Borreliose-Schnelltest für Zecken

Zecken gehören wohl zu den am wenigsten geliebten Tieren auf unserem Planeten, da sie Träger gefährlicher Infektionskrankheiten wie Borreliose und Meningitis sind, nahezu überall auf der Nordhalbkugel vorkommen und leicht zu übersehen sind. Die niederländische Firma Care Plus hat jetzt einen Schnelltest zum Nachweis von Erregern der Lyme-Borreliose in Zecken auf den Markt gebracht, da die Lyme-Boreliose die am häufigsten von Zecken übertragene Krankheit ist. Damit lässt sich nach einem Zeckenstich schnell überprüfen, ob die fragliche Zecke Träger der Borreliose Erreger ist.

 

Wir haben den Test am Beispiel einer Zecke aus dem Elbsandsteingebirge durchgeführt, die einen unserer Mitarbeiter befallen hatte – vorab: er hatte Glück, die getestete Zecke war „gesund“, konnte also keine Borreliose übertragen. Kurz zum Einstieg noch einmal die wichtigsten Fakten zur Borreliose, für tiefergehende Recherchen empfehle ich die Seiten des Robert-Koch-Institutes zum Thema Borreliose.

Die Lyme-Borreliose gilt als eine Multisystemerkrankung, die Haut, Nervensystem, Gelenke und Herz betreffen kann und in drei verschiedenen Stadien verläuft, die vom grippeähnlichen Zuständen hin zu Arthrosen, Lähmungen und Nervenausfällen führen kann, die jedoch mit Antibiotika behandelbar sind. Erreger der Lyme-Borreliose sind Bakterien des Komplexes Borrelia burgdorferi sensu lato, wobei vier von diesen für den Menschen gefährlich sind: Borrelia burgdorferi sensu stricto, Borrelia garinii und Borrelia afzelii und die erst vor kurzem entdeckte B. Spielmanii. Der Care Plus Test weist die drei erstgenannten und häufigsten Stämme nach. Träger des Erregers sind Vögel, Nagetiere und andere Säuger und die Übertragung der Bakterien auf den Menschen erfolgt über den Stich von Zecken. Das heimtückische an einer Borreliose-Erkrankung sind der relativ schwere Nachweis und die nicht einschätzbare Inkubationszeit der verschieden Stadien der Erkrankung, die bis hin zu mehreren Jahren dauern kann. Daher kann unter Umständen das Wissen um eine potentielle Übertragung für spätere Erkrankungen von Nutzen sein.

Der Teststreifen erinnert stark an einen Schwangerschaftstest, nur die Vorbereitung ist etwas anders und deutlich inquisitorischer. Die entfernte Zecke wird in die Plastikampulle verbracht, mit 4-5 Tropfen der mitgelieferten Pufferlösung betropft und anschließend solange mit dem Holzstäbchen zerstampft, bis die Flüssigkeit sich verfärbt, das heißt Körperflüssigkeit der Zecke ausgetreten ist. Das Röhrchen wird dann verschlossen und gut geschüttelt. Ist die entfernte Zecke schon relativ stark getrocknet, muss sie ca. 20 Minuten in der Lösung eingeweicht werden. Anschließend werden 3-4 Tropfen in die runde Öffnung der Testcassette getropft, die dann über den Teststreifen laufen. In unserem Fall erschien im Bereich „C“ der Testcassette eine rote Linie, was bedeutet: Test korrekt durchgeführt, Ergebnis jedoch negativ, also wir hatten eine „gesunde“ Zecke erwischt. Erscheinen im Bereich „T“ zwei blaue Linien, so bedeutet dies ein positives Ergebnis, also eine Borrelia-Infizierte Zecke. Erscheinen gar keine Linien auf dem Testfeld, ist etwas schiefgegangen und der Test muss wiederholt werden. Leider gibt es keine Ersatz-Teststreifen für die Testcassette, so dass der Tick-Test nur einmal verwendbar ist. Der Care Plus Test weist Antikörper gegen die genannten Borrelia-Bakterien im Sekret der Zecke nach und dient so als direkter Nachweis für das Vorkommen der Bakterien in der Zecke. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass ein positives Ergebnis nicht zwingend die Infektion des Zeckenopfers mit Borreliose bedeutet. Das Risiko einer Infektion steigt mit der Dauer, die die Zecke schon festgesaugt ist und wichtig bei der Entfernung ist die Vermeidung eines unnötigen Ausquetschens der Zecke, damit keine Körperflüssigkeit ausgedrückt wird. Zur Zeckenentfernung eignen sich Zeckenkarten oder Schlingen, die unterhalb des Körpers ansetzen. Bei Pinzetten besteht große Gefahr, Sekret aus der Zecke in den Menschen zu quetschen. Das wichtigste jedoch ist die richtige Vorbeugung, also das Tragen langer Kleidung und die Verwendung von Insektenabwehrmitteln in Risikogebieten, regelmäßiges Absuchen des Körpers und bei Befall eine schnelle, sorgfältige Entfernung der Zecke mit anschließender Wunddesinfektion, so dass der Tick-Test Borreliose hoffentlich nie zum Einsatz kommen muss.

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