Testbericht Salewa Alpine Hut IV

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planet tapir Manuel | 13. März 2015

Das Salewa Alpine Hut ist ein für vier Personen ausgelegtes, doppelwandiges Zelt in Hybridkonstuktion. Ich nenne es jedenfalls Hybrid, da es in der Konstruktion sowohl die sich im First kreuzenden 2 Gestänge eines Kuppelzeltes als auch weitere sich kreuzende Gestänge der Geodät-Bauweise vereint. Das Gestänge besteht aus Aluminium und es sind insgesamt 5 Stangen. Das Außenzelt besteht aus stabilem Polyestergewebe mit einer Polyurethanbeschichtung. Salewa hatte uns das Alpine Hut IV vor der Saison zur Verfügung gestellt und es kam Mitte Oktober im Karwendel-Gebirge auf unserer Testtour im Einsatz.

Zum Aufbau

Der Packsack ist von seinen Maßen her ausreichend groß genug, um Zelt, Boden, Heringe und das Gestänge stressfrei darin verstauen zu können. Eines kann man schon einmal vorweg nehmen: Für die komplex wirkende Konstruktion des Zeltes mit der sich mehrfach kreuzenden Gestängeführung gestaltete sich der Aufbau extrem einfach. Nur beim ersten Mal sollte man etwas mehr Zeit einplanen, denn das Zelt kommt in seinen Einzelteilen (Außenzelt, Innenzelt, Boden) aus dem Packsack.

Das Zelt lässt sich sicherlich auch mal alleine aufbauen, aber besser für’s Gestänge (im Hinblick auf die Langelebigkeit) ist es, das Zelt zu zweit aufzustellen. Das “biegt” die Bögen etwas gleichmäßiger. Die Gestänge sind zur schnellen Orientierung passend zu den Kanälen farbig markiert und die Gestängekanäle sind durchgängig vernäht. Das heißt: An den Kreuzungspunkten muss nicht zusätzlich gefädelt werden, wie man es von anderen Zelten kennt. Außerdem sind die Kanäle groß genug, um das Gestänge einfach und schnell und auch bei feuchten Außenbedingungen durchschieben zu können.


In der Praxis

Was gleich zu Anfang sehr positiv auffiel, war der großzügig bemessene Vorraum des Alpine Hut IV. Wir belegten das Zelt zwar nur zu zweit, aber es war offensichtlich, dass der Platz in der Apsis auch das Gepäck von 4 Personen locker aufnehmen können würde. Der Vorraum wird durch einen Boden aus robuster Nylonplane abgedeckt, die sich auch unter dem Boden des Innenzeltes fortsetzt. Somit ist man bei grobem Untergrund gut vor durchstechenden Steinen oder Zweigen geschützt. In unserem Fall stand das Zelt auf hartem, mit Steinen durchsetzten Waldboden, wo uns der doppelte Zeltboden sehr gelegen kam. Zudem besitzt der Vorraum zwei abdeckbare Fenster, die bei Bedarf zusätzliches Licht ins Zelt lassen.

Der Eingang des Salewa Alpine Hut IV ist mir auch positiv in Erinnerung. Er wird zum Schutz vor Niederschlag noch mal durch einen Bogen vom Außenzelt überspannt und ist dadurch ein Stück zurückgesetzt. Nur, wenn der Regen sehr schräg fällt, kann hier Nässe in den Vorraum gelangen. Beim Eingang an sich gibt es dann zwei Optionen: Entweder öffnet man den mittleren Reißverschluss, welcher einen schmalen und hohen Eingang zum Zelt gewährt, oder man entscheidet sich für die große Variante und öffnet mit dem zweiten Reißverschluss den Eingang über die gesamte Breite des Vorraums. Diese Variante empfiehlt sich sicherlich vor allem bei schönem Wetter und gewährt Panorama-Ausblicke aus dem Innenzelt heraus.

Das Innenzelt des Alpine Hut IV ist trapezförmig geschnitten und aus geschlossenem Polyestergewebe. Zur Rückseite des Zeltes hin ist es im oberen Bereich aus Meshgewebe gestaltet, was eine bessere Belüftung schafft. Was mir hier sehr gut gefallen hat, war die überragende Kopffreiheit nach oben. Im Innenzelt konnte ich bei einer Körpergröße von 1,77 m in der Mitte gebückt stehen! Zum Boden hin gibt es an den Seiten großzügige Taschen für Kleinigkeiten. Für uns zwei Personen bot das Innenzelt während der zwei Nächte mehr als ausreichend Platz. Auch für 3 Personen bietet es ein großzügiges Raumangebot und nimmt auch noch Ausrüstung auf. Bei 4 Personen wir es im Innenzelt schon kuschliger und wenn es sich um 4 sehr lange Menschen handelt, kann es hier eng werden. Das liegt hauptsächlich an der Trapezform des Innenzeltes, welche an den Seiten eher kürzeren Personen Platz bietet, wenn die Mitte belegt ist. Meinem Eindruck nach ist das Innenzelt vom Platz her ideal für 3 Erwachsene oder eine Familie mit zwei Kindern. 4 Erwachsene müssen beim Benutzen mit Abzügen beim Komfort rechnen.


Die Belüftung erfolgt auf der Rückseite des Alpine Hut IV über eine größere Öffnung oben im Außenzelt. Diese wird zum Schutz vor Regen von einer extra Plane überspannt. Hinter der Öffnung gibt es beim Innenzelt den schon erwähnten Mesheinsatz. Eine weitere, explizite Belüftungsöffnung gibt es nicht. Hier muss man dann den Reißverschluss des Außenzelteingangs öffnen, um die entsprechende Zirkulation zu gewährleisten. Wir hatten bei unserem Test nach einer Nacht mit ein paar Stunden Regen am nächsten Morgen eine verträgliche Menge Kondensfeuchtigkeit auf den Innenseite des Außenzeltes, die auch nach dem Aufstehen schnell wieder trocknete. In der anderen Nacht hatten wir einen warmen Föhnwind und somit am nächsten Morgen auch kaum Kondensation. Über die Feuchtigkeitsentwicklung mit mehr als zwei Personen im Zelt und bei längerem Regen kann ich leider keine Aussage treffen.

Eine Besonderheit des Alpine Hut IV ist die doppelte Bodenlösung aus Polyethylen. Einer der beiden Böden ist als reine Zeltunterlage in den Maßen des Vorzeltes geschnitten und an einer Seite am Innenzelt angenäht. Kein Problem beim Aufbauen. Außerdem lässt sich der Zeltboden im Eingangsbereich im Vorzelt zurückschlagen und stolperfrei zusammenrollen. Das durchgehende Groundsheet, ebenfalls aus Polyethylen, passt komplett unter das Innen- und das Vorzelt und kann mittels Knebelknöpfen am Zelt befestigt werden. Das ist nicht kompliziert und wenn man will, könnte man das Groundsheet auch zu Hause lassen und somit Gewicht einsparen.

 

Fazit

Das Salewa Alpine Hut IV ist ein geräumiges Zelt für 3 Personen mit komfortablen Isomatten oder kleine Familien mit einigem Gepäck. 4 Personen müssen halt mehr kuscheln und dürfen nicht alle „lange Kerls“ sein! Ideal als mobiles Heim für Bootstouren oder als Basecampzelt für Bergtouren. Durch die Hybrid-Konstruktion ist es sehr stabil und trotzt (vermutlich) auch stürmischem Wetter (war unter den Testbedingungen nicht wirklich auszuprobieren). Der durchgehende Unterboden schützt das Innenzelt effektiv auf schlechteren Untergründen.


Weiterschmökern:


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