Gipfelsperrungen (zeitweilig) im Elbsandstein

Klettern im Elbsandstein macht eigentlich das ganze Jahr über Spaß. Aber v.a. jetzt im Frühjahr, wenn die Sonne nicht nur den Fels, sondern auch den Sichernden erwärmt, wenn es beim Vorsteiger mal wieder länger dauert, zieht es wieder viele von uns raus an den sächsischen Sandstein. Damit wir dies auch in Zukunft weiter dürfen, müssen von allen, also Kletterern und Wanderern, Regeln eingehalten werden, wozu auch einige Gipfelsperrungen gehören.

Mehr als 1.100 Gipfel mit mehr als 18.300 Kletterwegen warten darauf, bestiegen zu werden. Gleichzeitig steht das Gros der Felsen (mehr als 750) im Nationalpark. Um nicht nur ein relativ reibungsloses Nebeneinander, sondern ein Miteinander von Natur und Mensch auch für die Zukunft aufrechthalten zu können, sind Regeln wohl unumgänglich. Sie sollen dabei v.a. der Sensibilisierung für die empfindlichen Felslandschaften an der Elbe dienen. Das es dabei immer wieder zu Reibungspunkten bis hin zu lautstarken Diskussionen zwischen v.a. Kletterern und Vertretern des Nationalparks (und Förstern) kommt, liegt in den unterschiedlichen Interessen einer Nutzung und der langjährigen Klettertradition im Elbsandstein begründet.

In den Felslandschaften entlang der Elbe können Tier- und Pflanzenfreunde, wenn sie Glück haben, selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten beobachten. Offene Felsbildungen, wie wir sie in der Sächsischen Schweiz vorfinden, sind im Vergleich zu anderen Lebensräumen ein eher seltenes Landschaftselement. Beispielswiese hat das ausgeprägte Felsrelief mit seinen engen Schluchten und steilen Felsgipfeln eine interessante Vegetationsaufteilung zur Folge: in den engen, kühl feuchten Schluchten wachsen Baumarten wie Tannen und Fichten, die sonst eher in den höheren Lagen vorkommen. Auf den frei stehenden Felsköpfen wachsen eher Birken, Kiefern und Heidekraut- also Planzen, die sonst eher in den tieferen Lagen zu finden sind. Verkehrte Welt sozusagen. Und zu Beginn der 90 Jahre wurden beispielsweise Wanderfalken in der Sächsisischen Schweiz erfolgreich ausgewildert. Seit dem auch Kletterer die Naturschützer bei der Horstüberwachung mit unterstützen, gab es deutlich weniger Überschreitungen und die Population gilt heute als stabil.

Nach ein paar Jahren der Ruhe nach dem Mauerfall sind wieder viele Kletterer und Wanderer v.a. in Rathen und um die Schramm- und Affensteine herum unterwegs, während man im hinteren Zschand durchaus auch im Sommer ganz allein an einem Gipfel unterwegs sein kann. Diese Konzentration auf einzelne Gebieten und bevorzugte Gipfel ist (leider) auch an Trittschäden, Bodenerrosion im Zugangsbereich und Schäden am Fels auch optisch nachzuvollziehen. Darüberhinaus können durch eine stärkere Frequentierung von Felsbereichen die dort brütenden Vogelarten gestört werden und es laut Naturschutzbund zur Aufgabe der Brutplätze kommen kann.

Jedes Jahr gibt der Sächsische Bergsteigerbund deshalb eine Liste mit Sperrungen für einzelne Gipfel im Elbsandsteingebirge heraus. Auch auf den Seiten des Nationalparks Sächsische Schweiz gibt es eine Liste mir zweitweilig gesperrten Gipfeln. Die Diskrepanzen zwischen den Aufstellungen mögen daraus entstehen, das die Listen je nach Brutverhalten immer wieder aktualisiert werden. Die Sperrungen werden in zeitweilige (aktuelle) und ständige Sperrungen unterschieden. 2011 betrifft es mehr als 60 Felstürme, unter denen die dauerhaft gesperrte Barberine wohl der bekannteste Gipfel sein dürfte. 21 Gipfel sind seit Anfang April wieder besteigbar, während weitere 26 Gipfel noch bis in den Sommer hinein gesperrt bleiben. Zum Teil gelten die Sperrungen – zumeist aus Artenschutzgründen – auch für die unter den Felsen liegenden Boofen und die Zugangswege.

Da aus anderen Klettergebieten immer wieder von zum Teil erheblichen Konflikten zwischen Klettersport und Naturschutz zu hören ist, und es dort auch in Folge zu Gebietssperrungen und gravierenden Einschränkungen gekommen ist, wünschen wir uns für das Elbsandsteingebirge, das dieses fragile Zusammenleben von Nationalpark und Kletterern auch weiterhin Bestand hat – auch wenn man dafür z.T. sich mit den unangenehmen Folgen der Reglementierungen auseinandersetzen muss.

 

 

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