderwege führt durch dieses Gebiet.

Der Dusky Track
Der Dusky Track ist einer der abgelegensten Wanderwege im Fiordland Nationalpark, der sich im Südwesten der Südinsel erstreckt und Neuseelands größten Nationalpark bildet. Er gehört sicherlich zu den anspruchvollsten Tracks und sollte nur von gut ausgerüsteten und erfahrenen Wanderern begangen werden. Die Länge beträgt etwa 84 Kilometer, und aufgrund des ständig zu bewältigenden Höhenunterschieds werden acht Tage empfohlen, manche Leute, schaffen es auch in drei Tagen. Ich habe damals mit einer Arbeitskollegin noch einen Abstecher zum Dusky Sound (Supper Cove) sowie zum Doubtful Sound (Deep Cove) gemacht, sodass wir insgesamt zehn Tage durch die Wildnis gelaufen sind.
Der Dusky Track ist nur per Boot zu erreichen. Man muss die Fahrt über den Lake Hauroko schon in Tuatapere, einem kleinen Dorf etwa 60 Kilometer südwestlich des Sees, buchen. Die Fahrt über den See ist atemberaubend schön und eine gewisse Mystik liegt in der Luft. Zu Beginn geht es gemächlich durch kühlen Fiordland Regenwald. Ab und an ist eine dreiteilige Draht-Brücke zu queren, von denen noch dutzende folgen werden. Die Halfway Hut ist eine gemütliche kleine Hütte mitten im Wald. Die nächsten Tage gestalten sich sehr anstrengend, da der Rucksack aufgrund der Lebensmittel für zehn Tage noch sehr schwer ist. Man ist beinahe die ganze Zeit damit beschäftigt, sich den Berg in Richtung Roe Hut heraufzuschleppen. Selbst im neuseeländischen Hochsommer kann es hier schneien und ab einem gewissen Punkt ist schließlich auch die Baumgrenze passiert. Schneepfeiler weisen nun den Weg zur nächsten Hütte. Aufgrund der fehlenden Vegetation ist dieses Gebiet ständigen Stürmen und schlechtem Wetter ausgesetzt. Im Gästebuch liest man gruselige Dinge von Leuten, die schon mal aufgrund eines Schneesturms im Frühling für einige Tage stecken geblieben sind…
Von Lake Roe zur Loch Maree Hütte steht die wohl anspruchsvollste Etappe des Tracks an. Es geht knapp tausend Höhenmeter über glitschigen Fels und Fiordlandmoose nach unten. Bei schönem Wetter hat man hier tolle Ausblicke auf die umliegenden Berge und den Dusky Sound bzw. die Tasman Sea. Falls es längere Regenfälle gegeben hat, ist die Loch Maree Hütte nicht erreichbar, da der Zustieg zur Brücke dann geflutet ist. Man kann entweder schwimmen oder aber in dem winzigen Shelter davor auf Besserung der Verhältnisse hoffen.
Der Tagesausflug zum Supper Cove verläuft durch unberührte Natur, hier wandelt man auf den Pfaden der fünfzig West Coast Miner, die 1903 unter widrigsten Bedingungen den Dusky Track errichteten. An einem langen, aber ohne Anstieg verbundenen Tag erreicht man von Loch Maree die Kintail Hut. Relativ häufig muss man hier, nahe dem Seaforth River, Flussläufe und Schlamm durchwaten. Von der Kintail Hut geht es über einen alpinen Pass, bei gutem Wetter lohnt es sich, die Rucksäcke liegen zu lassen und in einer Stunde auf den Mount Memphis zu steigen. Zur Belohnung winkt ein Blick über das schmale Seaforth Valley, verbunden mit den schroffen Gipfeln des Fiordlands.
Die letzte Passage des Tracks führt zum riesigen Kraftwerk am Lake Manapouri, wo man mit dem Boot über den See zurück in die Zivilisation fahren kann. Allerdings empfehle ich auch den Site-Trip zum Doubtful Sound, der neben dem Milford Sound sicherlich zu den Hauptattraktionen Neuseelands gezählt werden kann und neben Delphinen und Robben einen perfekten Abschluss bildet.

Weiterschmökern:


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Kommentare

  1. avatar
    1
    Pete | 28. Januar 2013, 19:43

    Wunderschöne Bilder, ich liebe Neuseeland! Allerdings bisher nur im Sommer..

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Short Cuts Neuseeland? Warum im Herbst?

Beste Reisezeit:
Auf der Südinsel zählt der Herbst zwischen Ende Februar bis Ende April zu den schönsten Monaten.

Anreise:
Um die lange Reise ans Ende der Welt zu unterbrechen, bietet sich ein Stopover in Südostasien an. Von Auckland kann man relativ günstig nach Queenstown oder Christchurch fliegen. Ich habe auf der Südinsel noch nie öffentliche Verkehrsmittel benutzt, trampen klappt super!

Visum:
Wer arbeiten möchte, braucht entweder das „Work and Holiday“ Visum oder kann auch für den Agrarbereich ein spezielles Visum beantragen. Als Tourist bekommt man einen 90 Tage gültigen Stempel in den Pass, eine Verlängerung ist möglich.

Sprache:
Eines der gewöhnungsbedürftigsten englischsprachigen Akzente ist das der Kiwis. Mit der Zeit lernt man Wörter wie „sweet as“, „bugger“, „smoko“ oder „ta“ zu lieben…

Geld:
Gibt es problemlos in Banken, das Preisniveau ist mit unserem zu vergleichen.

wwwo beginnen

http://www.doc.govt.nz/ Alles Nützliche über die Tracks, Nationalparks, Projekte, Flora und Fauna findet man hier.

tracks_dusky Wissenswertes über den Dusky Track mit kurzer Wegbeschreibung und Zusatzinfos.

jacksonorchard Website zur schönsten Obstplantage der Welt in Cromwell. Wer im neuseeländischen Sommer einen Job braucht, wird bei Kevin Jackson eigentlich immer fündig.

centralotagonz „A World Of Difference“ - Central Otago ist im Herbst wirklich ein kleines Wunderland. Infos zum zentralsten Bundesstaat gibt es hier.

youtube
Schönes Video über die alpine Querung des Ball Passes entlang des Caroline Faces von Aoraki/Mount Cook.

Neuseeland

Nicht vergessen

  • Regenjacke und Regenhose sind die wichtigsten Dinge auf Tour. Insbesondere im südlichen Fiordland kann es tagelang regnen, auch im Mount Aspiring Nationalpark fallen erstaunlich große Mengen an Niederschlag. Nur auf der Ostseite im Canterbury High Country ist es etwas trockener.
     
  • Insektenimprägnierung! Die Sandflies sind listige kleine Mücken, die selbst durch die engmaschigsten Netze hindurch kommen. Helle, langärmlige Kleidung und lange Hosen beugen vor, der Einsatz von Nobite oder das neuseeländische „Bushmen“ hilft zum Teil auch, die Schwärme an den kleinen Seen und vor allem im Fiordland Nationalpark zu eliminieren.
     
  • Gut eingelaufene Wanderschuhe, die wasserdicht sind und eine stabile Sohle besitzen.
     
  • Ein kompaktes Zelt. Wildes Zelten wird nicht gerne gesehen, ist aber prinzipiell fast überall möglich. Auf den Tracks gibt es auch ausgewiesene Plätze.
     
  • Andere nützliche kleine Dinge sind Gamaschen, Kocher, Schlafsack, Isomatte. Stirnlampe und First Aid Kits, die bei jeder mehrtägigen Tour nicht fehlen sollten.
     
  • Sehr zu empfehlen ist zudem ein wasserdichter Packliner, um die Innenseite des Rucksacks trocken zu halten und auch ein paar Trekkingstöcke, da einige Flüsse durchwatet werden müssen.

Literatur

Literatur: Ich hatte einen uralten Marco Polo und Baedeker dabei. In Neuseeland hat sich während meiner drei Aufenthalte eigentlich nie etwas geändert.
Informativ sind die Broschüren des DOC, die für 1 bis 2 Dollar in fast allen Auskünften erhältlich sind.