Testbericht: Nigor PioPio Solo

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planet tapir Rando | 3. November 2014

Das Nigor PioPio Solo ist ein Leichtsgewichts-1-Personen-Zelt. Es bringt – mit Heringen, Abspannleinen sowie den Packsäcken für Zelt, Gestänge und Heringe – 990 g echtes Reisegewicht auf die Waage. Trotzdem hat das PioPio absolut gar nichts gemein mit den zahlreichen „1-Personen-Zelten“ auf dem Markt, die sich in erster Linie durch ihr tropfsteinhöhlenartiges Innenklima hervortun, also eigentlich eher zeltähnliche Biwaksäcke sind. Im Nigor-Zelt kann man nämlich aufrecht sitzen und entspannt hantieren. Die Belüftung ist vorbildlich.

Natürlich geht die Nutzung auf der tapir-Testtour nur als Schnelltest durch – das PioPio wurde im Auto auf den Mittenwalder Zeltplatz kutschiert und dort auf komfortabler Rasenfläche für drei Nächte aufgebaut. Das Wetter allerdings war zünftig. Im Isartal waberte der Nebel und sorgte durchgehend für hohe Luftfeuchtigkeit, gelegentlich gab es leichte Schauer und in der Nacht vor der Abreise eine Stunde lang Starkregen. Danach waren die Bodenverhältnisse eher als prekär zu bezeichnen. Das PioPio aber stand straff wie am ersten Tag und im Inneren war alles trocken und hübsch.

Aber der Reihe nach: Der Test startet mit einer sanften Enttäuschung – der Anblick des PioPio Solo im Packsack lässt nicht gerade auf ein Leichtgewichts-Zelt schließen, denn dieser Packsack ist verblüffend lang. Hier lohnt es sich für Nigor vielleicht noch mal, über eine sinnvollere Gestänge-Segmentierung nachzudenken, denn kürzer als auf eine 52 cm-Länge lässt sich das DAC-Gerüst des Einbogen-Zeltes nicht zusammenfalten. Die Länge des Gestänges bestimmt folglich die Größe des Packsackes – zu groß für das bisschen 10- und 20D-Nylon, aus dem das PioPio besteht (Außenzelt dreifach silikonbeschichtetes 10D Nylon, Innenzelt 20D Ripstop Nylon, Boden 20D Ripstop Nylon mit TPU Laminat). Folglich braucht er keinesfalls auch noch Kompressionsgurte – hat er aber. Man kann sehen: Auch bei einem 1kg-Zelt gibt es noch Optimierungspotential bezüglich des Gewichtes :-)

Aber dann nimmt man das PioPio in die Hand und der Spaß beginnt: Ich hätte der 52 cm-Rolle niemals ein solches Fliegengewicht zugetraut! Verblüffung pur. Schnell ist der Inhalt auf die Wiese geschüttelt und schon die ersten Blicke zeigen, was sich später als Grundeindruck verfestigen wird: Material und Verarbeitung  sind vom Feinsten. Natürlich knistert das silikonisierte 10D-Nylon des Außenzeltes etwas, wenn man es in der Hand knüllt – im straff aufgebauten Zustand ist davon aber nichts mehr zu hören. Der laminierte Boden wirkt absolut vertrauenswürdig und bestätigte ja im Test dieses ersten Eindruck auch zu 100%.

Der Aufbau des PioPio Solo geht schnell und unkompliziert von der Hand. Wenn die fünf Bodenheringe gesteckt werden, stellen sich wie von selbst an Kopf- und Fußende des Zeltes drei eingenähte, etwa 30 cm lange Glasfaserstäbe auf, die für mehr Raum im Innenzelt und für einen zuverlässigen Abstand zwischen Innen- und Außenzelt sorgen. Das wird erreicht, indem die Stäbe 5 cm über das Innenzelt hinausragen, so dass das Außenzelt hier mittels Cordura-Taschen aufgesteckt und sicher fixiert werden kann. Bevor das geschieht, wird noch der Gestängebogen in die Bodenösen gestellt und das Innenzelt mittels Kunststoffhaken daran befestigt. Die anschließende Fixierung des Außenzeltes geschieht mit drei Schnellverschlüssen. Um die Cordura-Taschen unkompliziert auf die Glasfaserstäbe aufstecken zu können, sollten deren Abspannungen maximal gelockert sein. Werden sie dann gespannt und die beiden zusätzlichen Heringe am Außenzelt gesetzt, spannt sich dieses wunderbar straff über die gesamte Zeltlänge. Damit ist neben geringer Lärmbelästigung (fehlende Flattergeräusche) und sehr guter Belüftung (überall viel Luft zwischen Innen- und Außenzelt) vor allem auch hohe Windstabilität gesichert. Letztere lässt sich jedoch mittels der beiden vormontierten reflektierenden Abspannleinen und der Kletts am Außenzelt, die das Gestänge umfassen, noch weiter verbessern.

Dem Leichtgewichtskonzept des Zeltes geschuldet, gehören neben diesen Abspannleinen zur Ausstattung des Nigor PioPio Solo lediglich 12 leichte V-Heringe von DAC. Das ist genau einer mehr, als für alle Abspannpunkte benötigt werden. Als Brillenträger hätte ich mir wenigstens eine klitzekleine Netztasche im Innenzelt gewünscht, aber die Brille hängt letztlich auch an einer der beiden Schlaufen im Zelthimmel sicher.

Der Einstieg in das Zelt ist komfortabel: Der sehr saubere Schnitt verhindert unnötigen Zug auf den Reißverschlüssen – diese laufen folglich problemlos und so sind die Türen von Außen- und Innenzelt schnell geöffnet und beiseite gerollt. Einzelne Tropfen vom während der Testtage dauernassen Außenzelt fallen dabei allerdings fast zwangsläufig in das Innenzelt hinein. Für den Ein- und Ausstieg bei Regen heißt es deshalb, schnelle Abläufe einzuüben: Tür auf, schnell rein oder raus, Tür zu. Im Innenzelt sitzen und durch die geöffneten Türen romantisch raus in den Regen zu gucken – das geht im PioPio Solo nicht. Im kleinen Vorraum findet neben Kocher, Wassersack und schmutzigen Schuhen auch nasse Regenbekleidung Platz.

Das reicht auch vollkommen aus, denn seine größte Stärke spielt das Einpersonenzelt im Innenraum aus: Bis auf die genannten Dinge kann wirklich die gesamte restliche Ausrüstung mit hinein. Das gilt ganz besonders für Menschen, die auf einer 183 cm langen Isomatte schlafen (wie ich) – zu Testzwecken haben wir jedoch auch eine 196 cm–Matte in das Zelt gelegt und trotzdem noch ausreichend Stauraum übrig behalten. Dieser befindet sich an Kopf- und Fußende des Bewohners und rechts neben der Isomatte. Dort liegt praktischerweise der halbleere Rucksack – gut zugänglich für den Besitzer und zugleich eine sichere Leitplanke, die den Schläfer vor dem Zusammenstoß mit der Kondensfeuchtigkeit am Außenzelt bewahrt (diese Gefahr besteht auf der gegenüberliegenden Tür-Seite eigentlich gar nicht, weil dort der Vorraum und dadurch das Außenzelt viel weiter entfernt ist). Der Rucksack liegt dort außerdem perfekt unter dem nicht mittig angeordneten Gestängebogen, d.h. an der Stelle, wo das Innenzelt eine sehr komfortable Sitzhöhe hat und man deshalb am liebsten hantiert.

Generell sind 1-Personen-Zelte auf Grund ihres geringen Volumens und der dadurch sehr schnell einsetzenden Luftsättigung in Bezug auf Kondensfeuchtigkeit eher problembehaftet. Bei PioPio Solo hat Nigor gerade in dieser Beziehung alles richtig gemacht! Die Konstruktion sorgt a priori für einen großen Abstand zwischen Innen- und Außenzelt und damit für gute Belüftung. Diese wird unterstützt durch zwei Dachlüfter und zwei zusätzliche Abspannmöglichkeiten an den Zelt-Längsseiten, mit denen man das Außenzelt noch weiter vom Innenzelt weg bekommt. So bildet sich nicht nur weniger Kondensfeuchte aus, sondern die Gefahr, sie mit dem Daunenschlafsack „abzuwischen“ ist auf nahezu Null reduziert. Während die Mesh-Wände des Innenzeltes die Luftzirkulation befördern, schützt dessen Nylon-Dach zuverlässig vor Kondenstropfen von oben.

Ach übrigens: Das Nigor PioPio Solo gibt’s auch in grün – dann mit erhellendem Boden in burnt orange.

Fazit

Das Nigor PioPio Solo ist ein hervorragendes Drei-Jahreszeiten-Leichtgewichtszelt. Es leistet bei geringstem Gewicht in erstklassiger Weise das, was die meisten Zeltkäufer zuallererst erwarten: zuverlässigen Rundumschutz vor Feuchtigkeit. Dazu tragen das silikonisierte Außenzeltmaterial, der laminierte Boden, die gewählte Konstruktion und die saubere Verarbeitung gleichermaßen effektiv bei. Das Raumangebot im Innenzelt ist auch für größere Menschen komfortabel, die Ausstattung gewichtsbedingt eher spartanisch. Der Preis von 350 € ist angesichts des hervorragenden Raum-zu-Gewichts-Verhältnisses und der Langlebigkeit der Materialien als sehr fair zu betrachten.

+          niedriges Gewicht
+          komfortables Raumangebot im Innenzelt
+          sehr gute Belüftung und Kondensfeuchtigkeits-Management
+          sehr guter, straffer Außenzelt-Schnitt
+          erstklassig in Material und Verarbeitung
+          gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

-          kein wettergeschützter Eingang
-          Gestängesegmente zu lang bzw. ungünstig geteilt
-          keine Tasche im Innenzelt

 

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