Ausflug nach Fontainebleau mit dem Leipziger DAV Jugendkader

Die diesjährige Sommerfahrt der Jugend des DAV Leipzig ging in Richtung des weltbekanntesten Bouldermekkas in der Nähe des französischen Städtchens Fontainebleau 50 km südlich von Paris. Nach einer schier endlosen dreizehnstündigen Fahrt erreichten wir am späten Abend den Campingplatz Les Pres im kleinen Dorf Grez-sur-Loing und fielen sofort in unsere Zelte, außer Johannes und Jannes, die die Stangen ihres Zeltes vergessen hatten. Also fielen die beiden in ein fremdes Zelt.

Am nächsten Morgen, so zeitig wie es nur ging, also gegen Mittag, bewaffnet mit frischen Baguettes, Crashpads und Gendalf stürmten wir das Gebiet Rocher aux Sabots. Dort führte uns Leonid noch einmal in die hohe Kunst des Draußenboulderns und der Erwärmung ein. Dann ging es los! Für viele von uns war es das erste Mal Bouldern in Fontainebleau. Schließlich war der erste Tag geschafft und alle wollten sich nur noch ausruhen und schlafen gehen. Doch Leonid blieb hart und zwang uns noch zu anderthalb Stunden Kraftkreis. Allerdings war zwingen unter Umständen das falsche Wort, da wir trotz großer Erschöpfung von der Idee begeistert waren, noch vor dem Essen diesen Kraftkeis durchzustehen. Dies wurde in dieser Woche noch zur angenehmen, vorabendlichen Tradition. Witz. Tatsächlich sahen die Abende so aus, dass wir auf unseren Bouldermatten lagen und sich niemand bereit erklären wollte, das Essen zu kochen oder den Abẃasch zu machen.

Da es eine Training- und nicht eine Flanierfahrt war, sollte jeder täglich eine Dosis von zehn Bouldern zu sich nehmen. Unsere Empfindungen lassen sich folgendermaßen beschreiben: Diese winzig kleinen, beinahe unsichtbaren, farblosen Tritte – ein Hauch von Nichts. Diese Auswahl an Griffen: schmale, kleine Leisten, runde, grippige Sloper, diese schönen, großen Henkel – ein Traum. Diese wäldliche, grüne, ja nahezu märchenhafte Idylle – atemberaubend.

In den folgenden Tagen besuchten wir die bekanntesten Teilgebiete im Wald von Fontainebleau, dem ehemaligen Jagdrevier der französischen Könige. Zunächst verbrachten wir einen Tag in Franchard Cuisiniere, wo Jannes der Durchstieg seiner ersten Fontainebleau-7a Bizarr-Bizarr gelang und einige Jungs um Amon teilweise den zu alpinen Trainingszwecken angelegten sechs Kilometer langen orangenen Parcour machten. Am nächsten Tag verbrachten wir unseren Ruhetag im landschaftlich wunderschönen Gebiet L’Elephant mit seinen bizarren Felsformationen und einer riesigen Sandfläche, auf der wir unter anderem die Sommerhitze genossen und uns mit Volleyball und Spielen beschäftigten.

Am Freitag hatten wir eine Verabredung mit dem Kaderteam aus Chemnitz im klassischen und stark abgekletterten Gebiet Bas Cuvier. Die Chemnitzer waren auch unsere Nachbarn am Zeltplatz. Da sie aber einen strikten Trainingsplan hatten und ständig zu irgendwelchen Projekten hingefahren sind, haben wir leider nicht viel Zeit zusammen an den Felsen verbracht. In Bas Cuvier versuchten wir uns an einigen klassischen Plattenbouldern, für die das Gebiet so berühmt ist. Eine bessere Tritttechnikschulung kann man sich nicht wünschen! Selbst Amon und Kaja, die noch nie so richtig ihre Füße beim Klettern benutzt haben, waren gezwungen, kleinste abschüssige Tritte voll zu belasten. Jannes gelang in diesem Gebiet der Durchstieg von Cortomalthese, das mit 6c+/7a bewertete Sloperproblem schlechthin. Die beiden Aufleger aus diesem Boulderproblem dienten als Vorlage für diverse Plastikgriffe und Volumen in der Kletterhalle.

Am nächsten Morgen beim Frühstück beichtete Leonid der Gruppe, dass die Entscheidung für die Sommerfahrt nach Fontainebleau bei ihm vor allem gefallen ist, weil er im Frühjahr einen Boulder nicht durchsteigen konnte, der aber auf seiner Jahresprojektliste ziemlich weit oben stand. Und so ging es zum Gebiet Apremont, wo Leonid sein Projekt mit passendem Namen Egoiste assis fb 7a+ hatte. Der technisch anspruchsvolle Aufrichter an einer rutschigen Kante mit anschließendem Dynamo und Ausstieg in ca. 4 Metern Höhe gelang nach einigen Stunden Arbeit im Stehstart (fb 7a) sowohl Sven (seine erste 7a), als auch Jannes. Doch der Sitzstart verlangte noch einige kräftige Züge, bevor man in die Stehstartposition kam. Unter Zeitdruck der restlichen Gruppe, die ins Nachbargebiet wechseln wollte, gelang Leonid der Durchstieg an diesem Tag nicht. Im Nachbargebiet Apremont Ouest verbrachten wir den Nachmittag mit einfachen Bouldern.

Für Sonntag wurde laut Wetterbericht Regen angesagt und wir beschlossen, einen ohnehin notwendigen Regenerationstag zu machen. Gemeinsam fuhren wir in die Stadt Fontainebleau, wo wir einen Spatziergang durch die schier unendlichen Parkanlagen des Schlosses des Sonnenkönigs machten, ein Eis genossen und auch endlich die Postkarten in die Heimet abschicken konnten. Gegen Abend hörte der Regen auf und wir waren froh, dass wir am nächsten Tag wieder klettern konnten. Es ging dann in das Gebiet mit einem seltsamen Namen 95.2 im Wald von Trois Pingions. Dieses an einem Hügel gelegene Gebiet bot sehr abwechslungsreiche Kletterei an perfekten Blöcken mit sehr gutem Absprunggelände. In 95.2 gibt es vergleichsweise viele athletische und überhängende Boulderrouten. So konnte Jannes relativ schnell den klassischen Felsbug Retour aux Sources fb 7a+ (Zurück zu den Wurzeln) klettern. Wo Leonid seinerzeit fünf Tage und um die hundert Versuche verbrachte, benötigte Jannes mit korrekter Bewegungsabfolge gerade mal eine halbe Stunde.

Am letzten Tag wollten wir noch mal in das Gebiet Rocher aux Sabots fahren, wo wir den ersten Tag verbrachten, da einige von uns noch nicht abgeschlossene Projekte hatten. Nachdem wir am Parkplatz angekommen waren, verschwand Leonid zusammen mit Matthias, um 30 Kilometer weiter weg in Apremont seinen Egoisten im ersten Tagesversuch zu durchsteigen. Johannes versuchte in der Zeit sein noch aus dem Frühjahr gebliebenes Projekt Jet Set fb 7a+ zu knacken, wobei man ihm sehr angemerkt hat, dass trotz enormer Anstrengung das Training über die Sommerferien gefehlt hat. Jannes dagegen konnte an diesem Tag sein Projekt La Traverse du T.G.V. fb 7a durchsteigen und war bei zwei anderen 7a-Bouldern ebenso erfolgreich. Der Rest der Gruppe verbrachte den letzten Klettertag mit entspanntem Bouldern, wobei Michaela endlich eine schwere 6b klettern konnte. Abends am Lagerfeuer wurde wieder viel diskutiert, die rosa abgekletterten Fingerkuppen mit allen möglichen Hautregenerationsmitteln behandelt und natürlich lecker gegessen. Am nächsten Morgen packten wir unsere Zelte zusammen und stopften mit viel Mühe die Sachen in die Autos. Und nach weiteren endlosen 13 Stunden erreichten wir am späten Abend Leipzig.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass wir gemeinsam während der Sommerfahrt einen sehr guten Mix aus leistungsorientiertem Klettern und einer Ferienfreizeit hatten. Und das in einem der schönsten Bouldergebiete der Welt. Einmal Fontainebleau — immer Fontainebleau!

 

Leonid, Johannes, Erik und Amon

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