MSR WindBurner Kochsystem – Solokocher für (fast) alle Gelegenheiten im Test

Das MSR WindBurner Kochsystem 1.0L besticht auf den ersten Blick durch ein fantastisch kompaktes Packmaß. Das Tourgewicht von 440 g ohne Kartusche ist passabel. Ohne Zweifel kann man das Gewicht mit Titantöpfen und einem minimalistischen Kocher unterbieten – jedoch wird man in so einer Ultralight-Konfiguration nicht die Brennstoffeffizienz, den blitzartigen Setup-Komfort und den Geschwindigkeitsvorteil des WindBurner-Systems erreichen.

Der MSR WindBurner hat mich auf einer 3-tägigen Radtour im Herbst begleitet, auf der klar war: gekocht wird Tütennahrung und es kommt darauf an, Gepäck zu reduzieren! Brenner, Kartuschenfuß, der Lappen (der lästiges Klappern verhindert) und eine 100-g-Kartusche finden Platz im 1-Liter-Topf des Systems, das so zu einem sehr handlichen Paket wird. Der kleine Trinkbecher passt über den Wärmetauscher am Boden des Topfes und schützt diesen vor Verschmutzung. Das ist schon einmal perfekt ausgeklügelt.

Was unterscheidet aber den WindBurner von anderen Kochsystemen? Der Brenner des Kochers ist ein Strahlungsbrenner, der ohne eine herkömmliche Flamme auskommt, sondern die Hitze auf eine große Oberfläche in einem Metallgeflecht verteilt, so dass eine gleichmäßige Wärmeabstrahlung auf den Topf erfolgt. Schon diese Konstruktion macht den Brenner deutlich weniger windanfällig als herkömmliche Gaskocher mit einer offenen Flamme. Zudem ist der Brenner rundum mit einem Windschutz versehen. Gänzlich von den Unwägbarkeiten der Witterungsbedingungen abgeschirmt wird das System mit dem Aufsetzen des Topfes. Dieser wird durch eine leichte Drehung fest mit dem Brenner verbunden, so dass Wind dem System nun nichts mehr anhaben kann und man auch schnell den Standort ändern kann. Gleichzeitig wird durch Windschutz und den im Topf integrierten Wärmetauscher auch fast vollständig die abgestrahlte Wärme des Brenners zum Erhitzen des Wassers genutzt. Ein halber Liter Wasser kochte auf Tour bei etwa 7 °C Außentemperatur in 2:34 min. Das ist zwar kein Top-Wert, jedoch immer noch sehr schnell und am Ende kommt es eher auf Effizienz als auf Geschwindigkeit an. Ähnlich wie beim größeren Bruder, dem MSR Reactor, ist auch der Windburner mit einem Druckregler ausgestattet, der den Kartuschendruck optimal ausnutzt. So bekommt man erstens Kartuschen fast komplett geleert und zweitens funktioniert der Kocher bei Kälte und in großer Höhe deutlich besser als Gaskocher ohne Druckregler.  Die 100-g-Kartusche hat problemlos für 3 Tage gereicht und hatte noch Inhalt für ein paar Tage mehr. MSR gibt für eine 220-g-Kartusche als Vergleichswert eine Brenndauer von 95 Minuten an, was den WindBurner neben dem Reactor zum effizientesten Gaskocher von MSR macht.


Für wen ist der MSR WindBurner das richtige Kochsystem?

Der WindBurner ist der perfekte Kocher für Touren, bei denen der Fokus auf Brennstoffeffizienz, kompaktem Packmaß und einfacher Handhabung liegt. Das können, wie in meinem Fall, Radtouren sein, ebenso aber auch Trekking- und Paddeltouren. Seine Stärken spielt der WindBurner aber genauso bei alpinen Abenteuern aus. Wenn Zeit und Platz Mangelware sind und der Wind das Zelt beutelt, dann ist ein geschlossenes Kochsystem, das auch bei Sturm zuverlässig funktioniert, sehr viel wert. Doch auch auf allen anderen Touren wie z. B. Wochenendtrips zum Klettern etc. ist der WindBurner ideal. Binnen weniger Minuten hat man einen Kaffee gekocht oder eine Tütenmahlzeit zubereitet. So war ich auf unserer Radtour in den Pausen der einzige mit einem frischen Kaffee, denn mit einem Griff hat man das Kochsystem aus dem Gepäck gefischt und nach 4 Minuten kochendes Wasser zur Hand. Das macht einfach Spaß, auch wenn die Bedingungen nicht hochalpin sind. Praktisch ist auch der ummantelte Topf mit Haltegriff, den man gleich als Ess- oder Trinkgefäß nutzen kann. Ein wenig schwierig wird nur die Reinigung, wenn ein Kochexperiment wegen morgendlicher Triefigkeit fehlgeschlagen ist … . Man muss einfach wissen, dass in einem so kleinen Topf Gourmetküche unmöglich ist. Selbst beim morgendlichen Porridge musste ich trotz der sehr guten Regulierbarkeit des Kochers ganz schön aufpassen, dass nichts anbrennt oder überkocht (das habe ich erfolgreich geschafft – es ist nicht ganz einfach, den Schmodder aus Isolation und Wärmetauscher zu bekommen – die Reste verglimmen dann bei der nächsten Mahlzeit). So ist der WindBurner eben perfekt zur Zubereitung schneller Fertiggerichte und Getränke, die meist auf leichten Solotouren dabei sind.


Fazit

Der MSR WindBurner ist ein ideales Kochsystem für eine Person für die schnelle Zubereitung von Getränken und einfachen Mahlzeiten bzw. Tütennahrung auf Touren, bei denen Packmaß und Gewicht so gering wie möglich gehalten werden sollen. Der Kocher punktet mit geringem Gewicht, einem sehr  angenehmen Packmaß (auch im Tagesrucksack findet er ohne Probleme Platz) und einem grandiosen Handling. Selten habe ich so schnell zwischendurch Kaffee oder eine Tütenmahlzeit zubereitet. Egal, unter welchen Witterungsbedingungen man sich bewegt, ist der WindBurner  durch die geschlossene Konstruktion und den Druckregler ein sehr zuverlässiger und vor allem effizienter Kocher für Solotouren in der Höhe, an der Küste oder am exponierten Felsvorsprung im alpinen Gelände.

 

 

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