Woolpower Crewneck 200 – absolutes Lieblingsteil 2015

Ich gebe zu: Ich bin an sich eher schnell zu begeistern, insbesondere dann, wenn es sich um neue Ausrüstung handelt. Nichtsdestotrotz taucht hin und wieder ein Teil bei uns im tapir auf, dass es mir ganz besonders antut. Das CREWNECK 200 von Woolpower (bei uns im tapir in grau) geht neben den anderen bunten Merinoshirts optisch fast unter – doch wo die Farbe fehlt, punktet das Woolpower-Langarmshirt mit durchdachtem Design und geballter Funktion.
Wärmespeicher mit Temperaturregulierung
Dass Merinowolle schön warm hält und dabei auch nach längerer Benutzung auf Tour nicht gleich müffelt, hat sich auf dem Outdoor-Markt schon seit einiger Zeit herumgesprochen. Der Wollspezialist Woolpower aus dem schwedischen Östersund (einige Tapire waren schon mal da) verwendet für seine Kleidung, so auch für das Crewneck 200, Ullfrotteé Original, das aus einem Materialmix aus Merinowolle und einer Auswahl an Syntetikfasern besteht. Die 60% Merinowollenanteil sorgen für einen schnellen Feuchtigkeitsabtransport vom Körper und verhindern zugleich, dass Wärme entfleucht. Hier spielt die bewährte Webtechnik von Woolpower eine entscheidende Rolle: Dank der speziell umgelegten Schlaufen bildet sich ein wärmendes Luftpolster. Gewissermaßen ist Luft also auch Bestandteil des Materials. Leider ist die Merinofaser an sich nicht so stabil wie einige künstlich hergestellte Fasern. Polyester (25%) und Polyamide (13%) machen das Crewneck daher wesentlich widerstandsfähiger, Elastan (2%) verbessert die Passfrom. All diese Stoffe zusammen ergeben ein feuchtigkeits- und temperaturregulierendes Material, das auch nach Tagen im Einsatz nicht riecht und zugleich abriebfest ist.

Auf Tour machen die Details den kleinen, aber feinen Unterschied. Im windigen Schottland war ich von den eng anliegenden Ärmelstulpen sehr angetan, die ein Auskühlen der Arme durch Wind verhinderten. Auch ist das Crewneck durch seinen Rundhalsausschnitt geradezu prädestiniert zum Daruntertragen (wer am Hals lieber einen hohen Kragen hat, kann sich das Woolpower Turtleneck aus dem gleichen Materialmix anschauen). Als überaus angenehm empfand ich außerdem den länger geschnittenen Rücken, der sich beim Erklimmen der schottischen Hügel als sehr vorteilhaft erwies.


Kombinations-Knaller mit Weste
Auf Tour war ich von dem Crewneck insbesondere in Kombination mit einer Softshell-Weste wie etwa der Approach Vest von Marmot sehr angetan. Seit einiger Zeit finden Westen unter den tapiren immer mehr Freunde – denn einerseits wärmen sie den Torso (z.B. bei einer mit Kunststoff gefüllten Variante), andererseits sind sie bei hochpulsigen Aktivitäten wie etwa beim zügigen Bergaufgehen sehr angenehm. Das Crewneck ließ sich hervorragend mit einer Softshell-Weste und Mütze kombinieren. So war der Oberkörper effektiv vor Wind und Regen geschützt, während es an den Armen nicht zu kühl wurde. Aufgrund der speziellen Webart des Crewneck und den dabei entstehenden “Löchern” kommt an den Armen zwar etwas Wind durch, doch empfand ich das gerade an schweißtreibenden Tagen als sehr angenehm. Wird es zu warm, kann man die Arme kurzerhand nach oben schieben – effektives, schnelles Temperaturmanagment und für mich der klare Vorteil eines Langarmshirts.

Schlafanzug mit Kuschel- (und Kratz-?) Faktor
Letztendlich ließ sich das Crewneck dank seines körpernahen Schnitts auch hervorragend als improvisierter Schlafanzug einsetzen, wenn die Nacht doch mal etwas kälter war als geplant. Gerade in Kombination mit den Woolpower 200er Long Johns eine sehr kuschelige Erfahrung. Für gewöhnlich schlafe ich im Schlafsack sehr ungern mit zusätzlichen Kleiderschichten, da sich diese nicht gerade förderlich auf meinen Schlaf auswirken; ich war daher angenehm überrascht, als das Crewneck nachts der perfekte Schlafanzug war. Die temperaturregulierenden Eigenschaften der Wolle empfand ich auch hier wieder als ausgesprochen angenehm.
Um in den Genuss dieses Schlafanzugs zu kommen, sollte man allerdings nicht allzu wollempfindlich sein, denn das Crewneck 200 gehört zweifelsohne zu den kratzigeren Merinoshirts. Wer hier eher sensibel ist und dennoch Nutzen aus den Vorteilen von Merinowolle ziehen möchte kann sich bei Icebreaker, Smartwool oder Ortovox umschauen. Letztere baut sogar eine spezielle Linie mit minimaler Auflagefläche der Wolle auf der Haut, die nahezu nicht kratzt und sehr kuschelig ist (tapir Ander war von den 240er Ortovox Long Sleeve sehr begeistert).

Die selbstreinigende Merino-Faser stellte außerdem immer wieder sicher, dass man das ich das Crewneck 200 viele Tage hintereinander – und ggf. noch in der Nacht! – tragen konnte. Ein kurzes Auslüften reichte, um es wieder einsatzbereit für den nächsten Tag zu machen.


Zusammenfassung
Auf meiner diesjährigen Schottland-Tour hat sich das Crewneck 200 als ein großartiger Allrounder erwiesen. In Kombination mit der Softshell-Weste war es beinahe der ganzen Bandbreite des schottischen Wetters gewachsen (mit der Ausnahme von schwerem Regen). Nachts doubelte es als Schlafsack-Inlett und ließ sich schnell und unkompliziert durch Lüften wieder einsatzbereit machen. Die durchdachte Konstruktion wie die abschließenden Ärmel und der lange Schnitt ließen mich meine anderen Merinoshirts schon bald vergessen. Je länger die Tour dauerte, desto öfter blieben sie im Rucksack.

Mein persönliches Fazit:
Ein einfacher Klassiker ohne viel Geschnörkel, der dem Namen Funktionsbekleidung alle Ehre macht.

 

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