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Teaserbild: Die spinnen – die Sachsen

Die spinnen - die Sachsen

„Wenn Malte Roeper der Hemingway des Bergsteigens ist, dann ist Peter Brunnert der Harald Schmidt des Kletterns“ (geoquest-verlag). Gut, man mag Harald Schmidt mögen oder nicht. Aber mit dem neuen Buch ist Peter ein lesenswertes Kleinod über die Spezies des sächsischen Kletterers gelungen. Ein Buch mit schaurig schönen Geschichten aus Sachsen – beim Klettern zugehört, von ihm aufgeschrieben und fürs bessere Verständnis für alle Nicht-Sachsen ins Hochdeutsche übersetzt.

Der Untertitel „glaubwürdige und unglaubliche Geschichten aus dem Sandsteinland“ gibt die Richtung der Reise vor, auf die sich der Lesende begeben kann. Kletterfreunde und Couchpotatoes, die Kletterbücher der schönen (Frauen)Bilder wegen kaufen, werden wohl enttäuscht seIn. „Keine leicht bekleidete Vertikalnixe an übersicherten Sportkletterrouten“ ist zu sehen. Schlimmer noch: es geht nicht um die Leichtigkeit des Bewegens in der Vertikalen – nein: es wird „Tacheles“ geredet.

Im Elbsandstein sprechen die Leute nicht nur anders – fernab vom Sportklettern hat sich eine eigene Kletterkultur (weiter)entwickelt: Ringe sind oft Mangelware und es wird ferse-hängend trittlos gestiegen, geklemmt, gestemmt, gesprungen oder sogar gebaut. Wobei ich mich persönlich gern Peter (Geschichte vom Fliegen) anschließe: Klettern passiert an und nicht zwischen den Felsen! 🙂 Trotz der vielen Diskussionen über Kletterethik und mögliche Regeländerungen: es gibt sie noch die Klassiker, bei denen sächsische Kletterer am Einstieg stehen, nach oben zeigen und philosophieren (v.a. bei Regenaussichten – da kann man dann wenigstens einen Regensack aufziehen, Bier (oder Wein) trinken gehen und die Tour auf irgendwann verschieben…).

Außerdem warten mehr als 2000 Gipfel auf beiden Seiten der Grenze darauf, bestiegen zu werden. Das die Kletterer und v.a. die Erstbegeher einen eigen Humor haben, beweisen sie in der Namensfindung für ihre Touren. Wegnamen wie Genießerspalte (Meurerturm) und Mauseloch (Zinne) lassen erahnen, was auf den Kletterer zukommen wird. An der Zinne hat schon mancher Kletterer seine Hose verloren (Geschichte von der verrutschen Unterhose) und ich bin ehrlich gesagt froh, das es von meinem Mauseloch-Abenteuer keine Tonaufnahme gibt (wenn auch mein Vorsteiger die Geschichte abends beim Bier gern zum Besten gibt). Felsnamen wie Märchenturm und Rokkokoturm klingen vielversprechend – aber ein Blick ins Gipfelbuch verrät, das es nur wenige Kletterer im Jahr gibt, die den Weg nach oben gefunden haben.

Die Geschichten im Buch erzählen genau von dem Phänomen Klettern im Elbi. Einmal ausprobiert und am Seilende gehangen, kann es süchtig machen. Beim Lesen der Geschichten überwiegt das Lachen in den Augen – selbst wenn einem manchmal kurz der Atem stockt. „Nu, immr genau andr Gannde, sieht‘n bissl brüchsch aus zwischendursch,‘s täuscht abr…Ohm nimmste am bäsdn den Diräggtausstieg, der hat nochn Ring, is och nur VIIIb…“ (Aus der Geschichte von Androsch und der Lolakante – einem Weg, der sich seinen „begehungszahlsenkenden Ruf als Klassiker“ redlich erworben hat). Der sächsische Kletterer wird das eine oder andere Erlebte (hoffentlich) schmunzelnd wieder erkennen – vielleicht fand sein Abenteuer nur an einem anderen Gipfel oder unter anderen Vorzeichen statt. Der Nicht-Sachse bekommt einen ersten Eindruck der sächsischen Kletterkultur vermittelt als Anregung und läßt sich dadurch nicht verschrecken, die beschriebenen Gebiete einmal selbst, vielleicht sogar kletternd, näher zu erkunden.

Darüber hinaus gibt es auch viele Gründe, abseits des Kletterns in die Sächsischen Schweiz zu fahren. Die Landschaft an der Elbe ist für Wanderer mit seinen Stiegen, Wegen und Gründe zwischen den Sandsteinfelsen, seinen Tafelbergen, dem Labyrinth und dem Malerweg auch Abseits der Bastei immer eine Reise wert. Und wenn der Wanderer dann Kletterer über sich rumturnen sieht, dem fluchen und stöhnen lauscht fällt ihm vielleicht die eine oder andere Geschichte wieder ein…

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