Zurück zur Natur – Mit dem ALB Forming Stainless Steel Stove Bush Buddy

Mit Holz gekocht wird schon seit Urzeiten, glaubt man den mündlichen Überlieferungen, Höhlenzeichnungen, Archäologen und Ethnologen. Einer unserer Vorfahren bewachte das Feuer, während der Rest des Stammes sammeln und jagen ging oder die Höhle in Ordnung hielt. Die Technik hat sich weiterentwickelt und damit auch das Kochen in der Outdoorküche. Gaskocher und Benzinkocher bzw. Esbit- oder Spiritus-Varianten lösten bei vielen das Lagerfeuer zum Erwärmen von Speisen und Getränken ab. Doch nicht nur Traditionalisten haben den Hobo-Kocher schon seit geraumer Zeit für sich wiederentdeckt. Auch Langzeit-Trekker und Spezialisten, die weitestgehend autark unterwegs sein wollen, schwören auf die Holzkocher. Der ALB Forming Stainless Steel Stove Bush Buddy ist die tschechische Variante eines Hobo-Kochers, bei dem der ‘Kamineffekt’ das Kochen mit Holz unterwegs auf Tour spürbar effektiver macht. Das spart Zeit und Brennstoff, auch wenn der überall einfach zu finden sein sollte.

Einen Hobo-Kocher kann man schnell und leicht aus einer größeren Konservendose bauen. Wer nicht zu den kreativen Bastlern gehört, der kann auch auf einen industriell angefertigten Hobo-Kocher zurückgreifen – entweder in der sehr leichten Titan-Ausführung oder wie der ALB Froming Kocher aus Tschechien in der Edelstahl-Variante. Da auch bei uns in Kundengesprächen in der Kocherecke immer mal wieder auch Nachfragen nach einem Holzkocher aufkamen, haben wir uns für den ALB Forming Stainless Steel Stove Bush Buddy entschieden. Und da ich mich zwar mit Lagerfeuern gut auskenne und auch jederzeit die ‘Überwachung’ und das Nachlegen in geselliger Runde übernehme, wollte ich mich am verlängerten Wochenende einmal mit dem Holzkocher auseinandersetzen.  Als absoluter Newbie auf dem Gebiet interessierte mich v.a., ob es mit jedem Kleinholz, Kiefernzapfen und ähnlichem Material, das man überall finden kann, gut funktioniert und wieviel Holz es braucht, um das Kaffeewasser zum Kochen zu bringen.


Hardfacts zum Kocher

Der Hobo aus Tschechien ist zweiteilig und im Unterbau aus einer doppelwandigen Edelstahl-Röhre mit einem Durchmesser von 124 mm konstruiert. Das Rohr selbst ist 116mm lang und mit dem aufzusetzenden Topfring erreicht der Kocher eine Höhe von 180mm. Mitten in der Röhre ist ein Lochbrett, das für die Luftzufuhr und damit für’s Brennen des Feuers sorgt. Der Topfring lässt sich für den Transport in der Röhre verstauen; dazu wird er einfach umgedreht in die Röhre eingeschoben. Der Topfaufsatz selbst ist praktischerweise nicht durchgehend. Durch die Öffnung kann man gut Feuerholz nachschieben.

Testbetrieb

Ich habe den Kocher am Wochenende unter den faszinierenden Blicken der anwesenden Kinder und in freudiger Erwartung auf den Kaffee bei den Erwachsenen getestet. Das Handling ist denkbar einfach und erklärt sich von selbst. Alles aus dem Packbeutel rausholen, Topfaufsatz rausnehmen, umdrehen und den Kocher komplett zusammensetzen. Am Ende dann noch einfach entsprechendes Brenngut einfüllen. Ein stabiler Standort mit einem Boden als Unterlage, der heiße Asche abkann – und los geht’s!

Die morgendlichen Außentemperaturen am Testwochenende auf dem Darß waren unter 6°C, dazu ein leichter Wind, wie er halt typisch für die Ostsee ist und das Wasser kam von den örtlichen Wasserwerken. Leider herrscht da oben im Norden schon Waldbrandstufe 2. Um Diskussionen zu vermeiden, wurde der Kocher dann hausnah ausprobiert.

Ich hatte ja überhaupt kein Gefühl dafür, wieviel Holz es braucht, um einen Liter Wasser in einem Edelstahltopf zu erhitzen. Zur Vorsicht hatte ich trockenes Holz (abgestorbenen Zweige vom Efeu meines Balkon-Olivenbäumchens) zum Testen mitgebracht, wobei die auf dem Foto zu sehende Holzmenge nicht ganz ausreichte, um den Liter Wasser zum Kochen zu bringen. Insgesamt war es die 1 1/2 fache Menge. Beim ersten Versuch reichte ein Streichholz, um alles zu entzünden und wir mussten 8:20 min darauf warten, den ersten Kaffee des Tages trinken zu können. Bei einem zweiten Versuch sammelte ich Holz und Kiefernzapfen aus dem Wald und verwendete ölige Pinienholzspäne  und einen Feuerstahl. An dem Morgen mussten wir etwas länger auf den Kaffee warten, da ich etwas mehr Zeit benötigte, das Feuer in Gang zu bekommen.

Erstes Fazit

Wie nicht anders zu erwarten, denn der Hobo-Kocher ist ja eigentlich ein Lagerfeuer en minature: Zunächst rußt und qualmt es ganz stark, bevor bei trockenem Holz das Feuer ruhig vor sich hin brennt. Da von unten durch die Löcher Luft angesaugt wird, brennt das Feuer eigentlich problemfrei, und wenn (fast) alles verbrannt ist, dann lassen sich einfach durch die Öffnung neue Zweige und Ästchen nachschieben. Was will das Outdoorherz mehr!?

Und da wir uns im Urlaub, auf Reisen oder Trekkingtour nicht genau so hetzen lassen wollen (bzw. sollten), wie im Arbeitsleben, kann der  ALB Forming Stainless Steel Stove Bush Buddy in aller Ruhe das Wasser kochen und es stört nicht, wenn wir ein paar Minuten später als sonst ganz entspannt unser Heißgetränk oder das Süppchen genießen können. Wer für die Psyche (s)ein Back-up braucht, weil er Angst hat, nichts Brennbares zu finden, kann einen kleinen Spirituseinsatz mitnehmen. Einfach auf die Lochplatte in der Mitte des Kochers stellen!

Somit ist auch die tschechische Hobo-Kocher-Variante eine echte Aternative für alle, die draußen weitestgehend  autark unterwegs sein wollen, da man mit dem Kocher keinen Abfall durch die Gegend tragen muss und je nach Reiseziel völlig unabhängig ist, was das Brennmaterial angeht. Wer noch zusätzlich Gewicht sparen will, dem sei gesagt, dass es diesen Hobo-Kocher von ALB Forming auch aus Titan gibt – wiegt mit 226 g die Hälfte und kostet aktuell das Zweieinhalbfache (95 Euro).

Ich wollte unseren Testkocher wieder in den tapir zurückbringen, entweder als Ausstellungskocher oder um ihn zum Flohmarkt zu verkaufen. Mache ich aber nicht – ich kaufe und behalte ihn selbst! Er hat mich überzeugt und ich freue mich schon auf herbst- und winterliche Touren durch die Sächsische Schweiz, bei denen die Kiddies das kleine, kontrollierte Lagerfeuer bewachen und am Leben erhalten und die Großen leckeren Glühwein oder Kaffee bekommen :) . Vielleicht wird er mich dann, wenn ich ihn öfter nutze und wir uns gegenseitig an unsere Macken unterwegs gewöhnt haben, auch auf anderen Touren begleiten.

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7 Kommentare

  1. avatar
    1
    Lena | 6. Mai 2014, 13:10

    Hallo Simone,
    ich hoffe du hattest eine Menge Spaß bei der Wanderung und Zubereitung von deinem “Festmahl” ich finde es so romantisch in der freien Natur den “Camping-Kocher” an zuschmeißen.
    schöne Grüße,
    Lena

  2. avatar
    2
    simone | 6. Mai 2014, 19:32

    Hallo Lena,
    den Spaß hatten wir dabei. Definitiv. Zudem, ich mag den ‘Lagerfeuergeruch’ und wenn es dann noch lecker aus der Kaffeetasse dampft :)
    (Der Wind spielt in den Bäumen, das Meer, okay die Ostsee, rauscht in der Ferne und die Umgebung riecht nach Kiefernwald) – ich wollte noch gar nicht wieder zurückkommen.
    viele Grüße aus Leipzig
    simone

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    3
    Jag | 8. Mai 2014, 00:06

    Die Titanversion ist verlockend. Zukunftige Versionen sollten aber wie das BBU mit festem Boden gebaut werden.

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    4
    simone | 8. Mai 2014, 15:58

    Hi,
    Du meinst wegen der Aschereste auf dem Boden?
    Grüße
    simone

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    5
    Jan | 12. Mai 2014, 18:23

    Toll, der Tapir Store verkauft nun auch die Raubkopie des Bushbuddys.
    Ich finde die Kopie sehr ungeschickt da im laufenden Betrieb brennende Stücke durch den Rost auf den Boden fallen können und dort entweder zu einem Brandfleck führen, oder bei trockenem Boden zu einem Brand.
    Das ist beim Original definitiv besser und sicherer gelöst.
    Und das Original ist auch leichter und billiger.

  6. avatar
    6
    simone | 13. Mai 2014, 12:35

    Hallo Jan,
    es gibt mittlerweile von unterschiedlichen Firmen einen Nachbau für einen Holzkocher und es gibt die unterschiedlichsten Eigenbauvarianten. Mit 160 g ist der Bushbuddy etwas leichter, der Bushbuddy-Ultra mit 145 g noch etwas leichter. Dafür sind sie etwas kleiner.
    Das Foto mit der Asche auf dem Boden habe ich mit eingestellt, um zu zeigen, dass es Reste gibt und wenn man auf einem anderen Untergrund als Steinen damit hantiert. Heißt, dass man dann über ein kleines ‘Feuerblech’ nachdenken sollte. Bei meinen weiteren Versuchen hatte ich mit einem feuerfesten Untergrund improvisiert.
    Über Internet-Preise kann man viel diskutieren – der Bushbuddy als 006-Variante kostet derzeit auf der kanadischen Seite 128 CAD.
    viele Grüße aus dem tapir
    Simone

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    7
    Connie | 23. Juni 2015, 20:44

    Die Titanversion dieses Kochers finde ich momentan aufgrund ihrer Größe und des niedrigen Gewichts am interessantesten, kann es aber nach wie vor nicht fassen, dass Alb Forming wie bei einem primitiven Hobo die Glut einfach auf den Untergrund fallen lässt, was bei Bushbuddy und SoloStove mit zwei abschließenden Blechen bewusst verhindert wird (Aschebecher + Boden). Dass man diese beiden auf alles stellen kann, was etwa 60° aushält, ist eine enorme Erleichterung.
    Wenn man sich die aufwändigen Verschweißungen beim Bushbuddy bzw. das Gewicht beim nicht geschweißten SoloStove ansieht, relativiert sich Gewicht und Preis des Alb Forming leider, finde ich.

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