Hält Eco, was es verspricht? – Das PYUA Breakout-Y Jacket im Allwettertest auf dem Rysy

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planet tapir Rabanus | 9. Juni 2017

Die diesjährige Testtour in der Hohen Tatra war die perfekte Gelegenheit um alpine Ausrüstung zu testen. PYUA hat uns sein überarbeitetes Breakout-Y Jacket mit auf den Rysy gegeben, wo sich die Jacke widrigsten Witterungsbedingungen tapfer entgegenstellte und durch Wetterfestigkeit und Tragekomfort überzeugte.

TESTBEDINGUNGEN IN DER HOHEN TATRA
Sonne. Schnee. Nasser Nebel. Schnee. Starker Wind. Sonne. Regen. Regen. Regen.

SCHNITT UND PASSFORM
Die Größe L des Breakout-Y Jacket (nachgewogen 614 g) passte bei mir sehr gut und bot ausreichend Platz um eine Isolationsschicht drunterzuziehen – was bei den Witterungsbedingungen in der Hohen Tatra absolut essenziell war. Die Jacke ist hinten etwas länger geschnitten, was ich ebenfalls als sehr angenehm empfand. Ich kam mir in keiner Weise eingeengt vor, was für mich immer ein großes Komfortplus bedeutet. Das Breakout-Y ist an der Taille und an den Ärmeln mit einem Gummizug gerafft – hier hätte ich mir, zusmindest für die Taille, eine manuelle Einstellungsmöglichkeit gewünscht. Der Gummizug hat zwar gut funktioniert, hier und da hätte ich die Jacke an der Taillie aber gerne noch etwas enger gezogen. Und wenn nur aus optischen Gründen. Ich habe einfach gern selbst die Kontrolle über meinen Klimakomfort und lasse die Technik ungern alles allein machen. Auf Tour ließ sich das Breakout-Y sehr angenehm tragen; wenn ich es nicht brauchte, fand die Regenjacke im Deckelfach meines Shield 45 Platz.


ECORRECT OUTERWEAR
Die Kieler Outdoor-Spezialisten von PYUA haben sich Nachhaltigkeit und sozio-ökologische Verantwortung groß auf ihre Fahnen geschrieben. Nach dem ECOrrect Prinzip von PYUA wird die Jacke komplett in Europa gefertigt, was unter anderem auch die Transportwege verkürzt und ein gewisses Maß an fairen Arbeitsbedingungen sicherstellt. Das verarbeitete CLIMALOOP-Laminat ist zu 100 % aus recyceltem, PTFE-freiem Polyester gefertigt (45.000 mm Wassersäule, 35.000 g/m2/24h Dampfdurchlass). Die Imprägnierung des Breakout-Y ist fluocarbonfrei. PYUA bietet außerdem ein bisher einzigartiges Closed-Loop-Recycling-System an, bei dem alte Jacken abgegeben und wieder neu verwertet werden können. All das machte mir das Breakout-Y Jacket natürlich schon im Vorfeld sympatisch, bevor ich die Jacke überhaupt testen konnte.

DAS BREAKOUT-Y JACKET AM BERG
Jeder, der den Blog-Artikel zur diesjährigen Testtour gelesen hat, weiß, dass wir in der Hohen Tatra auf guten Wetterschutz angewiesen waren. Ich war superglücklich, das Breakout-Y dabei zu haben: Es hat mich weder in Schneewehen, noch bei eisigem Wind, noch bei stundenlangem Laufen durch den Dauerregen im Stich gelassen. Kurzum: Immer wenn ich das Breakout an hatte, war ich trocken!
Wie oben schon angesprochen, fühlte ich mich unter der Jacke stets wohl und sicher vor Sturm und Wetter. Und als es dann hieß: “Helme auf!”, passte mein Black Diamond Vapor Helm inklusive Mütze bedingungslos unter die helmtaugliche Kapuze. Selbige ließ sich schnell, effektiv und unkompliziert einstellen. Der stabile Schirm ließ mich nie im Stich, auch nicht bei starkem Seitenwind. Er war zudem lang genug, um mir als Brillenträger genügend Schutz zu bieten. Ganz besonders dankbar war ich zwischendurch über ein winziges Detail: Der hoch schließende und nach innen leicht angefleecte Kragen war oben am kalten Berg ein Traum. Wenn mir kalt wurde, habe ich den Kragen ganz hochgezogen und mich durch meinen eigenen Atem selbst gewärmt, der die Wärme reflektierte. Den Frontreißverschluss hat PUYA etwas angewinkelt verarbeitet, wodurch der Reißverschluss nicht am Kinn gerieben hat – maximaler Komfort an dieser Stelle. Positiv hervorheben möchte ich insbesondere die verbauten Reißverschlüsse. Ich bin – insbesondere bei Regenjacken – ausgesprochen skeptisch, was Reißverschlüsse betifft. Egal, wie gut die Jacke ist – hat sie schwergängige Reißverschlüsse, fällt sie für mich sofort durch. Bei PYUA sind solche Bedenken nicht nötig. Die wasserdichten und an der Front hinterlegten YKK-Reißverschlüsse waren eine wahre Freude zu benutzen. Sie sind hochwertig verarbeitet, lassen sich leicht öffnen, entwickeln kein Eigenleben und sehen zudem optisch gut aus.
Da wir am Berg auch mit Gurt und Klettersteigset unterwegs waren, war ich um eine alpine Jacke mit hoch angesetzten Taschen sehr dankbar. So konnte ich meinen Trailmix in einer, Handschuhe und BeFree Wasserflasche in der anderen verstauen. Dank eingenähter Balgfalte sind die beiden Fronttaschen des Breakout-Y Jackets variabel in ihrer Größe – es passt einfach viel rein. Gefällt mir.
Am letzten Tag beim Abstieg regnete es stundenlang und das Breakout-Y kam wieder zum Einsatz. Die Temperaturen waren zugleich recht hoch, eine perfekte Gelegenheit, die Unterarmreißverschlüsse zu testen. Diese sind in der vergleichsweise dicken Hardshell auch durchaus nötig. PYUA hat dem Breakout wunderbar lange Unterarm-Reißverschlüsse spendiert, wodurch man die komplette Kontrolle über das eigene Mikroklima hat. Perfekt für Starkregen, insbesondere bei schwülen Witterungsbedingungen. Auf unserer Testtour hatte ich einen mit ca. 16 kg bepackten Rucksack auf und selbst bei schlechten Wetterbedingungen ist an den Schultern keinerlei Feuchtigkeit durchgekommen. Die Jacke ist demnach komplett rucksacktauglich, der Tragekomfort wird weiter durch kleine innere  Microfleece-Einsätze verbessert, wodurch Druck von den Schulterriemen abgefangen wird.

Einziger wirklicher Kritikpunkt zum Thema Wetterschutz ist die verwendete Imprägnierung. Diese ist fluorkarbonfrei und somit natürlich möglichst ökologisch hergestellt (schön). Leider imprägniert sie aber nicht wirklich, sprich: Feuchtigkeit wird vom Außenstoff der Jacke aufgenommen. Wie gesagt, es kommt nichts durch und die Jacke ist dicht – aber psychologisch ist es nicht Jedermanns Sache, wenn man sieht, wie die Regenjacke Feuchtigkeit aufnimmt. Am Ende ist dies jedoch der Preis, den man für eine fluorcarbonfreie Imprägnierung bereit sein muss zu zahlen. Trotz dieses kleinen Wermuttropfens fühlte ich mich mit dem Pyua auf unserer Drei-Tage-Bergtour optimal geschützt und einfach wohl. Taschen und Reißverschlüsse taten genau, was sie sollten, und die Jacke erwies sich als optimales Ausrüstungsteil für unser Vorhaben.


FAZIT
Das Breakout-Y Jacket von PYUA ist eine funktionelle, robust verarbeitete Regenjacke, die allen Witterungsbedingungen am Berg trotzt; ein ökologisches Wetter-Bollwerk. Imprägnierung und der fehlende Taillenzug sind kleine Wermutstropfen – alles in allem ist dies dennoch ein hervorragendes Teil und PYUA hat sich seinen Platz in unserem Sortiment redlich verdient. Nachts um 3 kamen wir mit dem Bus aus der Hohen Tatra in Leipzig an. Es war kühl und ich zog die Breakout-Y noch ein letztes Mal über, packte mein Handy in die Innentasche mit Audio Exit und brauste zum Sound von David Bowies Rock ‘N’ Roll Suicide nach Hause. Es kam kein Wind durch. Ein gutes Gefühl.

Pro/ Kontra:
+ top Wetterschutz
+ Ecorrect Outerwear, hergestellt in Europa

+ Ecowear: CLIMALOOP Material, Rücknahmesystem, fluorkarbonfreie Imprägnierung
+ leichtgängige YKK-Reißverschlüsse
+ sehr lange Unterarmreißverschlüsse
+ helmtaugliche Kapuze mit stabilem Schild

+ rucksacktauglich
+ Kragen leicht angefleect und mit hohem Abschluss (toll bei kaltem Wetter!)
+ zwei große Fronttaschen
+ Innentasche mit Audio Exit

- Imprägnierung nicht überzeugend (Jacke trotzdem dicht)
- kein Taillenzug oder manuell justierbare Armbändchen

Weiterschmökern:


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