Hanwag Approach II GTX im Test am Klettersteig

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planet tapir Alexander | 7. November 2014

Auf der diesjährigen tapir-Testtour im Karwendel hat mich der wasserdichte Zustiegsschuh Hanwag Approach II GTX begleitet. Ich bin bei Schuhen prinzipiell empfindlich, war daher ziemlich skeptisch und habe sicherheitshalber die eigenen Schuhe eingepackt. Bei einem neuen Schuh weiß man ja nie… Der Approach II GTX wurde sowohl im leichten Gelände beim Zustieg zum Klettern, in Alltagssituationen  (5h Autofahren, Camp-Aufbau und gemütliches Lagerfeuer-Sit-In) als auch auf dem Klettersteig und den folgenden 1400 m Abstieg getragen – und vorab: Meine eigenen Schuhe blieben 4 Tage wohlbehütet im Auto.

Hanwag kategorisiert den Approach II GTX  als B-Schuh mit einer Tendenz zu C mit gutem Halt, stabiler Sohle und guter Dämpfung. Da er aus der “Rock-Serie” stammt, ist er auf einem schmaleren Leisten gebaut als seine verwandten Halbschuhe aus den Serien “Trek” oder “Trek-Light”. Dies dient dem verbesserten Seitenhalt und einer besseren Performance bei leichten Klettereien auf der vorderen Sohlenkante. Im Vergleich zu den technischen, schmalen Leisten von Zustiegsschuhen anderer Hersteller (z.B. Adidas, Mammut und Dachstein) ist der Approach II im Vorderfuß etwas weiter, was ich durchaus positiv bewerte, da so auch lange Touren ohne Quetschungstendenzen am kleinen Zeh gut möglich sind. (Ich verweise hier auf 1400 m, teilweise sehr steilen Abstieg nach einem Klettersteigtag, den ich tatsächlich völlig problemfrei bewältigt habe!) Die Sohle ist für einen Halbschuh sehr hart, was sich gerade bei leichten Klettereien und auf dem Klettersteig absolut bezahlt macht, da man problemlos auf kleinen Leisten ohne Kraftaufwand im Fuß sehr gut stehen kann. Das gute Abroll- und Dämpfungsverhalten in gemäßigtem Gelände wird durch die feste Sohle nicht gemindert.

Wie schon erwähnt, bin ich bei Schuhen empfindlich und nicht unbedingt mit „Normfüßen“ gesegnet: schmale Ferse, schlanker Fuß mit breitem Vorfuß und hohem Spann. Da muss man erstmal einen Schuh finden, der damit klarkommt. Und beim Approach II konnte ich nicht klagen: Fersen- und Seitenhalt waren durch den schmalen Leisten perfekt, ohne den Fuß vorn einzuengen. Lediglich im langen Abstieg habe ich etwas Druck auf dem Spann verspürt, der jedoch absolut im Rahmen der normalen Belastung lag.

Der Aufbau des Schuhs ist durchweg solide. Das macht ihn mit 542 Gramm pro Schuh nicht gerade zum Leichtgewicht, allerdings bin ich sicher, dass der große Lederanteil des Schuhs und der umlaufende Geröllschutzrand den Approach II zu einem Begleiter für extreme Touren machen, die ihn nicht so schnell in die Knie zwingen und für lang anhaltende Stabilität sorgen. Der Abschluss am Schaft ist angenehm weich gestaltet. Die weiteren textilen Bestandteile sorgen für den Luftaustausch mit der Umgebung, was ganz gut funktioniert, aber – wie bei Gore-Tex-Schuhen und höheren Außentemperaturen üblich – vom Wasserdampfdurchgang verbesserungswürdig ist. Dafür sind meine Füße auch im Regen beim Zeltaufbau und abends im Camp trocken geblieben. Begeistert bin ich von der asymmetreischen Schnürung, die weit nach vorn reicht und eine individuelle Anpassung des Schuhs tadellos ermöglicht.

Die Sohle des Approach II GTX ist eine Vibram-Cross-Sohle mit fast profilfreier Spitze (Climbing Zone) für präzises Treten auf kleinen Leisten und Tritten. Ein Traum am Klettersteig und bei der Testkletterei am Fels! Die Rutschfestigkeit auf staubigem Felsuntergrund und Geröll kann ich als sehr gut bewerten. Bei nassem Fels ist auch die Vibram-Sohle etwas rutschig, was jedoch in der Natur aller Sohlen für Bergschuhe liegt. Hätte der Schuh einen so weichen Sohlengummi, dass er auf allen Untergründen perfekten Halt bietet, wäre die Sohle nach wenigen Wochen Nutzung im alpinen Gelände einfach abgelaufen. Die Firma Vibram hat hier eine sehr gute Balance zwischen Rutschfestigkeit und Haltbarkeit des Sohlengummis gefunden, was ich durch die Nutzung anderer Schuhe mit dieser Sohle über Jahre bestätigen kann. Wie bei Bergschuhen üblich, ist der Approach II (wie alle anderen Hanwag-Schuhe auch) wiederbesohlbar, wenn die Sohle nach einiger Zeit doch verschlissen sein sollte.

Die Verarbeitung des Schuhs ist sehr gut. Alle Nähte sind sauber gearbeitet, die Verklebungen vom Geröllschutzrand sahen durchgehend haltbar aus, ohne dass viel Kleberrest zu sehen war. Auch im Inneren des Schuhs konnte ich keine störenden Nähte oder Falten ausmachen.

 

Fazit

Deutlich bei der Materialauswahl ist, dass Hanwag beim Approach II GTX den Fokus eher auf Stabilität und Robustheit als auf Leichtgewichtigkeit und perfekte Belüftung gelegt hat. So ist der Approach II ein solider Halbschuh, der auch anspruchsvolle Touren in schwierigem Gelände mit viel Fels- und Geröllkontakt problemlos übersteht. Je nach eigener Einschätzung von Trittsicherheit und Gehgewohnheiten beim Abstieg, ist der Schuh neben klassischen Zustiegen und leichten Wanderungen auch für Klettersteigtouren und leichte Klettereien geeignet – allerdings bietet er dabei nicht die Stabilität am Gelenk wie ein knöchelhoher Bergschuh. Ob das genügt, muss jeder Nutzer nach eigener Erfahrung selbst bewerten. Ich war sehr positiv überrascht, wie gut sich der Abstieg von 1400 m mit einem Halbschuh bewältigen ließ. Für mich ist der Schuh definitiv eine Alternative zum schweren B/C-Bergschuh auf Klettersteigen.

 

 

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