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Teaserbild: Das Hilleberg Unna im Praxistest in Ladakh – Klein, aber oho!

Das Hilleberg Unna im Praxistest in Ladakh - Klein, aber oho!

Markus ist treuen Bloglesern schon lange kein Unbekannter mehr. Im Herbst war er wieder auf Tour und weilte mehrere Wochen in Ladakh. Mit ihm auf der Reise in den Norden von Indien war das Unna von Hilleberg, das für diese Zeit zu seinem mobilen Haus geworden ist. Neben seinem differenziertem Fazit haben uns vor allem auch seine Bilder begeistert: ein rotes Zelt in einer Hochgebirgslandschaft, das zudem in seinem Handling auf Tour einfach nur überzeugend ist. Doch lest selbst:

Ich war auf der Suche nach einem neuen Zelt. Bislang konnte ich ein Vaude „Space 1“ mein Eigen nennen, das mir fast 10 Jahre treue Dienste in vielen abgelegenen Trekkingregionen der Welt geleistet hatte. Nachdem sich die Nähte langsam auflösten, erste Reisverschlüsse kaputt gingen und die Beschichtung des Außenzeltes porös wurde, musste dringend gehandelt werden: Im Rahmen meiner Masterarbeit sollte es 2 Monate in die Region Ladakh im Trans-Himalaya gehen, speziell auf den Markha Valley Trek, der als populärster Trekkingwanderweg von Ladakh gilt.


Aber wie sollte das Zelt aussehen? Welche Eigenschaften sollte es haben? Und was für ein Gewicht war ich maximal bereit zu tragen? Diese Grundsatzfragen beschäftigten mich schon Monate vor meiner Reise und ich kam zu folgenden Ergebnissen:

Mein Traumzelt sollte stabil und gleichzeitig leicht sein, klein vom Packmaß und im Notfall auch mal 2 Personen  beherbergen können. Wenig Schnickschnack, viel Qualität und Zuverlässigkeit standen auf der einen Seite, ein Gewichtslimit von 2 Kilo auf der anderen Seite. Als Fan freistehender Kuppelzelte gab es schon eine grobe Richtung… und so stieß ich schließlich auf das Unna von Hilleberg.

 

Allgemeines zum Hilleberg Unna

Zugegeben: Das Unna ist kein Zelt, auf das es die breite Masse abgesehen hat. Es ist ein 4-Jahreszeiten-taugliches Kuppelzelt für eine Person, das für minimalistische Alpinisten, Paddler oder Tourenradler ausgewiesen ist. Mit seinem puristischen Design kann man es trotz seiner Einfachheit als unscheinbare Schönheit bezeichnen.

Geliefert wird das Unna neben dem Außen- und Innenzelt mit 2 von Hilleberg gefertigten und sehr robusten Featherlite-DAC-Gestängebögen, sowie 12 V-Peg-Heringen aus gehärtetem Aluminium. Es bringt mit dem optional erhältlichen Footprint, den ich ebenfalls bei meiner Testtour verwendet habe, insgesamt 2,3 Kilogramm auf die Waage. Das Außenmaterial besteht aus dem von Hilleberg entwickelte Kerlon 1200, das zu den widerstandsfähigsten und reißfestesten Materialen auf dem Markt  zählt. Der dazugehörige Packsack ist ausreichend groß, um das Unna auch mit bereits befestigtem Footprint unkompliziert verstauen zu können.

Stutzig gemacht haben mich bei der ersten Inspektion das Fehlen einer Apsis und auch die Frage, ob im Notfall wirklich zwei Leute (plus Rucksäcke) in das Zelt passen. Gespannt war ich auch auf das Belüftungssystem, das ich ausgiebig in Ladakh testen wollte.


Allgemeines zu den Bedingungen im Testgebiet Ladakh

Für eine umfangreiche Untersuchung unter verschiedenen Bedingungen war ich fast 2 Monate im Himalaya, konkret in der Region Ladakh im indischen Bundesstaat Jammu & Kaschmir im September und Oktober 2015, unterwegs. Der erste richtige Einsatz des Unna erfolgte auf dem Markha Valley Trek, wo ich meine Feldforschung für die Masterarbeit durchführte. Die Bedingungen waren „hochgebirgig“. Eisige Winde, aber meist strahlend blauer Himmel, in dem sich das Unna mit seinem feurigen Rot gut abhob und photographisch ablichten ließ. Ich habe auf Höhen zwischen 3300 Meter und knapp 5000 Meter gezeltet. Die Temperaturen lagen nachts bei bis zu -15 °C. Das Unna kam auch als Basecampzelt für die Stok-Kangri-Besteigung zum Einsatz. Außerdem nutzte ich es für Ausflüge zu den berühmten Seen von Ladakh in den Changthang Wetlands, darunter der Pangong Tso an der Grenze zu Tibet.

 

Aufbau, Windstabilität, Abbau

Es gibt wenige Zelte, die so schnell aufgebaut werden können wie das Unna. Man fädelt die beiden Gestängebögen ein, strafft die von Hilleberg entwickelten Kanalspanner und schon steht das Zelt. Die freitragende Konstruktion muss dann nur noch an den 4 Seiten abgespannt werden. Die federleichten Heringe ließen sich auch bei hartgefrorenem Boden wunderbar mithilfe eines Steines anbringen. Genauso hatte ich mir das vorgestellt! Auch exponierte Orte, die viel Angriffsfläche boten, konnten dem Unna auf meiner Tour nichts anhaben. Am Pangong Lake hatte ich beispielsweise zum späten Nachmittag starke Winde. Das Unna aber stand wie eine Eins. Ich konnte mich absolut auf das Zelt verlassen.

Einziger kleiner Minuspunkt: An den Längsseiten ließen sich die Heringe in der Mitte des Zeltes relativ schlecht anbringen. Mit den dafür vorgesehenen Laschen konnte man zwar die Belüftung des Zeltes sehr gut steuern, zum Befestigen zusätzlicher Heringe war dies aber eher suboptimal. Wenn die unteren Heringe weggelassen wurden, fing das Material bei starkem Wind an zu flattern.

Für mich war vor Beginn der Tour ebenfalls wichtig, dass ich Außenzelt und Innenzelt nicht separat aufbauen muss, sondern dass beide immer miteinander verknüpft sind. Das ist beim Unna ohne weiteres möglich – das Innenzelt blieb während der gesamten Reise eingehängt.

Der Abbau lässt sich noch schneller erledigen als der Aufbau: Heringe und Gestängebögen herausziehen, Zelt zusammenlegen und ab damit in den ausreichend großen Packsack – fertig! Bei starkem Wind habe ich meist einen Hering zur Sicherheit verankert gelassen, damit das Zelt nicht wegfliegt.


Gewicht

Mit etwas über 2 Kilogramm ist das Unna sicherlich nicht das Leichtgewicht unter den 1-Personen-Zelten. Betrachtet man aber andersherum die verfügbare Fläche von 230 x 110 cm, kommt wohl kein 1-Personen-Zelt an den Komfort des Unna heran. Es bietet sehr viel Platz für Rucksack, Ausrüstung und Schlaffläche. Besonders bei meiner Mini-Expedition auf den Stok Kangri spielte es seine Vorteile voll aus, da ich mit Steigeisen und Eispickel sowie Thermobekleidung noch etwas mehr Equipment dabei hatte als auf dem Markha Valley Trek. Alles passte bequem neben meinen Schlafplatz. Das Verhältnis von Gewicht und Packmaß zu Komfort würde ich deshalb mit einem „Sehr gut“ bewerten.

 

Komfort und Handhabung

Für eine einzelne Person ist der Zeltinnenraum luxuriös. Das trifft vor allem auf Leute zu, die nicht so groß sind. Ich passe mit meinen 178 cm sehr bequem hinein und bekomme auch einen 25-Kilo-Rucksack plus Wanderschuhe und Trekkingstöcke oder Eispickel ohne Probleme unter. Laut Beschreibung des tapir passen zur Not auch 2 Personen in das Unna, aber dann wird es wahrscheinlich schon etwas eng. Wenn sie klein und in wärmeren Gebieten mit wenig Gepäck unterwegs sind, mag das noch ganz gut gehen. Ich kam bei meiner Reise nicht in Verlegenheit, das Zelt mit einer anderen Person zu teilen, werde aber versuchen, dies im nächsten Sommer zu testen und bei Gelegenheit ein Update dazu schreiben.

Eine Apsis ist für einen einzelnen Nutzer nicht wirklich von Nöten. Ein mögliches Problem könnte höchstens schrägfallender Regen darstellen, der beim Öffnen des Zeltes in das Innere eindringt. Da könnte man aber Abhilfe leisten, indem man einfach einen Teil des Innenzeltes mithilfe der Knebel aushängt. Dies ist auch eine gute Option, wenn beispielsweise die Wanderschuhe schmutzig sind und nicht mit ins „saubere“ Innenzelt genommen werden sollen.

Das Unna besitzt nur einen Eingang. Diesen kann man aber besser mit dem Wort Galeriefenster beschreiben. Es lässt sich fast die gesamte Längsseite öffnen und beschert dem Nutzer einen riesigen Panorama-Rundblick beim Aufstehen. Die Reißverschlüsse lassen sich butterweich öffnen und haben auf meiner Tour kein einziges Mal geklemmt. Ein großer Vorteil ist dabei, dass sich die Reißverschlüsse sowohl von unten, als auch von oben öffnen lassen. Das Öffnen funktioniert auch mit Handschuhen ganz gut. Mithilfe der federleichten Knebel kann man den zusammengerollten Eingang bequem an der Längsseite des Zeltes anbringen.

Was mir noch gefehlt hat, war eine kleine Einrichtung, um Gegenstände wie eine Stirnlampe an der Zeltdecke aufzuhängen. Dies ist gerade bei Nacht beim Umziehen eine praktische Sache,  die ich noch von meinem alten Vaude „Space 1“ gewohnt war. Es gibt aber an der Zeltdecke des Unna kleinere Laschen, in denen man theoretisch etwas befestigen kann. Eine kleine Seitentasche für Wertsachen und andere Kleinigkeite nahe des Zeltbodens rundet die Unterbringungsmöglichkeiten des Unna ab.

 

Belüftung

Die Belüftung lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: Sie funktioniert! Gerade auf großen Höhen habe ich die Belüftung eingesetzt und hatte nie Probleme mit Kondenswasser. Der Nutzer kann einfach in der Mitte der Längsseiten einen kleinen Teil des Zeltes einrollen und diesen mithilfe eines metallenen Ringes befestigen. Der Dachlüfter ist an der Oberseite des Eingangs „installiert“ und wird mit einem Reißverschluss problemlos bedient. Ich habe diesen aufgrund der angenehmen bis kalten Temperaturen aber kaum nutzen müssen. Hier sei der Fairness halber erwähnt, dass es während meines Aufenthaltes auf dem Markha Trek kein einziges Mal geregnet hat und das Unna demzufolge auch keiner besonders hohen Luftfeuchtigkeit Widerstand zu leisten hatte. In Ladakh als Hochgebirgswüste war das jedoch auch nicht anders zu erwarten. Es gibt in der Region zudem keine gefährlichen Mückenarten, sodass das Moskitonetz im oberen Teil der Tür ebenfalls nicht genutzt wurde und nur als zusätzliche Belüftung zum Einsatz kam.

Da es am Ende der Tourismussaison in Ladakh gegen Anfang Oktober bereits sehr kalt wurde, war für mich eher entscheidend, dass das Zelt nicht zu viel Wärme nach außen abgibt. Darum galt es meist, alle Eingänge zu schließen, damit kein Wind oder große Kälte in das Zelt eindringen. Und tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass das Innere des Zeltes deutlich wärmer als die Umgebungstemperatur war.


Preis-Leistungs-Verhältnis

Zum Abschluss die Gretchenfrage: Wie sieht das Zelt preislich aus? Mit Footprint kostet das Unna aktuell stolze 730,- Euro. Fasst man die Ergebnisse des Berichtes zusammen, wird deutlich, dass Qualität auch ihren Preis hat. Die spezifischen Hilleberg’schen Herstellungsformen und die ausgetüftelten Details des Unna heben es von den Zelten vieler anderer Hersteller im gleichwertigen Segment ab. Der Preis ist trotzdem sehr hoch und man sollte sich die Fragen, die ich mir vor dem Zeltkauf gestellt habe, auch durch den Kopf gehen lassen und danach entscheiden, ob das Unna für diese Art von Einsätzen auch genutzt wird. Denn nur dann kann es seine Stärken richtig ausspielen und ist jeden Cent wert.

 

Alles Unna – oder was? Fazit!

Ich habe ein Zelt gesucht, das mit jeder Situation zurechtkommt, in dem ich mich wohl fühle und das mir das Gefühl gibt, dass es kein schlechtes Wetter gibt, wenn man die richtige Ausrüstung  besitzt. Dieses Gefühl hat mir das Unna gegeben. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie es sich in den nächsten Jahren bewährt und ob es den ersten Eindruck von der Robustheit und Standhaftigkeit beibehält, den es im Himalaya eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Zusammenfassend hier noch einmal meine persönliche Bewertung zu einzelnen Komponenten:

+ einfacher, schneller Aufbau

+ Stabilität/Robustheit

+ Komfort bei einer Person

+ Innenzelt und Außenzelt problemlos abbaubar und separat aufbaubar

+ absolut hochgebirgstauglich

+ schickes Design, die rote Farbe hebt sich gut ab (auch sicherheitstechnisch relevant)

+ (gegebenenfalls Gewicht bei 2 Personen)

+-  Preis

+- keine Apsis

+- Gewicht bei einer Person (es gibt leichtere 1-Personen-Zelte wie das Hilleberg Enan)

– Ablage für Stirnlampe/Taschenlampe im Innenzelt an der Decke fehlt

– Flattern im Wind in der Mitte der Längsseiten (keine extra Halterung für Heringe)

– (Komfort bei 2 Personen)

 

 

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