Der neue Allesbrenner von Optimus: Praxistest mit dem Polaris-Kocher

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planet tapir Simone | 21. Februar 2015

2015 erweitert der schwedische Kocherspezialist Optimus seine Produktpalette um einen Allesbrenner-Kocher. Auf der Outdoor 2014 konnten wir den neuen Multifunktionskocher Polaris schon bewundern, der auf den ersten Blick zunächst als einfache Erweiterung des Nova-Benzinkochers daherkommt. Da eine Messedemonstration als Test aber nur bedingt aussagekräftig erscheint, haben wir von Optimus einen Polaris zur Verfügung gestellt bekommen und konnten auf der Testtour im Oktober im Karwendel den neuen Multifuel-Brenner zum ersten mal auf Herz und Nieren testen. Damit nicht genug! Er bekam gleich noch die Chance, beim Herbstboofen zu bestehen und seine Schneetauglichkeit zu Silvester unter Beweis zu stellen. Hier ist der Testbericht zum Kocher Optimus Polaris.

Wir haben unter den tapir-Mitarbeitern eine kleine, überzeugte Fangemeinde, die auf ihre Vegas und Novas schwören, mit ihnen seit Jahren schon auf Tour gehen. Alle diese Kocher bestechen durch ihre Liebe zu technischen Detaillösungen. Der Kocher Vega avancierte 2013 auf der tapir-Wintertesttour zum Testsieger unter den Kochern. Unsere Erwartungen an den Neuen aus der schwedischen Kocherfamilie waren deshalb auch sehr hoch.

 

Hardfacts zum Kocher

“One Jet – Any fuel” könnte die Überschrift für den Polaris sein. Der neue Multifuel-Kocher verbrennt neben Gas (Kartuschen mit Schraubgewinde) auch (fast) alle Flüssigbrennstoffe. Das heißt: Man kann nicht nur mit (Rein-)Benzin und Petroleum, sondern auch mit Diesel und Kerosin auf Tour lecker kochen. Dazu muss man nicht einmal die Düse wechseln oder einen Adapter anbauen. Wie man es schon vom Nova kennt, hat auch der Polaris eine kleine, dünne Nadel eingebaut (etwas länger), mit der die Düse, ohne sich die Hände schmutzig zu machen, von Rückständen befreit werden kann. Die feine Nadel ist magnetisch und am im Lieferumfang enthaltenen Werkzeug ist ein kleiner Magnet befestigt. Im Brennerbetrieb, wenn die Leistung des Kochers nachlässt – beziehungsweise vor oder nach der Nutzung – bewegt man das Werkzeug mit dem Magneten unter dem Kocher hin und her. Dadurch gerät die Nadel in Bewegung und befreit die Düse von Schmutz und Verunreinigungen.


Die Pumpe für den Betrieb mit Flüssigbrennstoffen ist aus Aluminium. Und wie wir es ebenfalls schon vom Nova kennen, lässt sich der Kocher Polaris in der Brennstoffzufuhr fein regulieren. Das freut den Outdoor-Gourmet. Wird der Kocher mit Gas betrieben, dann kann man, wie auch schon beim Vega, zwischen zwei unterschiedlichen Modi wählen: Brennsparmodus und Winter- bzw. 4-Saison-Modus für eine erhöhte Kocherleistung auch bei tiefen Temperaturen. Der Kartuschenanschluss hat zwei kleine Standfüße, die einfach und unkompliziert ausgeklappt werden können. Die Kartusche wird aufgeschraubt und so auf den Kopf gestellt.

Mit 475 Gramm ist er Ultralight-Hikern sicher zu schwer, aber im Vergleich zu anderen Mulitfuelkochern gehört er eher zu den Leichtgewichten. Leistungsmäßig soll er laut Datenblatt 4200 Watt bei Reinbenzin und 3300 Watt bei Gasnutzung erreichen können, was je nach Wetter und Temperatur eine Wartezeit von 4 min auf 1 Liter kochenden Wassers im Gasbetrieb und eine Wartezeit von 3:45 min bei Reinbenzin bedeutet.

 

Mit dem Polaris auf Tour

Im Karwendel im Herbst wurde der Polaris morgens zum Kaffeekochen und zur Müslizubereitung eingesetzt, am Abend diente er zur Zubereitung leckerer Menüs. Am ersten Tag wurde der Kocher im Gasbetrieb, ab dem zweiten mit Reinbenzin genutzt. Von den äußeren Bedingungen her war es herbstlich kühl mit Temperaturen beim Kochen zwischen 5 und 10°C. Auch beim Herbstboofen herrschten die gleichen Außenbedingungen. Um den Jahreswechsel herum wurde der Kocher im Schnee bei Temperaturen um den Gefrierpunkt vor allem zum Teekochen und zur Glühweinzubereitung genutzt.


Der Wechsel von Gas auf Benzin ist extrem einfach und unkompliziert, da der Schlauchanschluss sowohl auf die Schraubkartuschen als auch an die Benzinpumpe angebaut werden kann. Die Kochzeiten aus dem Datenblatt von Optimus konnten vor allem mit den beschichten Töpfen von ALB sowohl im Benzin- als auch im Gasbetrieb nicht ganz erreicht werden. Erst, als ich beim Boofen und zum Jahreswechsel Edelstahltöpfe genutzt habe, erreichten wir Kochzeiten von 3:30 min im Benzinmodus mit Windschutz und 4:1o min ohne. Mal ein Beispiel: Insgesamt brauchte der gesamte Kochvorgang mit Vorheizen (ca. 1:20 min inklusive ca. 25 Pumpstößen), Wasser kochen (ca. 4:30 min) und Leerbrennen des Schlauchs (dauert ca 1:10 min) um die 7 min für einen Liter kalten Leitungswassers bei 10°C Außentemperatur (mit Windschutz).

Im Gasmodus brauchte der Kocher mit neuer 230-Gramm-Kartusche knapp 5 min, um einen Liter Wasser unter den gleichen Bedingungen zum Kochen zu bringen.

Im Test stellte sich dann heraus, dass der Polaris nicht ganz so baugleich zum Nova ist, wie wir zunächst vermutet hatten. Der Polaris hat einen tieferen Schwerpunkt und ist 4 mm kleiner. Um ohne Leistungsverluste und irgendwelchen Umbauten und Adapter den Kocher sowohl mit Gasgemischen als auch mit Flüssigbrennstoffen zu nutzen, wurden die Zwischenwände im Brenner (Rippen) geschliffen und sind somit kürzer als beim Nova. Der Abstand zwischen Prellplatte und Düse ist beim Polaris minimal größer. Vortests in Schweden haben wohl gezeigt, dass bei zu hohen Rippen der Kocher im Gasmodus nicht störungsfrei gestartet werden konnte. Wenn der Kocher aufgedreht war, wurde die Flamme des Streichholzes/ des Feuerzeuges regelrecht ausgepustet. Jetzt, mit den niedrigeren Wänden, verteilt sich das Gas-Luft-Gemisch anders und der Kocher kann in beiden Modi (Flüssigbrennstoff und Gas) störungsfreier gestartet werden.

Wer den Kocher einmal mit voller Last laufen lässt, dem wird ein – bezeichnen wir es einmal in Ermangelung eines anderen Begriffes -  wummerndes oder leicht stotterndes Geräusch auffallen. Wir vermuten, dass dies ebenfalls eine Auswirkung der niedrigeren Zwischenwände im Brenner ist. Aber auch wenn dieses Geräusch am Anfang ungewohnt ist: Der Kocher geht nicht aus, sondern brennt stabil weiter. Und weil wir schon einmal bei der Geräuschkulisse sind: Fans schwerer Motoren werden ihre helle Freude an dem Kocher haben! :) Im unmittelbaren Vergleich mit dem fast baugleichen Nova bei uns in der tapir-Kocherecke war der Neue aus Schweden für unsere Ohren doch auch noch etwas lauter.


Fazit

Der neue Multifuelkocher von Optimus ist eine echte Bereicherung in diesem Segment und ist deutlich mehr als nur eine Gaserweiterung des Nova-Kochers. Sicher, der Polaris polarisierte auf allen Touren durch seine Geräuschkulisse. Doch die simple und einfache Handhabung spricht für den Kocher mit Brennstoffschlauch und hat uns überzeugt. Die feine Regulierung erlaubt auch ein Köcheln auf kleinster Flamme. Da haben Heißhunger und Durst auf Tour keine Chance. Der Brennstoffwechsel ist vollkommen unkompliziert. Ausreden wie: “Nein, ich kann dir keinen Kaffee kochen, weil mir der Benzinkocher mit dem ganzen Vorheizprozedere einfach zu kompliziert ist”, gibt es nicht mehr. Einfach Flasche ab- und Kartusche anschrauben und los geht’s.

Was noch aussteht, sind weitere Tests mit den anderen Flüssigbrennstoffen. Wir haben uns zunächst auf Gas und Benzin konzentriert, die Brennstoffe, mit denen wir meist auf Tour unterwegs sind (es sei denn, man nutzt einen Trangia-Kocher).

 

+ Einsatz verschiedener Brennstoffe ohne Düsenwechsel

+ einfaches Reinigen der Düse mithilfe der eingebauten magnetischen Nadel

+ Aluminiumpumpe mit Lindalventil (einfaches Verbinden mit dem Schlauchanschluss)

+ gute Regulierbarkeit beim Kochen

+ stabiler Stand auch beim Einsatz mit größeren Töpfen

+ / – kompaktes Packmaß: Für einen echten Mulitfuelkocher ist er klein zu verstauen; für alle, die bevorzugt eher einen Gaskocher suchen, gehört der Polaris eher zu den größeren Kochern

+ / – die Geräuschkulisse: Einige fühlen sich gestört, andere haben (oder nehmen sich) mehr Zeit zum Kochen und drehen den Polaris nicht voll auf. Die Dritten ignorieren das Geräusch, weil sie mehr Wert auf einen leistungsstarken und flexibel einsetzbaren Kocher legen.

P.S.: Es gibt für Kocher mit Prellplatten (MSR, Optimus, Primus…) im world wide web auch sogenannte Silent Caps von verschiedenen Anbietern, wie beispielsweise diese hier. Sie können die Kochergeräusche deutlich minimieren, aber, je nach Konstruktionsprinzip, wird der Flammring verändert und es kann auch zu Leistungseinbußen kommen.

 

 

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11 Kommentare

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    1
    Stephan | 14. Januar 2016, 13:24

    Dass der Kocher recht laut sein soll, habe ich auch schon anderen Ortes gelesen. Was bei dir und bei den anderen Test mir nicht klar wird, wie ist der Geräuschpegel mit Gas?

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    simone | 18. Januar 2016, 12:01

    Hallo Stephan,
    wenn Du den Polaris mit Gas nutzt, ist der Geräuschpegel etwas dezenter. Dann würde ich aber einen Vergleich mit anderen Gaskochern machen und in dem Vergleich hört man den Polaris heraus. Wobei es für mich immer auch schwierig ist, es genauer festzumachen. Wir empfinden Lautstärke ja alle etwas unterschiedlich. :)
    viele Grüße nach Frankfurt
    simone

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    Stephan | 19. Januar 2016, 12:58

    Danke.

    Ich habe mir jetzt den Omnifuel II besorgt. Der Grund war jetzt nicht der Lärm. Sondern in den verschiedenen Testberichten zum Polaris wurde mir der Eindruck vermittelt, dass die Gasnutzung leicht beeinträchtigt sein könnte. Mein Hauptbrennstoff ist Gas. Eigentlich habe ich seit Jahren kein Benzin genutzt. Mit dem Omnifuel fühle ich mich nach jahrelanger Multifuelnutzung auf der sicheren Seite.

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    simone | 26. Januar 2016, 13:41

    Dann lass es Dir schmecken und eine gute Zeit mit dem Klassiker Omnifuel. viele Grüße aus dem tapir – simone

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    Paweł | 25. Mai 2016, 22:53

    Kann man mit der Pompe in der Flasche reisen? Oder man muss die jedes Mal demontieren?

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    simone | 26. Mai 2016, 20:33

    Hallo Pawel, ja, wenn man will, kann man mit der Pumpe in der Flasche im Rucksack reisen. Ich geh mal davon aus, dass es nicht ums Fliegen bei Deiner Frage geht.
    viele Grüße aus dem tapir.simone

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    Paweł | 26. Mai 2016, 20:59

    Ich möchte diesen Kocher bei der Fahrradreisen benutzen. Die Flasche passt gut zum Flaschenhalter. Ich habe verstanden, dass die Flasche mit der Pumpe ist hermetisch und ich werde kein Benzin auf die Strasse ausgießen. Dein Test ist sehr gut geschrieben und ich kaufe den Kocher. Viele Grüße

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    simone | 26. Mai 2016, 21:42

    Dann hab viel Spaß mit dem Kocher auf Radtour!

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    Torsten H. | 18. Januar 2017, 13:09

    Hallo,
    ich habe den Kocher gestern bekommen und dann auch gleich einen Feldversuch gestartet. Mein alter Coleman Peak 1 Multifuel gegen den Optimus.
    Außentemperatur -7 Grad Celsius und relativ Windstill. Ziel war es einen Liter kaltes Wasser aus dem Wasserhahn zum Kochen zu bringen.
    Der Coleman hat es ohne Windschutz (keiner vorhanden und der mitgelieferte von Optimus passte nicht) auf 8,5 Minuten gebracht.
    Der Optimus hat es in 3 Minuten geschafft, wobei ich ca. die erste halbe Minute versehentlich nicht die volle Leistung aufgedreht hatte. Ich muss sagen ich war restlos begeistert von der Leistung und der einfachen Handhabung. Das Vorheizen ist überhaupt kein Problem gewesen, selbst bei den Minusgraden. Als Brennstoff habe ich handelsübliches Waschbenzin 100/140 verwendet. Verbrennt einwandfrei.
    Was die Geräuschkulisse angeht muss ich sagen, ja er ist etwas lauter, aber mich stört das weniger. Bin ja nicht im Tarnmodus bei der Bundeswehr. Man benutzt das Teil draußen auch unter widrigsten Bedingungen und da kommt es auf ein paar dB mehr oder weniger, meiner Meinung nach nicht an.
    Was für mich zählt ist die super Leistung und einfache Handhabung.
    Von der Vielseitigkeit mal ganz zu schweigen. Ich bin mir sicher, dass ich mit dem Kocher noch lange, viel Spaß haben werde.
    Viele Grüße

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    David | 11. April 2017, 22:49

    Hallo,
    ich habe das Problem, dass ich trotz zwei unterschiedliche Versuche durch zwei unterschiedliche Personen sowie zwei unterschiedliche Flughaefen jeweils die Flasche abgeben musste. Sitze nun in Suedamerika mit Kocher aber ohne Flasche.
    Hier vor Ort gibt es einen Laden, der hat aber nur MSR Flaschen. Gehen die auch oder wie sieht das mit der Benutzung von Flaschen anderer Hersteller aus?
    Vielen Dank schon einmal im Voraus
    David

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    simone | 12. April 2017, 17:07

    Hallo David,
    das klingt nicht so schön, die Pumpe und den Kocher haben sie Dir gelassen, die Flaschen sind weg?
    Wir haben uns unter den taprien beratschlagt: Wenn Gas keine Alternative ist – vielleicht haben sie ja auch die MSR-Kartuschen (mit Schraubgewinde) da im Store vor Ort – dann wirst Du wahrscheinlich keine andere Chance haben, es mit einer MSR-Flasche zu versuchen. Das haben auch schon andere getan. Es mag sein, dass es bei den Gewinden maginale Abweichungen gibt und die Dichtungen mit der Zeit Benzin tröpchenweise durchlassen (ich würde dann den Kocher immer losgelöst von der Flasche transportieren). Heißt, sobald Du eine Optimus-Flasche bekommen kannst, würde ich die Flaschen dann wieder austauschen.
    Firmenseitig wird davon abgeraten, dessen muss man sich bewusst sein. Sollte etwas passieren, verlischt jeglicher Anspruch auf Gewährleistung. Aber, ehe es gar michts Warmes geben wird?
    Viele Grüße aus dem tapir und eine schöne Tour!
    simone

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