Die kleinen Helferlein für unterwegs – mit Geschirr und anderen Küchenutensilien auf Tour

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planet tapir outdoor-szene LE Simone | 1. September 2016

Treuen Tapirkunden ist es bestimmt schon aufgefallen, dass die Küchenecke im Laufe der Jahre immer größer, die Produktpalette immer breiter geworden ist. Unter den Käufern sind dabei schon lange nicht mehr “nur die Camper”, also diejenigen unter uns, die mit dem Auto oder Wohnmobil auf Tour gehen. Auch in vielen Backpacks und Kanusäcken sowie in Radtaschen finden sich immer mehr Küchenuntensilien wieder. Die Zeiten, in denen man Trekkingnahrung aus der Tüte oder gemeinsam aus dem Topf gegessen hat, scheinen – abgesehen von den Ultraleichtwanderern und Sologehern – vorbei zu sein. Selbst auf Touren, bei denen man mehr als 7 Tage autark unterwegs sein möchte und damit der Blick auf die Waage beim Packen eher zweimal erfolgt, finden kleine Dinge, die das Outdoorleben ein Stückweit komfortabler gestalten, ihren angestammten Platz im Rucksack.


Essen hält Leib und Seele zusammen! Diesen Spruch kennt jeder; und gerade wenn man mit Kindern unterwegs ist oder auf Tour belastungsmäßig an die Grenzen kommt, kann der Speiseplan, die Aussicht auf Wohlschmeckendes am Abend die letzten Meter leichter, ningelnde Kinder wieder entspannter werden lassen. Deshalb sind bei der Planung nicht nur Überlegungen zum Proviant (Menge, Gewicht, Platzbedarf), sondern auch zur Küchenausstattung auf Tour notwendig (funktionsfähiger Kocher, Brennstoff nachkaufbar (?), Besteck, Tassen, Schüsseln und/oder Teller). Werfen wir doch mal einen virtuellen Blick in die Taschen und Rucksäcke einiger tapire und machen eine kleine, spontane Umfrage:

Bernd (3 Wochen Radtour in Polen): Was ich dabei hatte? – Na, so wenig wie nur möglich! Kleines Holzbrettchen, die geliebte Holztasse, ein kleines Taschenmesser und einen Löffel aus Olivenholz – gegessen wurde gemeinsam aus dem Topf.

Isabel (auf 6 wöchiger Rucksacktour mit Sohn in Indien): Faltgeschirr (Schüsseln und Teller – leider gibt es das nicht mehr zu kaufen), Plastetassen und Opinelmesser sowie das Besteck aus Kunststoff (Polycarbonat). Es wurde gemeinsam gekocht, dafür hatte ich neben dem Topf auch extra eine kleine Pfanne dabei. “Quetschtuben” mit Marmelade gefüllt dürfen auf keiner Tour fehlen.

Simone (Rucksacktouren): Egal wohin es geht und wie lange ich unterwegs bin: Wenn es aufs Gewicht ankommt, weil ich selber alles tragen muss, dann habe ich nur einen Edelstahltopf mit Pfanne als Deckel dabei (noch aus dem letzten Jahrtausend). Gegessen wird aus dem Topf oder aus der Tüte, wenn auf jedes Gramm geachtet wird. Die Pfanne dient nicht nur als Deckel, sondern auch mal als Schneideunterlage oder morgens als Müslischale. Dazu kommt seit ein paar Jahren eine Titantasse von SnowPeak, die den Thermosbecher abgelöst hat. Ein Taschenmesser und ein Löffel (manchmal auch noch eine Gabel, je nachdem, was ich für Futter geplant habe) gehören neben einer Thermoskanne auch noch mit dazu. Nur, wenn es zum Klettern für mehrere Tage auf einen Zeltplatz geht, dann kommen mehr Küchenuntensilien wie auch mein Edelstahlteller (mit dem man im übrigen auch gut Frisbee spielen kann), Espressomaker und Gewürze ins Gepäck. Im Winter beim Boofen darf Opas Grillspieß nicht fehlen.

Maren (3 Wochen in Schweden, davon 5 Tage wandern im Fjäll mit Familie): Vier große Müslinäpfe, zwei Plastebrettchen, 4 Sporks, ein Opinelmesser plus zwei Taschemmesser, 1 Aladdin-Thermosbecher, 1 Edelstahltrinkbecher, zwei Berghaferl als Trinkbecher für die Kids. Auf Tour haben wir abends Nahrung aus der Tüte und Müsli früh aus den Schalen gegessen.

Anne und Manu (gerade zurück von einer zweieinhalbwöchigen Trekkingtour durch Wales):  Anne war mit Edelstahlschüssel von Tatonka und einem Plastebecher aus den Achtziger Jahren unterwges, während Manu seine Titantasse von SnowPeak und sein Delta Bowl von Sea to Summit dabei hatte. Gekocht wurde mit einem 1,8-Liter-Titantopf und Benzinkocher. Sporks und ein Taschenmesser von Victorinox gehören bei beiden auch mit zur Outdoorküche. Manuels absolutes Must have (überlebensnotwendig): der faltbare GSI-Kaffeefilter für frischen, aromatischen Kaffee am Morgen. Auf der nächsten Tour wird wohl ein Wasserkessel mit dazukommen, damit der Kaffee am nächsten Tag nicht nach den Gewürzen vom Abendessen schmeckt. Dieses bestand meist aus gut zu transportierenden Sättigungselementen (Couscous, Schnellkochreis, Kartoffelpüreepulver), Fertigsaucen, ein paar Gewürzen und vorher selbst gedörrtem Gemüse wie Paprika, Zuccini, Röstzwiebeln, Mais, Bohnen, Möhren… Dies nimmt kaum Platz weg, wiegt wenig und wertet jedes Gericht enorm auf!

Rando (gerade zurück von einer mehrtägigen Solotour in der Hohen Tatra): “Ich habe mir keine Platte gemacht und habe, weil er nicht so schwer ist, einfach meinen Pinnacle Dualist mitgenommen. Da ist doch alles drin, was ich brauche. Ich hatte allerdings nur jeweils eine Schüssel und einen Trinkbecher dabei und da mir zum Wasserkochen eine kleine 97g Kartusche gereicht hat, war im Set auch noch viel Platz.”

Hugo (mit Zelt und Auto für 3 Wochen durch Frankreich, jeweils mehrere Tage an einem Ort gezeltet): jeweils 4 große Teller, kleine Teller, Schüsseln (alles aus geschmacksneutralem Kunststoff), Farben beliebig, für jeden einmal Besteck. Es wurde gemeinsam gekocht und von den Tellern oder Schüsseln gegessen.

Alex und Wikki (4 Wochen mit dem eigenen umgebauten Bus durch Europa): Vierer Set von GSI mit Tasse, Teller und Schüssel (vor allem die Schüsseln sind gut beim Essen für die Kinder), dazu Sporks für die Kids und Besteck für die Eltern. Die Tassen sind ineinander stapelbar, das spart Platz. Gekocht wurde gemeinsam auf einem Zweiflammkocher.

Ander (Zelten in Familie mit Auto): “Mein absoluter Favorit ist das Bugaboo Base Camper Set Medium au Tour – zwei große Töpfe und eine ordentliche Pfanne. Wir kochen auf einem Zweiflammenkocher. Da ist das Set einfach für eine Familie perfekt. Gegessen wird aus unseren Scandic Müslitöpfen (Wildo), die sind bei uns farblich sortiert, was ein großer Fehler war, denn es gibt immer mal wieder Streit um die Farben. Die Großen essen mit einem Polycarbonatbesteck, unsere Kids haben ziemlich fancymäßige Kindersporks. Getrunken wird aus den Delta Mugs, die stehen gut und stabil. Sie lassen sich zwar nicht so gut stapeln, aber es lässt sich aus ihnen – dank dickerem Rand – hervorragend trinken. Dazu kommen noch ein Espressomaker und ein abgesägter Holzlöffel zum Rühren. Letzterer passt ganz genau in ein Pack-it Sac Größe XS von Eagle Creek, der bei uns als Bestecktasche fungiert. Nicht mehr missen möchte ich mein Light-my-Fire Messer mit  Feuerstahl (Swedish Fireknife) im Schaft – perfekt für Küchenarbeiten und im Regen bekomme ich mit dem Feuerstahl problemlos den Kocher zum Laufen. Unsere Outdoorküche kommt für den Transport in eine Alubox von Allit. Bin ich allein unterwegs, dann nutze ich genauso Müslischale, Becher, Besteck und mein Messer mit Feuerstahl. Nur Brettchen und Espressomaker bleiben dann zu Hause.”

Diese Liste ließe sich weiter fortsetzen – ich habe ja noch nicht einmal die Hälfte der tapire befragt. Sie ist nur ein Ausschnitt, quasi eine Momentaufnahme von dem, was tapire auf ihren Touren so alles mit sich führen. Betrachtet man es genauer, dann geht es bei uns von einer Reduzierung aufs Wesentliche inklusive bewusstem Verlassen der Komfortzone auf der einen Seite bis hin zu der Aussage: “Klar, etwas Komfort auf Reisen gehört dazu. Erst recht, aber nicht nur, wenn man zudem auch noch mit seinen Kids unterwegs ist.” Und genauso bunt, genauso vielfältig wie die tapir-eigenen Küchenutensilien sind, genauso bunt und vielfältig geht es bei uns in der Outdoor-Küchenecke zu. Die Qual der Wahl haben alle, die als Outdoorneulinge oder Wiedereinsteiger auf der Suche nach dem richtigen Geschirr sind. Deshalb:


Worauf sollte man bei der Grundausstattung für eine Outdoorküche achten, was könnte ein echtes Must-have neben einem funktionierenden Kocher sein?

Neueinsteiger greifen heutzutage gern zu einem Komplettset, die es in den unterschiedlichsten Ausführungen gibt – sowohl, was den Inhalt angeht, als auch das Material und die Möglichkeiten, alles so platzsparend wie möglich zu verstauen. Wenn man vor den Sets steht, sollte man zumindest schon einmal eine Vorstellung davon haben, ob Teller und Tasse oder Teller, Schüssel und Tasse von Nöten sind und wie es mit dem Besteckbedarf aussieht.

Natürlich lässt sich das Ganze auch einzeln zusammenstellen. Da kann man dann bei der Auswahl richtig loslegen: Teller, Schalen und Schüsseln mit unterschiedlichsten Durchmessern und Tiefen. Heißt: Man sollte sich dabei auch im Vorfeld darüber im Klaren sein, was man in welcher Menge auf Tour essen will. Zuviel Platz sollte die Outdoorküche ja auch nicht wegnehmen, wenn sie im Rucksack, in den Fahrradpacktaschen oder den Kanusäcken verstaut werden muss. Schön ist es platztechnisch gesehen, wenn Schüsseln, Teller und Tassen stapelbar sind. Die Boxen, in denen manches Geschirrset angeboten wird, bleiben, wenn man nicht gerade mit dem Auto oder Bus unterwegs ist, oft daheim, da sie schwer sind und oft auch zu viel Platz wegnehmen. Einige Teller, Schüsseln und auch Tassen haben Henkel oder kleine Schlaufen. Ich muss es an dieser Stelle erwähnen, auch wenn ich überhaupt kein Fan davon bin und meine Finger das Folgende gar nicht tippen wollen: Damit können besagte Schüsseln und Tassen auch außen gut am Rucksack befestigt werden und wenn sie aus Kunststoff bestehen, klimpern sie auch nicht so sehr…

Unterwegs will man so wenig wie möglich aufwaschen. Das machen die meisten unter uns schließlich auch schon zu Hause nicht so gern. Heißt: Bei der Geschirrauswahl sollte man auch darauf achten, dass die Oberflächen leicht und unkompliziert wieder zu reinigen sind. Deshalb kommen heute bevorzugt Kunststoff oder Edelstahl zum Einsatz, also Materialien, an denen Essensreste nicht so schnell kleben bleiben beziehungsweise sich wieder schnell lösen können und die nicht so anfällig gegenüber Bakterien sind. Teflon-Beschichtungen verhindern auch ein festes Anbacken von Essen; beim Säubern muss man allerdings mehr darauf achten, dass die Oberfläche nicht so sehr zerkratzt wird. Das geht vor allem in die Richtung derjenigen unter uns, die gern auch mit Sand, als0 ohne Spülmittel Geschirr reinigen, um es dann mit klarem, fließenden Wasser abzuspülen. Zu Hause nach der Tour kann das Geschirr dann auch noch gründlich gereinigt werden, bevor es im Schrank oder in der Box verschwindet – das dann auch gern im Geschirrspüler, wenn es die Materialzusammenstellung erlaubt.

Natürlich sollten die Schüsseln und Teller auch geschmacksneutral und BPA-frei sein. Zum einen sollten weder Aluminium noch Kunststoffreste ihren Weg ins Essen finden. Das erklärt sich aus Gesundheitsgesichtspunkten von selbst. Auf der anderen Seite möchte man beim Essen nicht noch an den Geschmack der Speisen vom vergangenen Tag erinnert werden. Deshalb würden wir Materialien bevorzugen, die, wie schon gesagt, leicht zu reinigen sind und eben auch die Gerüche und den Geschmack des Essens nicht annehmen.


Lange Rede – kurzer Sinn: Auch beim Geschirr auf Tour gilt, dass eine gute Planung das Leben unterwegs leichter und bei Bedarf auch komfortabler machen kann. Man sollte sich genau überlegen, was es auf Tour braucht und wie das Ganze transportiert werden kann. Dann schmeckt es nicht nur, dann werden die Lebensgeister wieder geweckt und es kann frisch gestärkt nach der Mittagspause oder am nächsten Morgen weitergehen.

P.S.: Ander hat mich im Gespräch auch noch auf sein persönliches Tour-Highlight aufmerksam gemacht: Im Helinox-Stuhl sitzen und auf dem Tupike-Kocher von Primus lecker kochen. Ein Fest! Der Chair One hat genau die richtige Höhe. Doch das ist eine andere Geschichte, die wir demnächst hier im Testbericht zum Tupike-Kocher nachlesen werden können.

 

 

 

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