Testbericht: Percolator Glacier Stainless & die Frage: Wie gelingt der perfekte Morgenkaffee auf Tour?

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planet tapir tapir aktuell | 30. Januar 2017

Und los geht’s! Endlich mal wieder ordentlich Wind vor der Fassade spüren, Freiheit durch die Nüstern saugen, den kanalisierten und zubetonierten Zivilisationsdschungel hinter sich lassen … Im Oktober stand die tapir-Testtour an und ich wäre am liebsten direkt losgedemmelt! Noch kurz Zelt, Schlafsack und Regenjacke eingepackt und fertig war der Lack. Doch halt! Vor lauter Euphorie hätte ich um ein Haar vergessen, der wichtigsten Ursache für frühmorgendliche Frustration auf Tour entgegen zu wirken: koffeinmangelinduziertem Verdruss!

Klar, es geht schon auch mal ohne Kaffee … NICHT!

Also was machen? Kaffee mitnehmen, klar, aber dann wie weiter? Mit welcher Prozedur erzeuge ich wohlschmeckenden Bohnensaft, ohne dass ich dafür meine French-Press-Glaskanne mitnehmen muss?

Ich könnte den Sud in der Tasse ziehen lassen und warten, bis sich das Kaffeepulver absenkt; eine Zubereitungsweise, die im Volksmund auch liebevoll als „türkisch“ bezeichnet wird (dabei haben die alten Osmanen damals volle Kanne auf Tee umgestellt …). Dies ist zwar ungemein praktisch, kommt mir aber mitunter etwas „russisch“ vor, womit nun offiziell mein Kontingent an ideologisch zweifelhaften Stereotypen ausgereizt ist. Ich könnte mich zudem diverser Kaffeefilter bedienen, die im gut sortierten Outdoorhandel käuflich zu erwerben sind . Die sind aber immer nur für eine Person praktikabel und ich bin von Grund auf großzügig und spendabel. Da also alle was davon haben sollten, entschied ich mich für ein ganz und gar traditionelles Gerät: den Perkolator.


Bei diesem Wunderwerk der prähistorischen Technik handelt es sich um eine aus schwülstigen Wild-West-Klischees synthetisierte Kaffeemaschine, die hinsichtlich Zuverlässigkeit und Unkompliziertheit vergeblich ihresgleichen sucht. Rein äußerlich entspricht der Perkolator so ziemlich dem, was landläufig unter einer Edelstahl-Kanne verstanden wird.

Entscheidendes Detail ist eine spezielle Konstruktion im Inneren der Kanne. Dabei handelt es sich um einen flachen Trichter, der am Boden der Kanne aufliegt. An diesem Trichter ist eine dünne Röhre angebracht, an deren oberen Ende der Siebeinsatz aufgesteckt wird, der dank dieser Trichterstativfuß-Konstruktion direkt unter dem Deckel platziert wird. Die Röhre selbst endet ebenfalls direkt unter dem Deckel. Sie fungiert nun gewissermaßen als eine Art Steigrohr: Wenn die Kanne auf den Kocher oder – für die Peitschenträger unter uns – ins Feuer gestellt wird und das Wasser zu kochen beginnt, so brodelt es am Boden unter dem Trichter. Es steigt durch die Röhre hoch bis zum Deckel. Dort blubbert und kondensiert es in eine in den Deckel eingesetzte, kleine Kunststoffglocke, um von dort aus in das mit gemahlenem Kaffee beladene Sieb zu tropfen und durch das Kaffeepulver wieder nach unten zu ziehen. Dort startet der Vorgang erneut. Je länger diese Zirkulation läuft, desto mehr Kaffeearoma diffundiert ins Wasser, sprich: desto stärker wird der Kaffee. Nach einiger Zeit sieht man in der durchsichtigen Kunststoffglocke, dass sich das hochblubbernde Wasser langsam bräunlich färbt. Je nach präferierter Farbintensität kann der Vorgang dann beendet werden. Unfassbar einfach, unfassbar genial – aber auch unfassbar lecker?

Klare Antwort: definitiv JA! Aber sowas von!


Wir haben den Percolator Glacier Stainless von GSI auf Herz und Nieren getestet und das destillierte Resultat geschmacklich für voll und ganz exquisit befunden. Der so produzierte Kaffee schmeckt wirklich ganz ausgezeichnet! Ich würde ihn sogar als ein kulinarisches Upgrade zum Ergebnis meiner geliebten French-Press-Herstellung bezeichnen. Neben dem schmackhaften Resultat überzeugt auch die einfache und leicht zu wartende Konstruktion: keine impertinenten Kleinteile oder technische Mysterien, sondern einfache Physik und solide Materialien. Gerade bei größeren Gruppen empfiehlt sich der GSI Percolator besonders.

Es sei noch erwähnt, dass die Zubereitung ein wenig länger dauert, da das Wasser erst zum Sieden gebracht, dann aber noch einige Zeit am Kochen gehalten werden muss. Jedoch erfordert dies keinerlei persönliche Initiative, es funktioniert von ganz allein. Sicher ist diese unverwüstliche Kanne auch nichts für Leichtgewichts-Trekker, aber wer sich an hochwertigen, robusten Produkten UND intensivem Kaffeegenuss erfreuen kann, der findet in dem GSI Percolator eine langlebige und zuverlässige Kaffeemaschine für unterwegs. Ich jedenfalls habe für kommende Touren einen festen Platz dafür in meinem Rucksack reserviert!

 

 

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