Hilleberg Kaitum 2 – Zu Hause für Unterwegs

 

Zu meinen Lieblingstücken in meinem Ausrüstungsfundus gehört Zweifels ohne mein Hilleberg Kaitum 2. Selbst als tapir habe ich mir mit der Auswahl schwer getan. Guter Ratschläge und Erfahrungen von Mit-tapiren zum Trotz ist es mir nicht leicht gefallen und hat mich eine lange Recherche gekostet. Nachdem ich jetzt fast 5 Jahre mit dem Kaitum 2 unterwegs bin, ich genügend Möglichkeiten zum Testen und Erfahrungen sammeln hatte ist für mich klar: Es war die richtige Wahl.

Wie trifft man aber so eine Entscheidung richtig? Zu Beginn muss einem klar sein, was man von dem Zelt erwartet. Für mich war von Anfang an klar: Es muss ein 2-Personen-Zelt sein, das wirklich viel Platz für 2 Menschen bietet, die jeder einen eigenen Ausgang und genügend Stauraum für Gepäck haben sollen. Das Ganze bei so wenig Gewicht wie möglich. 3 Kilogramm hatte ich mir hier als absolute Schmerzgrenze gesetzt. Eine weitere Anforderung war die Ganzjahrestauglichkeit des Zeltes, also eine gute Standfestigkeit, robustes Material, ein Außenzelt, das mit dem Boden abschließt und natürlich ein außen liegendes unkompliziertes Gestänge, damit der Aufbau bei Regen nicht zum Desaster wird. Nach ausführlichen Probieren und Testen, ist die Entscheidung dann auf das Hilleberg Kaitum 2 gefallen. Mit 2,7 kg liegt es absolut im Rahmen der Tragbarkeit und bietet ebenfalls ein grandioses Platzangebot mit einem fantastischen Raumgefühl. Dies verdankt das Kaitum 2 vor allem seinem Innenzelt, welches an Kopf- und Fußende senkrechte Wände besitzt, sodass man in keinster Weise eingeengt wird (absolute Empfehlung für große Menschen). So kann man auch bei schlechtem Wetter zu zweit problemlos im Zelt sitzen.

Die drei parallelen Gestängebögen sorgen für ausreichende Stabilität, auch wenn der Sturm von der Seite aufs Zelt drückt. Die beiden großen Apsiden bieten genügend Platz für je einen großen Rucksack und lassen trotzdem noch genügend Raum für den Ausgang. Ganz wichtig: Die beiden großen Lüftungsöffnungen sorgen für eine gute Ventilation und lassen sich komplett verschließen. Abgespannt wird das Kaitum 2 mit insgesamt 8 Abspannleinen und 10 Fixpunkten für Heringe. So bekommt das Zelt eine extrem gute Verankerung auch bei schlechten Bedingungen. Es hat sich bezahlt gemacht, mindestens für die 4 allerwichtigsten Abspannpunkte unterschiedliche Arten von Heringen dabei zu haben, damit diese in jedem Boden zuverlässig fixiert werden können. Also Zeltnägel für harte Böden und V- oder Y-förmige Heringe für weiche Böden.

Die Schneetauglichkeit von Tunnelzelten ist zwar nur eingeschränkt gegeben, aber für gelegentliche Übernachtungen im Schnee reicht es bei guter Abspannung allemal. Da müssen dann entweder Schnee-/Sandheringe, mit Schnee gefüllte Packbeutel oder Wanderstöcke und Schneeschuhe herhalten. Damit übersteht das Zelt locker 20cm Neuschnee. Auch bei einem Hilleberg-Zelt sollte man allerdings die Nähte mit einem Silikon-Nahtdichter behandeln, denn bekanntlich halten auf silikonisierten und silikonbeschichteten Zelten keine Nahtbänder. Bei normalem Regen mag das nicht nötig sein, da halten die soliden Kappnähte (4fach ineinander verschlagenes Material – extrem robust) das Wasser allemal ab, aber ich habe auch Unwetter erlebt, bei denen der Sturm die Wassermassen derart aufs Zelt gedrückt hat, dass einige Tropfen durch die Nähte gedrückt wurden. Da das Wetter leider nicht planbar ist, sollte man auch für widrigste Bedingungen gewappnet sein.

Der Aufbau ist wie bei jedem Tunnelzelt extrem schnell und dank der grandiosen Spannmöglichkeiten an den Eckpunkten der Apsiden gut nachjustierbar. Ein kleines, aber unwesentliches Manko des Materials ist die etwas längere Trockendauer. Ist das Zelt einmal richtig nass, dauert es schon etwas länger als bei PU-beschichteten Zelten, bis das Material wieder trocken ist. Ansonsten kann das Fazit meiner ausdauernden Testreisen und Langzeiterfahrungen allerdings nur lauten: Ja, richtig entschieden, das ist ein absolut solides leichtes Zelt, das für 2 Personen viel Platz bietet und keinerlei Schwachstellen hat!

Weiterschmökern:


Kommentar-Feed Kommentar schreiben oder Trackback einrichten

Vorheriger Eintrag
Nächster Eintrag


2 Kommentare

  1. avatar
    1
    Jakob | 30. März 2017, 05:28

    Hallo,

    Danke für den Bericht. Auf dem linken Bild sieht man, wie das Tunnelzelt durchhängt. Ist das Sinn und Zweck? Kommt dann nicht Feuchtigkeit rein?

    Danke!

  2. avatar
    2
    Alexander | 4. April 2017, 09:12

    Hallo Jakob, wenn nach der Nacht (das Foto ist morgens nach einer windstillen Nacht mit feuchtem Neuschnee) ein paar Zentimeter nasser Neuschnee auf dem Zelt liegen, hängt es etwas durch – dass dadurch irgendetwas von der Feuchtigkeit von außen nach innen dringt, ist allerdings nicht der Fall. Das Material ist zuverlässig dicht und der große Abstand (ca.10cm) von Innen- zu Außenzelt sorgt dafür, dass auch unter solchen Bedingungen kein Kontakt zwischen Innen- und Außenzelt zustande kommt. Also keine Gefahr und trotzdem sicherer Wetterschutz gewährleistet. Feuchtigkeit war in diesem Fall (wie immer im Winter, wenn es schön windstill ist) eher von Innen ein Problem, da wir im Zelt gekocht haben und durch die Atmung über Nacht zusätzlich Feuchte entstand. Feuchtigkeit, ob von innen oder außen, sorgt bei allen Nylon-Zelten mit Silikon-Beschichtung (egal ob Hilleberg, Vaude oder z.B. Helsport) für eine Dehnung des Materials (bei Hilleberg max. 5%), so dass ein abends perfekt abgespanntes Zelt morgens dann leicht durchhängen kann, obwohl es windstill war und die Verankerungen gut sitzen. Bei extremen Wetterlagen muss dann ggf. zwischendurch die Spannung auf das Zelt an den Abspannpunkten und Spannleinen nachjustiert werden, wenn das Material feucht geworden ist. Das hat für mich bisher nie ein Problem dargestellt. Baut man schon unter nassen Bedingungen auf, findet die Dehnung ja schon sofort statt, so dass ein späteres Nachspannen entfällt.

Kommentar schreiben