Abseilen oder Ablassen an Sauschwänzen

“Sauschwänze: Aufpassen!” oder “Warnung: Kein Abseilen am Sauschwanz” oder “Bergrettung Österreichs warnt vor Abseilen an Sauschwänzen”. So oder ähnlich lauteten die Online-Schlagzeilen am Ende der vergangenen Woche. Für alle, die sie nicht kennen: Sauschwänze sind beim Klettern korkenzieherartige Umlenker, denen man häufig in Klettergärten und Sportklettergebieten im In- und Ausland begegnet. In Sachsen in den Steinbrüchen gibt es sie wohl auch noch, obwohl beim Routensanieren mittlerweile auch auf andere Standplatzlösungen zurückgegriffen wird. Doch in der letzten Woche machten diese Schlagzeilen aus den Alpen die Runde, in denen es um eine mögliche Ursache von Abseilunfällen an Sauschwänzen ging, bei denen es (vermutlich) einen Seilstrang ausgeklinkt hatte. Da aber nicht alle Kletterfreunde in diversen Foren unterwegs sind und wir zudem auch einen Hinweis dazu von Johannes bekommen haben, das Ganze einmal näher zu beleuchten, wollen wir versuchen, einen Blick hinzer die Schlagzeile zu werfen.

Beim Nachlesen der Berichte ging es mir wie Moritz und auch wahrscheinlich vielen anderen unter uns: An Sauschwänzen haben wir schon immer auch abgeseilt, ohne uns einem Risiko wirklich bewusst zu sein. Dabei haben wir auch den einen oder anderen Blick in die Nachbarroute geworfen.  Aber gerade Letzteres könnte in der Vergangenheit wohl in Tirol zu Unfällen geführt haben. Anlass für die begonnene Diskussion ist ein tödlicher Unfall an der Martinswand bei Innsbruck, dessen Ursache aktuell noch untersucht wird.

Das Problem, das sich bei den Self-Made-Tests (gefilmt mit Handykamera) in Österreich ergeben hat, ist, dass ein Kletterseil beim Entlasten (Stehen auf Absätzen beim Abseilen) oder beim seitlichen Verlagern der Position auch nach oben aus dem Sauschwanz herausrutschen oder herausspringen kann. Seitdem wird in den neuen Medien heftigst diskutiert, ob die nachgestellten Szenarien des Tiroler Bergwachtmitglieds einem alltäglichen Vorgehen im Klettergarten beim Abseilen entspricht oder ob besagte Meldung, die von vielen einfach nur geteilt worden ist, nur zur Überbrückung einer relativ ruhigen Zeit dient. Also dass ein trauriger Anlass, resultierend aus einem (wahrscheinlich) fatalen Fehler, als Ausgangspunkt für die sich schnell verbreitende Warnung verwendet worden ist.

Einig sind sich (fast) alle, dass bei richtigem Seileinlegen das Ablassen des Seilpartners mit Sauschwanz ohne Probleme funktioniert, da das Seil dabei immer unter Spannung steht. Für’s Topropen sind diese Umlenker ja auch ursprünglich konstruiert worden. Das heißt auch, dass wohl auch keiner über einen Sauschwanz hinausklettert, denn der Umlenker ist nach oben offen und da sagt schon der gesunde Menschenverstand, dass es dabei auch im Falle eines Sturzes zum Ausfädeln kommen kann. Darüber, was man tun muss, um an einem Sauschwanz in einem Klettergarten gefahrlos abzuseilen (Seil richtig einlegen, Seilspannung auch beim Abseilen beizubehalten und nicht beim Abseilen springend und schaukelnd die nächste Tarzan-Rolle übernehmen zu wollen), wird sicherlich die eine oder andere Diskussion nächster Zeit geführt werden. Redundantes Ablassen bzw. Abseilen an Umlenkpunkten, wie beispielsweise noch im letzten Haken eine Expressschlinge zur Sicherheit eingeklinkt zu lassen, geht nicht in allen Fällen. Der Letzte, der die Route endgültig abbaut, wird ohne Redundanz auskommen müssen.

Beim DAV scheint derzeit noch kein Erklärungsbedarf dazu zu existieren, während der Österreichische Alpenverein die Warnung aufgegriffen hat: “Wer dennoch daran abseilt, sollte sich der Gefahr des Aushängens bewusst sein und das Seil möglichst gleichmäßig belasten. Die Errichter neuer Mehrseillängenrouten werden gebeten, keine Sauschwänze an Standplätzen mehr einzusetzen.” , so heißt es in der Meldung beim OeAV. Wir haben für uns die Warnung zum Anlass genommen, uns mal wieder mit den möglichen Fehlerquellen beim Abseilen auseinanderzusetzen. Und werden weiter verfolgen, ob sich neue, sicherheitsrelevante Erkenntnisse zum Thema ergeben.

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