Testbericht: Auch ohne G-1000® absolut genial – auf Tour mit dem Trekkingrucksack Abisko von Fjällräven

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planet tapir stefan | 3. Februar 2016

Fjällräven kann auch ohne G-1000® top sein? Oh ja, wie beim Trekkingrucksack Abisko 65 wunderbar zu testen war! Ich hatte das Vergnügen bei der Ostseetestour 2015.

Den Abisko hatte ich bis dato nur bei diversen Beratungen mit Kunden sondiert und vorgeführt, jedoch nie länger getragen, geschweige denn mehrfach ge- und entpackt. Also war ich sehr froh, gerade diesen herrlich blauen Rucksack in mein mausgraues The-North-Face-Outfit einfügen und testen zu dürfen, zumal er mir bei den kurzen Trockenübungen im tapir auch noch sehr gut zu passen schien. Wie begeistert man von einem Rucksack ist, hängt natürlich extrem von seiner Passform ab. Denn egal, welche tollen Features er hat und wie gering sein Eigengewicht ist oder welche tollen Argumente auch immer gebracht werden: Wenn er drückt und kneift, will man ihn nicht länger tragen und würde ihn auch nur schwer weiterempfehlen. Bei diesem Drei-Tages-Trip stellte sich meine Fjällräven-Rucksacktauglichkeit jedoch heraus. Zum Glück!

Größe & Volumen

Der Abisko 65 war für mich in der kleinsten Rückeneinstellung bei einer Körpergröße von 1,73 m genau richtig. Kleinere Personen sollten ruhig die Frauenvariante Abisko 65W oder – wenn nicht so viel Packvolumen benötigt wird – den Abisko 55 ausprobieren. Sehr Großgewachsene könnten zum Abisko 75 greifen. In Sachen Einstellmöglichkeiten steht er den anderen Modellen der altbekannten Firmen in nichts nach. Mit einem Gewicht von ungefähr 2200 g ist er vielleicht nicht der allerleichteste, aber für die Robustheit, die man bekommt und mit dem verstärkten Boden, welcher den Abisko in jeder Gelegenheit sicher stehen lässt, zählt er keineswegs zu den Schwergewichten. Ich hatte insgesamt 19 kg zu schultern, was für diesen Rucksack überhaupt keine Schwierigkeit darstellte. Ich hätte auch bedenkenlos fünf weitere Kilos mitnehmen können. Ich bin mir sicher, er würde genauso souverän auf seinem Boden stehen und gut am Rücken sitzen.

Tragesystem

2015 hat Fjällräven das Tragesystem des Abisko noch einmal überarbeitet. Das Aluminiumgestänge sorgt im Zusammenspiel mit dem recht breiten Hüftgurt nach wie vor für eine hervorragende Lastenverteilung. Statt einer durchgehenden Rückenpolsterung sorgt nun zusätzlich ein stärker segmentierter Schaumstoff für Tragekomfort. Die Polster liegen vor allem am Schulterblatt, wobei auch der Hüftgurt und die Schulterriemen sehr großzügig damit ausgestattet sind. Sie sind vor allem zu Beginn schon deutlich spürbar und erzwingen – je nach Statur des Trägers – eine leicht nach vorn gebeugte Haltung. Aber das eher subtile Druckgefühl verschwindet schon nach ein paar Minuten und weicht fast schon einem Wohlgefühl (- sofern das bei einer Beladung mit 15 bis 20 kg möglich ist). Der Verzicht auf eine durchgängige Rückenplatte bewirkt zusätzlich eine sehr gute Belüftung. Trotz der starken Polsterung schaukelt sich der Abisko nicht am Rücken auf! Auch das ergibt zusammen mit dem schlanken, armbewegungsfreundlichen Design einen großen Pluspunkt auf der Tragekomfortskala. Wenn der Rucksack zum Rücken passt, überzeugt er auf dieser Linie voll und ganz.


Ausstattungsdetails

Gerade die runde Form des verstärkten Bodens (Material: 500D Polyamid), ähnlich einer Tonne, sorgt auch auf feuchtem Untergrund für einen guten Stand und vereinfacht das Packen. Womit wir beim nächsten absoluten Pluspunkt angelangt sind: Wenn man den Rucksack auf den Rücken legt, kann man den kompletten Frontbereich über zwei, auch mit Handschuhen sehr gut bedienbaren, seitlichen Reißverschlüsse öffnen. Sie beginnen direkt unterhalb des Deckels, wo ein zusätzliches breites Klettband für die Fixierung im ungeöffneten Zustand sorgt, und reichen bis kurz über den verstärkten Boden. Die fast kofferartige Bedienung ist wirklich großartig und entschärft nicht nur das Be- und Entpacken, sondern auch das Finden des gerade gesuchten Ausrüstungsteils.

Für alle Sachen, die nicht ins Hauptfach passen oder aus strategischen Gründen lieber außen angebracht werden sollten, bietet der Abisko viele kleine nützliche Haken, Schlaufen und Taschen. Sehr gelungen sind die vier an einer Lochleiste variabel zu fixierenden Steckschließen, welche sich z.B. zur seitlichen Isomatten-, Trinkflaschen- oder Ausrüstungsbefestigung eignen. Natürlich kann damit auch das Volumen der Hauptkammer reduziert werden, wenn man den Rucksack mal nicht so voll belädt. Permanent im Einsatz waren die seitlichen Hüftgurttaschen, in denen Telefon, GPS und meine Notzuckerration Platz gefunden haben. Als genauso nützlich haben sich die zwei seitlichen, geräumigen Trinkflaschentaschen erwiesen – obwohl man auch eine Trinkblase innen verstauen und den Trinkschlauch nach außen legen kann. Das größte Volumen abgesehen vom Hauptfach bietet die mit einem Reißverschluss zu öffnende Fronttasche. Hier würden Regenhose plus Jacke ohne Zweifel Platz finden, sie sollte aber nicht zu schwer sein, damit der Rucksack nicht unnötig nach hinten gezogen wird.
Auch das geräumige Deckelfach nimmt zahlreiche Utensilien auf. Es ist höhenverstellbar, wodurch es immer perfekt auf das Hauptfach passt, und zweigeteilt: Die von außen zugängliche Tasche ist mit einem abgedeckten Reißverschluss versehen und die über die geöffnete Deckelklappe zu erreichende Tasche ist aus Mesh-Gewebe gefertigt und wird ebenfalls mit einem Reißverschluss verschlossen. Hierin können Reiseunterlagen oder die 1.-Hilfe-Ausrüstung untergebracht werden. Auf dem Deckelfach befindet sich schließlich noch eine Gummispinne mit Tankazug. Mit ihr kann man z.B. spontan entledigter Bekleidung oder Ausrüstung Herr werden – ein Feature, das bei unseren zwei Wasserpassagen zur mehrere hundert Meter vom Ufer entfernten Fähre bzw. von ihr runter so richtig nützlich wurde! So wurde das Handtuch gleich daruntergeklemmt und war zurück am trockenen Ufer sofort zum Abtrocknen griffbereit.

Fazit

Der Abisko (55W / 65 / 65W / 75) ist ein Einkammerrucksack in zunächst erst mal puristisch anmutendem Design. Sinnvolle Detaillösungen wie der standfeste, verstärkte Boden, der komfortable Frontzugriff oder die höhenvariablen Kompressionsriemen überzeugen sofort. Das Tragesystem ist hervorragend gepolstert, dabei trotzdem sehr stabil und sorgt für eine tolle Lastenübertragung. Mit kleinen, aber sehr feinen Detaillösungen (elastische Flaschentaschen mit Weitenregulierung, robuste Materialschlaufen, sinnvolle Zusatztaschen – um nur einige zu nennen) punktet Fjällräven zusätzlich. So bleibt der Abisko aufs Wesentliche reduziert und vor allem optisch wirkt er sehr clean, doch er spielt in Sachen Ausstattung und Tragegefühl definitiv in einer ganz hohen Liga mit!


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Kommentare

  1. avatar
    1
    Rabanus | 5. Februar 2016, 15:08

    Ein sehr schöner Bericht Stefan. Hat Freude gemacht beim Lesen!

    Ich hoffe ja insgeheim immer noch, dass es irgendwann einen Bericht zum Tatonka Rucksack von Markus gibt, der sieht einfach so schnieke aus und ich würde gerne wissen, wie er sich getragen hat.

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