Be cool – be swisswool: Testbericht – Hybrid Pant

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planet tapir Simone | 3. Januar 2015

Der Winter streikt ja mal wieder. Väterchen Frost schickt Kälte und Schnee woanders hin, wahrscheinlich ans andere Ende der Welt. Nach ein paar schönen weißen Tagen um Weihnachten herum taut es schon wieder kräftig. Das könnte, dachte ich mir, ein guter Zeitpunkt sein, Swisswool-Bekleidung von Ortovox mal unter sehr feuchten Bedingungen zu testen. Von Sandras Testbericht zur Vest Piz Lischana wissen wir, dass der Trage- und Klimakomfort bei trockenem Wetter perfekt ist. Doch wie verhält sich die Wolle im Regen?

Temperaturen zwischen -5°C und +2°C und ein Wetter, das sich zwischen Sonnenschein und permanentem Nieselregen, inklusive Schneelawinen von den Bäumen!, nicht entscheiden konnte, versprachen perfekte Testbedingungen. Also packte ich die Hybrid Pant von Ortovox mit in den Rucksack, als es über Silvester in die Sächsische Schweiz ging. Ich hoffte, dass es, wenn es irgendwie ging, eine Jahreserste im Schnee geben würde und ich wusste, dass wir angesichts der Gruppengröße dazu wohl lange am Fels rumstehen oder sitzen würden.

 

Ein paar Hardfacts zur Hose

Im Vorfeld meiner Baikaltour hatte ich mich lange mit dem Thema Thermohose beschäftigt. Es sind zumeist die Oberschenkel, die als erste auskühlen. Die große Frage war, ob es also ein komplett gefüttertes Beinkleid braucht, wenn man aktiv unterwegs ist? Eigentlich nicht und ich war auf meinen letzten Wintertouren mit der Variante, mit einem gefütterten Rock unterwegs zu sein, vollauf zufrieden: Wärme von den Nieren abwärts bis zu den Oberschenkeln und ansonsten volle Bewegungsfreiheit. Allerdings geht Eisklettern mit einem Rock nur bedingt, also habe ich weiterhin die Augen offen gehalten. Und nun hat Ortovox seine Swisswool- Reihe um eine Hybrid-Jacke und eine Hybrid-Pant ergänzt.

Das neue Konzept ist ganz einfach: Swisswool wird mit Merinowolle kombiniert und jeweils angepasst an die unterschiedlichen Wärmezonen des Körpers eingesetzt. Die Swisswool-Lagen (88 % Schurwolle + 12 % maisbasiertes Polylactid) kommen an den kälteempfindlichen Stellen (an den Oberschenkeln bis zum Knie und im Gesäßbereich) zum Einsatz und sind 60g/m² dick. Um diese Körperzonen optimal vor Wetterkapriolen zu schützen, setzen die Schweizer auf ein wind- und wasserabweisendes Ripstop-Nylon-Material. Im Kniebereich, aber auch am Bund am Rücken wird ein Mischgewebe aus Merinowolle (20% Schurwolle) und 74 % Polyamid (MERINO NATURETEC Material) eingesetzt, also genau an den Stellen, die ständig in Bewegung sind. Dazu kommen noch 6% Elastan. Alles zusammen macht den angenehmen Tragkomfort der Hose aus und bietet gleichzeitig auch einen Schneeschutz. Innen hat Ortovox die Hose mit einem Futter aus  38 % Schurwolle (Merino) und 62 % Polyester ausgestattet. Das fühlt sich auf der Haut auch dann gut an, wenn man, wie ich, eine kleine Wollmimose ist.


Von der Materialzusammensetzung abgesehen ist das Konzept extrem technisch ausgerichtet. Vor allem Skitourengeher werden sie lieben. Geht es schweißtreibend hinauf, dann sorgen die auf beiden Außenseiten durchgehenden 4-Wege-Reißverschlüsse für die notwendige Belüftung. Die Belüftungsreißverschlüsse sind hinterlegt, sodass keine Kältebrücken entstehen können, wenn es beim Sichern oder in der Pause einmal länger dauert. Am Knie sorgt eine ACTIVE-Ventilation für mehr Belüftung, wobei sich die Belüftung an dieser Stelle mir nicht ganz erschließt.

Der untere Bereich der Hose ist aus schnittfestem SCHOELLER® KEPROTEC gefertigt. Das vermeidet unliebsame Kerben durch scharfe Skikanten oder Steigeisen. Der Beinabschluss ist weitenregulierbar und hat als zusätzliches Schmankerl auch einen kurzen Reißverschluss im Fersenbereich. Geht’s auf Skitour bergauf und wird dafür die Fersenverriegelung am Ski gelöst zum Aufstieg, dann ist der Reißverschluss geöffnet. Geht’s wieder bergab, ist er wieder zu. Egal, ob bergauf oder talwärts, die Hose sitzt auch ohne Gamasche perfekt (schmaler silikonisierter Streifen innen am Beinabschluss).

Zu jeder guten Skihose gehören Hosenträger, die auch bei der Hybrid Pant abnehmbar sind. Die Hosenträger sind aus einem ganz weichen, hochelastischen Materialmix, sorgen für einen perfekten Sitz der Hose und drücken auch dann nicht, wenn ein schwererer Rucksack an die Wand getragen werden soll.

 

Swisswool im Regen

Ihre Bewährungsprobe wird die Hybrid Pant wohl erst Ende Februar bestehen müssen, wenn es ins Eis ins Pitztal geht. Da wird es dann auch hoffentlich kalt genug sein, die Hose wärmetechnisch auszutesten.

Ich fand es aber auch mal spannend zu sehen, wie sich Swisswool generell bei Feuchtigkeit verhält. Das ist ja gerade auch bei den Jacken, die wir im tapir verkaufen, immer mal wieder ein Diskussionspunkt, auch wenn wir natürlich alle wissen, dass die Swisswool-Bekleidung für den Wintereinsatz konzipiert ist. Die Frage für mich war, ob die Oberschenkel auch dann noch warm bleiben, wenn nach ein paar Stunden im Regen die Hose definitiv durch ist?

Um es schon einmal vorwegzunehmen: Sowohl bei dem sehr feuchten Nebel inklusive leichtem Eisregen am ersten Tag, als auch beim Klettern und Rumhocken auf Schnee und Eis am zweiten Tag, gab es überhaupt kein Kältegefühl auf der Haut, auch wenn sich die Hose auf der Außenseite nass anfühlte, beziehungsweise sich eine kleine, hauchdünne Eisschicht auf dem Nylon gebildet hatte. Erst, als die Hose am dritten Tag im Dauerregen nach 2 Stunden komplett durch, sprich: pitschnass war, hatte ich dann nach vier Stunden ein leichtes Kältegefühl auf der Haut. Solange ich mich bewegt habe, die Pause nicht allzu lang wurde, war aber auch das kein Problem. Von der Feuchtigkeit am wenigsten gespürt habe ich den Bereich knieabwärts. Das MERINO NATURETEC und auch das SCHOELLER® KEPROTEC-Material haben unterwegs gefühlt keine Feuchtigkeit durchgelassen. Beim Umziehen auf der Hütte zeigte sich, dass sich die Innenseite der Hose knieabwärts leicht feucht anfühlte – mehr aber auch nicht.


Zusammenfassung

Die Hybrid Pant ist eine klassische Skitourenhose. Sie ist, auch durch den Materialmix, eher schmal gehalten und trägt sich super angenehm auch auf der Haut. Unter normalen Winterbedingungen braucht es auch keine Gamasche, weder intern noch extern, denn der Beinabschluss sitzt auch so perfekt. Die Belüftung ist einfach zu handhaben und funktioniert genial. Normalerweise bin ich kein Fan von Hosenträgern, doch bei dieser Hose haben sie mich nicht gestört, sind nicht verrutscht und es gab keine unangenehmen Druckstellen beim Rucksacktragen.

Es hat mich überzeugt, dass die Hybrid Pant von Ortovox auch bei nasskalten Bedingungen nicht an ihre Grenze gekommen ist. Dass sie keinen hundertprozentigen Wetterschutz bietet, hatte ich auch nicht erwartet. Dafür ist das Klima in der Hose perfekt zu regulieren. Im Aufstieg hatte ich nie ein schweißnasses Gefühl auf der Haut. Gefroren habe ich auch an allen drei Tagen in der Hose nicht, weder bei den leichten Minusgraden noch bei 4°C und dem Dauerregen. Überrascht war ich, dass die Hybrid Pant über Nacht (in einem nicht extra beheizten Raum in der Hütte) wieder komplett trocken war.  Das ist tatsächlich das riesige Plus gegenüber Daune – und beweist, dass Ortovox einen richtigen Schritt gegangen ist, als sie begonnen haben, in ihren Isolationsprodukten Wolle als Füllung zu verarbeiten.

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2 Kommentare

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    DiZe | 13. Februar 2015, 15:11

    Eine wirklich gute und hilfreiche Beschreibung. Vielen DANK!

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    2
    simone | 13. Februar 2015, 19:24

    Danke – ist aber auch eine echt coole Hose. Ich freu mich schon – in 10 Tagen gehts zum Eisklettern ins Pitztal mit der Hybridpant. Bin schon gespannt! :)
    viele Grüße
    Simone

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