“Was braucht man denn so für Work & Travel?”

“Was braucht man denn so für Work and Travel?” – Eine Frage, die man als tapir immer wieder hört. Denn in einem Jahr Work & Travel im weiten Canada (ja, ich weigere mich das mit K zu schreiben!) habe ich eine Menge (Ausrüstungs-) Erfahrung gesammelt, die ich gerne weitergebe: insbesondere an diejenigen, die sich orientierungslos im tapir umschauen, nicht wissend, was sie eigentlich brauchen und dann schließlich die alles entscheidende Frage stellen.

Also: Für alle diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, sich für ein paar Monate auf ins Unbekannte zu machen, hier ein kurz-knackiger Ausrüstungsguide als erste Orientierungshilfe. Doch zunächst einige Fragen, deren Beantwortung für die Ausrüstungswahl wichtig ist:

 

Von Tokio bis Vancouver – Wo geht’s hin?

Im kanadischen Norden braucht man nicht die gleiche Ausrüstung wie in der australischen Wüste. Ihr solltet euch also vorher überlegen wo genau ihr hin möchtet; allgemein hat man in wärmeren Ländern oftmals weniger zu tragen – denn auch Daune wiegt mehr als ein kurzärmliges T-Shirt ;-) Ein kleiner Tipp: Neben den drei bekanntesten und beliebtesten Ländern für Work&Travel (Canada, Neuseeland und Australien) ist W&T auch in vielen Ländern möglich, wo man es zunächst vielleicht gar nicht erwartet – zum Beispiel in Japan. Wichtig ist lediglich, dass Deutschland ein entsprechendes Visa-Abkommen mit dem Partnerland hat.

 

Stadt, Land, Fluss?

Seid ihr gerne in der Natur unterwegs oder wandert ihr lieber zwischen hohen Häuserschluchten und in engen Seitengassen umher? Ob ihr während eures Work & Travel Aufenthalts auch Touren in Nationalparks u.ä. machen wollt, beeinflusst maßgeblich die benötigte Ausrüstung. Der eine mag mit einer dünnen Decke und einem Kissen für das Flugzeug auskommen, andere wiederum werden Schlafsack, Isomatte und ein superleichtes Zelt im Gepäck nicht missen wollen…


Packen: Weniger ist mehr!

Auf Dauer sammeln sich Dinge an. Nehmt daher von Anfang an eher weniger mit; das gilt insbesondere für Klamotten! Denn wer braucht unterwegs schon 5 edle Hemden, wenn Bügeleisen beim Reisen so oder so zu einer Rarität gehören? Den Lieblingssweater sollte man aber natürlich trotzdem nicht zu Hause lassen – denn auch das abgenudeltste Fleece kann auf langen Busreisen ein guter Begleiter sein.

 

So, jetzt aber endlich zu der alles entscheidenden Frage: “Was brauche ich denn jetzt alles?”

 

Rucksack & Co

Es empfiehlt sich ein Trekking-Rucksack mit ca. 60-80 Litern Fassungsvermögen; alles darunter wird von der Größe her zu wenig sein, insbesondere wenn ihr länger unterwegs seid. Alles über 80 Litern ist – bis auf Ausnahmefälle – zu viel und kann während des Reisens dazu verleiten mehr einzupacken als man wirklich braucht (auch hier wieder: weniger ist mehr!). Solange man nicht in Australien unterwegs ist, sollte man auch immer ein Regencape für den Rucksack mit dabei haben. Bei vielen Trekking-Modellen sind die Raincover gleich mit dabei, für einige Modelle sind sie separat erhältlich. Besonders nützlich ist bei dem Rucksack ein Frontzugang, damit man nicht so viel kramen muss, um an die wichtigsten Dinge zu kommen (und er lässt sich so auch leichter packen). Diese Frontreißverschlüße sind mittlerweile bei der überwiegenden Mehrheit der Trekking-Rucksäcke verbaut, ihr habt also immer noch reichlich Auswahl.

Immer wieder sieht man am Leipziger Hauptbahnhof Wanderer mit zwei Rucksäcken – einen vorne, einen hinten. Was auf den ersten Blick enorm ungemütlich (und ein bisschen albern) aussieht, kann sehr praktisch und angenehm sein: Bei kalten Wetter ist einem mümmelig warm und ein kleiner Rucksack vorne gleicht zudem das Gewicht des hinteren aus, was für ein besseres Gleichgewicht sorgen kann. Man möchte so zwar nicht unbedingt große Distanzen zurücklegen, aber eine derartige Handhabung hat sich für mich bei Kurzstreckentrips in Städten oder auf Flughäfen, Bahnhöfen etc. als ganz gut erwiesen. Aus orthopädischer Sicht ist das Tragen zweier Rucksäcke allerdings nicht ganz unbedenklich; bei zu langen Strecken kann es sich als unangenehm für den Rücken erweisen. Und natürlich ist es auch schön, sich mal ohne seinen großen Pack eine Stadt anschauen, wofür man ebenfalls einen kleinen Daypack benötigt. Ein Tagesrucksack oder eine Tasche ist also wie der große Hauptrucksack sehr wichtig.

Als Alternative zum vollblütigen Daypack bieten sich klein verpackbare Minirucksäcke an, so etwa der Itsy-Bitsy von Bach oder der Ultra-Sil Day Pack von Sea To Summit. Klein verstaut nehmen sie kaum Platz im Gepäck weg, wiegen extrem wenig und können bei Bedarf zu 20l-Rucksäcken ‘ausgebaut’ werden. Sehr praktisch!

Ich empfehle immer jedem, der W&T machen möchte, sich mit einem Trekking-Rucksack auf den Weg zu machen. Denn man weiß ja nie, vielleicht trifft man im abgelegensten Hostel auf einen Haufen toller Leute, die einen auch noch von der abgefahrensten Tour überzeugen – und dann braucht man einen Rucksack. Einige möchten aber vielleicht wirklich nur in der Stadt unterwegs sein: Dann ist ein klassischer Reise- oder Kofferrucksack eine gute Wahl (ca. 60-80l). Hier ist das Daypack oft gleich mit dabei und wird direkt am Hauptrucksack befestigt, man spart sich also das Kaufen von zwei seperaten Rucksäcken.

 

Schuhwerk & Socken 

Ich habe auf meinen Reisen sehr gute Erfahrungen mit Schuhen der B-Kategorie gemacht. Insbesondere bei voll gepackten Rucksäcken geht das Gewicht sehr auf die Füße und die festeren Sohlen verhindern, dass man beim Laufen jeden Schritt spürt. Was hier in einem Satz so dahingesagt erscheint, stellt in der Realität einen nicht zu unterschätzenden Komfort-Bonus dar: Je dünner und flexibler die Sohle, desto weniger ist sie gedämpft und desto mehr spürt man die Belastung der eigenen Füßen und unter Umständen jeden einzelnen Stein. Auf GoreTex würde ich persönlich verzichten, da (meine) Füße in Gore-Schuhen – vor allem bei höheren Temperaturen – schneller schwitzen. Aber auch das hängt davon ab, wieviel Außenfeuchtigkeit man erwartet. Rechnet man mit permanentem Nass von allen Seiten, gewinnt man mit einem Gore-Tex-Schuh. Auch in Sachen Gewicht sind diese Schuhe jenen aus Vollleder oftmals überlegen, da sie leichter sind.

Sandalen sind natürlich inbesondere für all jene interessant, die sich in den Süden aufmachen wollen. Sie eignen sich aber auch noch für vieles mehr: Zum Beispiel als gemütliche Abendschuhe oder für Flussquerungen. Auch wenn ich stets auf das Gewicht meines Rucksacks geachtet habe, so war ich doch nie mit weniger als 2 Paar Schuhen unterwegs.

Bei den Socken lässt sich einiges an Gewicht und Volumen sparen: Einige wenige Merino-Socken sind auf Dauer weitaus angenehmer als eine große Zahl von Kunststoffstrümpfen. Die Merino-Socken stinken auch nach mehrmaligem Tragen nicht und wärmen auch dann noch, wenn sie feucht werden. Und wenn gerade keine Waschmaschine in der Nähe ist, dann tut es auch ein Lüften an der frischen Luft um sie wieder (beinahe) wie neu wirken zu lassen. Auch wenn “Wolle” bei uns im Kopf oft zahlreiche Assoziationen hervorruft, die mit Wärme zu tun haben, gibt es auch dünne Merino-Socken für heiße Gegenden.


Sonstiges

Nicht fehlen sollten auch Kleinigekeiten wie ein Mikrofaserhandtuch (“echte” Handtücher sind zu groß und schwer), Kulturbeutel und zu guter Letzt eine Stirnlampe. Für Letztere gibt es unzählige Szenarien, in denen sie ihre Nützlichkeit beweisen kann – egal, ob man im Hostel gerade den Lichtschalter nicht findet oder sich beim kleinen Wanderausflug zeitlich doch etwas verkalkuliert hat.

Ein Taschenmesser ist geradezu essenziell: Man kann es schlicht für alles gebrauchen. Besonders nützlich sind jene Modelle, die mit Nagelfeile ausgestattet sind, für die tägliche Pedi- und Maniküre.

Kompressions- und Stausäcke helfen dabei, die eigenen Klamotten so zu verstauen, dass man sie schnell wiederfindet und das Rucksackvolumen bestmöglich ausnutzen kann. Eine Einteilung in verschiedene Farben hat sich hierbei bewährt.

 

Technische Geräte

Wenn ihr in Übersee seid, braucht ihr ein Quadband-Handy. Es lohnt sich, sich schon vorher über die Anbieter im Reiseland zu informieren und mit internationalen Anbietern abzugleichen, von denen es mittlerweile auch so einige gibt. Ein Netbook oder Tablet gehört nicht zur Grundausstattung, man sieht es aber bei immer mehr Reisenden und es kann hier und da sehr nützlich sein (und ist natürlich für alle Blogger unerlässlich ;-) ). Eine Kamera braucht man natürlich auch; ein guter Kompromiss zwischen einer tendenziell schwereren Spiegelreflex und den leichteren Digitalkameras sind Bridgekameras. Sie schlagen sozuagen die Brücke zwischen beiden Welten, indem sie ein gutes Objektiv fest eingebaut haben, das denen einer gewöhnlichen Digitalkamera weit überlegen ist. Dafür kann man das Objektiv nicht – wie bei Spiegelreflexkameras – wechseln.

Und für all das braucht man natürlich einen entsprechenden Adapter. An Flughäfen werden oftmals große Modelle verkauft. Wenn man sich vorher schon etwas umschaut, findet man aber auch schnell kleinere, handlichere Adapter mit geringerem Gewicht und kleinerem Packmaß.

 

Ich hoffe, ich konnte einigen von euch die Vorbereitungen auf euer Work&Travel-Abenteuer etwas erleichtern. Egal wie lange ihr weg sein werdet und egal wohin es geht – es wird sicher eine großartige Erfahrung! In den Kommentaren beantworte ich auch gern noch spezielle Fragen. Ansonsten: Kommt vorbei im tapir, denn wie heißt es so schön…

 

…dein Abenteuer beginnt hier! :-)

 

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2 Kommentare

  1. avatar
    1
    Franz | 17. Januar 2014, 11:49

    Danke für die Tipps und Deine Erfahrungen.

    Was ich gelernt habe bei meinem W&T in Australien…der Rucksack ist das entscheidende.

    Geht dieser mitten im Outback flöten, dann wirds nervig…sprich aus Erfahrung ;) !!

    Gruß,
    Franz

  2. avatar
    2
    Rabanus | 18. Januar 2014, 09:39

    Gerne. :D

    Ohne Rucksack ist’s im Outback sicher schwierig…aber dafür ist man auch viel leichter unterwegs. ;) Liebe Grüße aus Leipzig!

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