Faszination Via Ferrata: Teil 3 – Kletterhelme

Heute ohne eine schützende Kopfbedeckung auf Klettersteigen unterwegs zu sein, ist einfach nur kopflos. Gegen Stein- und Eisschlag von oben ist keiner gefeit. Der Kopf ist dabei einem erhöhten Verletzungsrisiko ausgesetzt, denn ihn trifft es oft zuerst. War es früher schon fast eine Tortour, mit einem Helm auf dem Kopf bei 30°C in der Sonne unterwegs zu sein, so sind die modernen Kletterhelme viel leichter geworden, haben größere Öffnungen, um dem Hitzestau unter’m Helm keine Chance zu bieten. Die Einstellungsmöglichkeiten sind soweit optimiert worden, dass der Tragekomfort sich spürbar verbessert hat und der Satz ‘Der Helm drückt’ nicht mehr als Ausrede herhalten kann.

Neben Klettergurt und Klettersteigset sowie dem passenden Schuh gehört zur Grundausrüstung auf den Eisenwegen auch eine schützende Kopfbedeckung. Da trifft man ja in den Bergen auf eine große Bandbreite. Ich erinnere mich noch an leichte Kopfschmerzen und viel Schweiß auf der Stirn. Bei meiner ersten Tour in den Dolomiten hatte ich einen alten, runden Moped-Helm auf, den ich aber schnell durch einen deutlich leichteren Kletterhelm ersetzt habe.

Der Trend, die Helme immer leichter zu bauen, artet heute schon fast zu einem Wettbewerb aus. Auf den Fachmmessen hat man Helme in der Hand und kommt zuweilen schon ins Zweifeln, ob diese dünnen, leichten Kopfschalen wirklich noch den Schutz bieten, den man von einem Kletterhelm erwartet. Rund 250 Gramm wiegen moderne Helme, sieht man vom Vapor (Black Diamond) und vom Sirocco (Petzl) ab, zwei Helme, die im vergangenen Jahr auf den Markt gekommen sind und beide unter 200 Gramm wiegen.

Alle Kletterhelme müssen nach EN 12492 zertifiziert sein. Zusammengefasst beinhaltet die Norm einen nicht zu überschreitenden Kraftwert, der auf den Kopf einwirken darf, wenn ein Stein oder anderer Gegenstand aus einer genormten Höhe den Helm trifft (10 KN). Der Helm muss die Energie eines Gegenstandes bis zu einem gewissen Grad dämpfen können. Die UIAA-Norm der International Mountaineering and Climbing Federation ist mit einem Höchstwert von 8 kN noch etwas strenger, ist aber eine freiwillige Norm für die Kletterausrüstungsfirmen.


Um den unterschiedlichen Ansprüchen an einen Kletterhelm gerecht werden zu können, gibt es heute drei Konstruktionsarten. Da sind auf der einen Seite noch immer die klassischen Hartschalenmodelle. Sie sind konstruiert aus einer dickeren, stabileren Kunststoffschale mit einem inneliegenden Gurtsystem. Neu sind die In-Mold-Helme, bei denen der Styroporschaum, Garant für die Stoßdämpfung, in die Außenschale aus Polykarbonat gespritzt wird. Und es gibt sogenannte Hybrid-Helme, die die Vorteile beider Systeme vereinen: Eine relativ harte Schale und Styroporinnenleben.

Es gibt kein wirkliches ‘Besser oder Schlechter’: Die einen Helme sind robuster im Handling, die anderen leichter auf dem Kopf. Die neuen In-Mold-Helme sollte man etwas pfleglicher behandeln beim Transport, das heißt, man sollte sie nicht einfach irgendwie in den Rucksack ‘knüllen’ oder sie in Pausen stundenlang als Stuhlersatz nutzen. Damit auch die neuen, extrem leichten Helme die EN- und die UIAA-Normwerte erreichen können, kombinieren die großen Kletterausrüstungsfirmen unterschiedliche Materialien miteinander. Beim Vapor von Black Diamond wird eine Kevlar-Schicht eingebaut. Zusätzlich ist der Helm mit einem Kohlefaser-Gitter ausgestattet. Petzl verzichtet beim Sirocco auf die Polykarbonatschale und verwendet einen besonderen Schaum, um den Kompromiss aus Festigkeit und Dämpfung zu erreichen. Mammut setzt beim El Cap, einem Hybrid-Modell, auf zwei unterschiedlich harte, ineinander verzahnte Styroporschichten.

Die robusten klassischen Hartschalenmodelle sind heute kaum noch vertreten und werden nicht mehr nachgefragt. Die Hybridhelme mit der Polykarbonat-Schale und dem Styroporeinsatz sind die robusteren Helme. Viele nehmen das Mehr an Gewicht in Kauf, weil ihnen die Zwitterkonstruktion von der haptischen Seite her mehr Sicherheit vor allem bei Steinschlag oder schweren Stürzen vermittelt. Grammjäger und Ultraleichttrekker ziehen die In-Mold-Helmkonstruktionen vor, bei denen sie bis zu 50 Gramm und mehr einsparen können. Das zusätzliche Plus bei den In-Mold-Helm-Modellen sind die deutlich größeren Belüftungslöcher. Ob man das auch wirklich so möchte und daran glaubt, dass nicht mehr kleine Steine einen am Kopf treffen können, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Die Auswahl des Helmes sollte sich immer nach der Passform und dem Tragekomfort richten. Hat man beim Probetragen mit ordentlich geschlossenem Helm bei zwei unterschiedlichen Modellen das gleiche, gute Gefühl, dann spricht in den seltensten Fällen etwas gegen den leichteren Helm. Der Kopf und der Nacken werden weniger Gewicht begrüßen. Wer oft in der Nacht unterwegs ist, wird die Befestigungspunkte an einigen Helmen für einen rutschfreien Sitz der Stirnlampe zu schätzen wissen. Gleiches gilt für alle, die in der Kälte unterwegs sind und die Handschuhe beim Aufsetzen des Helms nicht ausziehen wollen. Nicht jede Steckschließe, nicht jedes Band lässt sich einfach und unkompliziert auch mit Handschuhen einstellen. Das sollte man einfach mal probieren! Am Ende erleben wir bei der Helmberatung auch immer, dass mehr Leute, als man zunächst denken mag – denn es geht schließlich um Sicherheitsausrüstung – dann den Helm doch nach der Farbe auswählen. Und das sind nicht nur Frauen!


Für (fast) jeden Kopf gibt es heute den richtigen “Deckel”. Das gilt nicht nur für’s Klettern in alpinen Routen, nicht nur für’s Klettern in den  Mittelgebirgen oder im Eis, auch beim Klettersteiggehen schützen die Helme vor Steinschlag, vor vorstehenden Felszacken und schützen beim Aufprall nach Stürzen. So kommen am Ende der Tour alle wieder unverletzt nach Hause!

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