Neues Verschlusssystem für Karabiner: Skylotec Pinch Lock

Wie in allen Bereichen unseres von Technik durchdrungenen Lebens werden auch im Bergsport immer neue Systeme entwickelt, um Fehlerquellen auszuschließen und die Bedienung des Equipments komfortabler und sicherer zu gestalten. Die deutsche Firma Skylotec hat in Zusammenarbeit mit der MICADO CAD-Solutions GmbH und Riskprotect GmbH ein sicheres und leicht bedienbares Verschlusssystem für Karabiner entwickelt, das den klassischen Schraubkarabiner bei einer Vielzahl von Anwendungen ablösen kann. Das System verriegelt den Schnapper automatisch und ist mit nur einem Handgriff zu öffnen, was einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen Verschlussmechanismen bietet. Wir haben jetzt den HMS-Karabiner passO-PL mit dem Pinch Lock-Verschluss als ersten Karabiner mit diesem System  in Händen und nehmen ihn genauer unter die Lupe.

Das Pinch Lock System funktioniert nach einem recht simplen Prinzip: in den Schnapper sind 2 Metallplättchen integriert, die in der Nase des Karabiners einrasten. Durch seitlichen Druck auf die Plättchen wird die Arretierung gelöst und der Schnapper freigegeben. Der Verschluss entriegelt nur, wenn wirklich beide Plättchen gedrückt werden, so das ein versehentliches Öffnen durch Anliegen am Fels oder ungünstigen Seilverlauf nahezu ausgeschlossen wird. Aber auch hier gilt: jedes System, auch ein noch so sicherer Schrauber oder Tri-Lock Verschluss, kann unter ganz bestimmten seltenen Umständen entriegelt werden. Gleiches trifft natürlich auch für den Pinch Lock Verschluss zu.

Daher ist der Einsatz des Karabiners nur da angeraten, wo er der visuellen Kontrolle des Nutzers unterliegt. Perfekt geeignet ist er für die Selbstsicherungsschlinge, da ich mit einem Handgriff entriegeln kann und der Verschluss automatisch greift. Auch im Standplatzbau, beim Abseilen oder beim Einbinden am Gletscher (natürlich mit 2 gegenläufigen Karabinern) spielt der Karabiner passO-PL seine Stärken aus. Er ist laut Hersteller ebenfalls zum Sichern mit HMS und allen gängigen Sicherungsgeräten geeignet. Hier wird es spannend, ob sich das System gegen die althergebrachten Verschlussmechanismen von Karabinern durchsetzten kann, denn durch die Einfachheit des Mechanismus wird ihm auch viel Skepsis entgegen gebracht.

Der große Vorteil gegenüber Schraubkarabinern ist die Ausschaltung des Risikos eines unverschlossenen Karabiners durch die Automatikverriegelung. Und in Hinblick auf die einfache Bedienung, besonders in Paniksituationen, punktet der passO-PL gegenüber anderen Verschlusssystemen wie Tri-Lock, Twist-Lock oder Ball-Lock.

Alles in allem ist dieses Verschlusssystem sehr überzeugend in der Handhabung und bietet für die genannten Einsatzgebiete eine sehr gute Alternative zu herkömmlichen Verschlusskarabinern. Die Konstruktion wirkt grundsolide, robust und lässt keine Gefahr eines frühzeitigen Verschleißes irgendwelcher Teile erkennen. Wir sind gespannt, wie das System in der Szene angenommen wird und wie es sich bei Langzeitverwendung bewährt.

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3 Kommentare

  1. avatar
    1
    simone | 2. Mai 2011, 13:03

    Skylotec bereichert ja die Kletter-Hardware Szene immer wieder mit kleinen innovativen Detaillösungen.
    Als noch spannender hätte ich es gefunden, wenn sie bei der Entwicklung noch etwas konsequenter gewesen wären: beim Arbeiten mit z.B. ATC, Smart oder anderen Geräten wird ja empfohlen, einen Karabiner zu verwenden, der sich beim Sichern nicht verdrehen kann, so das keine Querbelastungen entstehen.
    Aber vielleicht tüfteln die Macher bei Syklotec auch an einer geeigneten Lösung…:-)

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    Martinson | 10. November 2011, 10:36

    Hi hi,
    Nun wie ich sehe seid ihr Neuheiten auf dem Markt der Klettersicherungstechniken offen und tretet dem interessiert gegenüber. Die Frage, die sich mir stellt ist, ob bei den ganzen Anwendungsgebieten, die ihr da vorschlagt, ihr auch selbst das Equipment ausprobiert habt, oder euch lediglich auf die “objektiven” Angaben des Herstellers verlasst. Denn als Selbstsicherung ist der Passo-PL nämlich nicht ohne weiteres zu wenden. Entscheidend hierbei ist vor allem der Knoten, den man dabei verwendet, so sind selbst Sicherheitsbeauftragte des DAVs, mit deren Ansichten ich selbst auch nicht immer konform bin, der Ansicht, dass beispielsweise ein Ankerstich zur unfreiwilligen Öffnung des Karabiners führen kann.
    Ohne hier klugscheißern zu wollen, aber so ein Allroundtalent, der möglicherweise die “Zukunft” der Sicherheitsverschlüsse sein könnte ist das ganze nicht.
    Differenzierte und gut recherchierte Tests sind gold wert und können Leben retten.

    bye bye

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    simone | 10. November 2011, 13:40

    Hallo Martinson,
    wir bekommen, im Gegensatz zum Beispiel zur Outdoor, die Produkte nicht vor der Markteinführung zum Testen. Und wir haben ihn, als er bei uns im tapir ankam, getestet und sein Handling ausprobiert. Das war zunächst okay.
    Dann haben wir aber beide Karabiner mit dem Pinch Lock System zu Skylotec zurückgeschickt, da auch wir feststellen mussten, das unter Umständen sich der Schnapper öffnet und das Seil sich zu einfach ausklinken kann. Ein Anruf bei Skylotec brachte damals auch keine neuen Erkenntnisse, ausser zunächst die Nachfrage, warum wir im Osten immer so kritisch wären…
    Wir haben leider versäumt, das update für diesen Blogbeitrag zu schreiben – so etwas sollten wir in Zukunft nicht aus den Augen verlieren.
    Deshalb: Danke für Deine Aktualisierung der Thematik.
    viele Grüße aus dem tapir

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