Rejka – One Man Show

Wer sich vor dem Kauf eines leichten 2-Personen-Trekkingzeltes intensiv mit der Materie beschäftigt, der stolpert garantiert über das Antao II light. Manche vielleicht nur, weil es relativ niedrig ist und deshalb in einer Zeltausstellung den Stolperfallen-Radar unterfliegt. Die meisten wohl aber aus anderem Grund: „Wie jetzt – ein Nylon/Silikon-Zelt, das 2.300 g wiegt und deutlich unter 300,-€ kostet? Wie geht denn das?“ Unsere Standardantwort auf diese Frage bezieht sich dann eher auf die Marke als auf das Zelt, erklärt das Phänomen aber zu 100%: „Rejka ist halt eine One-Man-Show!“.

Entwicklungsabteilung, Materialeinkauf, Skizzenzeichnungsbüro, Musternäherei, Logistik, Vertrieb sowie Reparatur- und Serviceabteilung haben alle nur einen Mitarbeiter und der heißt immer REiner KAnzewitsch! Das J in der Mitte wurde aus ästhetischen Gründen der Markenbezeichnung hinzugefügt – diese Zusatzausgabe konnte aber durch den kompletten Verzicht auf eine Werbe- und Marketing-Abteilung mehr als kompensiert werden.

Ein wichtiger, oben noch nicht angeführter Teil der „multiplen Persönlichkeit“ Reiner Kanzewitsch ist die Rolle als persönlicher Kundenbetreuer. Als solcher war er im tapir. Für das Jahr 2015 hat er eine leichte Modifikation des Antao III light HC vorgestellt: Das Zelt, das der Rejka-Macher selbst als sein Lieblingszelt bezeichnet, bekommt am Fußende deutlich mehr Raum durch einen etwa 10 cm höheren Gestängebogen. Erst für 2016 deuten sich dann komplett neue Modelle an – hier haben wir mit Herrn Reiner Kanzewitsch, Leiter der Abteilung Marktforschung bei Rejka, unsere Wünsche und Vorstellungen besprochen. Allerdings haben beide Seiten dazu noch Stillschweigen vereinbart.


Da nun bis zum Ende des gemeinsamen Kaffees noch Zeit war, haben wir vom Leiter des Rejka-Firmenarchivs, Reiner Kanzewitsch (52), auch noch was zur Rejka-Vergangenheit erfahren: Die ersten vier Rejka-Modelle gab es im Jahr 1997 – produziert werden konnten sie durch die Kontakte, die der Importeur Reiner Kanzewitsch zuvor bei der Produktion anderer Camping-Artikel geknüpft hatte. Entwickelt wurden sie aber aus der Überzeugung heraus, dass man gute Trekking-Zelte auch günstiger herstellen kann als das der Markt im Rejka-Gründungsjahr widerspiegelte. Noch heute werden Rejka-Zelte in der gleichen Fertigung nördlich von Ho-Chi-Minh-Stadt produziert wie 1997. Dort wissen sie, worauf der Qualitätskontrolleur Reiner Kanzewitsch besonderen Wert legt: Bei den silikonisierten Zelten, die es seit 2009 gibt und die heute die Bestseller der Marke sind, achtet er vor allem auf saubere Nähte mit möglichst kleinen Nahtlöchern, die von den aufquellenden Nahtfäden zuverlässig verschlossen werden können. Immerhin gibt es auf Rejka-Zelte 5 Jahre Garantie und die Wasserdichtigkeit des Zeltes ist natürlich eine zentrale Komponente dieses Qualitätsversprechens. Der Konstrukteur Kanzewitsch würde übrigens am liebsten mit Aluminiumgestängen vom Marktführer DAC arbeiten, aber sein Materialeinkäufer R. Kanzewitsch musste ihm diesen Zahn leider ziehen: Für die Mengen, die Rejka abnehmen kann, wirft DAC seinen Maschinenpark leider gar nicht erst an. Letztlich tragen aber auch die Gestänge des koreanischen Alternativ-Lieferanten zur minimalen Reklamationsquote bei.

Obwohl die Qualität der Rejka-Zelte und vor allem die dafür verlangten Preise von Anfang an stimmten, war der Start in den Markt sehr zäh. Erst als im April 2000 das „Antao III“ Testsieger im Outdoor-Magazin wurde, kam Bewegung in die Sache. 2011 dagegen war das Echo auf den „Outdoor Kauftipp“ für das Antao II light deutlich verhaltener als die Effekte, die aus vielen positiven Besprechungen in Internet-Foren resultierten. Dort bekommt man manchmal den Eindruck, es gibt reinweg keine Alternative zum kleinen Rejka-Tunnel. Wer aber in einem solchem Forum über das Antao II light stolpert, sollte es sich vor dem Kauf in unserer Zeltausstellung ansehen – es ist ein tolles Zelt für Minimalisten, aber geräumig geht anders! Ach übrigens: Was war noch gleich das Lieblingszelt des Firmengründers, Hauptgesellschafters und CEOs von Rejka, Herrn Reiner Kanzewitsch ???


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