Testbericht: Kokyu Full Zip Hoodie mit Polartec Alpha

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planet tapir Simone | 11. Januar 2017

Fahradfahren mit Gepäck ist bestimmt genauso schweißtreibend wie auf einen Berg zu steigen. Deshalb war es für mich ziemlich spannend, den Kokyu Full Zip Hoodie von The North Face, einen Hybrid mit einem Materialmix aus Polartec® Alpha®  und Polartec® Power Grid™ auf unserer Herbstradtour mit den tapiren zu testen. Die Frösche hatten wechselhaftes Wetter vorausgesagt mit leichtem Nieselregen, Wind und Sonne – also einen perfekten Herbstmix. Zudem wusste ich im Vorfeld schon, dass ich wohl ganz schön in die Pedalen würde treten müssen, wenn es aus dem Saaletal hochgeht. Perfekte Testvoraussetzungen für eine Kapuzenjacke, deren Name nicht nur auf das japanische Wort für “atmen” (kokyu) verweist, sondern die aufgrund ihrer speziellen Polartec® Technologie neben einem perfekt abgestimmten Klimakomfort auch eine herausragende Wärmeisolationsleistung für die erwarteten Wetterverhältnisse versprach.

Vom Material her war mir Polartec® Alpha® nicht neu. Ich hatte viel darüber gelesen, mir auf den Messen verschiedene Modelle angesehen. Ursprünglich hat der Kunstfaserspezialist Polartec das Isolationsmaterial Polartec® Alpha® für die Spezialeinheiten der US Army entwickelt. Der Vorteil ist einerseits in der Wärmeleistung der neuen Faser zu suchen, die so stabil ist, dass sie ohne eine weitere Schutzschicht auskommt. Das wiederum wirkt sich positiv auf das Trageklima vor allem bei schweißtreibenden Aktivitäten aus. Bei seiner Einführung im Herbst 2013 wurde das Material im Outdoorbereich hochgelobt für seine hervorragende Atmungsaktivität, für sehr gute Isolationseigenschaften und für einen optimalen Feuchtigkeitstransport nach außen. Hinzu kommen weiterhin die typischen Eigenschaften einer Kunstfaser: Das Material soll auch im nassen Zustand wärmen und deutlich schneller als Daune sowie andere Kunstfasern wie Primaloft oder Coreloft trocknen.

Soweit zur Theorie. Kommen wir zu ein paar Hardfacts der Testjacke:

Der Kokyu Full Zip Hoodie von The North Face ist eine Kapuzenjacke mit durchgehendem, hinterlegtem Frontreißverschluss. Ich bin ein Freund von Zwei-Wege-Reißverschlüssen in technischen Jacken, dieses Modell kommt jedoch ohne einen solchen aus. Bei dem Schnitt und der Jackenlänge stellt das aber auch kein Problem dar. Mit ihrem Gewicht von 370 g (Größe L) gehört sie zu den leichteren Isolationsjacken.

Im Rumpfbereich, der vor schnellem Auskühlen geschützt werden soll, kommt Polartec® Alpha® (100 % Polyester; 80 g/m²) zum Einsatz. Das Außenmaterial besteht aus einem glatten Material (Nylon) und hält den Wind am Rumpf weitestgehend draußen. Das Material ist mit einer speziellen DWR-Imprägnierung beschichtet, sodass die Oberfläche dauerhaft schmutz- und wasserabweisend bleiben sollte. Polartec® Power Grid™ findet sich an Schultern, in der Kapuze sowie an den Seiten und sorgt dort für ein ausgeglichenes Temperaturmanagement. Arm- und Jackenabschluss sind aus einer elastischen Polyester-Elastan-Mischung gefertigt. Auf der Innenseite wird der Schweiß dank der Waffelstruktur und dem offenmaschiger Strick des Materials schnell nach außen abgeleitet. Perfekt und gut durchdacht. Dazu kommen noch zwei Reißverschlusstaschen, in denen Kleinigkeiten verlustsicher verstaut werden können.

Und last but not least: Der Kokyu Full Zip Hoodie ist ein echter Eyecatcher und mit seinem Farbverlauf ein echter Blickfang unter unseren Isolationsjacken.


Ein paar Anmerkungen zu Passform und Schnitt

Die Kapuzenjacke Kokyu Full Zip ist körpernah, aber nicht zu schmal geschnitten. Man hat darin gute Bewegungsfreiheit. Bei North Face trage ich gewöhnlich die L und hatte in der Kapuzenjacke auch im Oberarm- und Schulterbereich genügend Platz (das ist bei manchen Schnittformen ab und zu mein K.-o.-Kriterium für die Größewahl). Der Schnitt ist leicht tailliert, überzeugt durch seine feminine Schnittführung, ohne den sportlichen Charakter der Kapuzenjacke zu verbergen. Er gefällt mir sehr gut, weil er trotzdem nicht einengend wirkt. Die Ärmel sind recht lang, das habe ich beim Radfahren ohne Handschuhe zu schätzen gelernt. Die Kapuze liegt eng an und lässt sich bequem unter einen Helm ziehen. Hätte The North Face dem Rückenbereich der Jacke noch 3 – 5 cm mehr spendiert, also einen leicht überschnittenen Abschluss designt, wäre das dann das i-Tüpfelchen in Bezug auf Schnitt und Passform gewesen.


Die Jacke im Praxistest: Erwartungen und Realität

Gabriel und Ander, die beide schon im Besitz einer Isolationsjacke mit Polartec® Alpha® sind, haben mir im Vorfeld einiges vorgeschwärmt. So erwartete ich vom Material Polartec® Alpha® ein ausgeglichenes Trageklima: Schweiß sollte schnell nach außen transportiert werden und die erste Lage (Craft-Langarmshirt und, als es etwas kälter wurde, zusätzlich noch ein Merino-Stretch-PO von Ortovox) sollte nicht nass auf der Haut kleben. Bibbern sollte gar nicht erst auftreten, auch wenn ich in kurzen Pausen nicht erst eine zusätzliche wärmende Schicht aus den Radtaschen ziehen muss. Bei Nieselregen wollte ich die Hardshell noch im Gepäck lassen, um zu erleben, inwieweit der Hoody auch unter Nässe meinen Körper vor dem Auskühlen schützt.

Was soll ich sagen? – Die Jacke hat (fast) alle meine Erwartungen erfüllt. Schweißausbrüche hatte ich keine, die erste Lage unter dem Kokyu Fullzip Hoodie wies auch nach dem Anstieg aus dem Saaletal heraus keine feuchtkalten Stellen auf. In den kurzen Pausen brauchte es keine zusätzliche Wärmeschicht, nur bei einer längeren Rast zog ich mein Atom LT Hoodie aus der Radtasche heraus und mir über. Die Kapuze sitzt und lässt einen guten Rundumblick zu.

Dass die Jacke nicht zu 100 % meine Erwartungen erfüllte, lag dann doch am leichten Nieselregen gepaart mit einer starken Brise Gegenwind. In der Folge entstand ein gewisses Fröstelgefühl, das nicht weichen wollte. Schneller fahren ging in dem Moment bei mir auch nicht mehr. In der nassen Jacke wollte keine Wärme aufkommen, auch nachdem die Wolken weitergezogen waren, sodass ich dann doch auf die Hardshell zurückgriff, in der mir dann schnell wieder etwas wärmer wurde. Positiv war, dass die Jacke sehr schnell trocknete und mir schnell wieder treue Dienste leistete.


Ich nutzte die Jacke in den Tagen nach der Testtour noch beim täglichen Radfahren und beim Inlineskating. Vor allem bei Letzterem überzeugte sie mich komplett. Das Gefühl zu überhitzen stellte sich nie ein. Mein persönliches Fazit zum verarbeiteten Materialmix aus Polartec® Alpha® und Polartec® Power Grid™ in der Jacke von The North Face ist, dass sie bei Temperaturen über 0 °C bei Wind (kein Sturm) und ohne Regen perfekt ist für alles, was mit ausdauernden Bewegungen zu tun hat (Wandern, Radfahren, Inlinern, Skiroller fahren …). Bei Temperaturen im Minusbereich muss der Baselayer angepasst werden, wenn der Kokyu Full Zip Hoodie als Außenjacke getragen werden soll. Wird es noch kälter oder regnet es zu stark, dann muss halt ein Hardshell oder in den Pausen dann doch eine zusätzliche Isolationsschicht zum Einsatz kommen. Für mich bietet sich der Kokyu Full Zip Hoodie als Ersatz für dicke Powerstretchjacken oder dickere Softshelljacken an.

  Zusammenfassung
+ Hybridjacke in einem ebenso funktionellen wie optisch spannendem Design
+ kleines Packmaß, geringes Gewicht
+ körpernah geschnitten, außerordentlich gute Bewegungsfreiheit
+ guter Tragekomfort (Klima)
+ gute Wärmeisolation
+ lässt sich auch gut unter einer Hardshell als Second Layer tragen
+/- könnte im Rückenbereich für mich 3 – 5 cm länger sein (persönliches Empfinden)
- kam bei Temperaturen unter 5 °C in nassem Zustand als oberste Schicht an seine Grenzen, in den Pausen musste etwas übergezogen werden

 

 

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